„Junges Fräulein – dann hören Sie doch einfach auf sich online politisch so zu äußern!“

/7. August 2018/38 Kommentare

 

Der erste Flieger. Von Berlin nach München. Es ist 6:35 Uhr, ich sitze bereits auf meinem Platz am Gang und fahre mir verschlafen durch die blonden Haare. Trage eine Jeans und T-Shirt, schicke Sandalen und Make-Up. Ich bin 24. Neben mir ein Mann Mitte 50. Er liest Zeitung. Trägt einen Anzug. Nickt mir verlegen zu, als ich mich neben ihn setze.
Ein weiterer Anzugträger nähert sich unserer Reihe. Ich erkenne, wie er angestrengt nach seinem Platz sucht. Es muss 14A sein. Meine Reihe – am Fenster. Ich schaue ihn an. Er kommt näher. Und es fühlt sich fast an, als würde er mich einfach nicht entdecken wollen. Als er unmittelbar neben mir steht, bittet er den Mann neben mir, ihn doch auf seinen Sitzplatz zu lassen. Bis jetzt hat er mich nicht angesehen. Nicht begrüßt. Nicht gefragt.
Ich stehe auf. Lasse ihn durch. Sehe ihn nie wieder. Und fühle mich übergangen.
Die Tage, an denen es mir unangenehm war, den ersten Flieger nach München, Düsseldorf oder woauchimmerhin zu nehmen, weil man dann eine der wenigen Frauen in der Kabine ist – sind lange vorbei. Aber dieses Ereignis erinnert mich daran, wieso es mir gelegentlich so ging. Wieso ich mich unwohl fühlte. Irgendwie fehl am Platz, obwohl ich mir den so hart erarbeitet habe.
Am Abend. Ich fliege zurück.
Beschämt. Es gibt doch die neue Zugstrecke. In unter 4 Stunden. Ich vermerke das. Nächstes Mal mache ich es besser, nehme ich mir vor. Und werde dann abgelenkt von dem Gespräch der beiden Frauen hinter mir in der Schlange. Es geht um „Gendering“, korrekte Schreibweisen und dass sie das irgendwie nicht verstehen, nicht brauchen und Gleichberechtigung auf anderen Ebenen wünschen. Ich verstehe sie. Nicke irgendwie. Und drehe mich reflexartig um, als eine der beiden „Diese Feministinnen überall, so nervig!“ ruft und mehrere in der Schlange ihr daraufhin zunicken oder mit einem grunzenden Grinsen Zustimmung vermitteln. 

Feministinnen haben Achselhaare und verbissene Falten auf der Stirn.
Bloggerinnen sind selbtverliebt und oberflächlich.
Und Anzugträger bleiben lieber unter sich.
Was das mit Politik zu tun hat?
Was pinke Bänke, Vorurteile, Respekt, Zeitung lesen oder nicht lesen, Wein an endlosen Abenden, Konzertbesuche, Fashionbrands und dieser Blog hier – mit Politik zu tun haben? Darum soll es ab sofort in meiner neuen wöchentlichen Kolumne gehen. Politik, das sind Fakten und Gesetze, Regeln und klare Linien. Strenge Politiker. Lange Reden und leere Worte. Politik ist streng und steif. Und Blondies haben damit nichts am Hut. Lass mal lieber die Finger davon und steck Dein Näschen in `ne Modezeitschrift (die übrigens durchaus auch etwas mit Politik zu tun haben kann!)
– Schluss damit!
Politik ist so viel mehr.
Politik ist Alltag. Und Emotionen.
Politik, – das fängt bei Dir und mir an.

Und habe mich in letzter Zeit: ziemlich bedeckt gehalten.
In der Schlange am Flughafen.
Und auch hier. Ich lese und lese und recherchiere, diskutiere und fürchte mich dann aber beinah mich hier zu äußern. Weil ich: damit schlechte Erfahrungen gemacht habe. Weil das bei einigen Bewegungen nicht gern gesehen wurde. Man mir Angst machen wollte. Und das Stück für Stück auch gelungen ist. Und als ich schließlich auf dem Polizeipräsidium saß und mir mit den Worten „Also junge Dame, dann hören Sie doch am besten einfach auf sich online politisch so zu äußern“ auch der letzte Funke Mut genommen wurde, machte sich vor allem Fassungslosigkeit breit. Die mich schließlich gelähmt hat.
Heute – 2 Jahre später – bin ich wieder beweglich. Und mutig. Habe mich aufgrund dieser Erlebnisse in den darauf folgenden Monaten im Jahr 2016 erstmal abgeschottet. In New York war mir deutsche Politik, sächsische Aufruhen und sonstige Überlegungen schlichtweg zu viel. Und während ich im letzten Jahr dann die halbe Welt bereist und dort von der Schönheit der Natur ebenso beeindruckt war, wie von der Armut anderer Menschen geschockt – hat sich vieles bewegt. Angeregt. Ich habe schnelle Schlüsse gezogen und werde die Spätfolgen mein Leben lang mit mir tragen. Mein Weltbild und Wille haben sich nochmal verändert und gestärkt.
Also heute – 2 Jahre später: Ab jetzt tue ich es. Wieder.
Mich äußern, meine ich.
Hier.
Öffentlich.
Und eben auch kritisch.
Denn: Klein beigeben – ist gerade nicht der richtige Weg.

Was ich mir wünsche also ist: dass wir uns austauschen und anschubsen, inspirieren und gerne auch mal die nackte Wahrheit präsentieren. Das wir ganz gezielt darüber sprechen, was uns bewegt und was wir bewegen möchten und schließlich dann auch endlich verändern. Was ich und wir hier final leisten können, ist noch unklar. (Es wird hier kein allumfassendes Informationsangebot entstehen, – ich hoffe das ist klar.) Also: hören wir auf einander zu unterschätzen, zu unterbuttern. Einander. Und auch uns selbst. Politik? Du kannst das! Und machst das ohnehin jeden Tag. Nicht nur zur Bundestagswahl, die du vielleicht verpennt hast. Nicht nur dann, wenn eine Demo ansteht, auf die alle Deine Freunde, und deswegen eben auch du gehst. Politik steckt in jeder Deiner Kaufentscheidungen. Ob Du Müll trennst oder eben nicht. Stehst Du für Gerechtigkeit ein? Hast Du die Petition unterschrieben? 
Was ich und wir hier final leisten können: Mut machen! Unterstützen! Dran bleiben und Position beziehen. Online politisch äußern. Meinungsfreiheit leben. Und nicht einschüchtern lassen. 

Also, kneift die Pobacken zusammen, lest Zeitung und hört Podcasts , statt dem Leben einer fremden Person hinterherzuspionieren und das 10. Top nachzukaufen, ohne darüber nachzudenken. Und lasst uns, unbeirrt der geistigen Grenzen anderer, so weitermachen. Zuhören und nachdenken und weiter machen. Nicht ausbremsen oder gar verstummen.
Und am liebsten würde ich jetzt zurück nach Dresden Gorbitz ins Jahr 2016 fahren und dem Kommissar meine Meinung sagen, mein jüngeres Ich in Schutz nehmen und auf dem Heimweg stützen, dann  aufpäppeln und mir schon damals selbst einprägen: Du darfst, kannst und musst das tun – also Stellung beziehen, politisch sein und Dich politisch äußern! Weiter kämpfen, auch wenn es mühsam ist und weh tut. Zuhören und darüber nachdenken, wenn es konstruktiv ist. Nicht einschüchtern lassen! Nicht in Schubladen stecken lassen. Nicht unterbuttern lassen.
Ich komme aus Dresden, meine Lieblingsfarbe ist pink, ich teile nicht alle Ansichten mit Professor Patzelt. Ich habe eine eigene Meinung und vor allem keine Angst mehr vor Arschlöchern. Ich bin emphatisch, manchmal vielleicht ein bisschen zu sehr. Höre zu, um zu verstehen. Finde zumeist Argumente für beide Seiten. Aber vor allem für die Menschlichkeit und für diesen Planeten. Also: da bin ich wieder! Herausgekrabbelt aus dieser Schublade, in die man mich gesteckt hat und die sich dann erstaunlich lange erstaunlich bequem angefühlt hat. Aber: da bin ich wieder!

Join the discussion

38 Kommentare

  • Reply Aline 16. August 2018 at 0:51

    Liebe Luise…
    Warum können, vielleicht nicht alle, aber viele so sein wie Du! Keine Angst, genug Mut und vor allem den Willen etwas zu verändern. Wir sollten uns alle zu Herzen nehmen, wenn wir wollen, dass sich die Welt ein wenig nach unserer Meinung dreht, dann müssen wir mutig sein und uns von nix abschrecken lassen.
    Du bist wirklich sehr inspirierend…weiter so…LG Aline

  • Reply Jasmin 13. August 2018 at 13:50

    Ich weiß gar nicht, wie ich ausdrücken soll, wie gut ich diesen Post fand. Deshalb einfach nur Applaus!!!

  • Reply Sharina 12. August 2018 at 9:55

    Ich kann es kaum erwarten! Das habe ich hier so vermisst.
    Sehr motivierender und ermutigender Text 🙂

  • Reply Carolin 9. August 2018 at 17:47

    Liebe Luise, sehr motivierende Worte! Manchmal habe ich auch Angst davor, meine Meinung öffentlich zu vertreten… aber warum eigentlich?

  • Reply Oliver Weber 8. August 2018 at 20:08

    Liebe Luise,
    schön wieder von dir zu lesen. Jetzt verstehe ich auch, warum du so lange abgetaucht warst.
    Und ich stimme dir voll zu, Politik fängt auch an der eigenen Haustür an.
    Die gefühlte Gleichgültigkeit überall, diese Oberflächlichkeit und der umgreifendw Egoismus gehen mir auch mächtig auf den Keks.
    Ich freue mich auf den Austausch.
    Persönlich habe ich mich für die Aktion Deutschland spricht! angemeldet. Am 23. September werde ich einen mir noch unbekannten Menschen treffen, der eine andere politische Einstellung hat, als ich und mich mit ihm auseinander setzen und die Meinungen austauschen. Auch das ist Politik.
    Redet miteinander und die Welt wird freundlicher!
    Vielleicht kannst du auch für diese Aktion unseres Bundespräsidenten werben.
    Ich freue mich auf weitere Meldungen von dir.
    Oliver (ein treuer Fan)

    • Kleinstadtcarrie 13. August 2018 at 14:05

      Hey Oliver,

      ach, das klingt ja nach einer mega coolen Aktion! Muss ich mich gleich mal zu belesen. Danke für den wertvollen Tipp!

  • Reply Franzi 8. August 2018 at 17:22

    Liebe Luise,

    ich habe solche Beiträge wirklich vermisst!
    Und es tut mir wirklich leid, was dir widerfahren ist. Aber meiner Meinung nach ist das genau die richtige Einstellung und du bist ein tolles Vorbild, sich nicht einschüchtern zu lassen!
    Ich freue mich sehr auf weitere Beiträge (vor allem dieser Art) und hoffentlich eine interessante Diskussion.
    Auch dem Punkt, dass viel zu viele Menschen (ich will mich da nicht gänzlich ausschließen) Dingen/ Personen „hinterherlaufen“ bzw. sich von Werbung so beeinflussen zu lassen, anstatt mal das eigene Handel und deren Konsequenzen zu hinterfragen.

    Ganz liebe Grüße

    Franzi

  • Reply Marina 8. August 2018 at 15:59

    Liebe Luise!
    Vielen vielen Dank für diesen mutigen und ehrlichen Betrag, bitte noch so viel mehr davon! Ich habe es selbst schon so oft erleben müssen, wie meine Meinung oder konkret gefühlt meine ganze Person einfach übergangen oder nicht ernst genommen wurde und oft hat das dann einfach dazu geführt, dass ich im Endeffekt am liebsten gar nichts mehr zu einer Diskussion beitragen wollte. Ich verstehe sehr wohl, wie schwer es ist ,eine komplett konträre Sichtweise anzuhören und zu versuchen, sie ein bisschen zu verstehen. Aber ich finde genau hier muss man ansetzen und darum möchte ich es mir auch nicht mehr nehmen lassen mich zu äußern. In der Hoffnung, irgendwann nicht mehr belächelt, sondern auch ernst genommen zu werden. Irgendwann gemeinsam und nicht mehr gegeneinander zu arbeiten…
    Ich bin eine eher introvertierte Person und beim Gedanken auf einer Demo laut zu werden, wird mir ganz bange. Ich versuche mein Kaufverhalten seit Jahren zu hinterfragen. Ich versuche mich mit Themen auseinanderzusetzen und neue Ideen in meine Freundeskreise zu bringen. Ich möchte nach meinem Studium Biologie unterrichten um den nächsten Generationen den Klimaschutz näher zu bringen. Weil auch das alles Politik ist. DANKE fürs erinnern.

  • Reply Pauline 8. August 2018 at 12:36

    Ein unglaublich gelungener Text Louise! So viel Kraft und Motivation, Emphatie und Stärke schwingt in deinen Worten mit.
    Ich finde es richtig schön, dass du dich dazu entschlossen hast wieder etwas politischere Themen aufzugreifen und bin schon sehr gespant, was in Zukunft noch folgen wird 🙂
    Bleib so stark und mutig wie du bist!

    Liebste Grüße
    Pauline <3

    https://mind-wanderer.com/2018/07/31/tropical-summer-feelings-july-2018/

  • Reply Christina 8. August 2018 at 10:49

    Liebe Luise,
    ich musste sofort an Erich Kästners Aussage „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ denken (und ja, ich weiß: Kästner muss man sehr differenziert betrachten). Also: LOS! Haben wir Mut, politisch zu sein. Haben wir Mut, Unfug zu verhindern, in dem wir uns damit beschäftigen. Das muss, wie du sagst, nicht zwangsläufig eine Analyse der Parteien sein, Politik fängt in sehr viel kleineren Dingen an. Ich finde es so wichtig, sich mit der Welt in der wir leben auseinanderzusetzen. Sei es durch aktive politische Gestaltung in Parteien oder durch die Wahl eines fair gehandelten und ökologisch sinnvollen Kleidungsstücks, durch das kritische Hinterfragen der Dinge, die uns (vor allem im Netz) präsentiert werden.
    Ich freue mich auf diese neue (alte) Kolumne.

    • Kleinstadtcarrie 8. August 2018 at 11:58

      Danke für Dein tolles Feedback, Christina – freue mich sehr, dass ihr alle so interessiert seid 🙂

  • Reply Magdalena 8. August 2018 at 9:11

    Richtig guter Post! Hat mich echt mal wieder zu nachdenken angeregt – komme selbst aus Dresden und würde gern offener über Politik reden! Wir sollten uns nie einschüchtern lassen, also weiter so liebe Luise (:

  • Reply Anja 8. August 2018 at 9:11

    Tolle Worte! Ich freue mich schon sehr auf diese Beiträge – auch wenn man vielleicht nicht immer einer Meinung ist, ist es doch sehr bereichernd sich auszutauschen. Besonders in der Politik lernt und versteht man viel durch Diskussion.

  • Reply herzballon 8. August 2018 at 8:28

    Ich freue mich total darüber, dass du politischen Themen wieder vermehrt eine Plattform bieten willst. Ich habe deine alten Posts in diesem Themenbereich immer sehr gemocht. Deine Erfahrung bei der Polizei finde ich erschreckend. Wie kann man in so einem Amt nur eine solche Aussage tätigen? Dieses beschuldigen von „Opfern“ nimmt in unserer Gesellschaft immer mehr überhand und es ist erschreckend, wer so alles dabei mitmacht.
    Ich freue mich schon auf die neuen Posts und die Diskussionen dazu.

    Liebe Grüße
    Anneke von herzballon

  • Reply Gianna 8. August 2018 at 8:17

    Liebe Luise,

    Wow was für ein toller Text. Fühle mich total inspiriert. Ich studiere selber Politikwissenschaft und finde es so schön, dass du auch dazu sozusagen aufrufst, sich als Frau auch zu interessieren bzw sich dies zu trauen, die Meinung zu sagen. Finde das so wichtig. Ich freue mich in Zukunft mehr darüber zu lesen. Dein Beitrag ist so wertvoll, danke dafür.

  • Reply Marie 8. August 2018 at 2:05

    Liebe Luise,
    ich finde es unglaublich toll, dass du dich nun wieder an das Thema Politik auf dem Blog herantasten willst. Ich lese deinen Blog nun schon unglaublich lange und fand es schon immer super, dass du zu den Wenigen gehörst, die, was vieles betrifft, offen Farbe bekennt und dies doch so wunderbar in solchen Texten verpacken kann. Ich finde es immer wieder erschreckend (und das jetzt garnicht klischeemäßig auf Blogger oder Influencer bezogen, sondern das Umfeld in dem ich mich persönlich bewege), wie sich dann doch schockierend viele wenig bis garnicht für die Politik interessieren – frei nach dem Motto zwar alle vier Jahre wählen gehen (wenn überhaupt), aber ansonsten kaum bis garkein Interesse an Politik zeigen (und damit sind auch nicht nur die jungen Menschen gemeint, wir werden was das Thema betrifft ja oft als die üblichen Verdächtigen gesehen). Ich empfinde das als sehr traurig, denn wie du sagst, hat Politik ja mit soviel mehr zu tun als „trockenen“ Bundestagsdebatten und betrifft uns alle. Gerade deshalb freue ich mich sehr, dass du hier dieses Themengebiet wiederbeleben willst und hoffe, dass unter den Beiträgen dann auch ordentlich kommentiert wird und die Erfahrungswerten und Meinungen anderer uns bereichern, vielleicht sogar stutzig machen und vor allem zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Ich freue mich darauf!
    Marie

    • Kleinstadtcarrie 8. August 2018 at 12:01

      Marie,

      danke Dir für diesen reflektierten Kommentar. Ich freue mich total auf die kommenden Postings, weil ich bereits jetzt merke, wie interessiert und engagiert ihr seid. Der Austausch wird sicherlich super spannend! Das wird großartig!

  • Reply Luisa 8. August 2018 at 0:02

    Richtig so! Ich freue mich riesig über deine Entscheidung und auch sehr auf die Kolumne. Es ist wirklich toll, wie viel tiefer und vielschichtiger dein Blog über die Jahre geworden ist.
    Liebe Grüße,

    Luisa

  • Reply Janina 7. August 2018 at 22:32

    Hey liebe Luise 🙂 ich freue mich das du deinen eingestaubten Mut wieder rausgekramt hast und bereit bist gegen all die Schattenwesen zu kämpfen und dich und deine Meinung nicht mehr einschüchtern zu lassen. Das ist so aufmunternd. Mich würde interessieren wie du da wieder rausgekommen bist und ob du vielleicht beschreiben könntest wie du auch damals aus deiner Verlorenheit bzw. Orientierungslosigkeit gekommen bist und dich entscheiden konntest was du eigentlich machen möchtest. Ich stecke selbst gerade in so einer Situation und weis nicht ein oder aus. Weiß nur das mein Kopf und Gedanken sich drehen und ich vor lauter Drehungen schon gar nicht mehr weiß wer ich eigentlich noch bin.
    Für Tipps wäre ich dankbar, selbst wenn es nur ein Mittagessenrezept für die Seele wäre bzw. ein Soulfood Laden in Berlin 😀
    Herzliche Grüße 😉

    • Kleinstadtcarrie 8. August 2018 at 12:22

      Liebe Janina,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Ich habe gestern erst ein sehr langes Gespräch mit einer Freundin genau darüber geführt. Über Orientierungslosigkeit und Planlosigkeit, über die Frage wo es hingehen soll und was verdammt noch mal man hier eigentlich gerade tut.
      Long Story short: es geht um das WARUM. Dein (!) Warum. Dein Antrieb. Was ist Dir wichtig? Wofür tust Du etwas? Wenn Dir das klar ist und Du Dir das stets vor Augen führst, dann wirst Du auch wissen, was es zu tun gilt und dann wirst Du auch Kraft und Motivation haben für Dinge und Tätigkeiten, die dich in erster Linie vielleicht nicht gänzlich erfüllen, schließlich aber auf Dein Gesamtziel, Deine Leidenschaft, Deinen Willen abzielen.

  • Reply Ronja 7. August 2018 at 21:11

    Wow Luise. Ich lese deinen blog schon seit vielen Jahren, aber jetzt muss ich dir wirklich mal ein Dankeschön dalassen. Wir sind im gleichen Alter und ich habe leider (auch mit Kommilitonen) immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Meinungen einfach stumm übernommen, nicht überdacht und so weitergegeben werden. Das Wort Feminist wird auf jeden Fall ungern gehört und bei den älteren Männern muss man sich immer nochmal doppelt so sehr anstrengen, um Ernst genommen zu werden. Das nervt natürlich, aber wie du gesagt hast: Es ist wichtig sich zu äußern, auch Freunde darauf anzusprechen, wenn sie eine Meinung vertreten mit der man nicht übereinstimmt und sich immer, immer, immer zu informieren.

    Also ganz lieben Dank für deinen tollen Blog!

    Alles Liebe,

    Ronja.

  • Reply Julia 7. August 2018 at 20:43

    Gänsehaut und ich will jubeln und yeees schreien 😊

    Man sagt viel zu oft zu wenig und zu den falschen Dingen zu viel. Neulich wurde bei uns im Aufenthaltsraum (Beruflich in Bayern gelandet, geboren und aufgewachsen in Ostsachsen) über die Zukunft der Landespolitik gesprochen. Es hat nicht lange gedauert, bis mich das Gerede über Afd (nicht meine Weltanschauung) und CSU (einige polit. Überzeugungen siehe kreuzerlass und das Wahlkampfgetue mit sämtlichen populistischen Phrasen sind für mich nicht tragbar) echt genervt hat. Also habe ich sehr wohl meine Meinung gesagt. Überlegt, ruhig und natürlich nicht belehrend. Nur eben meine Meinung. Mein Vorgesetzter meinte dann für meinen Beruf sollte ich anders denken. Da hab ich später auch überlegt, ob es besser gewesen wäre still zu sein.

    Aber was passiert wenn wir alle still sind? Wer soll denn dann unsere Zukunft gestalten? Wer soll denn Entscheidungen treffen, die unser Leben beeinflussen? Wer entscheidet darüber wie wir miteinander umgehen, wie wir sprechen, wo unsere Grenzen sind? wir müssen aufstehen und Position beziehen. Stammtischparolen ohne Inhaltlichen Hintergrund gewinnen sonst..und zwar nicht nur am Stammtisch. Ich werde immer und immer wieder ermüdende Diskussionen führen..weil manche Themen es einfach wert sind. Wir müssen die Menschen sehen und keine veralgemeinerten Konstelationen von Situationen.

    Ich bin 26 und Polizistin. Und ja ich bin nicht blind und sehe die aktuellen Probleme. Aber ich sehe auch die Menschen dahinter. Und auch wenn die großen Lösungen oft Zeit brauchen und Entwicklung ein Prozess ist..wir können in der Zwischenzeit mal klein anfangen und zb uns sprachlich achtsamer ausdrücken, Vorurteile überdenken, uns informieren über das Tagesgeschehen (ein Blick über den Tellerrand macht uns nicht so anfällig für vermeintlich einfache Lösungen) und vor allem mal wieder hilfsbereit im Alltag sein, lächeln…einfach versuchen ein guter Mensch zu sein.

    • Kleinstadtcarrie 8. August 2018 at 12:04

      Julia, YEEES 🙂

      Danke, vielen Dank, dass Du Deine Erfahrung hier mit uns teilst – das ist so wertvoll! Man fühlt sich in solchen Situationen ja auch schnell mal allein. Aber das ist man eben leider gar nicht … umso wichtiger, dass wir uns gegenseitig Mut machen und zusprechen.

      Toller Kommentar, vielen Dank!

  • Reply Verena 7. August 2018 at 20:39

    Wundervoll Luise! Ganz großartig!
    Ich habe es schon oft zitiert und vielleicht habe ich es dir sogar schon mal gesagt, das weiß ich nicht mehr! Aber mein Politiklehrer in der 11. Klasse hat etwas tolle geschafft, indem er am 1. Tag sagte „Wer hier jetzt sagt, er interessiert sich nicht für Politik, der sagt im Grunde nichts weiter, als das er sich nicht für sich selbst interessiert!“ Denn wir machen Politik, mit jeder Entscheidung, wir SIND Politik, als Teil des Systems, ob uns das nun passt oder nicht! Aber – und das ist ja das Tolle – dieses System sind wir eben auch! Wir können, dürfen, MÜSSEN es mitgestalten und verändern! Wenn das nicht ein Privileg ist, ein großes Glück und ein, wenn nicht DER Grund, sich mit Politik zu beschäftigen, dann weiß ich auch nicht! Ja, wir sind die Politik, ob im Anzug oder in schicken Sommersandalen – das macht keinen Unterschied!

    Bitte mehr davon! ❤️
    Hitzige Grüße aus Frankfurt

    Verena

    • Kleinstadtcarrie 8. August 2018 at 12:05

      Genau so ist es. Da gibt es gar nichts mehr hinzuzufügen und im nächsten Beitrag wird es genau darum gehen 🙂

  • Reply Lissi 7. August 2018 at 18:50

    Liebe Luise,
    ich danke Dir für diesen Beitrag.
    Ich selbst ecke sehr gerne mit der Leichtigkeit an, die ich als junge, weltlich aufgeschlossene und politisch interessierte Frau ausstrahle und vor der die fordistische Fraktion der Gesellschaft – warum auch immer – wohl so viel Angst hat.
    So saß ich beispielsweise eines Abens in einem Biergarten inmitten einer hitzigen (durch Alkohol aufgeladenen) Diskussion über Kapitalismus und Krieg und Frieden und das doch so beliebte Thema des bedingungslosen Grundeinkommens, bei der ich mich an irgendeinem passenden Punkt mit einem „Wir brauchen mehr Femininität in der Politik!“ versuchte zu beteiligen. Man glaubt gar nicht, was einem hier entgegenströmt. Lautes Lachen, unreflektierte Ablehnung, selbstgerechte Beleidigungen, wohlgleich der Unterschied zwischen Feminismus (den ich nicht verurteile) und Femininität überhaupt nicht gezogen werden kann. Wie dem auch sei: Als ich irgendwann wieder zu Wort gelassen wurde und man – teilweise – meinen Ausführungen zum Frieden und beispielsweise der Friedenspolitik Schwedens lauschte, nickte man mir bestätigend zu und wurde ganz kleinlaut.
    Es geht hier nicht darum, dass eine Ansichtsweise besser ist als eine andere. Demokratie ist für mich aber, wenn unterschiedliche Meinungen gehört werden und man vielleicht auch etwas voneinander lernen kann. Ich wäre gerne Zeugin Deiner Beteiligung an der Politik und Deiner Ansichtsweisen, kann das meines Erachtens nach nur bereichern.

    Über den Herrn im Flugzeug hätte ich wahrscheinlich noch nach der doch sehr einseitigen Begebnung nachgedacht.
    Darf ich Dich fragen, wie Du die Situation im Nachhinein gelöst hättest?
    Ich befürchte, dass beinahe jede Anspielung oder Aktion in dieser Situation als zickig oder dumm abgestempelt worden wäre.

    Liebste Grüße
    Lissi

    • Kleinstadtcarrie 8. August 2018 at 12:10

      Liebe Lisa,

      vielen vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich mag es, wie bedacht Du Deine Worte wählst und allein Deine Ausdrucksweise hier, lässt mich vermuten, was für eine tolle Frau Du bist. Danke, dass Du bei Diskussionen, wie Du es schilderst, sachlich bleibst und ruhig! Chapeau!

      Bezüglich der Flugzeug-Situation.
      Nunja, also ich würde jetzt glaube ich einfach ganz freundlich „Guten Morgen“ sagen oder direkt ansprechen à la „Sitzen Sie eventuell hier am Fenster? Dann lass‘ ich Sie gern rein!“

      Liebe Grüße an Dich,
      Deine Luise

  • Reply Damy 7. August 2018 at 18:46

    Hey Liebes, das klingt sehr interessant. Ich bin gespannt was daraus entsteht. Und über den Austausch. Ich habe oft das Gefühl nichts ändern zu können, nichts ausrichten. Weil meine Stimme zu klein ist. Weil ich nicht gefragt werde. Weil ich nur eine von vielen bin. Aber dennoch bin ich ein Puzzleteil des Großen und Ganzen. Und dennoch kann ich Dinge beeinflussen und bewirken.

    Liebst, Dany von danyalacarte.de

  • Reply Johanna 7. August 2018 at 18:25

    Liebe Luise, deinen Blogpost finde ich toll. Du schreibst so motivierend und klar und ich kann dir sehr gut folgen:)
    Vielen Dank für die ganze Inspiration!

  • Reply Jenny 7. August 2018 at 17:32

    Liebe Luise,

    es freut mich sehr, dass du dich dazu entschlossen hast, deine politische Meinung in Zukunft auch Online zu vertreten! Ich bin sehr gespannt auf deine neue wöchentliche Kolumne! 🙂

    Zum Thema Gerechtigkeit, kann ich dir das Buch „Neben uns die Sintflut“ von Stephan Lessenich ans Herz legen, welches ich auch im Rahmen meiner Masterarbeitsrecherchen gelesen habe. Ich finde das ist noch einmal ein Augenöffner! 🙂

    liebste Grüße
    Jenny

  • Reply Jana 7. August 2018 at 17:29

    Ein toller Blogpost der mich auf jeden Fall motiviert hat mich mehr zu informieren um auch auf einer soliden Informationsbasis diskutieren zu können. Chapeau Luise, die Politik liegt in unserer aller Händen!

  • Reply Hanna 7. August 2018 at 17:24

    Du bist Klasse! Mach weiter so

  • Reply Sarah 7. August 2018 at 17:15

    Ich finde es so gut dass du dich nicht dafür entscheidest klein beizugeben bei solchen wichtigen Themen. Ich glaube dass Politik immer als ein Themenkomplex erscheint, der nur für (wie du es schon beschrieben hast) Anzugträger Ü50 interessant erscheint und dementsprechend nur diese Personengruppe Ahnung davon hat. Das stimmt aber so gar nicht. Politik geht uns alle etwas an & jeder hat eine Meinung dazu. Und die sollte man gut und gerne auch äußern. Auch mit Make-Up und pinkem Terminplaner.

  • Reply Rieke 7. August 2018 at 17:11

    Yes – das finde ich toll und stehe absolut hinter dir. Ich freue mich auf die wöchentlich Kolumne (obwohl mir deine weekly updates auch immer gefallen haben!). Du hast letztens in einer deiner Instastorys erzählt, dass der Blog, wie er gerade ist, nicht mehr zu dir passt und du dich nicht mehr damit wohl fühlst. Was wäre es, wenn du ihn zu einer Art Online Magazin à la editionf oder ähnliches umbaust, das politische Geschehnisse, Feminismus, Reisen und Mode unter einen Hut bringt? Natürlich würde das einiges mehr verlangen, wie Gastbeiträge und so weiter, aber irgendwie könnte ich mir das bei dir vorstellen.

    Bei dem Teil, wo du gendering und die korrekte Schreibweise angesprochen hast, musste ich ein bisschen schmunzeln, aber auch den Kopf schütteln. In den ganzen letzten Jahren ist mir so oft aufgefallen, dass du hauptsächlich die männliche Form benutzt selbst wenn du von dir selber sprichst und ich konnte es nie nachvollziehen. Die deutsche Sprache ist leider so männlich orientiert und ich finde es schade, dass viele Frauen bei so etwas elementarem nicht achtsamer sind. Natürlich kann es vollkommen übertrieben werden, aber manchmal weckt nur Radikalität die Gemüter.

    Anyways, ich freu mich auf hoffentlich mehr Betrieb auf dem Blog in nächster Zeit!

    • Kleinstadtcarrie 8. August 2018 at 12:18

      Liebe Rieke,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Überlegungen und dass Du mir das so zutraust. Das bedeutet mir sehr viel. Danke!

      Bezüglich Gendering, korerekten Schreibweisen und Co.
      Tatsächlich? Ich benutze in Bezug auf mich selbst die männliche Form? Das ist mir noch nie aufgefallen, ich werde aber darauf achten 🙂

  • Reply Janina 7. August 2018 at 17:04

    Danke für deinen Mut, Luise. <3