Tipps für die Wohnungssuche und Umzug (in Berlin)

/10. September 2018/10 Kommentare

Aufgrund eurer zahlreichen Nachrichten und Anfragen, fühlt es sich bereits so an, als ob ich als die Maklerin unter den Berliner Bloggern gehandelt werde – wobei ihr doch wissen müsstet, dass ich bei meiner Immobiliensuche in der Hauptstadt eher weniger Glück hatte. Aber nach über 50 Besichtigungen und wochenlangem Stöbern auf sämtliche Plattformen und den verrücktesten Erfahrungen und Begebenheiten, kann ich Euch heute doch noch 10 Tipps geben, worauf ihr bei der Wohnungssuche hier in Berlin (und sicherlich auch in anderen Städten) besonders achten solltet.

0__ Bevor es los geht
… geht es eigentlich schon los! Ich kann jedem nur empfehlen, erst Mal nach Berlin zu kommen, bevor man die Wohnungssuche startet. Ja, witzig – ich weiß, aber sucht Euch eine Untermiete, kommt bei Freunden unter oder Hostels, AirBnB, das übliche. Es ist so viel einfacher, wenn ihr direkt vor Ort seid und spontan bei Besichtigungen erscheinen könnt. Fragt mich nicht wieso, aber das wird oft so gehandhabt und dann geht alles super schnell. Einen großen Vorteil habt ihr also, wenn ihr „Klar, komme ich in 45 Minuten vorbei“ schreiben und in die U-Bahn hechten könnt. Dieser Hinweis ist besonders bei der Suche nach einem geeignet WG-Zimmer super wichtig
– falls es jemandem von Euch so gehen sollte wie mir und Du einen Ort brauchst, an dem Du Dein Hab&Gut unterstellen kannst, dann kann ich Euch MyPlace Selfstorage nur ans Herz legen. Ich hatte für 8 Monate ein 6qm großes Abteil in der Filiale auf der Landsberger Allee gemietet und war rundum zufrieden. Die Mitarbeiter sind so freundlich, helfen immer spontan, alles ist sauber und man kann mit Fahrstühlen und Rollwägen ganz entspannt alles verfrachten. Das Ganze gibt es natürlich auch in anderen Städten!

1__ Perfekte Unterlagen
So, jetzt aber – und das könnt und müsst ihr vorbereiten.
Nein, nichts nachreichen. Nein, keine 5 einzelnen Dateien. Nein, kein Makler wartet bis nächste Woche, bis Du endlich Deine Mietschuldenfreiheit erhalten hast. Also hab Deine Unterlagen parat – das heißt: eine Kopie deines Personalausweises, einen Schufa-Nachweis, Mietschuldenfreiheit deiner letzten Wohnung und einen Einkommensnachweis der letzten drei Monate (hier gilt für Selbstständige: am besten ein Schreiben Deines Steuerberaters. Immobilenmenschen haben weder Zeit noch Lust etliche Seiten, Rechnungen oder gar Kontoauszüge durchzuschauen). Falls Du Student oder Berufseinsteiger bist, gib am besten direkt die selben Unterlagen Deines Bürgen ab oder bewerbt Euch gemeinsam als Hauptmieter. 

2__ Welches Portal ist das beste?
Keins und doch wieder alle. Ihr fragt mich super oft, welche Netzwerke ich genutzt habe. Am meisten war ich auf Immobilienscout24 unterwegs. Was aber einfach daran lag, dass ich die Seite und App am übersichtlichsten und einfachsten empfand. In der App könnt ihr die automatische Benachrichtigung aktivieren, – super hilfreich, da besonders ansprechende Angebote zumeist nach wenigen Minuten wieder offline genommen werden (weil so viele Fragen eintrudeln).
Für Selbstständige kann ich Euch außerdem Komm-in-Kiez empfehlen (jeden Donnerstag neue Wohnungen!) und mir wurden außerdem oft Salz&Brot empfohlen. Außerdem werden viele auf EbayKleinanzeigen fündig, schaut Euch da auch unbedingt um. Finde es zwar leider aufgrund der Unübersichtlichkeit total anstrengend, aber es lohnt sich!

3__ FB-Gruppen und Mund-zu-Mund
Beste Plattform um eine Wohnung zu finden? Wenn ihr mich fragt ist das Facebook. Es gibt etliche Gruppen, wie beispielsweise: Wohnung frei in Berlin oder Wohnungen und WG Zimmer Berlin. Hier geht es zwar vorrangig um Untermieten, aber nicht selten kommt es vor, dass auch Nachmieter gesucht werden.
Jeder muss wissen, dass Du auf der Suche bist – und damit meine ich wirklich: jeder! Du kannst dafür ebenso gut die sozialen Medien nutzen, Facebook Postings verfassen oder auf Instagram posten. Schnell verbreitet sich so etwas ja wie ein Lauffeuer. Aber auch im realen Leben solltest Du jeden fragen und darauf aufmerksam machen, dass Du suchst. Auch hier ist es hilfreich, wenn Du ohnehin schon ein Weilchen in Berlin bist. Man unterhält sich, und dann zieht doch vielleicht der Cousin der besten Freundin deiner vorübergehenden Nachbarin aus und sucht einen Nachmieter. 

4__ Verschiedene Kieze ausprobieren
Jeder Stadtteil in Berlin hat seinen Charme – und mal ganz ehrlich? Wir können nicht wissen, wo hier nächste Woche der Bär steppt (wie meine Mutter immer so schön sagt). Was also der nächste Szenebezirk sein wird. Durch meine verschiedenen Untermieten habe ich Friedrichshain, Kreuzberg und Mitte kennenlernen können. Aber Berlin ist riesig.Und ich halte es tatsächlich für wichtiger gut angebunden zu wohnen, als im schicksten oder hippesten Kiez (nach Mitte würden mich beispielsweise keine 10 Pferde mehr kriegen).

5__ Massenbesichtigung: Zeitverschwendung oder einzige Rettung?
Also: ich war auf ziemlich vielen Massenbesichtigungen. Am Anfang konnte ich meinen Augen kaum glauben, am Ende: Routine.
Für mich: war es definitiv nicht der richtige Weg, das weiß ich heute. Aber irgendwie – naja, hat’s ja auch Spaß gemacht.
Jedenfalls für mich, die auf der Suche nach einer Single-Wohnung gewesen ist, 23 Jahre jung war und selbstständig und unbedingt ohne Bürgen einziehen wollte. Schnapsidee! Es gibt bei 100 Bewerbern immer einen, der sicherer ist für den Eigentümer.
Also Besichtigungstermine, die öffentlich bei Immoscout und Co. bekanntgegeben werden, könnt ihr gekonnt ignorieren – es sei denn, ihr seid erprobte Glückspilze – denn  ist es tatsächlich reines Glücksspiel.

6__ werde kreativ
Zeitungsannoncen – ja, die gibt es noch!
Ruf bei den Wohnungsbaugesellschaften an – hier auch wirklich langfristig denken. Gerade bei Neubauprojekten, kann man sich teilweise schon vor dem Bau anmelden und reservieren.
Leute konkret ansprechen, wenn man sie ausziehen sieht oder einfach mal in Häusern nachfragen, ob jemand was weiß, dass jemand ausziehen möchte.
Auch bei Deiner Bewerbung kannst Du kreativ werden – viele Maklerbüros sind interessiert an einem Anschreiben, in dem Du Dich kurz vorstellst und schreibst, wieso Du nach Berlin kommen willst.
Also – werde kreativ! In jeder Hinsicht.

7__ Anforderungen herunterschrauben…
Denn: zu Hause ist, was Du draus machst.
Eine Wohnung ist Arbeit.
Und ein Zuhause ist ein Prozess.
Also lasst Euch von alten Tapeten und zerschrammtem Parkettboden nicht abschrecken, sondern lieber inspirieren!

8__  … aber nicht Dein Budget hoch!
Das ist wirklich so wichtig.
Ich war zwischenzeitlich wirklich so verzweifelt, dass ich bereit gewesen wäre, fast das doppelte meines ursprünglich angedachten Budgets auszugeben. Aber ganz ehrlich? Dann warte ich lieber, suche noch intensiver und verbleibe in der Untermiete. Es gibt wirklich Wohnungen mit unverschämten Mietpreisen – und ich: hab da keine Lust drauf..

9__ Sich in Geduld üben
Das ist wirklich das A&O  und dem ist nichts hinzuzufügen.
Nicht verzagen, irgendwann klappt es. Klar, man hört immer wieder von Geschichten (bei mir im unmittelbaren Freudes- und Bekanntenkreis), dass die Wohnungssuche innerhalb einer Woche gegessen war, – und ganz ehrlich: das motiviert nicht wirklich, wenn man selbst schon seit Wochen sucht und gefühlt alles in Bewegung gesetzt hat. Also: ihr seid nicht allein und nein, es liegt nicht an Dir, denn…

10__ man muss Glück haben!
Manchmal muss man wirklich nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Und wenn man dann endlich etwas gefunden hat?
Gibt es immer noch so einiges zu berücksichtigen …
1__ Mietverträge in Berlin haben gern mal 20 Seiten. Nimm! Dir! Zeit! und lies alles in Ruhe durch. Frag nach, wenn Dir etwas unklar erscheinen sollte.
2__Informier Dich, ob die Mietpreisbremse in Deinem Fall eingehalten wurde.
3__Leih Dir Umzugskartons aus. Die sind zumeist aus Plastik – sind somit nachhaltiger (weil immer wieder verwendbar), meistens günstiger und vor allem stabiler.
4__Falls Dir der organisatorische Aufwand zu groß sein sollte, einfach niemand Zeit hat Dir zu helfen oder Du zu viele Dinge besitzt, dann buche Dir ganz einfach über Ebay-Kleinanzeigen Umzugshelfer. Günstiger als ein Umzugsunternehmen und deutlich entspannter für Dich.
5__Sei weiterhin geduldig. Überstürze nichts mit der Einrichtung. Ein zu Hause kann man nicht in einer Woche fertigstellen.
6__Ausmisten! Nur weil man beim Packen der Kisten meist schon einiges aussortiert hat, sollte man sich darum beim Auspacken nicht automatisch drücken.
7__Aber nicht zu viel wegschmeißen! Ich habe meine aussortierten Dinge zumeist in einem Karton mit der Aufschrift „Zu verschenken“ auf die Straße gestellt. Nach wenigen Minuten war der immer leer geräumt – irgendwer freut sich über den vermeintlich alten Krempel.
8__Bei den neuen Nachbarn klingeln und vorstellen, meistens entwickeln sich daraus tolle Bekanntschaften und wenn man mal was braucht, kann man entspannt vorbei schauen.
9__ Meistens will man die neue Wohnung ganz toll und ebenso neu einrichten. Ich empfehle Euch trotzdem, nicht nur der Nachhaltigkeit wegen, einiges genau so einzurichten wie vorher. Man fühlt sich viel schneller zu Hause und angekommen. Wohlfühlfaktor ist garantiert.
10__Besonders am Anfang finde ich es super wichtig immer wieder Freunde und Bekannte ins neue Zuhause einzuladen.

Diese Fotos sind schon vor einer Weile entstanden – mittlerweile ist meine Wohnung um einiges sortierter, aber noch immer nicht fertig eingerichtet. Fast drei Monate schon wohne ich jetzt hier, fühle mich von Tag zu Tag wohler und komme hoffentlich irgendwann an …
Wann bist Du das letzte  Mal umgezogen und was sind Deine Tipps? Was hat Dir geholfen aufzubrechen/ eine Wohnung zu finden/ und dann wieder anzukommen?

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10 Kommentare

  • Reply Jenny 24. Oktober 2018 at 17:29

    Danke für die ganzen Tipps! Ich hoffe du hast dich mittlerweile gut in deiner neuen Wohnung eingelebt. Mein Umzug nach München steht erst bevor. Ich habe auch ziemlich lange nach einer geeigneten Wohnung gesucht. Fündig bin ich direkt bei einem Bauträger (click) geworden. Ich kann dir nur zustimmen, man braucht viel Geduld, um eine passende Wohnung zu finden.
    Alles Liebe,
    Jenny

  • Reply Kathrin 17. September 2018 at 23:27

    Liebe Luise,

    es ist dir lieber gut angebunden zu wohnen als im „Schicksten oder hippsten Kiez“… sagst du, als eine, die in Friedrichshain wohnt… ? 🤣 Musste grad sehr schmunzeln bei der Aussage, denn GERADE Fr-Hain oder X-berg sind doch unglaublich beliebt und „hipp“… 🤣 das ist sicherlich nicht an dir vorbeigegangen oder?

    Und nur weil du Fr-Hain gut „kennst“, heißt es nicht gleich dass es der beste Bezirk ist oder? (Laut Insta Story.) Ich mochte es auch dort in Fr-Hain zu leben, aber bin auch nun sehr zufrieden dort, wo ich jetzt bin. Zudem: Du sagst doch selbst man sollte erstmal mehrere Bezirke erleben… Und dann selbst sehen. Was ist also mit den Zig anderen lebenswerten schönen Ecken in Berlin? Vllt solltest du dir selbst noch ein bisschen Zeit nehmen um Berlin kennen zu lernen 😉 Mitte ist zB auch nicht gleich Mitte, eigtl.
    Zu Mitte gehört zB u.a. Tiergarten, Moabit, Wedding. Und nicht alles da ist „hipp“ und schick 😉

    Viele meiner Freunde einschl. mir leben hier schon einige Jahre, doch lernen immer wieder neue Seiten von Berlin kennen. Es braucht Zeit, wenn nicht sogar ein Leben lang. Berlin ist so vielseitig und das macht die Stadt aus!

    Die Tipps zur Wohnungssuche kann ich jedoch unterstreichen! 😉

    Alles Gute weiterhin in der Hauptstadt!

    • Kleinstadtcarrie 18. September 2018 at 12:10

      Liebe Kathrin,

      ich habe acht Monate in der Untermiete gewohnt – mehr „muss“ (und ich muss gar nichts) ich nicht und will ich nicht 🙂

  • Reply Maria 13. September 2018 at 18:39

    Umzugskartons aus Plastik? Davon habe ich noch nie gehört? Oder war das die Autokorrektur?

    • Kleinstadtcarrie 13. September 2018 at 21:16

      Ne ne, 🙂

    • Alexa 15. September 2018 at 19:39

      Dazu muss ich aber kurz loswerden, dass man auch Pappumzugskartons eigentlich sehr oft wiederverwendet kann 😉 ich bin schon zweimal mit den Kartons meiner Eltern umgezogen und die haben damit auch schon vor inzwischen mehr als zwanzig Jahren zwei und teilweise drei Umzüge hinter sich gebracht. Und stabil sind die bei gutem Packen auch, könnte mir vorstellen, dass man bei Plastik eher dazu neigt, zu schwer zu packen? Aber ich sehe ein, dass man beim Leihen aus Plastik statt von Freunden oder Familie keine Unterstelltmöglichkeit aka Kellerabtiel für die Kartons nach dem vollbrachten Umzug braucht.

  • Reply Náomi 13. September 2018 at 10:56

    Vielen Dank fuer die Tipps.
    Die Wohnungssuche kann einen manchmal echt verrueckt machen, gerade in den grossen Städten. Vielleicht geht es ja ab jetzt etwas schneller und einfacher. 😉
    Herzlichen Glueckwunsch zum neuen Zu Hause.

    Liebe Gruesse xoxo
    Deine Náomi von http://www.ladyoneworld.blogspot.com

  • Reply Miri 12. September 2018 at 12:24

    Hey Luise,
    Ich zieh am 1.10. nach langer Suche auch endlich in meine erste eigene Wohnung in Hamburg 🙂 Außerdem bin ich ganz angetan davon, wie schick du dir ein Reich nach und nach gestaltest 🙂 Meinst du, irgendwo würdest du nochmal eine Auflistung mit deinen bisherigen Errungenschaften unterkriegen?
    Alles Liebe <3

    • Kleinstadtcarrie 13. September 2018 at 15:05

      Das mach ich gerne im nächsten Monatsrückblick 🙂

  • Reply Kathi 11. September 2018 at 10:07

    Das sind super hilfreiche Tipps, die ich bei meiner momentanen Wohnungssuche in München sicher auch total gut umsetzen kann! Vielen Dank dafür und noch mal herzlichen Glückwunsch zum neuen Zuhause 🙂
    Liebe Grüße,
    Kathi