Abstand kann man auch aus der Nähe gewinnen

/30. August 2017/20 Kommentare

Wer hat eigentlich behauptet, dass der Planet auf der anderen Seite der Welt so viel schöner, besser und interessanter aussieht?
Wieso gehen wir eigentlich immer davon aus, alles, was uns umgibt, zu kennen und ausreichend erkundet zu haben?
Wann bemerken wir, dass manchmal schon ein einziger Tag ausreicht, etwas Neues zu entdecken?
Abstand kann man auch aus der Nähe gewinnen – denn das fängt sowieso im Kopf an.

Reisen bedeutet: aus alltäglichen Strukturen ausbrechen. Für eine gewisse Zeit das Bekannte hinter sich lassen, um das Unbekannte zu erkunden.
Und: da ist noch mehr. Die Westentasche hat ein Loch. Du kennst noch nicht alles hier.
Reisen bedeutet: den eigenen Standort zu verlagern. Die Sicht auf die Dinge ändern.
Und dafür muss man sich gar nicht unbedingt vom Fleck bewegen – manchmal reicht es schon, sich umzudrehen oder auf Zehenspitzen zu stellen. Ein Fernglas oder eine Lupe. Ausprobieren.
Reisen bedeutet: eine neue Zeitzone. Hier ist Tag und irgendwo auf der Welt Nacht.
Und das müssen nicht 8 Stunden Zeitverschiebung und Jetlag sein, sondern ein Wecker mitten in der Nacht. Sonnenaufgang. Sternschnuppengucken. Weil ein Ort zu einer neuen Uhrzeit – manchmal ein ganz anderer zu sein scheint. Und plötzlich bekommt „in der Zeit reisen“ eine ganz neue Bedeutung. Also: Sonnenaufgangs. Und plötzlich werden ganz andere Ecken beleuchtet. Neue Schatten geworfen.
Reisen bedeutet: mutig sein.
Und das kann auch heißen, ein paar Haltestellen mehr sitzen zu bleiben und zu gucken, was kommt. An der Kreuzung, an der man jeden Tag nach links fährt, vielleicht einfach mal weiter Gas geben und gerade aus fahren.
Reisen bedeutet: Neues zu lernen, Kulturen und Gesichter, Geschichte und Geschichten.
Ein Ticket in eine andere Kultur, kostet nicht mehr als 10€, wenn wir uns im Museum der eigenen Stadt, auf eine neue Weltanschauung von vor unserer Zeit einlassen.

Reisen bedeutet: neue Kulturen und Perspektivwechsel.
Und wenn ich gerade nicht die Zeit oder das Geld habe, die Welt zu bereisen, dann schätzen wir es doch wert, dass die Welt auch hier in Deutschland zu Hause oder zu Gast ist. Also lade ich meine syrischen Nachbarn zum Essen ein, gehe zum Chinesischkurs, trinke ein Bier im Hostel meiner Heimat statt in der Stammkneipe oder tanze jetzt einfach jeden Mittwoch Salsa.
Und Reisen bedeutet: Abenteuer.
Und nur weil Du so lange keines erlebt hast, heißt das ja nicht, dass es hier zu Lande keine Herausforderungen gibt. Wir müssen uns ihnen nur stellen.

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20 Kommentare

  • Reply Laura 1. September 2017 at 21:20

    Tolles Video! Vor allem wo du auf diesem Felsen sitzt!.. Mega!

    Mich würde mal interessieren, wie du die Fotografen immer findest. Ein Behind-the-Scene wäre hier wirklich mal interessant. Lässt du uns mal an sowas teilhaben?

    LG Laura

    • Kleinstadtcarrie 11. September 2017 at 19:19

      Hey Laura 🙂

      Danke Dir!

      Also meistens über Instagram. Mit Martin und Ben, die diese Fotos geschossen haben – arbeite ich ja schon eine Weile 🙂

  • Reply Johanna 1. September 2017 at 01:08

    Liebe Luise, wie recht du hast!
    Ich liebe deine Travelvideos und kann nicht verstehen wie man dir lieber beim Pudern als beim Fliegen zusieht. Es freut mich so sehr für dich dass du all die wunderschönen Orte bereisen konntest, denn nicht jeder hat die Möglichkeit dazu, doch du nimmst diejenigen mit auf deine Reise, zeigst ihnen deine Eindrücke und Perspektive. Mach weiter so, du inspirierst mich seit vielen Jahren!
    Deine Jo

    • Kleinstadtcarrie 1. September 2017 at 21:06

      Hey Jo,

      oh man Du glaubst nicht wie gut der Kommentar tut. Wirklich: Tausend Dank!

  • Reply Ellie 31. August 2017 at 23:15

    Toll, dass du in letzter Zeit so viel Zeit hast, so tolle Beiträge zu schreiben!<3
    http://www.blogellive.com

  • Reply Dany 31. August 2017 at 13:21

    Manchmal bedeutet so ein Perspektivwechsel auch einfach nur, sich in ein Cafe zu setzten und dem bunten Treiben draußen zuzusehen. Ein neues Eiscafe testen, etwas essen, was du vorher noch nie gekostet hast. Etwas zu tun, was du vorher noch nicht gemacht hast, vielleicht aus Angst oder weil du es nicht kanntest. Und sei es der kleine Sprung über einen Spalt zwischen zwei Felsen. Trau dich. Es gibt so viel zu entdecken und das schon neben unserer Haustür. Es müssen nicht immer hunderte Kilometer sein. Dresden hat viel zu bieten und deine Stadt sicher auch. Verweile an Orten die sich gut anfühlen und lasse es auf dich wirken. Genieße den Moment und koste ihn voll aus.

    Ein toller Beitrag mit einem süßen Video. Ich liebe es, wenn du in deinen Videos Textzeilen vorliest. Danke fürs teilhaben lassen liebe Luise <3

    Fühl dich umarmt – Dany
    http://www.danyalacarte.de/

    • Kleinstadtcarrie 31. August 2017 at 22:00

      Was für ein schöner Kommentar. Freu mich immer so, wenn ich Deinen Namen lese! Danke für alles 🙂
      Deine Luise

  • Reply Abubakar 31. August 2017 at 06:16

    Schöne Eindrücke. Mir gefällt es total gut!

  • Reply Anne 30. August 2017 at 21:59

    Liebe Luise, manchmal sind es die kleinen Reisen, die einem neue Welten öffnen. Danke fürs Erinnern.
    Anne <3

  • Reply Anne 30. August 2017 at 16:30

    Haha, ich war da letztes Jahr auch und hab mich schon die ganze Zeit gefragt, wie du auf diesen Felsen gekommen bist 😛 Danke fürs Auflösen 😀

  • Reply Ellie 30. August 2017 at 16:08

    Wieder einmal wunderschön geschrieben und so wahr!<3
    http://www.blogellive.com

  • Reply Amelie 30. August 2017 at 15:38

    wunderbarer Beitrag! Da bekommt man wieder richtig Lust auch Deutschland mal wieder zu bereisen und zu gucken, was eigentlich alles direkt vor der eigenen Haustür liegt (:

  • Reply Mrs Unicorn 30. August 2017 at 14:41

    So ein schöner Beitrag. Toll geschrieben.

    Liebe Grüße und noch eine tolle Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

  • Reply Anna 30. August 2017 at 13:34

    Hey, du hast so Recht! War letzet Woche mit einer Freundin für 4 Tage an der Mosel (nur 1,5 Stunden von Bonn weg) und wir hatten eine richtig tolle Zeit. Da Haben wir uns auch gefragt, warum man eigentlich zum reisen immer ins Ausland muss – in Deutschland gibt es definitiv auch genug zu entdecken.

    Liebe Grüße
    Anna

  • Reply Lina 30. August 2017 at 12:56

    Wow mit diesem Beitrag hast du wirklich recht!
    Seit einiger Zeit beschäfitge ich mich mehr mit dem Reisen, mein Freund hat mich ein wenig angesteckt.
    Aber auch wir sind schon einige male auf den Gedanken gekommen das wir unsere Umgebung garnicht richtig kenne.
    Wir wohnen am Teutoburgerwald und ich fahre beinahe täglich von einer auf die anderen Seite. Und dennoch waren wir erst wenige male dort spazieren oder ähnliches.
    Den A**** hochzukriegen ist woanders einfacher, weil man dort ja nur ne begrenzte Zeit ist und diese nutzen will. In der Heimat ist man dann gern bequem und schiebt alles auf den Alltag.
    Vor kurzem haben wir eine Radtour gemacht und diese war super anstrengend aber auch wunderschön. Nie hätte ich gedacht wie der Berg von oben aussieht, und gefühlt habe ich mich als wäre ich ganz woanders.
    Du inspirierst mich meine Heimat nochmal anders zu entdecken, bevor wir den Reisepass schnappen und den Rest der Welt erkunden….

  • Reply Iris 30. August 2017 at 12:29

    Ich habe letztens auch bemerkt, dass ich die Umgebung, in der ich den größten Teil meines Lebens gewohnt habe, nicht annähernd gut kenne, einfach weil ich immer dachte, ich tu es doch schon. Absoluter Irrglauben. Deswegen habe ich mir jetzt fest vorgenommen, erst einmal hier alles kennen zu lernen, bevor es mich wieder weiter weg zieht.

    • Kleinstadtcarrie 31. August 2017 at 22:06

      Ich wünsch Dir ganz viel Spaß dabei Iris 🙂