Missetat begangen.

/18. Januar 2018/21 Kommentare

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Ich habe eine Weile nichts von Dir gehört. Du hast gelesen. Du kannst immerhin immer von mir lesen. Und du weißt, wo meine Schritte wandeln. Du verfolgst mich still. Und heimlich. 
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Und ich frage mich, was Du wohl gerade tust. Du bist auf der Karte des Herumtreibers nicht zu finden. Ob du ihr noch folgst. Im Weg stehst? Hinter der nächsten Ecke lauerst? Ich weiß es nicht. Tarnumhang. Du trägst den Tarnumhang. Und selbst wenn eine Haarsträhne heraus geblitzt hätte, ich hätte es nicht gemerkt. Das war ein aufregendes Jahr. Ein lautes. So viele Schritte. Um mich. Und zurückgelegt. So viele Meter voneinander entfernt. Mindestens 10 000 am Tag. Geschafft. 
Ich bin ziemlich weit weg, – auch wenn dieses Flugzeug mich in unter 9 Stunden zurück gebracht hat. Zurück an den Ort, an dem wir uns das erste Mal begegnet sind.
Irgendwie waren unsere Füße, unsere Schritte damals so viel kleiner. So viel unbedeutender. Aber dafür: sacht. Und vor allem sichtbar.

Es braucht keine Magie um dich sichtbar zu machen. Nur Mut. Und Leichtsinn. Neugierde und dass ein Jahr zu Ende geht.
Ein bisschen Magie.
Und ich ziehe Dir den Umhang von Deinen Schultern. 
Und da bist Du. Ich seh’ Dich. Du stehst genau vor mir. Unverändert irgendwie, aber trotzdem fremd. 
Du drehst Dich um. Und siehst mich. Mein Gesicht. Nicht nur meine Worte. 
Und wir starren uns an. 
Irgendwann: Ich schlage die Karte auf. Und sehe Deine Schritte. Auf der Stelle. Du bist wieder auf der Stelle getreten. Auf einer anderen zwar. Aber da ist ein dunkler Fleck. Und ich bin mir nicht sicher, ob das die Spuren Deiner Schritte oder Zerstörung sind. 
Du bewegst Dich: Du läufst auf mich zu. Schneller. Schneller. Expelliarmus!, rufst Du. Wie früher. Crucio!, wisperst Du leise. Crucio!, noch Mal. Deutlicher. 
Ich erstarre. Halte die Karte fest in meiner linken, den Zauberstab noch immer in der rechten Hand. Kann mich nicht bewegen – ehrfürchtig erwarte ich den Schmerz. Du rennst. Nichts. Ich kann mich bewegen. Bin nicht entwaffnet und begreife. Will Dir den Umhang überwerfen. Vergessen. Du weichst aus. Und rennst. Auf mich zu. Du greifst nach mir. Und mit Absicht daneben. Wir streifen einander. Sanft. Crucio!, noch mal. Ganz leise. Ganz sanft. Beinahe vorsichtig. Ein Hauch. Auf meiner Haut. Eine Berührung. 
Ich bin unachtsam. Und der Zauber wirkt. Es brennt. Es brennt, weil Du mir Versprechen in die frisch verheilte Wunde gegossen hast. Ein stummer Schrei. Geheim. 
Ich komme zu mir. Öffne die Karte. Du läufst auf mich zu. Wieder. Schneller. Schneller.

Ich schlüpfe unter den Vorhang. 
Keine Bewegung. 
Irgendwann ist die Luft rein. Nach ein paar Tagen, klappe ich die Karte des Herumtreibers sanft zusammen. 
Missetat begangen, flüstere ich. 
Ein Pergament. Nichts weiter.
Unbeschrieben. Wie unsere Herzen. Alles auf Anfang. Es ist nie etwas passiert. 
Ich presse meinen Zauberstab noch eine ganze Weile auf das gefaltete Pergament. So wie Du immer deinen Finger auf meine geschlossenen Lippen gepresst hast, wenn wir den verbotenen Flügel betreten haben, zu nah an der Weide entlang spaziert sind.

Was war ich blind. Und das lag nicht an dem Umhang. 
Verspreche mir selbst dieses Duell nicht noch mal zu führen. Kenne die Zaubersprüche nicht. Denn das ist die Magie der dunklen Künste. Und du bist nicht Snape. Und du bist leider nicht Snape.

 

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21 Kommentare

  • Reply Dea 22. Januar 2018 at 14:30

    Es tut mir leid, dass du so verletzt wurdest.

  • Reply EssayHilfe 21. Januar 2018 at 20:55

    Die Gedanken sind unglaublich super!Vielen Dank für Interessanter Beitrag. Ich finde solche Beiträge einfach immer super. Sehr interessant zu lesen..
    VG

  • Reply Anonym 21. Januar 2018 at 13:51

    POTTERHEAD! <3
    aber davon mal abgesehen, hab ich mich auch so in den Text verliebt.
    Weiter so! So wunderbare Texte, wie deine, braucht die Welt.

  • Reply Anni 20. Januar 2018 at 22:59

    Wow Luise, ich habe ja schon länger nicht mehr kommentiert, aber ich muss sagen, der Text ist einfach richtig gut. Geht unter die Haut und bleibt im Gedächtnis. Die Bilder dazu finde ich ebenfalls echt toll fotografiert und bearbeitet. Ich komm jetzt nach einer kleinen Pause definitiv wieder häufiger vorbei <3

  • Reply Andrea 19. Januar 2018 at 16:31

    Mega verliebt in die schönen Bilder!

  • Reply Ellie 19. Januar 2018 at 14:18

    Wunderbar geschrieben, wie immer!<3
    http://www.blogellive.com/2018/01/19/sesam-honey-cubes/

  • Reply Myriam 19. Januar 2018 at 11:46

    Wunderschöner Text und wunderschöne Fotos dazu!:)

  • Reply Mrs Unicorn 19. Januar 2018 at 11:23

    So ein schöner Beitrag. Vielen Dank für deine Gedanken.

    Viele Grüße und eine fantastische Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

  • Reply Maj-Britt 19. Januar 2018 at 07:15

    Ich weiß ehrlich nicht, wie du das immer machst, liebe Luise. Wie du das, was du uns sagen möchtest, immer in Geschichten verpackst, in denen wir alle mitfühlen können. Wenn ich deine Texte lese, denke ich immer: „Wow! Irgendwann werden diese Texte in den Schulen landen. Zum Analysieren. Dann werden Schüler darüber gebeugt sein und Wort für Wort die Bedeutung analysieren.“ Und das meine ich als Kompliment! Denn nur die ganz großen haben die Ehre, in den Schulen analysiert zu werden. Ich lese deine Texte „nur“, aber selbst da fallen mir schon einige sprachliche Mittel auf (ob gewollt oder nicht), und ich finde es beeindruckend, wie du diese anwendest. Denn ich finde sie wirken. Okay. Also das sollte ein Kompliment sein, ich hoffe es kommt auch so rüber. 😉 Mach weiter so, Luise! Ich freue mich noch viel viel mehr von dir zu lesen!

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

    • Kleinstadtcarrie 19. Januar 2018 at 11:06

      Liebe Maj-Britt,

      DANKE 🙂 Ich verstehe was Du meinst – und es rührt mich sehr!
      Hoffen wir, dass die Schüler später (wenn es so sein soll), mich und meine Texte dann nicht auf dem Pausenhof verfluchen 😀

      Deine Luise <3

  • Reply Leni Bo 19. Januar 2018 at 00:15

    Ich habe Gänsehaut. Und Bilder im Kopf. Und Erinnerungen an vergangene Duelle vor verschlossenen Augen. Und Zaubersprüche auf der Zunge. Ich habe mitgelitten. Ein bisschen. In deinen Worten. Und an den Elderstab gedacht, den ich nie halten wollte. Was Geschehen ist ist geschehen und Spuren verblassen. Irgendwann. Und vielleicht dreht sich dann der Punkt mit dem Namen des Kartenbetrachters nicht in größerem Kreis um Tarnumhanggestalten, sondern leicht verschlängelt einem fernen paar Fußspuren entgegen. Loslassen ist die schwierigste Kunst. Duelle beenden, wenn ein geflüstertes ‚Crucio‘ klingt wie der Name eines Liebestranks.
    ‚Finite incantatem‘, murmel ich, und löse den Fluch.
    Leni.

    • Kleinstadtcarrie 19. Januar 2018 at 11:03

      Leni <3
      Ganz viel Liebe für Dich und diesen Kommentar!

  • Reply Anne 18. Januar 2018 at 21:08

    Na über Weihnachten auch Harry Potter geguckt?

    • Kleinstadtcarrie 19. Januar 2018 at 11:03

      Tatsächlich nicht – leider!
      Aber ansonsten immer in meinem Leben 😀 Es wird mal wieder Zeit 🙂

  • Reply herzballon 18. Januar 2018 at 20:01

    So ein wunderschöner Text ♥

  • Reply Luu 18. Januar 2018 at 19:34

    Toller Text, gerade als Harry Potter Fan eine wahre Freude zu lesen 🙂

  • Reply Jojo 18. Januar 2018 at 18:40

    Danke! Für diesen tollen Beitrag. Ich liebe ihn.