Du willst einen Cheerleader.

/26. Juni 2017/20 Kommentare

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“Gib mir ein T! Gib mir ein O! Gib mir ein R! TOR! TOR! TOR!”
Und sie schießt daneben. 
Und die Choreographie der Cheerleader ist vorbei. Auf ein Mal stehen sie lustlos am Rand. Kichern. Und warten, bis sie wieder ihren Einsatz haben. 

„Hör endlich auf, mir alles schlecht zu reden!“, schmettert sie mir an den Kopf und geht. Und dann reden wir gar nicht mehr so viel. Irgendwie erzählt sie nicht mehr alles. Beschützt ihre Gedanken. Beschützt ihren Weg. Sie erzählt mal hier und mal da ein Gefühl. Und von dem schönen Ausflug.  Aber etwas fehlt. Etwas fehlt plötzlich.
Und ich gehe einen Schritt zurück.
Ich lege die Trillerpfeife aus der Hand. Und irgendwie fühlt es sich an, als würden wir nicht mehr das selbe Trikot tragen.
Und mir tut das Leid. Ich bedauere das, aber:

Ich bin streng.
Und ich bin – wenn es darauf ankommt – ziemlich vorsichtig.
Ich bin bedacht.
Und skeptisch.
Ich wäge ab. Ich überdenke. Ich sehe alle möglichen Szenarien. Ich gehe durch. Ich berechne Wahrscheinlichkeiten. Und ich bereite mich auf jeden möglichen Ausgang vor.
Ich bin streng.
„Erwarte nicht, dass die Menschen besser sind als sie sind!“, sage ich mir in Gedanken vor. Immer wieder. Und immer wieder. Und ich versuche es. Ich versuche nicht zu viel zu erwarten. Ich versuche nicht zu viel zu erwarten. Aber die Sache ist, dass: ich nicht erwarte, dass sie besser sind als sie tatsächlich sind. Sondern dass ich weiß, dass sie die Besten sind. Dass ich weiß, dass sie das Beste verdient hat. Die Sache ist, dass ich sie – irgendwie – vorwarnen und gleichzeitig herausfordern will.
Denn: die Welt ist nicht fair. Und: die Welt ist nicht rosa. Die Welt ist manchmal sogar ziemlich gemein. Und ich weiß, dass ich das nicht aufhalten kann. Ich weiß, dass ich nicht mit einem Schutzschild vor Dir stehen und Dich beschützen kann – auch wenn ich es wollte. Deswegen will ich Dich stark machen. Irgendwie. Deswegen will ich Dich vorbereiten. Also fordere ich Dich heraus. Ich habe die Spielzüge der Gegner analysiert und ich glaube zu wissen, welcher Kampf Dir bevorsteht. Und ja, vielleicht liege ich falsch. Aber: ich will Dich beschützen.
Und das ist das Problem: Denn du willst einen Cheerleader.
Du willst Zuspruch. Und Applaus. Und aufgeregtes Gekicher’. Du willst ein lachendes Gesicht, das immer Ja und Amen sagt. Du denkst zu wollen, dass immer alles schön ist und dass ich immer alles toll finde.
Aber: Willst Du das wirklich?
Denn: ich werde Dir keine schlechte Freundin sein.

Freunde sollten einander herausfordern. Einfordern.
Ich will das Beste für Dich – und das kannst nur Du selbst erreichen.
Aber was ich tun kann ist: Dich zu unterstützen.
Freunde sollten dann doch viel mehr Coach und Teamspieler zugleich sein.
Also erwarte nicht von mir, dass ich mit den Massen gröle.
Geh’ nicht davon aus, dass ich bedingungslos alles, was du tust, unterstütze.
Verlang’ kein einstudiertes Tänzchen von mir.
Versteh mich nicht falsch: Du bist mein liebster Spieler auf dem Feld.
Aber: Freunde sollten doch viel mehr Coach und Teamspieler zugleich sein.
Also: ich komme auch danach mit in die Kabine. Ich bin da, wenn es Mal scheiße läuft und Dir keiner zujubelt. Wenn die Tribüne leer ist und du auch. Wenn irgendwie kein Ball ins Tor geht – dann bin ich da. Versprochen.
Und wenn Du willst, dann schlüpf ich auch öfter mal ins Tutu und schnapp mir Pompons. Ich kann lauter rufen als alle anderen und höher springen als der Rest – wenn Dir das hilft.
Ich werde Dir zujubeln. Versprochen!
Ich werde bis zum Schluss auf der Tribüne sitzen. Meinetwegen auch allein.
Ich werde um ein Time-Out bitten, wenn Du Luft holen musst.
Also Du bekommst von mir keine rote Karte, – weil Du nur selbst der Schiedsrichter sein kannst –, aber ich bin da. Und gebe Dir alles, was ich kann, mit auf Deinen Weg.
Ich will Coach und Teamspieler gleichermaßen sein. Mit Pompons – und ganz viel Ehrlichkeit.

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Eigentlich hatte ich an diesem Samstag ziemlich viel zu tun. Eigentlich wollten wir produktiv sein.
Am Ende? Verquatschten Patti und ich uns für Stunden und landeten am Ende beim American Football Spiel im .. Stadion in Dresden. Lustige Sache, da wir natürlich die Regeln nicht kannten, die Knutsch-Kamera und das Gezicke der Cheerleader deutlich interessanter fanden.
Ein toller Tag – und als wir in der Pause noch schnell diesen Look in der coolen Kulisse shooten konnten, war ich ja sogar noch ein bisschen produktiv an diesem sonnigen Samstag. Wie gefallen Euch die Bilder? Und: Danke an Vanessa für die Spontanität!

Blazer – Zara (ähnlich hier oder hier)
Jeans Shorts – Hollister (hier) (ähnliche hier oder hier)
Schuhe – Converse (hier)

Fotos – Vanessa Thiel


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20 Kommentare

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  • Reply Isa 6. Juli 2017 at 12:57

    Mal wieder ein sehr schöner Beitrag und mal wieder(!) kann ich mich der Meinung der anderen hier nur anschließen: ganz toll geschrieben, Luise :-)

    Wenn eine gute Freundin nicht ehrlich ihre Meinung sagen sollte, wer dann? Wir leben leider in einer Gesellschaft in der dich viele anlächeln, aber gleichzeitig eigentlich etwas unschönes denken. Um so wichtiger ist, dass man sich auf das Wort einer Freundin verlassen kann – und wenn man mal einen Fehler macht, bin ich persönlich dankbar für Denkanstöße dazu.

    LG, Isa

  • Reply Melissa 2. Juli 2017 at 19:49

    Hallo Luise,

    ich weiß gar nicht so Recht, wie ich diesen Kommentar beginnen soll, weil irgendwie so viele Worte in meinem Kopf rumschwirren. Als aller erstes fällt mir ein: Toll! Berührend! Und ehrlich! Aber irgendwie werden diese Adjektive dem Ganzen nicht so gerecht.
    Freundschaft ist kompliziert und ich habe das Gefühl, dass das was du beschreibst – die Notwendigkeit von Kritik, konstruktiv natürlich, – vielen einfach nicht bewusst ist. Viele rennen durchs Leben und wollen stets nur Zuspruch und wehe es kommt mal etwas anderes. Ich finde es schön, dass du dieses Thema aufgreifst, Freundschaft, denn Liebe findet eben nicht nur in Partnerschaften sondern auch woanders statt. :-) Dieses spezielle Thema wurde bei mir oft zum Streitpunkt mit meinen Freunden und es ist schwierig, ihnen zu erklären, warum ich mich so verhalte. Jetzt zeige ich ihnen einfach diesen Beitrag!

    Danke Luise.

    Alles Liebe,
    Mel von http://lovingmel.net

  • Reply Nicci 2. Juli 2017 at 18:51

    Wie ich es liebe, wie du schreibst! Ich lese nicht jedes Wort, ich verinnerliche es und freue mich einfach jedes Mal, wenn du einen neuen Beitrag veröffentlichst. Mach weiter so :) Die Bilder sehen auch toll aus – dachte mir erst “Nanu ist Luise in den USA?” – Aber nein, es ist Dresden! :D Sehr cool!

    Liebe Grüße ♥
    Nicci von http://www.gossip-gaga.blogspot.de

  • Reply Tabea 29. Juni 2017 at 16:24

    Liebe Luise,

    die Bilder sind toll geworden :-)
    Und Freundschaft sollte aus Ehrlichkeit bestehen. Man muss sich alles sagen können, ohne dass der andere Part hinterher eingeschnappt ist. Ja, vielleicht verletzt man dabei auch mal. Aber das ja nicht, weil man es böse, sondern gut mit jemandem meint. Man ihn unterstützen möchte.
    Wenn man nicht ehrlich mit seinen Freunden umgehen kann, mit wem dann? Und das schließt auch Dinge ein, vor denen der andere vielleicht die Augen verschließt oder sie gar nicht wahrnimmt.
    Dein Artikel gefällt mir sehr.

    Liebe Grüße,

    Tabea
    http://tabsstyle.com

  • Reply Julia 29. Juni 2017 at 09:38

    Hallo Luise,

    dein Betrag ist wirklich toll! Du sprichst genau das aus, was ich auch oft über Freundschaft denke. Man muss nicht immer einer Meinung sein und auch nicht alles toll finden was die Freundin oder der Freund macht – aber man muss füreinander da sein! In guten und in schlechten Zeiten .. ich finde mich in dem Text auf jeden Fall wieder. Bei meiner besten Freundin und mir ist es eigentlich öfters so, dass wir anderer Ansicht sind , aber das hindert uns nicht eine wundervolle Freundschaft zu führen – und dass schon seit Babytagen!

    Deine Bilder sind wie immer super schön! Die Kulisse ist toll und dein Outfit wie immer “on point” ! :-)

    Liebe Grüße aus Köln,

    Julia

    • Kleinstadtcarrie 29. Juni 2017 at 13:08

      Liebe Julia,

      danke für Deinen Kommentar :-)
      Das klingt bei Euch nach einer wunderschönen Freundschaft <3

  • Reply Ellie 29. Juni 2017 at 08:07

    Ich finde die Bilder super!<3
    http://www.blogellive.com

  • Reply Lisa Coal 28. Juni 2017 at 20:44

    Ich bin immer wieder geflasht von Deinen Postings. Wie Du einfach jedes Thema aufgreifen und wunderschön in Metaphern verpacken kannst. Deine Texte sind wie eine kleine Auszeit vom Alltag für mich. :)
    Wie entstehen Deine Blogposts eigentlich? Das frage ich mich gerade bei Beiträgen wie diesem, wo Bilder und Text so gut harmonieren, immer wieder. Gehst Du erst auf Suche nach Fotolocations und entwickelst dabei Ideen für einen Text? Oder andersherum? Oder doch eine Mischung aus beidem? Würde mich wahnsinnig interessieren. Und sorry für den Fragenbeschuss. :D

    Liebe Grüße, Lisa :)

    • Kleinstadtcarrie 30. Juni 2017 at 11:56

      Liebe Lisa,

      vielen Dank für Deine Worte <3 <3 <3
      Und bezüglich Deiner Fragen:
      Also das ist ganz unterschiedlich :-)
      Manchmal habe ich einen Text und konzipiere dazu ein Shooting, manchmal fotografieren wir etwas und währenddessen bereits kommen mir Metaphern und Ideen (das ist so ein cooles Gefühl!) oder teilweise auch erst im Nachhinein – aber das ist am seltensten :)

  • Reply Iris 27. Juni 2017 at 10:32

    Der Text ist wirklich super geschrieben. Deine Message hast du wirklich gut rübergebracht, mit der auch wirklich recht hast. Freunde sind nicht nur dafür da, den anderem Honig um den Mund zu schmieren. In Freundschaften geht es auch darum, vielleicht manchmal nicht derselben Meinung zu sein und darüber zu diskutieren oder dem anderen zu sagen, wenn man aus der eigenen Perspektive gegen etwas ist, was der andere sagt oder tut. Genau das macht eine gute Freundschaft für mich aus.

  • Reply Alina 26. Juni 2017 at 18:09

    Die Kulisse hat voll was Besonderes! Die Bilder sind der Hammer. Und der Text auch, ich finde diese Cheerleader/Teamspieler Metapher so treffend! Du hast echt ein Talent im Umgang mit Worten :)

    Liebste Grüße,
    Alina von Selfboost

  • Reply Nicky 26. Juni 2017 at 18:04

    Schade, dass du so ein Bild über Cheerleader hast. Nochmal schön alle Klischees erfüllt. Vorher recherchieren wäre vor so einem Beitrag sinnvoll gelesen.

    • Kleinstadtcarrie 26. Juni 2017 at 18:52

      Liebe Nicky,

      hier geht es doch um ein Gefühl :-)

      Cheerleader finde ich toll – wollte den Sport eigentlich auch gern immer selber machen!

  • Reply Lisa 26. Juni 2017 at 15:27

    Super blogpost :) Dein Schriftstil liest sich unheimlich gut. Bleib wie du bist !

  • Reply Sina 26. Juni 2017 at 15:10

    Du willst wen oder was? Einen Cheerleader :b
    schöner Beitrag, Luise.

  • Reply Mona 26. Juni 2017 at 20:58

    Liebe Luise,
    zu deinem heutigen Blogpost fällt mir gleich ein Spruch ein, den vor einiger Zeit eine Freundin zu mir sagte….
    “Wahre Freunde sind ehrlich zu dir & sagen die alles ins Gesicht, ob du es hören willst oder nicht!”
    In einer Freundschaft muss man nicht immer gleicher Meinung sein. Es muss nicht immer alles perfekt laufen & man muss sich nicht immer super gut verstehen! Ehrlichkeit & füreinander da sein ist das Wichtigste! Auch wenn die Wahrheit oft weh tut, ist es wichtig sie auszusprechen!
    Hoffe ich hab den Post richtig verstanden!
    Liebe Grüße Mona
    Ps: Du hast auf meinen letzten Kommentar im Post von Vietnam nicht geantwortet :o
    Ich weiß du hast vll nicht unbedingt Zeit auf jeden Kommentar zu antworten, aber du hast irgendwie auf jeden anderen geantwortet, nur nicht auf meinen :(
    Wäre cool, wenn du doch noch antworten würdest & wenn nicht dann nicht :D

  • Reply Kleinstadtcarrie 26. Juni 2017 at 22:27

    Hey Mona,

    danke für Dein Feedback! :-) Und ja, so hatte ich es auf jeden Fall gemeint :-)
    Bzgl. deines anderen Kommentars – da schaue ich gleich noch Mal rein <3, sorry! Da habe ich bestimmt was übersehen :/

    Liebe Grüße
    Luise