Von hinten durch die Brust.

/14. April 2017/11 Kommentare

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„Morgen kommt ein Schneesturm. Kauft Euch ´was zu Essen. Die Läden werden sicherlich nicht öffnen.“
WAS? Es ist Ende März. Wir sind in New York. Endlich wieder gemeinsam. Endlich wieder zusammen. Zusammen mit Euch und das in der Stadt, die wir lieben. In der Stadt, der wir so vieles zu verdanken haben. Einander nämlich. Und noch viel mehr.
Wir haben Sneakers, Jeansjacken und so viele Pläne im Gepäck – und jetzt das.
Ende März. -5°C. Und eisiger Schneeregen. Der Wind pfeift durch die Straßen, eiskalter Regen im Gesicht.  – und mit Euch: kaufe ich ein Eis und wir machen Streusel drauf.
„Denn die Sonne kommt wieder raus, Luise. Darauf können wir uns verlassen.“ 

Es ist der Moment, wenn er sagt „Ich kann das nicht“, obwohl ihr im Begriff seid den gemeinsamen Mietvertrag zu unterschreiben.
Der Augenblick, in dem sie Dir in den Rücken fallen. Abhauen. Aufgeben.
Die Absage, weil man zu schlecht ist. Nicht geschafft.
Enttäuschungen. Schmerz. Vor den Kopf gestoßen und von hinten durch die Brust erstochen. Irgendwie. Irgendwie total unerwartet und dann.
Totschlag. Und niemand wird verurteilt. Du brichst mir das Genick! Und lachst. Und ich liege am Boden.
Ich lag am Boden.
Ich lag. Und du bist drauf getreten.
Das ist wie dieser Schneesturm. Der einfach kam. Keine große Ankündigung. Einfach so. Eiskalt. Peitschend. Und ich musste mich beschützen. War doch gar nicht vorbereitet. Ich war doch gar nicht vorbereitet.

Aber drei Tage später, als die Sonne durch die Wolkendecke bricht.
Bemerkte ich: das war es wert.
Es war den Schmerz wert. Es war die Tränen wert. Denn es geht mir besser. Es geht mir jetzt viel besser. Als zuvor.

Dinge, die nicht so laufen, wie wir es erwarten.
Menschen, die uns verlassen, obwohl wir ohne sie doch gar nicht laufen können.
Pläne, die einfach nicht funktionieren wollen, obwohl sie so gut durchdacht sind.
Das tut weh. Und plötzlich zweifelt man. Und weint. Und bereut. Und kann nicht verstehen.
Aber: Alles wird gut. Alles wird irgendwie gut.
Nicht aufgeben. Sondern Streusel. Bunte Streusel.
Und dann mit etwas Geduld, viel Arbeit und Kraft, Mühen – bricht irgendwann die Sonne durch die graue Wolkendecke. Das ist gewiss. Darauf ist Verlass.

Und zwei Tage später: New York in weiß. Friedlich. Irgendwie still. Und unendlich schön.
Wir stehen am Pier.
Die Stadt vor uns in ihrer vollen Pracht.
Und die Sonne scheint.
Und die Stadt glitzert.
Und der Schnee funkelt.
Und unsere Augen und Herzen strahlen.
Und wir verbringen den schönsten Tag in New York. Gemeinsam. Weil es geschneit hat. Weil es vor zwei Tagen so eiskalt in unser Gesicht geregnet hat.
Es musste weh tun, damit es jetzt so wunderschön sein kann.

Alles passiert aus einem bestimmten Grund.
Manchmal von hinten durch die Brust.
Und heute sage ich:
Danke, dass Du mich verlassen hast.
Danke, dass ich nicht mehr mit Euch befreundet bin.
Danke, dass ich den Studienplatz nicht bekommen habe.

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„Hallo liebe Luise, ich hab gesehen, dass du gerade in NY bist. Ich bin Steffi und Fotografin aus Deutschland und heimliche Leserin von KC seit der ersten Stunde, noch im rosa-weißen Mädchenzimmer…“
Eine Woche später Standen Steffi (@expressionphotos) und ich auf dem Columbus Circle, die Sonne schien und wir shooteten gemeinsam. Ich liebe es meine Leser kennenzulernen. Wir kannten uns, aber irgendwie auch nicht. Es hat mir Spaß gemacht, Steffi. Schaut mal auf ihrer Website vorbei.

Spitzentop – New Look (hier)
Kette – H&M (hier)
Schuhe – Stradivarius (hier)
Jacke – Pull&Bear (hier)
Sonnenbrille – Deichmann (hier)

 

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11 Kommentare

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  • Reply Carolin 17. April 2017 at 13:01

    Wiedermal so so wunderschön!! Der Text und auch die Bilder!! 🙂

  • Reply Kim 16. April 2017 at 15:44

    Dein Outfit gefällt mir richtig, richtig gut, sieht toll aus 🙂

    Und der Text ist einfach mal wieder genau passend! Manchmal hab ich das Gefühl, deine Worte passen immer genau zu meinem momentanen Gefühlszustand. Kaum habe ich den Beitrag gelesen, geht es mir besser. Du machst Mut Luise, du motivierst, du bringst zum Nachdenken und du zauberst Lächeln ins Gesicht..zumindest bei mir in diesem Moment! Und dafür danke ich dir!
    Und ja, ich kann deine Worte nur bestätigen. Auch wenn manchmal einfach nichts funktionieren will, das Gefühl anhält, als würde der Boden unter den Füßen weggerissen werden, dann kommt der Tag, an dem sich plötzlich alles verändert. Und dieser Tag kommt genauso plötzlich und unerwartet wie ein Schneesturm in NY!

  • Reply Dany 14. April 2017 at 22:49

    Genau danach lebe ich, nichts passiert ohne Grund. Nur das dieser vielleicht nicht immer gleich ersichtlich ist. Manchmal sieht man auch erst Jahre später wofür etwas gut war. Wieder ein toller Text der viele Emotionen und Erinnerungen wach ruft.

    <3
    LG Dany

    http://www.danyalacarte.de

  • Reply liz 14. April 2017 at 21:34

    hey luise,ich bin eigentlich eine deiner kritischsten leserinnen…aber dieser post ist soo gut! es tut wahnsinnig gut das zu lesen und es zeigt wie gut du gefühle in worte packen kannst. gibt mir gerade evhr viel! danke dafür!

  • Reply Melissa 14. April 2017 at 20:47

    Hey Luise,
    ich weiß nicht, warum, aber in letzter Zeit zieht es mich immer häufiger, deine Posts zu kommentieren. Vielleicht weil ich wieder mit einem Laptop ausgestattet bin, vielleicht weil ich jetzt selbst Blogger, oder vielleicht weil ich einfach froh darüber bin, deinen Blog wieder regelmäßig zu lesen, obwohl ich ihn schon seit Jahren kenne.
    Du machst mir immer wieder Mut, zeigst, dass niemandem alles gelingt und dass wir letztendlich doch alle gleich sind. Deine Posts sind so individuell und trotzdem bin ich sicher, dass sich viele Leserinnen und Leser regelmäßig wiedererkennen. Mir geht’s genauso.
    An dieser Stelle will ich dir nur einfach kurz Danke sagen: Danke, dass du oft wie eine kleine Sonne durch die Wolken hindurch scheinst und neue Hoffnung gibst. Du bewegst mehr, als du denkst.

    Ich wünsche dir eine superschöne Zeit in Bangkok,
    Alles Liebe,
    Melissa von http://www.lovingmel.net

    • Kleinstadtcarrie 15. April 2017 at 14:50

      Danke für`s fleißige Kommentieren <3

  • Reply Christina 14. April 2017 at 20:17

    Danke. Für diese besonderen Worte.

  • Reply Céline 14. April 2017 at 18:34

    Ich glaube ja immer noch ein bisschen an Schicksal und daran, dass auch schwierige und traurige Momente, auch Enttäuschungen uns Dinge beibringen uns auf den richtigen Weg bringen, auch wenn es sich ganz am Anfang gar nicht so anfühlen mag.
    Ganz liebe Grüße
    Céline von http://www.smultronstaellen.com/

  • Reply Svenja 14. April 2017 at 14:59

    Starker Artikel! Stark, weil du ganz offen über Rückschläge schreibst, über die man sonst nur ungern spricht. Ich bin gerade zum ersten Mal auf deinem Blog und finde deinen Schreibstil ganz toll- da wird jetzt erstmal ein bisschen gestöbert! 🙂 Liebste Grüße, Svenja!

  • Reply Elena 14. April 2017 at 14:13

    Luise, hiermit hast du dich mal wieder selbst übertroffen!
    Ein wunderschöner Beitrag in dem du ein sehr sensibles Thema ansprichst. Nämlich Rückschläge, Momente in denen unsere Welt nicht nur am glitzern ist, Niederlagen, Momente die wir eigentlich gar nicht zulassen wollen oder gar preisgeben.
    Aber du hast es mit deinen wunderbaren Worten mal wieder geschafft, selbst diesen Momenten einen Sinn zu geben, womit du durchaus Recht hast. Nur leider vergisst man das oft, wenn man denn gerade selbst in diesen Situationen steckt. Aber Recht hast du. Und es ist schön, dass du dafür die passenden Worte gefunden hast, die mir oft fehlen, wenn es mal wieder so eine „Niederlage“ bzw. „Enttäuschung“ gab.
    Fühl dich gedrückt:)