Sei Du selbst!

/10. August 2018/12 Kommentare

 

Sei Du selbst!, haben sie gesagt.
Online und auf Instagram.
Bei ihm und vor seinen Freunden.
Wenn Du in den Spiegel schaust.
Zeig doch einfach mal, wie du wirklich du bist.
Einfach.
Okay, – denke ich und frage mich, wer ich denn bin, wenn nicht ich selbst? Ich bin laut, kann aber auch leise. Ich heiße Luise. Du hast mich immer Lu genannt. Und trotzdem war ich es. „Du hast Dich so verändert“, jammert sie und gibt mir das ersteMal das Gefühl, dass das schlecht ist. Ich bin noch immer ich. Ich habe zwei Beine und diesen kleinen Leberfleck neben meinem Bauchnabel. Ich bin ich. Und all meine Erfahrungen. Ich bin New York und Berlin und Dresden und Guinea. Ich bin ich. Aber das heißt nicht: Stillstand. Das heißt nicht: Linearität. Das heißt nicht, dass ich nicht für eine Überraschung gut bin.
Und auch wenn ich nicht immer auf jede Frage meine Antwort kenne und gelegentlich vom Weg abkomme.
Bin ich nur ich selbst. Denn egal, wie sehr ich mir wünschte jemand anderes zu sein, ich kann nicht aus meiner Haut – (auch wenn ich viel zu oft aus der fahre).
Das ist doch wie mit dem Wetter: das Wetter ist das Wetter. Und Regen bleibt Regen, – aber eben nicht für Dich. Manchmal ist es ein herrlicher Sommerregen. Dann ein melancholischer Abschiedsregen, der sanft gegen die Fenster „Lebe Wohl!“ klopft. Liebeskummerregen. Und dann stehst Du plötzlich im richtigen Winkel, hast diese eine Perspektive und siehst einen Regenbogen, gelegentlich sogar zwei. Oder stehst womöglich am Ende und mit beiden Beinen in einem Kübel voll Gold.

Also ich bin ich selbst oder eben bewusst auch mal nicht.
Will  manchmal gar nicht ich selbst sein. Schlüpfe in Deinen Pullover, in irgendein albernes Kostüm. Klebe Wimpern auf, damit man mir nicht ungehindert in die Augen sehen kann. Wähle Metaphern, weil ich eben gar nicht verstanden, durchschaut werden will.
Weil ganz gleich wer mich ansieht ohnehin seinen eigenen Filter darüber legt.
Also ich bin ich. Manchmal bewusst anders. Unverhofft laut. Unberechenbar launisch oder … Aber ich bin vor allem:  ich plus Deine Gefühle, die Tatsache ob Du mit dem falschen Bein aufgestanden bist oder nicht, ob Du jemanden kennst, der Luise heißt, den Du nicht magst. Ich bin ich plus Deine Einstellung gegenüber Bloggern. Ich bin ich plus Deine Erfahrungen mit Blondinen. Ich bin ich plus Deine Laune, Dein Einfühlungsvermögen, Deine Erwartungen, die Du auf mich projizierst.
Also Du siehst mich an. Durch Deine Augen.
Also was, wenn Deine Vorstellung von mir, doch eigentlich nur etwas ist, was in Deiner Realität existiert. Und Du die nicht ablegen kannst. Was, wenn ich doch einfach nur ich bin. Hier. In mir. Und Du mich formst. Und siehst. Du bildest mich ab, kategorisierst, speicherst ab. Systematisierst.Und ich am Ende nur ein Produkt Deiner Wahrnehmung bin.

Also: Ich bin ich.
Kenne nicht auf jede Frage meine Antwort.
Aber ich bin ich.
Stehe hier.
Und sehe Dich an.
Ohne Dir irgendwas schuldig zu sein.
Also ich bin ich. Und ich regne. Und am Ende bist Du es, der entscheidet, was das bedeutet. 

 

Wieso ich ausgerechnet diese Bilder für den obigen Text ausgewählt habe?
Weil ich mich während des Shootings erstaunlich wenig nach mir selbst gefühlt habe – und dann aber von Minute zu Minute immer mehr. Also da war dieses asiatische Restaurant, dass mich an eine Luise erinnert hat, die ich gerade nicht bin. An Vietnam. Und das Leben dort. Und das kombiniert mit diesem Pullover, der eigentlich nicht mir gehört, aber jetzt vielleicht schon, in der aber vor allem Deine Luise steckt. 
Doch umso mehr Fotos wir schossen, desto richtiger fühlte sich das an. Gut. Viel von mir. Viele verschiedene Facetten. Zusammen. Also eben auch ziemlich viel von mir.

Danke Martin, dass wir selbst während unserer Mittagspause Fotoreihen entstehen lassen, die mich so sehr inspirieren. 

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12 Kommentare

  • Reply Alice 19. August 2018 at 10:09

    Es ist so wundervoll, deine Texte zu lesen, viele Worte, die noch mehr erzählen, die vor allem etwas Klarheit schaffen. Danke. ♥

  • Reply lilasilber 15. August 2018 at 13:31

    👏🏽👏🏽👏🏽 ein toller text,mit einem überraschenden, wunderbaren, erleuchtenden turning point.

  • Reply Kirsten 13. August 2018 at 15:56

    Toller Beitrag, wunderschöne Bilder und inspirierende Worte, was will man eigentlich mehr?
    xx Kirsten

  • Reply Carolin 12. August 2018 at 23:27

    Wunderschön geschrieben und so wahr! Deine Worte bewegen mich immer wieder.

  • Reply Lu 12. August 2018 at 17:46

    „Also was, wenn Deine Vorstellung von mir, doch eigentlich nur etwas ist, was in Deiner Realität existiert.“
    Dieser Satz trifft so ziemlich genau das, was ich gerade fühle. Jemand hat mir gesagt, dass er mich liebt und ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, welches Ich, welche Seite von mir er wohl sieht.
    Wie werde ich gesehen, dass man so etwas
    von mir behaupten kann, obwohl man so viele andere Seiten von mir nicht kennt?
    Dieser Text zeigt mir, dass es nicht nur mir so geht, dass das „Man-Selbst-Sein“ gar nicht so einfach ist, wie es immer klingt.
    Danke dafür.

    Alles Liebe
    Lu

  • Reply Fine 12. August 2018 at 9:31

    Tolle Bilder, tolle Worte! Dein Text regt zum Nachdenken an. Ich finde, man ist immer man selber. Nur durch andere Menschen wird man anders und auf verschiedene Weisen angeschaut und wahrgenommen. Das kann man leider nicht beeinflussen. Manche Menschen finden dich toll und wunderschön, ehrlich und aufgeschlossen. Andere wieder ganz anders…

  • Reply Ricarda 12. August 2018 at 8:46

    Wow, Luise!
    Schön wieder von dir zu lesen 🙂 diese Texte habe ich wirklich vermisst. Sie gehen unter die Haut und man liest teilweise die Sätze 3-4 Mal, um es wirklich aufzunehmen und dann nochmal den ganzen Text.
    Aktuell ist das ein Thema was ich versuche zu verinnerlichen. Und du hast mir jetzt nochmal viel Input gegeben.
    Danke, danke, danke und gerne wieder mehr davon!
    Liebe Grüße
    Ricarda

    • Kleinstadtcarrie 12. August 2018 at 16:04

      Liebe Ricarda,

      daaaanke für Deinen Kommentar! Euer Feedback ist mir wirklich das wichtigste <3

  • Reply Pauline 11. August 2018 at 11:16

    Letztendlich gehört nämlich auch jeden Veränderung zu uns selbst und macht uns aus.
    Wenn wir wir sind, dann sind wir nicht für immer wir, wie wir jetzt gerade sind, sondern auch immer noch wir, wenn wir uns weiterentwickeln, verändern und trotzdem dabei noch wir sind.
    Mal wieder ein sehr inspirierender und zum nachdenken anregender Beitrag Luise! Vor allem finde ich es cool das Hintergrundwissen zu den Bildern auch noch bekommen zu haben. Das macht es gleich irgendwie noch echter. Man sieht es dir fast an, dass du immer weiter du selbst geworden bist in dieser Umgebung.

    Liebste Grüße
    Pauline <3

    https://mind-wanderer.com/2018/07/18/12-things/

    • Kleinstadtcarrie 12. August 2018 at 16:30

      Liebe Pauline,

      ich danke Dir so so so sehr für Dein stetiges Feedback <3 Vielen Dank!