Mama

/13. Mai 2018/5 Kommentare

„Ich habe Fehler gemacht, ich weiß.“, hast Du neulich am Telefon zu mir gesagt.
Ich nicke.
Und schüttle augenblicklich den Kopf.
Das spielt keine Rolle.
Das spielt heute keine Rolle.
Denn es geht mir gut und ich bin groß und stark, so wie wir es immer gehofft haben.
Ich bin groß und stark und alles was ich weiß ist: Du das hast das richtig gemacht und gut und du tust es noch immer.
Du hast 11 Tage lang auf mich gewartet und das allein durchgestanden.
Du hast diese Entscheidung getroffen und eine andere, damit wir ihn trotzdem haben.
Du hast uns immer und immer wieder gehen lassen.
Du hast, ohne das Gesicht zu verziehen, meinen Salat aus Banane, Chicorée und Paprikagewürz gegessen.
Du hast mir vertraut, meinen Willen gelassen, meine Stimme gehört.
Du hast mein Zeitung gekauft für 15ct und jedes Exemplar aufgehoben.
Du hast uns Spagetti gekocht
und als ich in der Christenlehre war, hast Du meine Bedenken weggestreichelt. Denn Du bist ein Engel.
Ich habe Brote geschmiert.
Und sie eine ganze Welt auf ihrem Rücken getragen.
Wir haben uns Märchen vorgelesen, an jedem Tag im Advent.
Du hast uns ein Bett und eine Burg gebaut, Mama.
Himmelbett in grün und im Herbst fielen die Blätter.
Wir haben uns beschützt und gehegt.
Zum Geburtstag 10 Minuten Massage.
Oder vielleicht ein bisschen mehr.
Und: zu Silvester gab es Wunderkerzen und Du standest am Rand der Eislaufbahn. Du hast mir meinen Pony verschnitten. Dokumente, die Du mir einscannst, sind ein einziger riesiger Pixel. Und warst das eine Mal nicht am Bahnhof. Aber das ist okay. All’ das ist mehr als okay.
Denn: Du hast alles richtig gemacht.

Du hast mich wochenlang gepflegt.
„Ich habe Angst, Mama!“, – du nimmst meine Hand. 
Und ich sehe, dass Du noch viel mehr Angst – um mich – hast, aber auch: dass ich keine haben muss.
Du bist da.
Du bist da und nimmst mir das Sorgen Machen ab.
Gilmore Girls und Tomatensoße. Kuscheln um 6:30 Uhr und der Tropfen an Deinem Hals. Das rote Sofa. Prager Straße. Fotos am Feldrand und irgendwie plötzlich in Dubai. Ein Nest, aus dem plötzlich alle ausgeflogen waren. Fotoalben. Und wir saßen auf dem Balkon, als unter uns die Welt mit sich gerissen wurde. Eine Träne und dann hast Du die Tür geschlossen und drinnen war irgendwie alles okay.

Du hast geliebt.
Du liebst.

Danke Mama.
Für jeden Fehler.
Und alles andere – das überwiegt. So sehr überwiegt.
Sieh’ uns an, wir haben das geschafft. Du hast das geschafft. Geschaffen.

Join the discussion

5 Kommentare

  • Reply Marmormaedchen 16. Mai 2018 at 23:05

    Wundervoll.

  • Reply Janina 14. Mai 2018 at 10:32

    Ein tief berührender Text! Er hat mich zu Tränen gerührt und mich all deine Gefühle spüren lassen. Danke dafür 🙂

  • Reply Irina 14. Mai 2018 at 09:26

    So voller Liebe! 🙂 Wirklich schön!

  • Reply Susi 13. Mai 2018 at 16:45

    Der Beitrag hat mich zu Tränen gerührt. Danke dafür!