Aus angebrochenen Tassen trinkt man nicht. Jedenfalls nicht allein.

Datingkolumne/16. Dezember 2016/13 Kommentare

Ein einziges Mal in diesem Jahr habe ich „Ich liebe Dich“ gesagt.
Also nein, öfter. Ich habe öfter „Ich liebe Dich“ gesagt und auch immer so gemeint.
Aber nehmen wir Familie und Freunde mal aus dieser Statistik heraus.
Dann bleibt genau dieses eine Mal.
„Ich liebe Dich.“, obwohl,..es war viel mehr ein „ICH LIEBE DICH!“
Dieses eine Mal. In dem ich alles riskiert habe. Wieder.
Und verloren. Wieder.

Die meisten meiner Datinggeschichten aus diesem Jahr kennt ihr:
Es gab diesen fabelhaften Mann, der mich in den Arm genommen hat und mir gesagt hat, das alles wieder gut wird. Der, dem ich am Ende „Ich brauche Dich nicht!“ entgegen schmetterte, obwohl ich ihn anfangs so sehr gebraucht hatte.
Da war der Typ, dem ich nicht erzählen wollte, dass ich Bloggerin bin.
Mein erstes Date in New York, was damit endete, dass er direkt mein Freund werden wollte.
Erinnert ihr Euch an diesen verrückten Zufall in München?

Und dann gab es die, von denen ich nicht erzählt habe.
Dann gab es zweieinhalb zweite Chancen.
Weil ich nicht aufgeben kann.
Weil ich an das Gute im Menschen glaube.
Weil ich glaubte, dass Menschen sich verändern.

Also fuhren wir in den Urlaub. Und ich hielt all’ das, was uns nach dem letzten Kampf geblieben war mit aller Kraft zusammen. Ich versuchte vergebens die Scherben aufzusammeln und daraus ein Mosaik zu legen. Und du warst da. Du warst da. Endlich wieder da. Und wir saßen in der Sonne. Und mit den grauen Wolken kamen die Zweifel und ich begriff: es hatte sich nichts verändert. Ich hatte dich vertrieben. Schon vor einer langen Weile. Und gleich was ich tat, Du würdest nie wieder zurück kommen.
Und so bist du gegangen. Wieder. Und ich verstehe es. Wirklich. Aber ich werde mir, ich werde uns das nie verzeihen.

Ich habe gesagt: „ein Blick, ein Wort, ein Kuss – würde alles ändern. Diese drei Worte. Die Bitte, Dir zu verzeihen. Offene Arme. Ein Friedensangebot. Ich würde es annehmen. Ohne zu zweifeln.“
Und Du hast angerufen. Du hast diese Frage gestellt. Du wolltest mich abholen. Du hast bereut. Aber in diesem Moment war ich viel zu weit weg.
Ein paar Monate und zwei Treffen späer. Und es schien, als wäre nicht ein Tag vergangen. Als wäre nicht eine Missetat begangen. Es war, als wärst Du immer noch der Selbe. Wieder der Alte. Und dann hast Du gemerkt, dass ich es nicht bin. Die Alte, meine ich. Ich bin weiter gegangen.
Es tut mir Leid. Aber da war nur ein Blick. Du findest die Worte nicht. Und ich lege sie dir nicht wieder zurecht.
Und wieder gibst Du auf.

Und dann: dieser halbe Versuch.
Vergebens.
Eine Nacht. Und Du begreifst nichts.
Und ich steige in den Flieger.
Und wir werden uns wieder sehen – vielleicht ist es das, was uns so leichtsinnig macht.
Und eigentlich haben wir es gar nicht versucht – vielleicht weil wir beide Wissen, dass wir uns das für später aufbewahren.

„Aus angebrochenen Tassen trinkt man nicht.“, pflegt meine Freundin zu sagen. Und ist, was das angeht, äußerst diszipliniert. So schickt sie im Kaffee den Kellner los, eine neue Tasse zu holen. Und ist strikt, wenn es dazu kommt, zu verzeihen, zu vergeben. Wenn es darum geht, sich wieder angreifbar zu machen. Das ist schlau. Das ist vorsichtig. Und das ist sicherlich richtig.
Aber ich – bin anders. Zu gutgläubig vielleicht. Zu viel Hoffnung vielleicht. Aber, es tut gut zu wissen, dass ich das kann. Dass ich lieben kann. Immer noch. Dass ich vergeben kann. Dass ich hoffen kann. Es ist auf eine merkwürdige Art beruhigend. Es ist gefährlich. Und ich wurde zweieinhalb Mal enttäuscht. In diesem Jahr. Wieder. Wieder enttäuscht. „Wir haben es Dir doch gesagt!“ „Wieso hast Du Dich wieder auf ihn eingelassen?“

Weil ich – auch in diesem Jahr – ein Mal eine dritte Chance gegeben habe.
Manch’ einer mag mich für verrückt erklären.
Aber es war die richtige Entscheidung. Eine richtige, dritte Chance. Für Dich. Und uns. Und das fühlt sich richtig an. Weil Freundschaft eben auch Liebe bedeutet.

Ein einziges Mal in diesem Jahr habe ich „Ich liebe Dich“ gesagt. 
Also nein, öfter. Ich habe öfter „Ich liebe Dich“ gesagt und auch immer so gemeint.
Denn nehmen wir Familie und Freunde mal mit in diese Statistik rein.

Dann komme ich auf unzählige Male.
Unzählige Male in diesem Jahr habe ich „Ich liebe Dich“ gesagt.
Und gewonnen. Jedes – außer dieses eine – Mal. 

silvester

Illustration – @iamilgin

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13 Kommentare

  • Reply Krissi 26. Dezember 2016 at 17:18

    Wieder ein sehr sehr schöner Post. Ich mag deine Dating Kolumnen sowieso total gerne. <3

    Ja, die Sache mit dem Verzeihen. Manche Menschen sind da ganz schnell drin, vielleicht manchmal auch zu voreilig, und andere brauchen sehr sehr lange oder tun es gar nicht. Ich bin so wie du: Ersteres.
    Ich bin nicht nachtragend und kann einfach nicht lange böse sein. Selbst wenn ich eigentlich sauer und verletzt bin, sage ich nach einer Entschuldigung des Anderen meistens sofort wieder "schon okay". Das ist manchmal ganz schön dumm, naiv. Aber manchmal ist es auch das Richtige, das Beste was man tun kann. <3

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://www.themarquisediamond.de/

  • Reply Steffi 21. Dezember 2016 at 11:26

    Liebe Luise,
    was soll ich sagen, du hast es einfach. Diesen gewissen Styl die Leute mit deiner Schreiberei in deinen Ban zu ziehen. Ehrlich, offen und dabei so verletzlich. Ich liebe deine Datingkolumne und freue ich jetzt schon auf die erste in 2017.

  • Reply Carolin 18. Dezember 2016 at 20:03

    Ich muss ehrlich sagen das mir deine Datingkolumnen bis jetzt immer gefallen haben. Das war zwar nicht so richtig typisch für deinen Blog aber hey. Es war irgendwie toll und witzig und mal was neues !:)
    Aber dieser Text ist wieder mal was ganz besonderes! :*

  • Reply Nadja 17. Dezember 2016 at 19:51

    Liebe Luise,

    zu deiner letzten Datingkolumne habe ich keinen positiven Kommentar da gelassen und bisher war ich auch kein Fan dieser Reihe. Mir fehlte “Luise” und obwohl ich wusste und von dir gelesen habe, dass die Datingkolumne etwas anderes sein und alles mit einem Augenzwinkern gelesen werden sollte, war es mir bisher zu platt und plakativ. Dieses Mal aber hast du mich sehr überrascht! Ein ganz, ganz toller Post, wie ich finde. Du hast mich abgeholt, mitgenommen und berührt. Danke für den schönen Text und deinen wunderbaren Schreibstil!

    Liebe Grüße,
    Nadja

    • Kleinstadtcarrie 18. Dezember 2016 at 00:45

      Danke Nadja, es freut mich sehr, dass Dir diese gefallen hat :-)

  • Reply Marie 17. Dezember 2016 at 19:43

    Endlich mal eine schöne Datingkolumne!! Die anderen haben mir nicht so gut gefallen wie dieser Beitrag. Ich finde ihn sehr ehrlich und kann viel von mir darin entdecken. Aber eine kleine Anmerkung: Du hast in einem Video mal gesagt dass immer wieder diese Fragen danach kommen wer mit dir im Urlaub war und dir das einfach zu weit geht und du das nicht beantworten willst. Dann frage ich mich aber, warum du so offen darüber schreibst. Vielleicht ist es ja auch gar nicht so, dass du die Fragen nicht hören willst.

    • Kleinstadtcarrie 18. Dezember 2016 at 00:47

      Marie,

      ich möchte die Frage auch nicht hören, denn ich teile das mit meinen Followern, was ich möchte. Wenn ich gewollt hätte, dass jedermann weiß, mit wem ich wann in welchem Urlaub bin, dann würde ich es ja jjeweils zeigen :) Wenn ich aber etwas offensichtlich nicht sagen/zeigen möchte, dann wünsche ich mir, dass das akzeptiert wird :)

      Liebe Grüße an Dich und Danke für Deinen lieben Kommentar <3

  • Reply Nastya 16. Dezember 2016 at 21:38

    Wieder mal ein wirklich toller Blogpost! <3
    Lg, Nastya https://nastyawiebe.wordpress.com/

  • Reply Luu 16. Dezember 2016 at 19:41

    Wow – ich bin einfach nur sprachlos. Liebe, liebe, liebe deinen Schreibstil!
    Mach weiter so <3
    Alles Liebe
    Luu

  • Reply Juliet 16. Dezember 2016 at 16:55

    Ach Luise, ich erkenne mich so sehr wieder in dem, was Du schreibst! Es ist schon fast unheimlich. Du schreibst mir aus der Seele! Der Post ist dir toll gelungen. Und ich wünsche dir, dass Du auf den einen ganz Besonderen triffst & ihr beide dann an Euch festhält – von ganzem Herzen!