Sei du selbst. In jeder Variante.

/14. Dezember 2016/10 Kommentare

3a7b94603a7b9478

„Ich weiß, was ich will!“, schreie ich ihn an.
„Ach ja? Was denn?“, schmettert er mir entgegen und sieht mich an. Lange. Herausfordernd.
Stille. Angespannte Stille.
Mir steigen die Tränen in die Augen. Gerade war ich noch so stark und sicher. Und diese zwei Worte zusammen mit einem Fragezeichen lassen mich zusammenbrechen.
„Siehst Du! Verdammte scheiße!“, er dreht sich um und geht. 

Ich bin die, die einen Plan hat. Ich stelle Gruppenprojekte vor. Ich mache den 1. Schritt. Ich packe mit an. Ich bin die, die weiß, wo es langgeht oder immerhin, wo der Kompass ist. Ich verdiene mein eigenes Geld. Ich bin erfolgreich, sagt man. Die Tipps gibt und wertvolle Ratschläge. Ich muntere auf und treibe an. Ich laufe vorneweg und habe eine Taschenlampe dabei. Und dabei trage ich beigefarbene High-Heels und einen altrosanen Mantel. Ich trage meine blonden Löckchen und strahle in die Kamera.
Ich habe ein Image. Klar. Und es ist auch klar, dass ich dafür selbst verantwortlich bin.
Und ich muss sagen: das alles stimmt. Meistens. Ich schminke mich auch, wenn ich nur zum Sport gehe und ich kann es nicht leiden, wenn meine Haare nicht gestylt sind. Ich bin fleißig und zielstrebig und energisch.
Ich war Lehrerliebling und Klassensprecherin. Ich setze mich ein für gute Werte, achte darauf vorbildlich zu agieren und meine Fingernägel sind immer frisch lackiert.

Ich bin die Blondine in all‘ den typischen, klischeebehafteten Hollywood Teenie-Streifen. Ich trage gern rosa.Doch was viele dabei vergessen: Perfektionismus ist anstrengend. Und deswegen bricht man gelegentlich aus:
Ich also mit 15 rauchend an der Elbe. Bloß gut, dass meine Mama damals nur die Zigarette, nicht aber das Bier in der anderen Hand gesehen hat.
Mit 18, Abitur – und ich heulte mich jeden Abend in den Schlaf. Gegen 2:30 Uhr. Weil ich keinen Bock mehr hatte.
Und dann: New York. Und Partys. Lange Nächte. Kurze Röcke. Shots! Und wieder! Und weiter! Das hat nichts zu bedeuten!

Ich kann es ihm nicht übel nehmen. Es verunsichert, wenn ich plötzlich ausbreche. Wenn ich nach wochenlanger Disziplin zusammenbreche. Oder anfange zu tanzen. Wie verrückt. Oder einfach nur noch weine. Es verunsichert. Ich weiß. Mich auch.

Deswegen will ich das jetzt öfter machen: die Kontrolle verlieren. Und dann vielleicht für einen Tag oder ein paar Stunden und nicht direkt und vollkommen. Sondern geregelt. Geregelt die Kontrolle verlieren. Zügel lockern, aber nur soweit, – dass ich sie kurz danach wieder anziehen kann. Ausgleich. Abwechslung. Und es ist okay, wenn der Nagellack am kleinen Finger nicht mehr perfekt ist. Es ist okay, die Lösung nicht zu wissen. Man muss dann nicht stundenlang in der Bibliothek, in Erinnerungen versinken, um einen Ansatz zu finden. Vielleicht ist es sogar gut. Vielleicht heißt das letzten Endes doch zu leben. Wenn es möglich ist, dann habe ich in diesem Jahr das gemacht, worauf ich Lust hatte – davon ziemlich viel. Und das hat sich großartig angefühlt.

3a7b95073a7b96413a7b95933a7b95943a7b97583a7b9824 3a7b98913a7b9895

Da immer wieder viele Fragen zu meinen OnePiece Einteilern kommen: dieses Modell trage ich in XS, alle Modelle mit der Bezeichnung „Slim“ bestelle ich in Größe S.  Ich arbeite mittlerweile viele Jahre schon mit OnePiece zusammen und möchte mir die kuscheligen Einteiler nicht  mehr wegdenken! Mit dem Code „SEIDUSELBST“ bekommt ihr bis zum  21.Dezember 2016 15% Rabatt auf Eure komplette Bestellung. Viel Spaß beim Shoppen!

Einteiler – Onepiece (hier)
Schuhe – Stradivarius (hier)
Cap – hier

Fotos – Christian @cjohnson1992
Bearbeitung – Vanessa Thiel

Join the discussion

10 Kommentare

  • Reply Sophie 8. Januar 2017 at 23:09

    soo wahr! Ich erkenne mich oft in deinen Texten wieder, du schaffst es, deine Gefühle so in Text zu bringen, dass ich oft denke.. Hey endlich jemand, der dasselbe fühlt und es schafft, diese Gedanken und Gefühle zu gliedern. Eine gewisse Struktur in das Gefühlschaos zu bringen. Wirklich klasse, ich danke dir dafür! Mach weiter so und sei weiterhin so offen und menschlich!

  • Reply Krissi 26. Dezember 2016 at 16:28

    Das Kommentar unter mir: SO WAHR. Wie schaffst du es, dass in jedem deiner Texte mindestens ein Satz steht, in dem ich mich selbst wiedererkenne? Der klingt wie direkt aus meinem Leben geholt? Und es geht ja offensichtlich nicht nur mir so, sondern auch deinen anderen Lesern. Du schaffst es, mit den Worten, die eigentlich ja für uns alle geschrieben sind, jeden nochmal einzeln anzusprechen. Das ist meiner Meinung nach etwas, das deinen Blog zu einem großen Teil ausmacht. Dass wir Leser uns mit dir identifizieren können. Manchmal gibst du mir echt das Gefühl, du würdest mich kennen. Deine Texte sprechen mich an, deine Worte treffen so oft auch auf mich zu – manchmal ein bisschen, manchmal sehr.
    Anderen Menschen dieses Gefühl durch deine Texte geben zu können ist ein großes Talent – nutze es weiterhin und erfreue uns (nach deiner Bachelorarbeit-Pause) bitte bitte weiterhin mit deinen wunderschönen Texten und natürlich auch den tollen Fotos. Die sind übrigens mega geworden, die Location ist der Hammer. <3

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://www.themarquisediamond.de/

  • Reply nelsonamour 24. Dezember 2016 at 10:49

    Wie schaffst du es immer solche Texte zu schreiben, in denen jeder sich in irgendeinem Satz wiedererkennt? Ich finde das wahnsinnig toll! Ich stelle es mir außerordentlich kompliziert vor immer so ein perfektes Bild darzustellen… ich könnte sowas nie! Vielen Dank für den tollen Post und dir eine schöne Weihnachtszeit. 🙂

  • Reply Gina 20. Dezember 2016 at 06:59

    Wow, verrückt wie sehr ich mich in deinem Text wiederfinde!
    Immer nach Perfektion zu streben und (ungewolltes) Vorbild zu sein, kann einem sehr sehr viel Energie und Nerven rauben. Grade während meiner Ausbildung habe ich oft das Gefühl gehabt, einfach ausgelaugt zu sein und „nicht mehr zu können“. Ausbildung, Nebenjob, Hobby, Haushalt, Beziehung, Freunde, Familie… Wie oft lag ich weinend im Bett oder zickte meinen Freund an, weil ich mit den Nerven am Ende war.
    Auch das war ein Grund, warum ich mir jetzt diese lange Auszeit in Australien nehme.

    Ich wünsche dir für das neue Jahr schon mal viel Spaß bei all‘ deinen Ausbrüchen! 🙂

  • Reply Kim 19. Dezember 2016 at 00:51

    Es gibt Momente, da muss man die Kontrolle verlieren. Den Verstand ausblenden, die Vernunft beiseite schieben. Wäre das Leben nicht langweilig, wenn wir immer vernünftig bleiben würden? Immer den Vorstellungen anderer entsprechen, niemals ausbrechen, sich nicht fallen lassen, keine Risiken eingehen…Nein, das wäre kein Leben! Den genau diese unkontrollierten Momente bedeuten auch Veränderung. Sonst würden wir doch alle an derselben Stelle stehen bleiben.
    Also, ausbrechen, das Leben genießen und mal unvernünftig. Solange man sich dabei im Blick behält, kann nichts passieren 🙂

  • Reply Carolin 18. Dezember 2016 at 19:30

    Wichtig ist das man am Ende glücklich ist! 🙂
    Wie schön auch dieser Text ist, außerdem finde ich die Bilder sehr originell und klasse!

  • Reply Melanie 14. Dezember 2016 at 21:45

    Richtig gute Bilder sind das geworden. Toll siehst du aus!
    Und der Text. Passend.

  • Reply Selin 14. Dezember 2016 at 21:01

    Toller Text, ein bisschen Rebellion schadet keinem guten Mädchen 😉 ich liebe onepiece auch abgöttisch ,die Teile sind stylish und hübsch .

    Alles Liebe http://www.selinsfashiondiary.blogspot.de

  • Reply Johanna 14. Dezember 2016 at 17:04

    Wow habe Gänsehaut beim Lesen bekommen! Finde mich total wieder in dem Text.

    Liebe Grüße
    Johanna von http://www.missrapunzel.com

  • Reply Marmormaedchen 14. Dezember 2016 at 17:02

    Hallo Luise
    Das ist ein Thema, das mich oft beschäftigt. Loslassen. Die eigenen Erwartungen nicht erfüllen. Die der anderen schon gar nicht. Ausreissen. Nicht ich sein – das ich, das ich selbst erschaffen habe.
    Dann, wenn alle sagen: „Ach, Jasmin? Die packt das. Die packt doch alles, was sie sich vornimmt“ zu schreien und zu poltern und es NICHT zu packen. Weil ich das auch kann. Einmal ausbrechen aus dem Käfig, den man sich selbst gebaut und und in dem man sich eigentlich auch eingerichtet hat und den man eigentlich will. Ich will mein Leben im Griff haben, ich will die Verantworung, die ich trage, ich will das Strahle-Mädchen sein und immer optimistisch und ich will mich kümmern. Und dann gibt es Tage, an denen trägt man die ganze Welt auf den Schultern. Und dann breche ich aus. Oder auch nicht. Mal so und mal so. Und langsam lerne ich, dass auch das in Ordnung ist. Auszubrechen und es nicht zu tun. Brav zu sein und das Leben immer wieder in den Griff zu bekommen, in den Käfig zurückzukehren. Fliegen. Und landen.
    LG Jasi
    http://www.marmormaedchen.ch