Seit wann haben wir ein Nudelholz?

/3. April 2018/14 Kommentare


Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit FUN FACTORY.

Miranda wohnt seit knapp 3 Jahren in New York. Das kleine Zimmer auf der 53rd Street kann sie sich gerade so leisten – was vor allem daran liegt, dass es nur eine Pappwand ist, die sie von ihrer Mittbewohnerin trennt.
Wer nach New York kommt ist mutig und abenteuerlustig, ehrgeizig und oft: ziemlich schnell wieder weg. Die Fluktuation an Bewohnern dieser Stadt ist endlos und so kommt es nicht selten vor, dass Miranda sich mit einem neuen Mitbewohner arrangieren muss. Wir lachen heute noch herzlich über Marissa, jammern dem heißen schwedischen Model nach und vermissen das gute indische Essen von Nilay. Und letzte Woche war es Magda, die mit ihren Koffern im Big Apple ankam und seither ihr Unwesen in Miranda Apartment treibt…

„Guten Morgen“, sagt sie mit russischem Akzent.
Sie spricht deutsch, englisch und russisch natürlich. Für meine Freundin Miranda ist es ungewohnt, dass sie jemand versteht, wenn sie mit ihrer Mutter skypt oder Sprachnachrichten ihrer Freundinnen aus der Heimat anhört.
„Guten Morgen, Magda“, antwortet Miranda freundlich – sie hat sich vorgenommen sich von ihrer besten Seite zu zeigen, “Sag Mal: wo sind denn die Kaffeebecher?“
„Ich habe sie hier hin geräumt. – Siehst Du, nun alle Gläser zusammen stehen.“
„Verstehe … das ist sicherlich vernünftiger“, Miranda schluckt.
„Ich habe schöne Kräutertees für dich gebracht. Die sind besser für dich als Kaffee“, die Russin grinst.
„Oh vielen Dank. Das ist lieb von Dir. Aber ich bevorzuge Kaffee. Vielen Dank.“
Gerade als sie sich aus der Schublade einen der Kaffeelöffel schnappen will, fällt ihr etwas auf, was sie seit sie von zu Hause ausgezogen ist, nicht mehr gesehen hat (und darüber war sie auch stets sehr froh gewesen): „Wieso haben wir ein Nudelholz, bitte?“
„Das habe ich mitgebracht. Zum Kuchen Backen.“
„Aha.“
„Ist gut für Frauen, wenn man Kuchen backt.“

Mein Telefon klingelt.
„Hast Du vielleicht ein Nudelholz?“; fragt Miranda mich, ohne Hallo zu sagen.
„Was?“
„In deiner Küche?“
„Soll das ein Scherz sein?“
„Okay … Magda hat ein Nudelholz mitgebracht.“
„Wer?“, ich gähne.
„Meine neue Mitbewohnerin. Und es ist furchtbar wenn sie da ist, weil ich andauernd das Gefühl habe, ich müsste putzen oder vielleicht backen – weil sie findet dass es Frauen gut tut irgendwas zu backen.“, flüstert Miranda ins Telefon, „Und: Sie versteht uns!“
„Scheiße!“, antworte ich.
„ Aber zurück zum Nudelholz – sie hat es nicht einfach nur mitgebracht. Es war als wolle sie mir einen Vorwurf machen. Wie es da lag – so wie ein bedeutungsschwerer Spruch meiner Mutter. Sie konnte gar nicht fassen, dass ich keins habe.“
„Was?“
„Carrie, hörst Du mir überhaupt zu?“
„Süße, es ist 5:45 Uhr – ich stehe um die Uhrzeit normalerweise nicht auf. War gestern Abend noch … was trinken.“
Ich tapse in meine Küche, damit ich ihn nicht wecke.
„Meine neue Mitbewohnerin: Magda, – sie will, dass ich backe. Weil das gut sei, für Frauen.“
„Wo kommt die her? Aus einer Zeitkapsel?“, ich schnappe mir eine Flasche Kokosmilch aus dem Kühlschrank und setze mich auf die unbenutzte Arbeitsfläche meiner Küche. Gerade will ich Miranda erzählen, wer da in meinem Bett liegt, als Miranda: „Hey Magda, wo ist mein Föhn?“, in den Hörer schreit. Ich halte das Telefon abrupt einige Zentimeter von meinem Ohr weg.
„Sie sortiert alles um, sie bringt ein Nudelholz in meinen Haushalt und bestickte Handtücher.“
„Was ist denn das für ein Krach eigentlich?“
„Sie saugt“, Miranda schüttelt den Kopf, 5:47 Uhr – aber wieso eigentlich nicht. Es hatte ehrlich gesagt noch nie jemand staubgesaugt, seit sie hier eingezogen war.
Wir legen auf.

Carrie, 16:32 Uhr: „Können wir heute vielleicht einfach facetimen, Mädels? Es ist so kalt und ich hatte eine ziemlich kurze Nacht.“
Charlotte, 16:32 Uhr: Ist mir recht, – habe gerade wieder 60 Minuten von der 42nd Street bis nach Hause gebraucht. Irgendwas stimmt mit dem 6 Train mal wieder nicht.
Miranda, 16:40 Uhr: Wenn Magda mir nicht gerade eine Schürze umbinden und mich zum backen zwingen will, bin ich dabei!
Sam, 16:43 Uhr: Bis gleich, Mädels!

Miranda ist es, die uns alle anruft. Telefonkonferenz – ich liebe es. Denn so viele Restaurants und Bars New York auch zu bieten hat, manchmal: bleibt man doch gern einfach zu Hause.
„Ich kam aus dem Bad, frisch geduscht und hatte den Schreck über das Nudelholz …“, beginnt sie zu erzählen.
„Nudelholz?“, Samantha klingt interessiert.
„Andere Geschichte“, ,sagt Miranda knapp, „jedenfalls: den hatte ich gerade überwunden. Und ich konnte auch den Lärm des Staubsaugers ignorieren. Aber als ich mein Zimmer betrat und sah, wie sie erschrocken auf irgendwas neben meinem Bett starrte…“
„Was macht sie denn in Deinem Zimmer?“, fragt Charlotte.
„Sie saugt. Den ganzen Tag. Man kann sie nicht aufhalten – und ehrlich? Ich wollte es auch nicht. Soll sie doch mein Zimmer saugen und Kuchen backen, wenn es ihr damit besser geht. Meinetwegen soll sie alle Schränke der Wohnung neu organisieren – aber eins ist tabu: mein Nachtschränkchen.“
Samantha und ich nicken, „Ja, das ist logisch.“
„Logisch scheinbar nicht auf russisch. Magda wollte wohl auch mal durch meine Schublade saugen, – merkte dann aber, dass der Vibratos nicht für die Staubsaugeröffnung gedacht ist…“
„Ich kann nur nicht glauben, dass sie es gewagt hat, deine Goodie Schublade zu öffnen. Das Nachttischchen ist privat.“
„Wieso? Was hast Du den da für Sachen drin, Miranda?“, fragt Charlotte interessiert.
„Ach, nichts weiter, nur das übliche: Kondome, Vibrator…
„…Massageöl und Gleitgelel “, führe ich fort.
„Brustwarzenklemmen, Analplugs und Handschellen.“, sagt Samantha nüchtern. Es scheint fast, als würde sie sich langweilen.
„Wirklich?“
Samantha antwortet augenblicklich: „Nicht für mich. Für die!“
„Das ist abartig!“
„Was ist in deiner Schublade, Charlotte?“, fragt Miranda.
„Ich habe keine Goodie Schublade.“
„Jede Frau hat eine Goodie Schublade“, erwidere ich prompt.
Samantha: „Nein Süße, ich hab einen Goodie Wandschrank!“
„Was du da drin hast, will ich lieber gar nicht wissen.“, grinse ich.
„Dito!“, lacht Miranda.
Die einzige, die noch weiter interessiert zu sein scheint, ist Charlotte:“Wo kauft man denn sowas? Das ist doch unangenehm…“
„Süße, 1150 2nd Ave – ein ganz toller Laden, die Beratung ist ein Traum. Aber ich kaufe online natürlich. Immer auf der Suche nach den neusten Trends. Kennt ihr schon den Volta  – ich hätte selbst nicht gedacht, dass meine Blowjobs noch besser werden, aber dieser kleine Helfer…“
„Süße, ich unterbreche Dich ungern aber: Was ist das für ein Krach“, frage ich, obwohl ich bereits erahne, wer oder was es ist.
„Wer wohl: Magda – sie saugt. Zum 2. Mal heute. Und zum zweiten Mal seit 3 Jahren in dieser Wohnung hier.“
Es klopft an der Tür…
„Was ist los Magda, ich telefonieren –“
Wir drei sehen, wie die Russin ihren Kopf durch den Türspalt steckt und verlegen grinst.
„Hey, nice to meet you!“, sagt Charlotte mit einem breiten Grinsen.
„Sie versteht Euch – was ist los? Warum schaust Du so auf das Ding?“, fragt Miranda gereizt.
„Was für Ding?“, fragt sie unschuldig und schaut abwechselnd in unsere Augen und zu irgendwas – das hinter Miranda Laptop stehen muss.
„Du weißt was ich meine. – Leute, sie starrt auf meinen Nachttisch.“, es scheint fast, als würde Miranda auf Hilfe hoffen.
„Kann man dich heiraten will, wenn du das bei Bett hast. Er wird denken, dass du ihn nicht brauchst.“
Charlotte reist die Augen auf und nickt: „So ist es! Miranda, sie hat recht! Magda, ich freue mich wirklich sehr dich kennenzulernen.“
„Was ist das hier. Ein Zusammenschluss der Anti-Vibratoren-Front?“
„Ich mich auch, Fräulein Charlotte.“
„Charlotte…“, Miranda klappt den Laptop halb zu, wir hören sie aber trotzdem noch: „Magda, was ich nicht brauche ist eine zweite Mutter. Ich habe eine in Deutschland, – das ist weit weg, ja. Und das ist okay so. Ich will eine Mitbewohnerin, die ruhig ist und sauber und mich nicht verurteilt weil ich eine Single-Frau bin, die in NY lebt. Ich trinke Kaffee und ich habe Sex. Und kaufe meinen Kuchen beim Bäcker und habe Freude an Batterie betrieben Geräten. Du wirst dich damit abfinden oder ich werde eine Mitbewohnerin finden, die das kann.“
Die Tür wird leise geschlossen.
Miranda schaut uns entnervt an.



Sie ist ein wenig rot geworden: „Und das schlimmste ist, dass sie mich in Verlegenheit bringt!“
„Die Frau braucht aber dringend eine Goodie-Schublade“, sagt Samantha, während sie sich ihre Fußnägel in einem knalligen Rot lackiert, „und du auch, Süße!“, fährt sie fort, bevor Charlotte irgendwas einwenden kann.
„Du kannst ihr ja mal was in ihre Goodie-Schublade in der Küche legen“, grinse ich.
„Vielleicht gar keine so schlechte Idee.“
„Was machst Du da eigentlich, Carrie?“, fragt Charlotte.
„Ich trinke Milch. Weiß auch nicht, was los ist.“
„Das meine ich nicht…du starrst so abwesend vor dich hin.“
„Ich suche online etwas – ein Willkommensgeschenk für Magda.“
„Oh, wie wäre es mit dem …“, ich stöbere weiter durch die FUN FACTORY.
„Wie meint ihr?“, fragt Miranda interessiert.
„Sie sortiert Deine Schubladen um, dann können wir ihre doch auch ein wenig aufmischen. Wie wäre es denn das Nudelholz gegen etwas einzutauschen, das wir für „gut für Frau“ empfinden? –– Also: Vibrator oder Dildo?“
„Was ist denn da der Unterschied?“, fragt Charlotte leise.

Wir bestellen den Big Boss zu Miranda nach Hause.. Sie legt ihn unauffällig – insofern man das so bezeichnen kann – in die Besteckschublade. Versteckt das Nudelholz. Und wir warten ab.
Magda hat nie etwas dazu gesagt.
Aber der Vibrator war am nächsten Tag verschwunden und sie kam abends mit einem kleinen Nachttisch nach Hause.
„Ich brauchte etwas, um meine kleine Lampe abzustellen…“
Miranda grinst und zeigt Verständnis: „Klar.“
Seither: saugt Magda nur noch ein Mal die Woche, ist das Nudelholz wieder an seinem alten Platz aufzufinden und hat sie nie wieder eine Bemerkung zu Mirandas Schublade verloren.

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit FUN FACTORY.

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14 Kommentare

  • Reply Caro 10. April 2018 at 11:58

    Super coole Bilder!

    • Kleinstadtcarrie 10. April 2018 at 11:59

      Vielen Dank und das Kompliment gebe ich an Martin gerne weiter 🙂

  • Reply Kimberly 4. April 2018 at 11:33

    Liebe Luise,

    ein sehr gelungener Post und als großer SatC Fan liebe ich deine Art dieses Thema zu umschreiben und eine kleine Geschichte mithilfer unserer 4 Freundinnen aus NYC zu kreiren. Super erfrischend und ich hatte bei manchen Zitaten förmlich die Szene vor Augen 🙂
    Mach weiter so!
    Ganz liebe Grüße aus dem Norden,
    Kimberly

  • Reply Lea 4. April 2018 at 7:31

    so so toll zu lesen. Habe direkt wieder Lust auf die Staffeln bekommen und plane jetzt einen Sex and the City Abend mit meinem Mädels. Ich liebe deine Art die Charaktere neue in deine Artikel einzufügen 🙂

  • Reply Kati 3. April 2018 at 22:16

    Hey Luise!
    Erst mal: super geschrieben, der Text. Saß gefesselt und schmunzelnd vor meinem Laptop und konnte mir die Situation gut vorstellen 😀
    Ich will hier auch gar nicht meckern oder irgendwas überanalysieren, das ist überhaupt nicht angebracht oder nötig. Was mir aber beim Lesen des Textes durch den Kopf gegangen ist: die arme Magda! Weil so sehr ich auch Befürworterin davon bin, seine Sexualität offen auszuleben und auch auf gar keinen Fall finde, dass ihre Aussagen (ich weiß, ist alles fiktiv) irgendwie „stimmen“, finde ich es irgendwie blöd, dass heutzutage so oft versucht wird, einer Person, die Sexualität und dem ganzen drum herum nicht so offen gegenüber steht, seine Meinung aufzudrücken. Einfach, um das mal so offen in den Raum zu stellen.

    Liebe Grüße, Kati 🙂

    • Kleinstadtcarrie 4. April 2018 at 14:57

      Hey Kati,

      absolut berechtigter Kommentar und Einwand! Sehe das total wie du – das soll ja aber alles witzig gemeint sein hier und wenn – angenommen all‘ das wäre real – sie hätte das nicht gewollt, wäre das ja akzeptiert worden. Denke es ist wichtig, dass wir alle einander akzeptieren: viel Sex, wenig Sex oder auch gar keiner, Vibrationen, Toys, hetero oder homo … what ever, jeder wie er/sie mag, nicht war? 🙂

  • Reply Lena 3. April 2018 at 21:28

    Super Post! Auch wenn einiges aus Sex and the City übernommen ist, finde ich den ganzen Beitrag super geschrieben und freue mich schon auf die Veröffentlichung deines ersten Romans! Dafür hättest du echt Talent 🙂 Und ich finde es auch super, dass du das Thema ansprichst. Man sollte offener darüber reden können!
    Liebe Grüße, Lena

  • Reply Lena 3. April 2018 at 21:28

    Super Post! Auch wenn einiges aus Sex and the City übernommen ist finde ich den ganzen Beitrag super geschrieben und freue mich schon auf die Veröffentlichung deines ersten Romans! Dafür hättest du echt Talent 🙂 Und ich finde es auch super, dass du das Thema ansprichst. Man sollte offener darüber reden können!
    Liebe Grüße, Lena

    • Kleinstadtcarrie 3. April 2018 at 21:49

      Vielen vielen Dank für Dein Feedback, liebe Lena 🙂

  • Reply Anne 3. April 2018 at 19:38

    Liebe Luise,

    Wahrscheinlich wirst du diesem Post gar nicht erst veröffentlichen wie du es so oft nicht machst bei negativen Kommentaren, aber ich frage mich weshalb du fast ausschließlich aus Sex and the City zitierst und das als dein eigen verkaufst?

    Liebe Grüße
    Anne

    • Kleinstadtcarrie 3. April 2018 at 19:58

      Hey Anne,

      ich veröffentlich 99% der Kommentare 🙂 Es sei denn es geht unter die Gürtellinie.

      Das ist ja der Witz an der Sache … ich steige ein wie eine der alten Folgen, mache dann aber was Neues/Aktuelles draus!
      Aber Du hast natürlich recht, das hätte ich kennzeichnen müssen und werde mir da bis morgen mal einen Weg überlegen!

      Alles Liebe,
      Luise

  • Reply herzballon 3. April 2018 at 18:58

    Ich finde einfach super, dass du solche Themen so offen ansprichst.