Wie Du Dein Leben umkrempelst – aber wirklich

/24. August 2018/10 Kommentare

Ich habe mich stets vor Veränderungen gefürchtet.
Behauptete ich jedenfalls.
Dachte ich.
Aber wenn ich mir das rückblickend so ansehe, dann verlief mein bisheriges Leben eigentlich in den seltensten Fällen geradlinig. So ist das. So ist der Lauf des Lebens. Nichts ist beständig. Die Weltkugel dreht sich. Schlängellinien.
Klar.
Also die Zeit vergeht unaufhaltsam und so sehr wir uns auch vor Veränderungen sträuben, sie rollen stets unaufhaltsam auf uns zu.
Aber wie wäre es denn, dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen und Veränderungen selbst anzutreiben, auszulösen. Endlich die Flügel zu schwingen? Denn das kann ja bekanntlich Erdbeben auslösen –

1 Was gefällt Dir nicht
Wir streben Veränderungen an, wenn wir unglücklich sind – das ist gut und richtig. Aber wieso eigentlich erst soweit kommen lassen? Wieso erst traurig werden müssen, bevor man sich selbst etwas Gutes tut? Wieso  erst frei nehmen, wenn man schon die Grippe hat?
Man kann sich und das eigene Leben, den Alltag – stets optimieren. Neues ausprobieren. Denn nur, weil es gerade so schön ist, heißt das ja nicht, dass es nicht noch besser werden kann. Also beschäftige Dich ganz bewusst damit, was Du verändern möchtest. Das muss ja nicht immer eine 180° Wende sein, auch hier kommt es auf die kleinen Dinge im Leben an, die Großes bewirken können. Eine Veränderung kann also auch ein neues Hobby sein oder eben ein Studienwechsel, eine neue Haarfarbe oder sich ab jetzt vegetarisch zu ernähren.

2 Freiheit als solche erkennen und nicht einschüchtern lassen
„Ich wär’ so gern so frei wie Du, Luise“, – das ist es, was ich in den letzten Wochen oft gehört habe. Jahren eigentlich. Durch meinen Job, die Selbständigkeit habe ich scheinbar mehr Freiheiten und Möglichkeiten als andere. Der Wecker klingelt zumeist dann, wann ich es möchte, ich entscheide vermeintlich was es am Tag zu erledigen gilt. 
… Aber ganz ehrlich? Wir alle hier haben unzählige Möglichkeiten. Wir alle haben – in unterschiedlichen Bereichen wohl – unsere Freiheiten. Es gilt diese aber eben auch zu nutzen, auszukosten und sich nicht panisch an irgendwas festzuhalten, was Grenzen manifestiert. Und dazu neigen wir. Der Mensch braucht Konstanten und das ist okay. Freiheiten können unglaublich beängstigend wirken. Aber genießen wir die  doch in vollen Zügen, statt panisch vor ihnen wegzurennen. Du bist Single? Großartig! Tu, worauf Du Lust hast! Du hast Dein Studium erfolgreich absolviert? Perfekt! Genieß die Vielfalt an Möglichkeiten! Dir wurde die Wohnung gekündigt? Yes! Endlich ein neuer Bezirk und neu einrichten! Und Du hast stets die Möglichkeit etwas zu verändern, Dich von etwas frei zu machen.

3 Änderungen überlegen, aber nicht totdenken
Wir alle haben doch dieses berühmt, berüchtigte Bauchgefühl – und ganz oft sagt uns das ganz genau, was wir wollen, wohin es gehen soll oder welchen Weg man einschlagen sollte. So einen zaghaften Wunsch, den die Vernunft allzuoft beiseite schiebt. Aber ganz ehrlich? Do it! Du hast eine Idee, einen Traum? Dann machs!
Ich tendiere selbst gern dazu, letzten Endes doch noch einen Rückzieher zu machen, weil ich alle möglichen Risiken immer wieder und dann eben ein mal zu oft durchgehe und dabei gar nicht bemerke, dass mir die Zeit davon läuft. Und schließlich der Mut. Aber soweit darf man es eben nicht jedes Mal kommen lassen! Manchmal muss man ganz bewusst naiv an eine Sache ran gehen, positiv bleiben und dann schließlich auch das Gute anziehen. Klar sollten einige Dinge, gerade wenn man sich für radikale Veränderungen entscheidet, gut überlegt, vorberietet und bedacht sein – aber man muss schleunigst damit aufhören Ausreden für die eigene Feigheit zu finden.

4 Einleiten, sodass es kein zurück gibt
Was dabei hilft? Gern auch mal aus dem Affekt heraus handeln und dann im Nachhinein mögliche Hürden meistern und Probleme bewältigen. Meine Wohnung in Dresden habe ich damals einfach so gekündigt, ohne genauen Plan, wo es hingehen soll, wo meine Möbel unterkommen und was überhaupt.
Was mich dazu letztendlich bewegt hatte?
Ich habe mir den Tipp „Einleiten, sodass es kein zurück gibt“ vorher selbst gegeben und sah die Lösung darin, jedem zu erzählen, ich würde aus Dresden weggehen. Genau so habe ich es auch gehandhabt, als ich vegetarisch geworden bin. Jedem erzählen und dann des sozialen Drucks wegen auch wirklich durchziehen. Ja, bloß beim Umziehen hat das so nicht wirklich funktioniert. Bis: ein guter Freund bei meinen erneuten Träumerein ganz monoton entgegenete: „Luise, ich werde in 3 Monaten zurück kommen und du wirst immer noch hier wohnen. Komm schon, Dresden wird dich eh nicht los.“ – Das hatte gesessen. Und am selben Abend verfasste ich die schriftliche Kündigung meiner Wohnung.

5 Freunde, die Dir Mut machen, wenn die Kraft nicht mehr reicht
Also ich weiß es bis heute ehrlich gesagt nicht, ob er das gesagt hat, um mich anzuspornen oder ob er wirklich nicht daran geglaubt hat. Funktioniert hat es jedenfalls.
Und genau das brauchen wir – Menschen, die uns antreiben, herausfordern und unterstützen. Ich hatte ziemliches Glück, dass er das in dem Moment so formuliert und mich damit so angetrieben hat. Auch vor zwei Jahren bereits trat eine Person in mein Leben, die mir den letzten Kick gegeben hat, nach New York zu gehen. Ich denke, dass sind Engel, Stöckchen-Retter-in-der-Not. Also nicht beleidigt oder verletzt sein, wenn Dir jemand mal einen frechen Spruch drückt oder vermeintlich unterschätzt … vielleicht ist es einfach nur der letzte Kickten Du brauchst.

6 Immer und immer wieder vorsagen – Dran bleiben!
Ja, manchmal hat man Glück. Ein grandioses Jobangebot oder tatsächlich der große Gewinn. Dann trennt er sich von Dir und drei Wochen später merkst Du, dass es genau das gewesen ist, was Du gebraucht hast. Das sind diese Veränderungen, die man selbst nicht wirklich steuern kann. Die einfach passieren.
Aber: Letzten Endes liegt es aber immer an einem selbst. Also warte nicht darauf, dass irgendwer kommt und Dich mitreist. Das musst Du schon selbst tun!

7 Langfristig denken!
Dran bleiben also – denn es lohnt sich!
Wirklich!
Ich wäre nicht die selbe Person, wenn ich Anfang 2016 nicht nach New York City gezogen wäre. Ich wäre längst nicht so flexibel und gelassen, wenn ich mich nicht entschieden hätte, meine Wohnung aufzugeben. Denn das hat mir in den letzten 8 Monaten gezeigt, dass es immer und für alles eine Lösung gibt.
Verändere Dein Umfeld, nimm’ einen neuen Job an, wechsle das Studium, schwimm gegen den Strom! – Denn ja, ich bin ehrlich, anfangs ist das schwer und mühseelig, das wird Dich so viel mehr Kraft kosten, als einfach wie gehabt weiterzumachen – aber auf lange Sicht: wird es Dir so viel Freude in Dein Leben bringen. So viel Kraft in Deinen Charakter. Lebensfreude. Abenteuerlust. Selbstbewusstsein. Du wirst zurück blicken und stolz sein.
Erinnere Dich an Entscheidungen, die Du in der Vergangenheit getroffen hast, schweren Herzens vielleicht, die Dich Mut und Nerven und Kraft gekostet haben. Bereust Du eine davon? Oder ist es nicht vielleicht so, dass am Ende alles genau so gut wurde, wie Du es Dir erhofft hast. Oder vielleicht noch besser?

8 Anders als geplant
Ich wollte: keinen Plan haben. Endlich keine Termine. Keine Deadlines. Keine Verpflichtungen. Endlich rastlos sein. Schwerelos. Endlos.
Ich wollte einfach nur frei sein, also hab’ ich mich frei gemacht. Nackt. Ohne Halt. Aber als das plötzlich alles nicht mehr aufging, wurde aus dem unausgetüftelten, verrückte Plan dann ein ziemliches Durcheinander – und so: habe ich das ja auch nicht gewollt. Also hieß es: wieder verändern.
Man kann nicht davon ausgehen, dass man sich einen Plan schmiedet, der das ganze Leben auf den Kopf stellt und dann genau so auch aufgeht. Das ist wahnwitzig. Also Du musst flexibel sein und Dich mit dem Gedanken anfreunden, dass Du eine Lawine ausgelöst hast … Was das beutetet? Finde es am besten selbst heraus!

9 Mutig sein!
Also schreiben wir uns auf die Kappe: Mutig zu sein!
Bitte, kann es endlich wieder cool sein, mutig zu sein? Nein, wir müssen keine unrealistischen Mutproben absolvieren, – aber die, die uns das Leben und wir uns selbst stellen doch bitte. Manchmal fühlt es sich an, als wollten alle nur schön sein und schlank, trainiert und kurvig, erfolgreich, angesehen und berühmt.
Aber mutig ist doch so viel mehr wert. Das bedeutet Risiken einzugehen und da weiter zu machen, wo es weh tut. Die eigenen Ängste zu erkennen und zu überwinden, weil man weiß, dass es sich lohnt! 

Die Fotos sind schon vor einer ganzen Weile entstanden – fast ein Jahr ist es jetzt her, dass Martin und ich gemeinsam mit #visitWales Großbritannien unsicher gemacht haben. Hätte jetzt gerade tatsächlich nichts dagegen noch mal in meine warme Jacke zu schlüpfen und zu wandern. Kaum zu glauben, dass ich mich ein bisschen auf den Herbst freue – denn diese Veränderung steht bald an: bunte Blätter, kühlere Temperaturen und die Dunkelheit. Auf dass wir das genießen können.

Fotos – Martin Stier 

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10 Kommentare

  • Reply Lena 4. September 2018 at 10:06

    Hallo Luise!
    Hast du zufällig noch einen Link zu deiner schönen Jacke, die du auf den Fotos trägst?
    Liebe Grüße

    • Kleinstadtcarrie 4. September 2018 at 13:50

      Liebe Lena,

      also die Jacke habe ich auf die Schnelle jetzt nicht gefunden.
      Hatte sie aber von Jack Wolfskin und liiiiebe die Jacke nach wie vor 🙂

  • Reply Sarbina 26. August 2018 at 16:45

    Ein sehr schöner Beitrag. Diese ganzen Tipps versuche ich mir unbewusst schon zu Herzen zu nehmen und du hast sie einfach in Worte niedergeschrieben. Man muss aus den Veränderungen einfach das positive rausnehmen.

  • Reply Ricarda 25. August 2018 at 08:10

    Liebe Luise,
    Besonders Punkt 9 gefällt mir! Mutig sein, auch mal einen schweren Weg gehen. Was ich in den letzten 2 Jahren gelernt habe und eigentlich erst vor ein paar Wochen verstanden habe, ist dass man sich auch genügend Zeit für die Veränderung nehmen muss.
    Ich wurde in gewisser Maße dazu gezwungen ein paar Veränderungen durchzuführen, die mir wirklich meinen Halt genommen haben. Irgendwie war dann plötzlich so viel los, dass ich teilweise davor weggelaufen bin (teilweise hat man dadurch aber auch einige coole Sachen gemacht). Also es ist super wichtig, dass man sich die Zeit nimmt, sich an die Veränderung zu gewöhnen, sodass man das positive daraus auch irgendwann fühlen kann.
    Liebe Grüße
    Ricarda

  • Reply Dresden Mutti 25. August 2018 at 08:08

    Dein Blog ist echt interessant – du hast mich defintiv angefixt.^^ Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr meine Arbeitsstelle in Dresden angenommen und hatte echt viel Angst und tausend Fragezeichen und Bedenken im Kopf: Wie soll ich das machen? Wie sollen WIR das machen? Wir brauchten eine Wohnung, zwei Kindergartenplätze, mein Mann braucht Arbeit und wir mussten einen Umzug über 600 km hinbekommen. Freunde zurücklassen, Freunde finden. Meine Kinder waren in Bonn geboren und hatten da ihre Freunde – Ist es egostisch, sie da rauszureißen?

    Aber auch als Familie hat man Chancen und Möglichkeiten. Es ist so wichtig sich zu fragen: Wo will ich leben? Ist das hier mein Zuhause oder sehe ich mich woanders? Was will ich arbeiten? Wo geht es uns als Familie gut? Da ich ursprünglich aus Sachsen stamme, kannte ich Dresden schon und bin nach wie vor sehr verliebt in die Stadt. Die neue Arbeit und der Umzug haben sich in jedem Fall gelohnt und ich bin froh um diesen Mut. Es war nicht ganz easy, aber irgendwie doch einfacher als gedacht.

    Manchmal muss man einfach machen. Denn wir leben: JETZT 🙂

    • Kleinstadtcarrie 25. August 2018 at 18:41

      Hey meine Liebe,

      vielen vielen Dank für’s Teilen Deiner Gedanken 🙂

  • Reply Kathi 24. August 2018 at 21:23

    Der Beitrag ist eine wundervolle Idee!
    Ich erkenne mich selbst in einigen „Guidelines“ wieder, die du hier aufgezählt hast, ohne mir deren richtig bewusst gewesen zu sein.
    Das liebe ich so sehr an deinen Texten, dass sie mich immer zum Nachdenken anregen. Sehr inspirierend!

    • Kleinstadtcarrie 25. August 2018 at 18:39

      Vielen vielen Dank für Dein Feedback, Kathi <3

  • Reply Manon 24. August 2018 at 20:41

    Oh Luise, ich erkenne mich da so einiges wieder!! Besonders bei Punkt 6. Das Jahr 2013 war ein ziemlich nervaufreibendes Jahr, besonders ab der 2. Hälfte. Heute bin ich sehr froh, dass das so gelaufen ist. Klar ist es am Anfang immer etwas doof, dass Veränderungen eingetreten sind, die man eigentlich nicht wollte – aber wenn erst mal einige Zeit vergangen ist, fängt man an zu verstehen, warum das eben so sein sollte. Bei vielen Dingen, die nicht wirklich geklappt haben, sage ich mir, dass das eben nicht ein sollte, wer weiß wozu das gut war.

    Heute weiß ich zum Beispiel, dass ich Veränderungen liebe – es ist schön offen für Neues zu sein, Dinge kennenzulernen, die man vorher nicht mitbekommen hat. Es ist schön zu lernen! Was nicht alles auf der Welt gibt! Ich würde so gerne viel mehr tun – leider ist Manches auch eine Kostenfrage… ): danke für den Post, Luise 😘

    • Kleinstadtcarrie 24. August 2018 at 21:10

      Vielen vielen Dank für Deinen Kommentar, Manon!
      Du hast total recht und ich freue mich, dass Du auch so gute Erfahrungen gemacht hast, alles weiterhin positiv siehst und so offen bist <3 Bleib wie Du bist!