Lass Dich fallen!

/14. März 2018/15 Kommentare

Ich halt mich fest – nur dich irgendwie fern. Also halt ich mich fest – nur nicht an Dir. 
Es tut mir Leid.

„Komm her!“, sagt er und zieht mich aufs Bett. An sich. Ich sehe etwas Flehendes in seinem Blick. 



Und: Ich kann mich nicht fallen lassen,
– weil Du nicht weißt, was Dich erwartet. Das ist ein Medizinball mit Federn getarnt. Schwere Lasten. Altlasten. Ballast. Und Löcher in meinem Herzen, in die man zu fallen droht.
Ja, ich bin überdramatisch.
Und verletzt. Abgestumpft vielleicht. Betont unromantisch. Abenteuerlustig und selbstbewusst. Selbstständig. Und bewusst unabhängig. Und so soll es auch bleiben. Damit fahr ich gut. Gleichmäßig. Und ziemlich schnell. Ich bekomm Gegenwind ab. Und hab damit schon den ein oder anderen abgehängt. Und dann gibt es da den, der mich jagt. Und rastlos hat werden lassen. 
Also: ich kann mich nicht fallen lassen. 
Es tut mir Leid.

„Komm her!“, sagt er und zieht mich aufs Bett. An sich. Ich sehe etwas Geduldiges in seinem Blick.

Und: Ich kann nicht nicht fallen lassen,
– weil Zeit eben nicht alle Wunden heilt. Und ich Deine Zeit nicht verschwenden will. Weil es manchmal scheint, als habe die Sanduhr ein Loch. Und weil – ich noch so viel erleben will. 
Ich weiß, was Du vorhast. Stück für Stück meine Mauer abbauen. Du wirst sie nicht einrennen – und das ist das Problem. Du bist sacht. Langsam. Sanft. Und vorsichtig. Du tastest Dich vor und schaust durch die Risse, die ich so sorgfältig verspachtelt habe.
„Du hältst das nicht aus.“, flüstere ich und erinnere mich daran, wie ich genau das, das letzte Mal vor fast drei Jahren gesagt habe. Und Recht behielt.
Also: ich kann mich nicht fallen lassen.
Es tut mir leid.

„Komm her!“, sagt er und zieht mich aufs Bett. An sich. Ich sehe etwas Ehrliches in seinem Blick.

Und: Ich kann mich nicht fallen lassen,
– weil Du nicht weißt, was Dich erwartet. 
Und Deine Ehrlichkeit erschüttert mich, weil: ich unehrlich bin.
Weil ich Dir nicht sagen kann, was ich denke und vermute, fühle und befürchte. Weil ich mich schäme für das, was ich Dir in Gedanken unterstelle. Mein Urteilsvermögen von schmerzlichen Erfahrungen getrübt. Ich bin scheu sagst Du, und ahnst nicht. Mein Koffer ist gepackt und ich bin bereit zu gehen. Dann wenn es anfängt weh zu tun. Wenn er mich wieder eingeholt hat – dann: werde ich weiter ziehen. Wie vom Erdboden verschluckt. 
Und du schaust mich an. Ruhig sagst Du: „Ich komme mit!“

„Komm her!“, sagt er und zieht mich aufs Bett. An sich. Ich sehe etwas Bestimmendes in seinem Blick.

Auf deine Verantwortung, okay?
Ich habe Dich gewarnt.

„Komm her!“, sagt er und zieht mich aufs Bett. An sich. Ich sehe etwas Liebevolles in seinem Blick.

Und erwidere ihn.
Lege mich hin.
Sanft. Neben ihn. Noch ein bisschen Abstand.
Lasse mich nicht gänzlich fallen.
Aber dafür endlich meine Lasten.

Der Text ist erst kürzlich entstanden und ging mir irgendwie viel sanfter, langsamer aufs Papier als sonst.
Die Fotos haben wir, Martin (wieso heißen die besten Fotografen eigentlich gleich?) vor 2 Wochen bei mir im Untermietszimmer geschossen. Dort aus der WG in Friedrichshain musste ich heute wieder ausziehen. Alle Kisten sind wieder im Storage verstaut und ich bin auf dem Weg nach Dresden, bevor es dann am Donnerstag nach Sri Lanka weiter geht.
Würde Euch ein Beitrag zu meinem Digital-Nomade-Dasein interessieren? Wenn ja, was interessiert Euch am meisten?

 

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15 Kommentare

  • Reply Selin 25. März 2018 at 10:38

    Hey,

    Du wirst einfach immer hübscher, je älter du wärst. Das Thema, das Alina angesprochen hat, würde mich auch stark interessieren. Würde mich freuen, etwas von Dir darüber zu lesen.

    Alles Liebe http://www.bohemianloverbabe.blogspot.de

    • Kleinstadtcarrie 25. März 2018 at 13:06

      Danke Danke Danke Selin,
      – und ja, ich arbeite an einem Beitrag dazu 🙂

  • Reply Isabel 24. März 2018 at 18:55

    Toller Text meine Liebe! mach weiter so 🙂

    Liebe Grüße,
    Isabel von Isabelciel.com

  • Reply Marmormaedchen 24. März 2018 at 18:54

    Hallo Luise
    Ein wundervoller Text, der unter die Haut geht. Sich gehen lassen – eintauchen. Gänzlich.
    LG Jasi
    http://www.marmormaedchen.ch

  • Reply Leni Bo 22. März 2018 at 21:04

    Liebe Luise,

    Ich hoffe, du hälst mich nicht langsam für einen Starker, weil ich hier so ungefähr jeden Post kommentiere, aber ich kann einfach nicht anders…
    Es ist unheimlich schwierig, sich fallenzulassen und du schreibst mir (wieder einmal) aus der Seele. Ich danke dir für diese weichen wahren Worte. Und es sind wirklich tolle Bilder, ich will auch so einen Martin für meinen Blog!! 😉

    Alles Liebe und einen schönen Abend,
    Leni!

    • Kleinstadtcarrie 25. März 2018 at 13:04

      Liebe Leni,

      – das tue ich nicht! Ich freu mich darüber, riesig! Wirklich über jeden Kommentar.

      Küsschen <3

  • Reply Melina 20. März 2018 at 20:43

    Ich liebe deinen Schreibtstil und deine Texte!
    Sie wirken so ehrlich und fesselnd.
    Hast Du mal mit dem Gedanken gespielt ein Buch zu veröffentlichen?

    Hab noch einen schönen Abend,
    Melina

    • Kleinstadtcarrie 25. März 2018 at 13:05

      Liebe Melina,

      vielen vielen Dank.
      Und: ja, das habe ich <3

  • Reply Ellie 19. März 2018 at 09:48

    Wieder mal super toll geschrieben, meine Hübsche!<3
    http://www.blogellive.com/2018/03/11/astronaut-ivypark-nasa/

  • Reply Alina 18. März 2018 at 20:21

    Heyhey,

    wieder mal tolle Bilder und ein emotionaler Text 🙂 Mich würde das Thema digitaler Nomade total interessieren. Vor- und Nachteile – was fehlt einem und was bekommt man dafür? Ängste, Zweifel, Rückschläge aber auch die tollen Momente

    Liebste Grüße,
    Alina von Selfboost

  • Reply Maria 15. März 2018 at 11:47

    Hast Du den Text letztens schon einmal hochgeladen, aber mit anderen Bildern? Ich bin mir sicher, dass ich ihn schon einmal gelesen habe.
    Dennoch: Weiter so, Luise 🙂 !

    • Kleinstadtcarrie 15. März 2018 at 20:39

      Liebe Maria,

      ja der Text war schon Mal drin, auch mit den selben Bildern – leider gab es bei der Kommentarfunktion technische Fehler, weswegen ich den Beitrag erneut hochgeladen habe 🙂

  • Reply Marie Dyness 14. März 2018 at 22:07

    Ein wirklich spannender und toller Post!
    Alles Liebe, Marie💗
    http://mariedyness.blogspot.de/