Entscheidungen treffen

/24. November 2016/14 Kommentare

Entscheidungen treffen – kann ich nicht. Denke ich. Dachte ich. Aber eigentlich ist es vielmehr die Angst davor. Davor, was kommt. Was daraus folgt. Denn: eine Entscheidung, zieht so vieles nach sich.
Ich bin ein Mensch, der abwägt. Jedes Risiko im Blick hat. Misstrauisch. Skeptisch. Vorsichtig. Manchmal ängstlich. Weil ich zu oft schon der Meinung war, die falsche Entscheidung getroffen zu haben

… aber rückblickend, ergibt alles einen Sinn:

Ich bin gerade 19 geworden. Ein bisschen älter als alle anderen. Man müsste meinen, ich wüsste, was ich tat. Aber: nein, absolut nicht. Irgendwie hatte mich das alles überfordert. Das alleine wohnen, der Haushalt, das Abitur und diese riesige Lawine namens „Zukunft“, die da auf mich zurollte. Wenn ich nach der Schule zur Arbeit fuhr, dachte ich darüber nach, was alles möglich ist. Und als ich gegen 1 Uhr nachts ins Bett fiel, dachte ich nur noch an morgen. Kleine Schritte. Zu klein. Denn plötzlich überholte mich die Zeit und es waren nur noch wenige Tage, – ich musste die Wohnung, mein zu Hause verlassen.
Und dann entschied ich, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben: hier zu bleiben. In Dresden.
Überfordert. Erzwungen irgendwie. Und dann war es beschlossene Sache.
Wie oft saß ich in meinem kleinen WG-Zimmer und: bedauerte. Zutiefst.

Heute, 3 Jahre später, bedauere ich es immer noch. Ein kleines bisschen. Ein winzig kleines bisschen.
Aber:
Ich habe die besten Freundinnen der Welt kennengelernt.
Ich habe noch zwei weitere Jahre in dieser wundervollen Beziehung verbracht.
Ich habe einen Bachelorabschluss machen und nebenbei Vollzeit als Bloggerin arbeiten können.
Und ich habe, gemeinsam mit Dir, damit angefangen, die Welt zu erkunden.

Wer weiß, wie es in einer anderen Stadt gekommen wäre. Wer weiß, wer mir über den Weg gelaufen wäre. Welche Erfahrungen ich gesammelt hätte.
Aber ich muss doch sagen: ich bin ziemlich zufrieden damit, wer ich heute bin. 

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Gerade 21 geworden.
Und plötzlich stand dieses Angebot im Raum.
Großartig. Überwältigt. Endlich. JA! JA! JA!, ich habe nicht lange gegrübelt. Ich habe zugesagt. Meine Chance gewittert und sie mir geschnappt. Siegessicher.
Dabei habe ich nur an mich selbst gedacht. Und daran, dass ich endlich weiter gehen muss. Dafür habe ich diese Liebe aufgegeben. Habe dich hier stehen lassen. Zurück gelassen. Und ich weiß, dass Du mir das nie verzeihen wirst. Und vielleicht hätte ich bleiben und dich lieben sollen. Wie oft saß ich da, buchte meinen Flug oder suchte mir eine Wohnung und hätte am liebsten alles hingeschmissen und wäre zurück gerannt, – in Deine Arme.

Heute, mehr als ein halbes Jahr später, denke ich immer noch gelegentlich darüber nach.
Aber:
Ich habe mich neu verliebt. In eine Stadt. In ein Gefühl.
Ich habe gemerkt, gelernt, dass alles möglich ist und das ich alles schaffen kann, wenn ich es nur genug will.
Ich habe ein weiteres zu Hause gefunden.

Wer weiß, wie es geworden wäre, wenn ich hier geblieben wäre. Wer weiß, wer mir über den Weg gelaufen wäre. Welche Erfahrungen ich gesammelt hätte.
Aber ich muss doch sagen: ich bin ziemlich zufrieden damit, wer ich heute bin. 

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Täglich gilt es: Entscheidungen zu treffen.
Und: Ich kann das! Ich habe keine Angst mehr. Weil ich weiß, dass all’ das mich formt und weil ich weiß, dass ich auch wieder einen Schritt zurück gehen kann. Weil ich weiß, dass man auch mal aus dem Bauch heraus entscheiden muss.
Wir müssen mutig sein – mutig genug, um Entscheidungen zu treffen.
Und manchmal heißt das eben auch: einen Schritt zurück zu gehen. Rebouten. Neu anfangen.
Und mit der Gewissheit, dass uns auch jeder Fehltritt formt und lehrt, wachsen lässt – ist es doch gar nicht mehr so schwer, sich festzulegen.

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Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit FriXion Colors.

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14 Kommentare

  • Reply Kim 27. November 2016 at 23:56

    Nächstes Jahr wird ein Jahr sein, in dem ich viele Entscheidungen treffen muss, die mein Leben komplett auf den Kopf stellen könnten. Normalerweise liebe ich Veränderungen, warte nur darauf, dass sich die Welt wieder andersherum dreht, ich neue Wege beschreite ohne mich umzublicken. Doch dieses Mal habe ich Angst. Ich fühle mich unsicher wie noch nie. Und das wegen einem einzigen Menschen, an dem mein Herz hängt, was durch ihn aber Stück für Stück eingerissen ist. Doch warum hält mich dieser Mensch immer noch hier und lässt mich an meinen Entscheidungen zweifeln?! Obwohl ich doch weiß, dass es richtig ist zu gehen, um mich neu zu entdecken und endlich wieder zu leben, für mich.
    Erwachsensein ist schwierig. Keiner entscheidet mehr für dich. Auf der einen Seite tut es gut, aber auf der anderen wäre ich dankbar, wenn mir manchmal jemand alles abnehmen könnte.

  • Reply Madleine 27. November 2016 at 13:27

    Das ist so schön geschrieben. Mir geht es auch immer so das ich zu viel nachdenken, zu viel abwege und dadurch manchmal zu wenig riskiere. Ich Teile deine Einstellungen das wir aus allem etwas lernen und alles seinen Sinn hatte. Ich liebe New York auch und freu mich die Videos an zu schauen. Ich bin am überlegen meine Videos auch zu veröffentlichen. Ich hab echt Respekt von dir wie persönlich und ehrliche du schreibst.
    Madleine
    weltpass.wordpress.com

  • Reply Krissi 25. November 2016 at 20:01

    Ein richtig toller Post, liebe Luise! Ich habe dir das schon gefühlte 10000 Mal gesagt, aber ich liebe deine Art zu schreiben. Solltest du also irgendwann mal ein Buch schreiben – ich würde es lesen wollen. <3
    Man hört das ja so oft und es stimmt ja auch wirklich: Aus Fehlern lernt man. Jeder Fehler den man macht, jede falsche Entscheidung, verändert und formt einen. Hätten wir nur eine einzige wichtige Entscheidung in unserem Leben nicht getroffen, bzw. uns für die Alternative entschieden, wäre unser Leben vielleicht komplett, sicher aber zumindest ein wenig anders verlaufen. Ohne bestimmte Fehlentscheidungen, die wir getroffen und Fehler, die wir gemacht haben – Fehler, die uns Lektionen gelernt haben- wären wir jetzt nicht wer wir sind, dort wo wir sind.

    Die GIFs sind übrigens auch echt super cool gemacht. <3

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://www.themarquisediamond.de/

  • Reply Gina 25. November 2016 at 08:52

    Ich habe jetzt schon einige Beiträge zu diesem Thema gelesen und finde es immer wieder spannend zu sehen, wie eine oder auch mehrere Entscheidungen diese Personen zu denjenigen gemacht haben, die sie heute sind.
    Danke für deinen Beitrag, Luise. ♥
    Und auch ich habe meine Heimatstadt für meine Ausbildung nicht verlassen. Naja, das ist nicht ganz richtig. Ich bin schon in eine größere Stadt gezogen, die 30km entfernt liegt – Aber das zählt nicht als Wegziehen! Und jetzt wo die Ausbildung zu Ende ist, habe ich direkt das andere Extrem gewagt und bin ans andere Ende der Welt nach Australien geflogen. Wo ich nächstes Jahr um diese Zeit bin? Keine Ahnung, aber diese Entscheidung hat auch noch ein wenig Zeit.

    Liebe Grüße ♥

  • Reply Jelena 25. November 2016 at 01:26

    Super schöner Artikel 🙂
    Ich habe in meinem Leben gerade auch eine große Entscheidung getroffen. Zwar keine neue Stadt, kein neues Leben aber eine Beziehung zu einem wichtigen Menschen, der mir nicht gut tat. Gerade jetzt in diesem Moment fühlt es sich gut an und richtig, wie ich in ein paar Tagen oder gar Wochen darüber denke, mag ganz anders sein. Aber man sollte abwarten und der Zeit ein wenig Raum geben und wirklich sachlich, objektiv und rational zu entscheiden und nicht mit dem Herzen, welches sprunghaft ist wie eine Grille.

    Eben wie du in deinem Artikel reflektiert hast … nach 3 Jahren, nach einem halben Jahr.. ist man (etwas) reifer, nicht mehr direkt im „Geschehen“ und sieht manchmal Dinge, die zwar da waren aber gar keine Rolle gespielt haben.

    Danke für deine tollen Worte 🙂 Liebe Grüße, Jelena

  • Reply Amy 24. November 2016 at 21:32

    Hey 🙂
    Sehr schöner Blogpost! Mein Leben hat sich diesed Jahr aufgrund einiger Entscheidungen von Grund auf verändert und viele Male habe ich hinterfragt und fast schon bereut…aber heute ist alles gute so wie es ist. Hoffe du hast eine gute Reise!

    Liebe Grüße 🙂

    PS: Die Illustrationen sind einfach toll!

  • Reply Tamara 24. November 2016 at 20:54

    Sehr schön geschrieben! Wahre Worte! Man kann nur aus seinen Fehlern lernen, man bereut nur dir Dinge, die man nicht gemacht hat.
    Mache weiter so! LG

  • Reply Maj-Britt 24. November 2016 at 20:28

    Ein toller Beitrag, liebe Luise! So kreativ, innovativ irgendwie. Und du wirst deinen Weg gehen. Hat mich lange Zeit gebraucht zu akzeptieren, dass es kein richtig oder falsch gibt. Sondern dass man mit seinen Entscheidungen einen Wegweiser in die Entwicklungsrichtung legt. Hättest du damals anders entschieden wärst du jetzt sicherlich eine andere Luise mit anderen Erfahrungen. Nicht unbedingt schlechter als heute, einfach anders. 🙂

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

  • Reply Carina 24. November 2016 at 19:46

    Ganz toller Text und die kleinen gifs sind wirklich herzallerliebst!
    Ich glaube auch, dass wir manchmal viel zu schüchtern sind, zu viel überlegen und zu viel abwägen.
    Manchmal muss man einfach machen, erst einmal ohne Rücksicht auf Verluste. Sich trauen, etwas Neues zu wagen. Die richtigen Menschen werden in deinem Leben bleiben, egal wofür man sich wann und wie entscheidet.

    http://www.spiegelstaub.net

  • Reply Nina 24. November 2016 at 17:44

    Sehr inspirierend 🙂

  • Reply Lara 24. November 2016 at 17:28

    Toller Blogpost! Du schaffst es immer wieder, Produkte richtig einzubauen, da schaut man sich das gerne an. Und zeichnen kannst du auch noch!
    Und ich bin genau so gespannt wie du, wie dein Weg weitergeht. (Und wenn wir dabei sind, wie es bei mir nach meinem Auslandsaufenthalt ab Januar aussieht, zwecks Studium und so weiter, weil ich auch ganz schlecht im Entscheidungen treffen bin…) Mach weiter so! <3

  • Reply Lara 24. November 2016 at 16:33

    Tolle Zeilen, die du da geschrieben hast!!
    Manchmal muss man auch einfach falsche Entscheidungen treffen, um hinterher den richtigen Weg zu finden..wichtig ist doch, auf sein Bauchgefühl hören und das machen, was glücklich macht 🙂
    Liebe Grüße aus Hamburg,
    Lara <3
    https://travelwithlari.wordpress.com/

  • Reply F.M. 24. November 2016 at 12:09

    So ist’s: Das Leben.
    Aber es auch ganz langsamer sein, ebener. Auch das ist eine Herausforderung.
    Wie die vielen Pfeile auch Anstrengung bedeuten, die der Entscheidung, so ist’s doch eine große Lebendigkeit. Und wie du erlebt hast zuvor: Welchen Weg man letztlich einschlägt, er hält Großes bereit.
    Ja, ein Stück nach der Weggabelung denkt man zurück: Was wäre mir auf den anderen Stück passiert? Aber ein Zurückgehen gibt es nicht, muss auch nicht. Nur: Was, wenn sich der Weg als Sackgasse oder als unpassierbar herausstellt? Das lag uns ja im Magen, an der Kreuzung damals. Nun, dann gilt es, sich durch das Unterholz zu schlagen und auf sich weniger unwegsames Gelände zu kämpfen.
    Und wenn ich mich ganz verirre?
    Dann hilft der Blick „nach oben“ – da lächeln dich die Freunde an, sie reichen dir die Hände, wenn du Hilfe benötigst.

  • Reply Nina 24. November 2016 at 11:34

    In diesem Post ist die Kooperation wunderbar verpackt!

    Liebe diesen Text, wie eigentlich alle von dir 🙂