Intimität.

/9. Februar 2017/29 Kommentare

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„Guten Morgen“, sagt er. Nimmt sie von hinten in den Arm und küsst ihr in den Nacken. Sie hatte nur eines seiner Hemden übergeworfen. Ist gerade dabei ihren ersten Kaffee zu trinken und einen Blick in die Zeitung zu werfen. Die Nacht hängt an ihnen. Und das ist diesem Fall etwas Gutes. Sie atmet tief ein. Er hebt sie auf die Küchentheke.

„Wollen wir noch frühstücken?“, fragt er und schaut sie mit seinen hellblauen Augen intensiv an. „Okay.“, antwortet sie und schlendert ins Badezimmer. Steigt in die Dusche und wäscht ihn von sich ab. Atmet auf. Und kann es gleichzeitig kaum erwarten, wieder in seinen Armen zu liegen.

Es duftet. Pancakes in der Pfanne. Sie lehnt am Türrahmen und beobachtet, wie er konzentriert Erdbeeren schneidet. Sie muss lächeln. Setzt sich an den Tisch. Frische Brötchen. Tulpen. Wie hat er das schon wieder gemacht? Ein Kuss. Und während sie essen, berühren sie einander immer wieder. Den letzten Schluck Kaffee trinkt sie auf seinem Schoß sitzend. Sie streichelt ihm im Nacken, spielt mit seinem Haar und sie können einfach nicht aufhören einander anzusehen. Fingerspitzen. Immer wieder. Für immer. Vielleicht. Sie fährt mit dem Finger über seine Lippen, Nase, Augen. Kuss. Umarmung. Lass’ uns noch mal in’s Bett gehen, – ein Hauch. Intensiv. Vertraut. Intim.

Irgendwann schläft er ein.
Ich stehe auf und setze mich an den Schreibtisch.

Facebook. Dieser Song. Eine Seite im Tagebuch. Tränen. Sonntags 14:35 Uhr. Nachdenken. Überdenken. Schmerz. Vergleichen. Vermissen. Mir ist kalt. Kann nicht zurück ins Bett. Weil sich das fremd anfühlt. Fahre mir mit der Hand über die Gänsehaut. Wann wurde ich das letzte Mal berührt? Einsam.

Plötzlich steht er in der Tür.
Sie wischt mir die Tränen aus dem Gesicht. Sie fängt mich. Sie steht auf. Küsst ihn.
„Was ist los?“, falten in seiner Stirn. Besorgt. Unruhig. Unsicherheit.
„Nichts.“, sagt sie, „Ich wollte dich nicht wecken, deswegen habe ich ein bisschen gearbeitet.“ Mit einem Kuss wischt sie ihm die Fragen aus dem Gesicht. Zieht ihm das T-Shirt über den Kopf. „Nein, ernsthaft – ich habe doch gesehen, dass Du geweint hast?“, er schaut ihr in die Augen und sieht einen kleinen Teil von mir. Ich schließe sie, sie schüttelt den Kopf und kichert: „Babe, nein – hör auf jetzt. Lass uns den Sonntag genießen.“
“Wenn Du arbeiten musst, dann kann ich auch zu mir fahren.”, er sieht enttäuscht aus. Und sie denkt: Lass mich nicht mit mir allein! Geh! Bleib! Verdammt. Und sie sagt: “Du bleibst genau da, wo Du bist”, nimmt seine Hand und die beiden verschwinden im Schlafzimmer.

Sie sieht ihn an. Ich schlucke die Erinnerungen wieder herunter.
Sie lächelt. Sie strahlt. Sie streichelt. Ich schiebe den Schmerz beiseite.
Sie ist verrucht. Und kalt. Immer präsent. Glücklich. Ich auch irgendwie. Aber noch mehr. Und das hält er nicht aus. Das will er nicht hören, – auch wenn er jetzt noch danach fragt.

„Ich glaube, ich verliebe mich gerade in Dich.“, sagt er, als die beiden gerade gemeinsam unter die Dusche gehen. Sie weiß nicht, den wievielten Sonntag sie mittlerweile gemeinsam verbringen. Jedenfalls nicht genug. Nicht genug für Liebe. Nicht nah genug für Liebe. Zu wenig von mir, – das weiß sie auch. „Ach Quatsch“, scherzt sie, sieht ihn an. Ein Kuss. Ich schließe die Augen. Eine Mischung aus Genuss und Qual.

Ein Körper.
Eine Seele.

Irgendwann, – ein paar Wochen später.
Ich breche zusammen.
Lasse sie gehen.
Und er folgt ihr.

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29 Kommentare

  • Reply Nadja 14. März 2017 at 21:43

    Ich hab wochenlang keine Blogs gelesen.. einfac weil keine Zeit da war und nu lese ich diesen Text und ich merke, dass ich deine Posts wirklich vermisst hab..
    So wunderschön wieder geschrieben, Luise! <3

  • Reply Carolin 19. Februar 2017 at 04:54

    Beim ersten lesen war ich noch leicht verwirrt, konnte den Text noch nicht ganz zusammensetzten, und beim zweiten lesen, da hat es mich gepackt, da habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Wow.
    Einfach Wahnsinn Luise… <3

  • Reply Carmen 14. Februar 2017 at 22:57

    Wahnsinn. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Hab Tränen in den Augen und fühle mich zugleich verletz und verstanden.

  • Reply Amelie 14. Februar 2017 at 11:45

    Liebe Luise,
    mit diesem Text hast du mal wieder dein Talent bewiesen und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es bisher einer deiner besten Texte war!
    So mitreißend, so gefühlvoll, so wunderschön.
    Der Sprung zwischen den verschiedenen Perspektiven ist besonders gelungen und fordert den Leser ein wenig zum Mitdenken auf.
    Als ich fertig mit Lesen war, schien es mir, als würde ich aus einer anderen Welt aufwachen, aus der ich nie wieder entfliehen wollte…

    Danke dafür meine Liebe! <3

    Deine Amelie | https://amelieruna.wordpress.com/

  • Reply Genya 14. Februar 2017 at 11:17

    Wie immer mehr als hinreißend deine Schreibart und Worte! Und wollte nur mal erwähnen, wie hammer du auch auf den Fotos aussiehst! :)

  • Reply Swantje 13. Februar 2017 at 13:28

    Du schreibst echt immer so schöne Texte, über die man sich regelmäßig Gedanken machen muss.
    So schön <3

    Liebste Grüße
    Swantje von http://www.swanted.de

  • Reply Marie 12. Februar 2017 at 22:52

    Der Text ist sehr schön! Aber schade, dass du nur noch so freizügige Bilder machst. Ich verstehe nicht den Sinn dahinter, aber du wirst deine Gründe haben…

    • Kleinstadtcarrie 20. Februar 2017 at 16:34

      Hey Marie,

      mach’ ich nicht nur noch :)
      Aber gerade nach dem Text sollte die einigen vielleicht besser verständlich sein.

  • Reply Elena 11. Februar 2017 at 08:53

    Toller Text!
    Bin total hin und weg und gefangen in deinen Worten.
    Das könnte ein tolles Buch werden.;)

    Viel Spaß in Guinea!

  • Reply Lisa 10. Februar 2017 at 19:01

    Das ist mal wieder ein toller Text und die Fotos sind super geworden.
    Ich wünsche Dir einen tollen Freitag.
    Liebe Grüße Lisa <3
    http://www.hellobeautifulstyle.blogspot.de

  • Reply Lu 10. Februar 2017 at 16:55

    Wow – diesen Text musste ich gleich mehrmals lesen… du hast mich damit wirklich berührt <3
    Alles Liebe
    Lu

  • Reply Charlotte 10. Februar 2017 at 15:42

    wunderschöner Text! So viel Gefühl, so mitreißend. Danke!

  • Reply Juliet 10. Februar 2017 at 13:20

    An deinen Texten lernen deine Leser zu wachsen, Luise! Gefällt mir sehr gut. Wir werden immer gefordert, mitzudenken, um zu verstehen, worum es hier geht. Klasse Schreibstil!

    Bist Du schon unterwegs nach Guinea?

    Liebe Grüße, Juliet
    http://www.withjuliet.com

  • Reply kati 10. Februar 2017 at 10:33

    ein unglaublich guter Text!

  • Reply Jasmina 10. Februar 2017 at 10:13

    Ein wunderschöner Beitrag und schön geschrieben ❤️

  • Reply Sel 9. Februar 2017 at 22:45

    Der Text ist wunderschön und die Bilder, Wahnsinn was du für eine unglaublich schöne Frau bist ! Ich gerate immer wieder ins schwärmen. Perfekte Figur.

    Alles Liebe http://www.stilundleben.blogspot.de

  • Reply Darja 9. Februar 2017 at 22:25

    Wunderbar geschrieben, liebe Luise! Ich mag deinen Schreibstil so gerne!
    Und die Bilder passen auch sehr gut zum Text, dadurch dass sie so ‘strukturlos’ sind, geben sie noch genug Spielraum, um seine eigenen Gedanken ein wenig pendeln zu lassen.

    xx, Darja

  • Reply Lea 9. Februar 2017 at 22:24

    Liebe Luise,
    dein Text spricht mir einfach aus der Seele. Vielen Dank dafür!

  • Reply Eileen 9. Februar 2017 at 21:00

    So wunderschöne Bilder !
    Und deine Texte drücken so viel mehr aus, als die von den meisten anderen. Vorallem weil sie ehrlich sind, du spielst keine heile Welt vor.
    Ich habe wirklich großen Respekt vor dir und deiner Arbeit !
    Bleib auf jeden Fall so wie du bist :)

  • Reply Dorothée 9. Februar 2017 at 20:31

    Das was du schreibst ist so wunderschön und traurig zugleich. Es zieht einen mit und ich fühl mich total angesprochen, weil einige Worte mich an etwas erinnern. Irgendwie melancholisch, aber mit lächeln.
    Liebe Grüße Doro

  • Reply Stephie 9. Februar 2017 at 18:35

    Unglaublich berührend und traurig

  • Reply Nathalie 9. Februar 2017 at 18:05

    Wow!

  • Reply Nina 9. Februar 2017 at 17:31

    Oh man, ich musste zweimal lesen, um alles richtig zu verstehen! Und das ist ein gutes Zeichen :)
    Was für ein guter Text, wirklich, ich liebe ihn!

    Ganz liebe Grüße
    Nina
    https://goldenglowing.wordpress.com/