Macht und Mode

/11. Januar 2018/14 Kommentare

Front Row. Designer Taschen. Hermes. Dior. Und Sunset Boulevard. Wo hast Du das her? Der Teufel trägt Prada. Eine Vogue unterm Arm. Und dann war da mein erstes Bloggerevent. Das zweite. Und dritte. Und plötzlich: kaufte ich diesen Burberry Schal. Darum. Weil es etwas zu bedeuten hatte. Weil es mir und vor allem ihnen etwas bedeutete. Das ist jetzt 5 Jahre her. Und heute trägst Du Gucci Sneakers, – wenn Du jemand bist. Sonnenbrille von einem ganz bestimmten. Und Hoodie by Surpreme. Dolce und Gabbana schickt Influencer auf den Laufsteg, setzt Ihnen Kronen auf und wir feiern die Royals. Klatschen. Und feiern. Liken und Jubeln. Lipliner und Squats. Und der Highlighter strahlt heller als die matten Augen es je könnten.
Ich habe Pullover gekauft, die ich nie tragen würde. Ich habe in eine Tasche investiert, weil MK drauf steht. Ein Mantel mit Pelz. Weil das edel ist. Weil das Könige so machen. Weil Prinzessinnen nicht nach unten schauen. Weil wir mächtig sind und sein wollen. Weil das hier: Macht und Mode ist.

Kleider machen Leute.
Wir waren jung und ahnungslos. Und sind es irgendwie immer noch.
Jubeln und nachkaufen. Liken und baken und bleachen und kaufen.
Trends vergehen und das haben wir irgendwann verstanden. Aber: alles kommt immer irgendwann wieder.
Dabei ist etwas nie aus der Mode gegangen. Dabei ist etwas leider nie aus der Mode gegangen: Kleider machen Leute. Nein. Kleider machen Könige.

Also irgendwann, habe ich mich dessen entzogen: Den Schal verkauft. Und den Mantel auch. Habe das Geld gespendet. Und gehe heute unachtsam an schick verzierten Schaufenstern vorbei und starre dafür stundenlang durch die dicken Gläser der Ausstellung. Macht und Mode. Glitzer und Edelsteine. Samt und Geschmeide. Starre Gesichter. Zierliche Schuhe. Prunkvoll. Und ich frage mich, wann aus Zeptern Selfiestäbe wurden und wann wir anfangen über Bleaching zu lachen wie über Flohfallen in Büstenhaltern. Wieso nicht einfach waschen? Wieso nicht einfach weniger Fotos mit Kaffeebechern in der Hand. Aber: das ist der Lauf der Zeit. Und das ist okay. Und wahrscheinlich wird das nie aus der Mode gehen. Aber die Gewissheit, dass irgendwann irgendwer diese Mäntel und Schuhe und Handys und Fotos hinter dicken Glasscheiben in dunklen Museumsräumen betrachten, staunen und vielleicht ein bisschen schmunzeln wird – lässt mich heute ruhig schlafen.

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Gemeinsam mit Martin haben wir Ende vergangenen Jahres in der Ausstellung Macht und Mode der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden fotografiert – und wurden: fasziniert. Ich kannte die Räumlichkeiten bereits, aber jedes Mal auf’s neue wird man in andere Zeiten entführt und von der Pracht der Ausstellungsstücke, sowie dem Spiel von Licht und Dunkelheit verzaubert.
Wusstet ihr, dass ich mich früher wann immer es ging in Prinzessinnenkleider gekleidet habe und verträumt durch die barocken Straßen Dresdens geschlendert bin, in der Hoffnung: eines Tages eine Prinzessin zu sein. In der Ausstellung Macht und Mode – kommt man diesem Gefühl sehr nah. Für 9,00 € für Studenten oder für alle unter 17 Jahren sogar kostenfrei, könnt ihr solang ihr wollt von reich verzierten Täschchen über seltene Prunkkleider bis hin zu amüsanten sogenannten Schamkapseln bewundern. Die Ausstellung hat täglich, außer Dienstags, von 10-18 Uhr geöffnet. Also schaut unbedingt Mal vorbei: zum Schauen, Schmunzeln und Diskutieren, denn die Staatliche Kunstsammlung Dresden schreibt selbst: „Kleider machen bekanntermaßen Leute – die im Frühjahr 2017 neu eröffnete Dauerausstellung im Dresdner Residenzschloss macht zudem deutlich: Kleider machen Politik.“

Hose – New Look
Schuhe – Topshop 
Jacke – Pimkie (hier)
Ohrringe – Asos (hier)

Fotos – Martin Stier

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14 Kommentare

  • Reply Juliet 12. Januar 2018 at 20:35

    Und in wenigen Tagen kann das Spektakel hautnah miterlebt werden – in dieser einen bestimmten Stadt. Manchmal scheint es unheimlich, wie sehr eine App unser Konsumverhalten beeinflusst, unser Denken & das Verlangen nach Gütern, die eher als Luxus, heute jedoch als Must-Have gelten, vorantreibt.
    Dabei wäre es tatsächlich vorbildlich(er), in Bildung und Kultur zu investieren…

    Ich mag es, wie Du uns auf das Wesentliche im Leben zurücklenkst. Bleib bitte immer hier. Denn solange Du so weitermachst, gibt es Hoffnung! :*

    Liebe Grüße, Juliet
    http://www.withjuliet.com

    • Dany 15. Januar 2018 at 15:37

      Juliet, ein toller Kommentar. Du hast recht, ich mag es auch wie es Luise immer wieder geschickt schafft auf die wesentlichen Dinge zurückzuführen. Zum Denken anzuregen. Jeden Tag ein bisschen besser.
      Lieben Gruß Dany
      https://danyalacarte.de

  • Reply Mrs Unicorn 12. Januar 2018 at 15:04

    So ein interessanter Beitrag. Vielen Dank für deine Eindrücke.

    Viele Grüße und eine fantastische Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

  • Reply GirlsExist 12. Januar 2018 at 14:57

    Liebe Luise, ich finde es unfassbar toll, dass du diese Themen ansprichst. Mir ist deine Veränderung im vergangenen Jahr extrem aufgefallen und das positiv. Ich lese deinen Blog schon seit 4 Jahren und fand es nie schlimm, dass du teilweise teure Sachen besessen hast, versteh mich nicht falsch. Ich finde es nur sehr gut, dass du immer wieder darauf hinweist, dass du das alles nicht als selbstverständlich ansiehst. Das du unfassbar dankbar für dieses Leben und diesen Job bist. Ich finde es toll, dass du gegen diesen extremen „ich muss alles haben, alles muss teuer, neu und schick sein“ Trend gehst. Ich hoffe auch, dass zukünftig Second Hand Wahre vllt allgemein etwas beliebter wird. Ich persönlich kaufe sehr häufig Second Hand und finde das wirklich klasse. Bleib so wie du bist und alles Gute für dich!! Du bist eine unglaubliche Inspiration.

  • Reply Iris 12. Januar 2018 at 08:31

    Die Ausstellung klingt unglaublich spannend! Ich denke, dafür lohnt es sich, sich drei Stunden in den Zug nach Dresden zu setzen, wenn die Ausstellung noch ist!

    • Kleinstadtcarrie 12. Januar 2018 at 09:49

      Tut es 🙂 Es lohnt sich aber tatsächlich sowieso immer nach Dresden zu fahren <3 😀

  • Reply Anastasia 12. Januar 2018 at 01:32

    Ich lese deinen Blog seit drei Jahren und mal intensiver und mal weniger intensiv – je nach Zeit.
    Ich folge dir auch auf Instagram und lange fand ich dich toll, inspirierend, selbstbewusst und bewundernswert – sowohl deinen Stiel als auch deine Einstellung zum Leben. Dann hatte ich Phasen, in denen ich mich mit dir kaum identifizieren konnte aber seit einigen Monaten merke ich einfach, dass ich eine falsche Ansicht hatte. Nur weil du dein Leben öffentlich teilst, heißt es nicht, dass du alles richtig machen MUSST 🙂 wie du immer sagst: wir sind alles Menschen und Fehler sind da um aus Ihnen zu lernen. Ich folge dir mittlerweile wieder unglaublich gerne und finde dass du auf einem tollen Weg bist. Du bist eine wundervolle Persönlichkeit!
    Wieder einmal ein wundervoller Text!

    • Kleinstadtcarrie 12. Januar 2018 at 09:50

      Hey Anastasia,

      das freut mich ungemein zu lesen 🙂 Dann also: WELCOME BACK! Und auf dass wir voneinander lernen können.

      Deine Luise

  • Reply Ellie 11. Januar 2018 at 21:27

    Wunderschön! Finde es toll, wie du immer es immer wieder verstehst Inhalte in tollen Geschichten mit tollen Worten zu verpacken!<3
    http://www.blogellive.com

  • Reply Verena 11. Januar 2018 at 21:26

    „Und der Highlighter strahlt heller als die matten Augen es je könnten.“ – Bähm! Luise, ich liebe deine Art zu denken und die Welt zu sehen! Ich kann so gut verstehen, was du sagst, was du fühlst! Meine beste Freundin sagt immer „Nimm das Leben nicht so ernst – es ist eh nicht von Dauer!“ Damit hat sie so Recht, mit deinen Worten hast du so recht! Ich mag Mode und sie macht mir Spaß! Aber sie ist ein so kleiner Teil, ein seichter Wind auf der Oberfläche dieses Ozeans namens Leben! Und wie geht der Songtext noch „… doch ich bin ein Wimpernschlag, der nach 5 Milliarden Jahren, nicht viel mehr zu sein vermag!“ Irgendwann sind wir vergessen! Es ist eben immer wichtiger, mit Respekt und einem schönen Herzen zu glänzen, als mit Followerzahl und der neuen Prada!
    Danke für diesen – wieder mal – wunderschönen Text! Und an Martin, für die mega Fotos! Er hat es verdammt noch mal einfach drauf! Kann der Mann ja gern öfter mal hören… 🙂

    Verena

    • Kleinstadtcarrie 12. Januar 2018 at 09:53

      Hey Verena,

      aaaah mega cooler Kommentar!! DANKE 🙂
      Und ja, Martin ist der BESTE!

  • Reply Nicole 11. Januar 2018 at 20:14

    Liebe Luise,
    ich lese deinen Blog seit 2011.
    Und ich kann mich noch gut erinnern als du dir den besagten Schal gekauft hast und als du dich so sehr über die MK Tasche in Amsterdam gefreut hast.Man spürte aber das du diese Dinge sehr zu schätzen wusste.Nicht so wie heute,wo für viele das schon normal ist,solche teuren Dinge zu besitzen.
    Aber im letzten Jahr,merkte man deutlich deine Veränderung.Nicht nur in deinem Herzen,sondern auch in Sachen Mode.
    Wo wir beim Thema wären…ich feiere dich so mega für deine Klamotten.Das du das gleiche Top auch auf mehren Instabilder mal an hast.Und du dazu schreibst:Das ist schon alt.
    Ich meine wer macht das heute noch?
    Ich meine hast du den senfgelben Schal den du diesen Winter trägt,nicht in einen Haul auf YouTube 2013 gezeigt?….Das ist echt so toll.
    Und als du den letzten Rest aus deinem Mac Lieblingslippenstift in deinen Favoriten gezeigt hast,ist bestimmt der ein oder andere Beauty-Youtuber vom Stuhl gefallen.
    Und ich sage:Jaaaa!
    Genau so muss das sein!
    Warum brauchen wir diese ganzen völlig überteuerten,Sachen?
    Und dann bist du da,ein Bloggerin die ihre Cuess Tasche trägt,als wäre es eine von Dior.
    Und das sogar mehrmals!
    Und ehrlich,ich habe mir diese Tasche auch bestellt.
    Und immer wenn ich mich im Cafe mit meinen Freundinnen treffe und alle ihre Channel,Dior oder Louis präsentieren,stelle ich meine Guess auf den Tisch,denke an dich und lächel.
    Danke Luise.
    Du bist eine großartige Inspiration!Für viele von uns.

  • Reply Pauline 11. Januar 2018 at 19:04

    Was für ein schöner Text und ein tolles Thema!
    Ich liebe es immer wieder, wenn Blogger nicht nur alle Uhren und Taschen in die Kamera halten und mit den Marken kooperieren, sondern wie du solche originellen und interessanten Partner haben! 🙂 Das zeigt einfach Persönlichkeit und Ideenreichtum in deinem Text darüber! 🙂
    Ich finde solche Veränderungen in der Zeit super interessant und gehe deswegen auch total gerne in Museen, in denen es um das Leben der Menschen in der Vergangenheit ging. Womit die Kinder früher gespielt haben, was für Werkzeuge sie hatten oder eben auch was für Kleidung – unheimlich interessant!

    Liebe Grüße
    Pauline <3

    http://www.mind-wanderer.com

    • Kleinstadtcarrie 12. Januar 2018 at 09:54

      Liebe Pauline,

      ja, mir ist die Abwechslung da super wichtig und Themenvielfalt 🙂 Die SKD als Partner – da freu ich mich als Dresdnerin natürlich besonders drüber.

      Liebe Grüße an Dich
      Luise