Summer Time Sadness

/8. August 2017/19 Kommentare

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Es sind 32°C. Es geht mir fabelhaft. Irgendwie entspannt. Es läuft. Es passieren gute Dinge. Es widerfahren mir gute Dinge. Es begegnen mir gute Menschen. Ich mache: gute Erinnerungen. Ich habe das Gefühl alles richtig zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl. Stehe gern auf. Und kann es kaum erwarten das Haus zu verlassen.
Kann mir das Grinsen nicht verkneifen.
Es ist fabelhaft.
Es geht mir fabelhaft.
Das Leben ist schön.
Es ist Sommer und irgendwie ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe.
Wir lachen. Und tanzen. Wir steigen gemeinsam in Flugzeuge. Springen von Klippen. Und tauchen mit Haien. Überwältigung. Und Lachen. Wir trinken billiges Bier auf Dachterrassen. Endlose Städte und endlose Nächte. Leuchtende Augen. Und Lagerfeuer. Wir schlafen mit einem Lächeln ein und wachen genau so wieder auf.
Das ist Sommer. Das ist Leben.

Und eines Nachts:
Ich schlage die Augen auf.
Es ist 4:32 Uhr.
Und für einen Augenblick weiß ich nicht was los ist.
Und dann überkommt es mich. Einfach so.
Und ich weiß: Und es ist nicht die Hitze, die mich aufgeweckt hat.
Du bist es.
Du, der so weit weg irgendwo neben einer anderen Frau schläft.
Du bist es.
Und mir steigen die Tränen in die Augen. Vor Wut. Nein! Nein! Nein! Es geht mir gut. Verdammt es geht mir gut.
Lass mich endlich gehen! Lass mich bitte endlich frei!
Hör auf diese Dinge zu sagen.
Du bist es.
Es ist ganz still. Und ich höre Dich trotzdem.
Und ganz gleich wie viel Zeit vergehen wird, die falschen Entscheidungen sind längst getroffen. Und die Schuld lastet auf unseren Schultern.
Unsere Blicke treffen sich, obwohl wir uns so lange nicht gesehen haben.
Und wir spüren es. Du spürst es. Und ich spüre es. Deswegen bin ich aufgewacht.
Deswegen bin ich jetzt, 4:32 Uhr – letzte Nacht habe ich zu dieser Zeit unter dem Sternenhimmel getanzt – aufgewacht. Einfach so. Kein schlechter Traum. Einfach nur Du und Ich. Es ist an der Zeit. Wieder. Es ist an der Zeit, dass wir einander wieder verletzen. Warum auch immer. Und immer und immer wieder.
Und dafür müssen wir uns nicht mal begegnen. Kein Wort austauschen. Es tut einfach so weh. Falsche Entscheidung. Unachtsam. Keine Ahnung, wo auf der Welt du gerade bist.

Summer Time Sadness.

Es geht mir gut.
Und dann bist Du dort irgendwo.
Hast an mich gedacht. Das Glück gesehen. Mein Glück gespürt. Und meine Abwesendheit.
„Es geht mir gut!“, schreie ich Dir ins Gesicht.
Und Du siehst mich an. Siehst mich an – wie früher. Und drehst damit die Zeit zurück. Drehst meine Gedanken. Drehst mich.
Ich sitze in meiner Wohnung. Tränen. Die Decke anstarren. Im Bett bleiben. Grübeln. An Erinnerungen kaputt gehen. Überdenken. Stundenlang. Und warten. Ewiges Warten. Und ich begreife – ich habe nie aufgehört. Habe nie aufgehört auf dich zu warten. Das war alles nur Show. War ich überhaupt jemals glücklich ohne Dich?
“Wie geht es Dir?”, fragt sie  – schaut mir dabei durchs Telefon in die Seele. Und mir steigen die Tränen in die Augen. “Es geht mir heute nicht so gut.”, antworte ich. “Das habe ich lange nicht aus Deinem Mund gehört.”, sagt sie – und nach einer Weile: “Aber das ist okay.”

Und eines Morgens – ein paar Tage später. Ein paar mehr geweinte Tränen und angestarrte Wände:
Wache ich auf.
Es ist 7:35. Mein Wecker hat geklingelt. Die Sonne scheint. Es sind immer noch oder schon wieder 35°C. Ich lächle. Und stehe auf. Und kann es kaum erwarten, dass der Tag beginnt.

Ich weiß nicht, ob es wirklich die Gedanken an Dich waren, die mich neulich Nacht geweckt haben. Vielleicht war es einfach die Hitze oder doch ein schlechter Traum. Vielleicht wollte mein Körper, mein Geist, meine Seele einfach traurig sein. Für ein paar Tage. Und weil Traurigkeit früher immer Deinen Namen getragen hat – also: Gewohnheit. Vielleicht.
Wie auch immer.
Der Tag geht los.
Es geht mir gut.
Es geht mir fabelhaft.

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19 Kommentare

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  • Reply Nadja 16. August 2017 at 01:24

    Toll einfach wunderbar.. :)
    Ich muss sagen die Bilder gefallen mir in letzter Zeit alle einfach richtig gut und ich finde ja, dass man zwischendurch auch einfach traurig sein muss, man muss manchmal traurige Schmachtfetzen im Fernsehen schauen und sich fragen warum man nicht die Frau von Channing Tatum ist (nur als Beispiel, aber ich hätte nichts dagegen :D), manchmal muss man in Dauerschleife Philipp Poisel hören und jede verdammte, traurige Strophe auf sich beziehen, manchmal muss man einfach weinen, sich einrollen, die Rollos schließen und traurig sein.. Das gehört dazu, geht aber auch wieder vorbei, denn das Leben, welches ja imer noch so schön ist, wie vorher, vor diesem kurzen Ausbruch der Trauer, geht weiter, nur brauchen wir einfach auch mal Pause von diesem Glück.. Du hast diesen Post wunderbar zusammen gefasst! :)
    Liebe Grüße,
    Nadja <3

  • Reply sam collin 15. August 2017 at 14:30

    Such lovely pictures, dear. You look stunning, as always:)
    Regards.
    Yourwisedeal.com

  • Reply Lissy 14. August 2017 at 21:30

    Mal wieder ein super Text! Vor allem der letzte Absatz, was für interessante Gedanken und so toll formuliert. :)

  • Reply Ellie 9. August 2017 at 15:04

    wo wurden die bilder denn gemacht?

    • Kleinstadtcarrie 9. August 2017 at 15:12

      Liebe Ellie,

      hier in der Umgebung von Dresden :)
      Leider kann ich Euch den genauen Ort nicht sagen – ist bei Ottendorf hier in Sachsen.

  • Reply Carrie 9. August 2017 at 12:31

    Liebe Luise,
    ich finde den Text- und auch die Bilder – sehr gelungen. Wie du das Thema umschreibst, finde ich einfach toll und ich erkenne mich und meine Erlebnisse teilweise wieder. Man muss traurig sein, dass man sein Glück mehr zu schätzen weiß.
    Bei uns hat es leider keine 32 Grad, aber Sommer ist was man daraus macht und auch ich stehe jeden Tag voller Tatendrang auf :)

    Liebste Grüße aus Nürnberg
    Carina
    http://www.kolumne-carrie.com

  • Reply Lea 9. August 2017 at 09:03

    Ich weiß nicht wie, aber du schaffst es so oft genau meine Gefühle zu beschreiben, das ist toll, danke dafür!!!

  • Reply Iris 9. August 2017 at 08:53

    Ein wundervoller Text, den du da wieder einmal geschrieben hast! Es stimmt, dass es okay ist, einfach mal traurig zu sein. Ob jetzt wegen einem Grund oder grundlos. Manchmal braucht man auch das. Außerdem: solange die glücklichen Tage überwiegen, ist alles in Ordnung!

  • Reply Isabelle 9. August 2017 at 05:26

    Wow, der Beitrag ist wirklich großartig! Der Text ist so toll geschrieben und hat mich sofort gefesselt und sehr berührt.

    Liebste Grüße, Isabelle

  • Reply Melanie 8. August 2017 at 20:05

    Sehr schöne Bilder!

  • Reply Ricarda 8. August 2017 at 18:02

    Liebe Luise,
    Das sind wunderschöne Bilder. Da habt ihr einen tollen Moment eingefangen zwischen den Sandbergen.
    Der Text ist auch mal wieder toll und spricht mich direkt an, weil es mir ähnlich geht. Man ist total Happy und plötzlich bricht alles wieder über einen hinein. Ich bin sehr gespannt auf deinen nächsten Post!
    Liebe Grüße
    Ricarda

    • Kleinstadtcarrie 9. August 2017 at 09:30

      Hey Ricarda,

      der geht auch gleich online :-)

      Liebe Grüße an Dich
      Deine Luise

  • Reply Mrs Unicorn 8. August 2017 at 11:46

    So schöne Worte! Ich wache nachts immer noch auf und greife nach einem leeren Kissen neben mir. Es dauert, es braucht Zeit :-(

    Liebe Grüße und noch eine traumhafte Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

    • Kleinstadtcarrie 9. August 2017 at 09:30

      Alles Liebe und viel Kraft für Dich <3

  • Reply Helen 8. August 2017 at 11:07

    Du schreibst so wundervoll!

  • Reply Nicole 8. August 2017 at 10:32

    Oh wow…so echt,so gut und so wahr.
    Mehr Worte brauche ich nicht.