Wohnungswahnsinn in Berlin

/3. September 2018/15 Kommentare

Ich habe es nicht rausfinden können, wie viele Wohnungen ich mir tatsächlich angesehen habe. Aber es waren – so viel steht fest –: zu viele.
Es gab Wochen, in denen ich gefühlt nichts anderes gemacht habe, als von einer zur nächsten Besichtigung zu hetzen, Maklern schöne vertrauenswürdige Augen zu machen und schließlich einen Bewerberbogen nach dem anderen auszufüllen und abzuschicken. Das war mühselig und streckenweise wahnsinnig anstrengend und frustrierend. Und nach etlichen Gesprächen und Diskussionen weiß ich, dass das nicht jeder nachvollziehen kann. Ich glaube, man muss selbst auf der Suche nach einer Wohnung in Berlin (oder vergleichbaren Großstädten sein), bis man versteht, was das wirklich bedeutet. Es gibt Ausnahmen – klar, die bestätigen die Regel – aber glaubt mir, wenn ich Euch sage, dass Ihr Euch, wenn Ihr eine Wohnung in der Haupstadt braucht, rechtzeitig auf die Suche begebt. (Morgen werde ich Euch meine Tipps für die Immobiliensuche in einem Beitrag vorstellen.) Heute allerdings soll es darum gehen, was passiert, wenn man die Tipps nicht befolgt oder schlichtweg Pech bei der Suche hat. Okay, anfangs fand ich es noch amüsant, als mehr als 50 Leute vor einem kleinen Mehrfamilienhaus in Friedrichshain versammelten, Gehweg und Straße blockierten und das ganze eher nach einer Party aussah. Nur wer genauer hinschaute, erkannte die ausgefahrenen Ellenbogen und ehrgeizigen Gesichter. Frisch gebügelte Hemden, Hefter in jeder zweiten Hand mit sämtlichen Unterlagen und schnell erkannte man dann, wer das erste Mal und noch hoffnungsvoll dabei ist, anderen nickte man wissend zu – wir sind uns schon bei 5 anderen Besichtigungen begegnet.
Also diese Geschichten sehe ich jetzt einfach mal als gesetzt – verrückt, wie man hier abbrüht. Aber die Berichte kennt ihr persönlich oder aus dem Fernsehen. Das ist eben so und wird sich auch nach dem 473829. Beitrag so nicht ändern.
Aber heute geht es um die eingelegten Kirschen auf der sauren Sahne:  3 Anekdoten zu meinem ganz persönlichen Wohnungswahnsinn hier in Berlin.
Um den wichtigsten Hinweis jetzt schon mal vorwegzugreifen: Nehmt die Sache mit Humor! Und nicht zu sehr. So amüsant ich das hier berichte, ist es nicht. Der Wohnungsmarkt in  Deutschland und besonders in den Großstädten ist ein enormes Problem. Ich verdiene nicht schlecht, bin jung und ambitioniert und habe mehr als 50 solcher Wohnungsbesichtigungen mitmachen müssen. Zur Wohnungspolitik in Deutschland kann ich Euch folgende Beiträge empfehlen: Warum Wohnraum immer teurer wird und eine Erklärung, weshalb die Mietpreisbremse versagt. Dieser Beitrag ist spannend für alle Berliner unter Euch, die davon ausgehen, eventuell trotz Mietpreisbremse zu viel zu zahlen.

Ich kann jedem nur raten: spart an Wohnraum! Ich habe lange überlegt und mir immer wieder selbst die Frage gestellt: „Wie viel Platz brauche ich?“ Ich habe mich letztendlich für eine 1,5-Zimmer Wohnung entschieden, sodass ich meinen Schlafbereich vom Wohn-/Ess- und Arbeitsbereich abtrennen kann (zu diesem Thema wird aber ebenfalls ein Beitrag folgen und hier verlinkt).
Jetzt: sehen wir es noch mal kurz mit Humor! Glaubt mir, das macht vieles einfacher.

1__ Drei Fragezeichen
Ich nenne diese Geschichte „Drei Fragezeichen“, nicht nur weil ich mich selbst wie einer der Kommissare gefühlt habe, sondern auch weil mir das Verhalten dieses Maklers immer wieder große Fragezeichen in die Augen trieb …
„Hey Luise, willst Du die Wohnung am Görlitzer Platz haben? Ich würde Deine Bewerbung ganz oben drauf legen und Dich empfehlen.“ Mit so einer WhatsApp Nachricht habe ich Donnerstagabend, um 23:03 Uhr nicht gerechnet. Ich öffne die App, eine Bulldogge als Profilbild verrät mir nichts über den Absender, aber ich erinnere mich natürlich an die Besichtigung ein paar Stunden eher an diesem Tag. Man hatte mir und 20 anderen Bewerbern am Vormittag eine viel zu kleine, dunkle und überteuerte Wohnung in Berlin Kreuzberg gezeigt. Ich war nicht interessiert. Weder an der Wohnung, noch daran, dass man mir mitten in der Nacht eine private What’s App Nachricht schreibt . Ich sagte dankend ab. Vielleicht war’s ja nett gemeint.

Ungefähr eine Woche später klingelt mein Telefon. Wieder What’s App, wieder die Bulldogge.
„Ja?“
„Luise, – im selben Haus wäre jetzt noch eine ziemlich schicke Dachgeschosswohnung frei. Hatte dir doch kurz davon erzählt.“
Ich erinnere mich. Es ging um eine 50qm große Wohnung mit Balkon, in der eigentlich bis dato noch ein Model gewohnt haben soll, die aber seit 3 Monaten keine Miete überweist und nicht zu erreichen ist.
„Ich stand vor ihrer Tür“, führte er fort, „sie öffnete nicht und die Nachbarn hatten sie seit Wochen nicht gesehen. Wir lassen die Wohnung jetzt vom Schlüsseldienst öffnen und Du könntest sie Dir direkt ansehen, wenn du möchtest. Ich soll die Wohnung so schnell es geht neu vermieten.“ „Okay, ja klingt gut. Ich bin in 50 Minuten dort. Passt das?“
60 Minuten später – die S-Bahn hatte Verspätung – laufen wir das nach Erbrochenem riechende Treppenhaus nach oben. Ohje, Wohnen am Görli. Wir kommen oben an, die Wohnungstür ist angelehnt. Der Makler ist sichtlich angespannt und in Eile – bis: wir die Tür öffnen. Ein beißender Geruch kommt uns entgegen, wir können kaum einen Fuß in die Wohnung setzen. Ein Schuh fällt in den Hausflur. Irgendwas sagt mir, ich sollte mich schnellstmöglich aus dieser Situation entfernen, aber meine Neugierde siegt und wir betreten die Wohnung. Also: Chaos ist nicht der richtige Begriff. Mir schießen die Tränen in die Augen. Überall Dreck und Müll, keine Küche, keine Möbel. Nur eine Matratze, die aussieht, als hätte man sie vom Sperrmüll mitgenommen. Die Balkontür ist offen und als wir das Zimmer betreten, flattert eine Taube hektisch nach draußen. Mir wird schlecht. Der Makler sieht mich an, notiert einige Dinge in seinem Notizheft und googelt einen Räumungsdienst, den er auch direkt anruft. Danach schaut er mich fragend an: „Und? Willst Du die Wohnung?“ Er tut so, als wäre das eine normale Besichtigung. Ich muss schlucken, versuche seriös zu bleiben, dann führt er schon fort: „Also, das sind 1,5 Zimmer – weil die Küche mit im Essbereich zu finden ist. Knapp 50qm. Toller Balkon, riesige Fenster, Waschmaschinenanschluss im Bade. Spüle könnten wir natürlich stellen.Und die Wohnung kostet – er blättert in seinen Notizen – 1350,00€ warm.“

2__ Ich will nur das Beste für Dich, Luise!
Also wem die  schon zu ominös erscheint und gerade hektisch in die Tasten haut, ich solle so etwas doch bitte melden, der sollte hier direkt aufhören zu lesen – denn ja: es wird noch unangenehmer! 

Es war bereits die zweite Wohnung, die ich mir bei dem beinah 2m großen Immobilienmakler ansah.
Die erste Besichtigung war am Abend um 20:00 Uhr. Im November. Es war stockdunkel. Ich hatte meine Freundin und ihren Freund im Schlepptau. Die Wohnung war  die schönste die ich bis dahin gesehen hatte – und ich hatte bereits einige Besichtigungen hinter mir. Aber auch: nichts für mich. Die zweite Wohnung? Lag nur 50m von der meiner besten Freundin entfernt. Sie kam mit. Bei 50 anderen Bewerbern, fällt einer mehr oder weniger auch nicht auf, dachte ich. Wir unterhielten uns nett mit ihm und ich hatte wirklich das Gefühl gute Chancen tu haben. Was vor allem daran lag, dass es sich diesmal glücklicherweise nicht um 50, sondern 5 Mitbewerber handelte.
„Hey Luise, die Wohnung wirst Du leider nicht bekommen. Wieso bringst Du auch eine Freundin mit? Du bist doch eine selbstständige, junge Frau. Lass‘ uns noch einen dritten Versuch wagen, aber dann komm doch bitte auch mal allein vorbei. Würde mich gern mit Dir unterhalten und wünsche mir, dass du dich von deiner besten Seite zeigst.“
Keine Ahnung, ob ich diese Worte falsch verstanden habe, aber ich habe ihn daraufhin blockiert und nie wieder eine Wohnung bei diesem Makler besichtigt.

3__ Wow!, aber nein.
68qm, Balkon, Kernsaniert, Friedrichshain, 650€ warm und nur 10 andere Bewerber. Ein herrlich sonniger Tag, vollständige Unterlagen und der Eigentümer nimmt sich für jeden einzelnen Kandidaten Zeit. Klingt nach einem Traum? Ihr denkt ich spinne? Nein, genau so hat es sich zugetragen. Vor wenigen Wochen. Und das erste Mal seit sehr langer Zeit fühlte ich mich bei einer Besichtigung gut und hoffnungsvoll, motiviert und ziemlich zuversichtlich. Den Vermieter höchstpersönlich kennenlernen und sich dann noch so gut verstehen – Jackpot!
Zwei Tage später erhielt ich eine E-Mail. „Das muss geklappt haben“; denke ich und strahle bereits über beide Ohren.
„Liebe Frau Morgen, vielen Dank für das nette Kennenlernen und ihre glänzenden Unterlagen. Sie können wirklich stolz auf sich sein, mit so jungen Jahren schon so selbstständig zu leben. Sie würden außerdem wunderbar in unser Mietklientel passen. Alle Bedingungen sind also hervorragend erfüllt – leider haben wir uns trotzdem für eine andere Bewerberin entschieden. Ich wollte Ihnen aber mitteilen, dass sie unsere 2. Wahl gewesen wären. Also: bleiben sie dran!
Alles Gute.“

Die Fotos – sind mal ganz was anderes. Nicht wahr?
Eigentlich waren Martin und ich am Mavbachufer unterwegs um die Fotos für diesen Post zu shooten (gefallen mir übrigens auch sehr gut. Was Sagt ihr?). Jedenfalls kamen wir dann eher zufällig an dieser Baustelle vorbei und als ich das knallpinke Dichtungsmaterial (?) entdeckt hatte, wusste ich: hier will ich Fotos machen! In einem schäbigen, verlassenen Hauseingang Berlins schlüpfte ich also in mein nächstes Outfit und (Moralapostel jetzt bitte mal kurz die Ohren zuhalten!) posierte dann kurzerhand mitten auf der Baustelle. Ich wusste sofort, dass diese Fotos genau zu meinen Wohnungssucherfahrungen hier in Berlin passen würden. Knallbunt, verrückt, beinahe trashig und mutig. Vor einem Haus, dessen Wohnungen gerade kernsaniert und daraufhin der Mietpreis verdreifacht wird. Ganz mein Berlin.

Bluse und Schmuck – Broke+Schön
Hose – Loavies 
Schuhe – Forever21

Fotos – Martin Stier

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15 Kommentare

  • Reply Dresden Mutti 10. September 2018 at 18:17

    Krass, krass, krass! Also dass du so viele Wohnungen besichtigen musst/musstest… Ich hatte immer dann Glück, wenn ich als erste die Wohnung besichtigt habe – alle vier mal. Das erste Mal in Bergisch Gladbach in einer WG, dann in Köln, später in Bonn und auch in Dresden war ich einfach die erste. Glück gehört wohl dazu. Am längsten haben wir in Bonn gesucht – da lag unser Limit bei 600 € Warmmiete, weil wir noch studiert haben – und überraschender Weise war die Stadt teurer als gedacht und die „günstigen“ Wohnungen natürlich heiß begehrt. In Dresden hatte ich dann Glück und wir zogen direkt in die erste und einzige Wohnung ein, die ich besichtigt habe.

  • Reply Ina 6. September 2018 at 17:08

    Hallo Luise,
    ich wohne zwar nicht in Berlin, aber in einer größeren (Studenten-)Stadt in Bayern und hier erging es mir bei der Suche nach einem bezahlbaren WG-Zimmer bereits vor gut 4 Jahren ähnlich, meine „Gefühlt“-Rechnung sieht dabei so aus:
    100 Leute angeschrieben, von 50 eine Antwort erhalten, 25 luden zur Besichtigung ein („komm doch heute um 14 Uhr vorbei“ ist nur ein bisschen doof, wenn man 200km entfernt wohnt), an 12 Besichtigungen teilgenommen, von 6 Rückmeldung bekommen, 1 davon positiv.

    Deshalb ist mein ultimativer Tipp für Menschen auf Wohnungs/Zimmersuche mittlerweile: Nimm am anfang irgendwas, was du kriegen kannst und einigermaßen bezahlbar ist, wenn man erst einmal in der Stadt lebt und Kontakte knüpft ergeben sich ganz oft neue Glegenheiten („Wusstest du, dass X mit seiner Freundin zusammenzieht und jetzt einen Nachmieter sucht?“). Durchhaltevermögen ist aber wohl das A und O bei der Wohnungssuche.

    Ganz liebe Grüße, Ina

  • Reply Andrea 5. September 2018 at 17:40

    Deswegen wohne ich etwas abseits und nicht direkt in Fhain 😀 Wundert mich nur immer, warum die Leute mich immer so entsetzt fragen warum ich nicht zentraler lebe. Keine Lust auf diesen Wahnsinn. Die Bilder sind genial!!

    • Kleinstadtcarrie 6. September 2018 at 09:59

      Jaaa, werd ich auch immer gefragt – obwohl ich Hain sogar ziemlich zentral empfinde 😀

  • Reply Pauline 4. September 2018 at 11:12

    Das sind ja wirklich Stories von denen man sich wünschte, sie wären nicht wahr 😀
    Wahnsinn, was man so alles erlebt bei der Wohnungssuche in Berlin
    Meine Freundin wird jetzt vorraussichtlich in Berlin anfangen zu studieren und ist auch auf der Suche nach einer WG… ebenfalls nicht gerade einfach!
    Da werde ich ihr gleich mal diesen Blogpost empfehlen, um sich zu wappnen 😀 Und morgen kommen dann ja auch Tipps – das wird ihr sicher auch weiterhelfen 🙂

    Liebste Grüße
    Pauline <3

    https://mind-wanderer.com/2018/09/02/18055/

    • Kleinstadtcarrie 4. September 2018 at 13:49

      Hey Pauline,

      ohje, ich drück ihr die Daumen! Es gibt so viele coole WGs in Berlin – alles Gute ihr!

      Und die Tipps verschieben sich leider auf morgen, SORRY dafür. Heute wird es im Posting um Chemnitz und die gestrige Veranstaltung gehen.
      Ich hoffe ihr habt noch einen Tag Geduld!

  • Reply Kathi 4. September 2018 at 09:32

    Hahaha das hast du so schön geschrieben!! Es ist zum Lachen und zum Weinen… und oh Gott, das sind ja echt Horrorerfahrungen, die du gemacht hast. Und diese Makler – unfassbar!
    In Hamburg ist die Situation ja ähnlich schlimm! Ich hab glücklicherweise keine Erlebnisse gehabt wie du. Nur einmal waren wir in einer Wohnung und uns wurde erklärt, dass es ja toll wäre, wenn wir die Möbel ablösen. Es waren alte Sachen, Ikea teilweise. Und es hieß: Wer am meisten für die Möbel bietet, den empfehlen wir dem Vermieter. Dass Menschen, die ja selbst mal eine Wohnung gesucht haben, die Wohnungsnot so ausnutzen, hat mich so wütend gemacht!
    Jetzt ziehe ich von Hamburg nach München und freu mich schon drauf, dass der Horror wieder von vorne beginnt… 😛
    Liebe Grüße von einer Gepeinigten,
    Kathi

  • Reply Mister Matthew 4. September 2018 at 09:15

    Hallo Luise,

    Ohje … das hört man aus Berlin ständig. Erst gestern habe ich im TV (eher zufällig) einen Beitrag über den Berliner Wohnungsmarkt gesehen. Das war einfach nur heftig.
    Vor einer Weile war ich bei Freunden in Berlin zu Gast in einer 7 Zimmer Wohnung. Das war auch heftig, aber in die andere Richtung. Wirklich schade, dass es solche krassen sozialen Scheren im Wohnungsmarkt gibt. Ob sich das jemals ändert? Was meinst du?

    PS: du solltest öfters solche Fotos machen/Outfits tragen wie in diesem Post. Das steht dir unfassbar gut!

    Modische Grüße,

    Mister Matthew
    https://www.mister-matthew.de/

    • Kleinstadtcarrie 4. September 2018 at 13:51

      Heyy Matthew,

      7 Zimmer? WOW! War das eine WG oder wer braucht so viele Zimmer?

      Ich hoffe sehr, dass die Politik da wieder eingreift. Denn gerade die Luxuswohnungen und Co. sind eine große Gefahr für bezahlbaren Wohnraum.

      Danke Dir, hab mich auch so wohl gefühlt in dem Look 🙂

    • Mister Matthew 4. September 2018 at 19:49

      Hey Luise,

      nein, das war keine WG 😀 ! Das ist ja das Krasse und irgendwie Schlimme daran. Das war einfach nur unnormal, weil die 7 Zimmer auch dementsprechend groß waren. Die wohnen im gleichen Haus wie die Gründer von Tellonym in Berlin. Das sagt ja auch alles. Ich finde diesen Boom an Luxuswohnungen auch sehr gefährlich!!!
      Das wird, so glaube ich, noch ein böses Ende nehmen. Obwohl wir eigentlich schon mittendrin sind.

      liebe Grüße,

      Mister Matthew

    • Björn 14. September 2018 at 20:31

      Luxuswohnungen sind nicht das Problem. Die lassen sich jederzeit zu jedem Preis vermieten oder verkaufen – frag(t) lieber die Politik, warum man über Jahrzehnte den Bau von Sozialwohnungen verschlafen hat, quer durch alle Parteien.
      Hier in Hamburg geht der Senat mit ausgewählten, privaten Baugesellschaften ins Bett, das endet dann mit Nachverdichtung auf engstem Raum, 60 Neubauwohnungen, von denen aber nur 12 „sozial“ sind, dafür aber so klein, dass nur eine Person hineinpasst (das hat seinen Grund in der finanziellen Förderung).

      Ich bin selbst in der Bauprojektentwicklung unterwegs und garantiere dir, dass Luxuswohnungen keine Gefahr in Großstädten darstellen. Das, was über Jahrzehnte sträflich verschlafen wurde, lässt sich heute nur zu einem hohen Preis nachholen. Aufholen jedoch nur, wenn die privaten Unternehmer (wie ich) entsprechend unterstützt werden. Sozialer Wohnungsbau ist für (kleinere) Projektentwickler so gut wie völlig uninteressant. Das hat nichts mit Gier zu tun, sondern mit unternehmerischem Denken und Handeln.

      Mir persönlich graut übrigens vor einer Politik, die Menschen die Größe ihres Wohnraums vorschreibt. DDR 2.0, das sollte man besser wissen.

      Das Kernproblem liegt in der Politik und solange man dort mit Albernheiten wie der Mietpreisbremse seine Wähler veräppelt, ändert sich gar nichts.

      Gruß
      Björn

  • Reply Vanessa We 3. September 2018 at 17:03

    Ich mag dich echt. Aber sich über den Wohnungsmarkt in einer Großstadt zu beschweren bringt nichts. – Was du auch richtig erkannt hast.
    Stattdessen müssen Abstriche gemacht werden (so wie bei dir). Aber warum hast du dich nicht außerhalb von Kreuzberg umgeschaut? Köpenick zb. hat sehr schöne Ecken, die Anbindung ist gut und die Miete nicht zu teuer. Schade, dass sich Leute immer beschweren, aber auch nicht bereit sind in einem anderen Bezirk zu schauen.
    Trotzdem alles Gute in deiner Wohnung. Ich freue mich, dass du alle Kompromisse verbinden konntest:)

    • Kleinstadtcarrie 4. September 2018 at 10:14

      Liebe Vanessa,

      ich mag solche Unterstellungen nicht – WER sagt, dass ich nur in Kreuzberg gesucht habe? Niemand. Richtig. Mittlerweile wohne ich in Fhain. Aber glaub mir, ich kenne durch die Wohnungssuche ganz Berlin (leider haha) Der Beitrag dient einfach der Unterhaltung 🙂
      Liebe Grüße an Dich!

  • Reply Carolin 3. September 2018 at 16:41

    So ein Gefühls-Chaos hatte ich nach einem Blogpost schon lange nicht mehr. Zwischen abstrus, verheißungsvoll, erschreckend, enttäuschend und vollkommen verrückt bewegen sich die Erfahrungen, die du da gemacht hast und ich als Leser sitze da, etwas verstört, und denke: um Himmelswillen, das darf doch nicht wahr sein!
    Liebe Luise, ich bewundere dich für deine Stärke und deine Geduld…und vor allem für deinen Humor 🙂