It’s worth it!

/20. Oktober 2016/21 Kommentare

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Eiskalte Brise im März.
Auftauen im April.
Leben im Mai.
Wiedersehensfreude im Juni.
Leben im Juli. Und sterben.
Denn als ich den Flieger gestiegen bin, habe ich mir selbst das Herz gebrochen.
August.
September.
Frieren im Oktober.
Weil mir Deine Nähe fehlt.

Ich vermisse Deine Umarmung.
Deine Arroganz,– die ich erst verstanden habe, als wir warm miteinander wurden. Dann hast Du immer öfter gelächelt. Mich um den Finger gewickelt. Mir den kleinen Finger, aber nie die ganze Hand gereicht. Du hast mich gefordert, getrieben, mir Deine hässliche Fratze gezeigt. Du hast mich gequält, damit ich besser werde. Du hast mich belehrt, täglich. Mich auf Trapp gehalten. Hast mich in die falsche Richtung geschickt, damit ich lerne, nur mir selbst zu vertrauen. Mich eingefroren, damit wir zusammen auftauen können.
Lärm immer. Hupende Autos. Schreiende Menschen. Sirenen. Sirenen. Sirenen.

Noise is always loud, there are sirens all around and the streets are mean

Du hast mich wieder belebt. Du hast mir das Wasser aus der Lunge gepumpt und mir zwei Mal hart ins Gesicht geschlagen. „Alles wieder okay?“, gebrüllt und mich sitzen lassen.
Du hast mir Lektionen erteilt und mir begreiflich gemacht, dass Vorurteile leider manchmal doch zutreffen, dass eine Welt aus Plastik und mit zu viel Make-Up bei Tageslicht betrachtet gar nicht so glamourös ist, wie sie nachts erscheint. Du hast mich hinfallen lassen. Mir ein Bein gestellt.
Was habe ich Dich verflucht. Was habe ich geheult.
Und in dem Moment, als ich das erste Mal auf meiner Dachterasse in Brooklyn stand und die Sonne hinter den Wolkenkratzern untergehen sah, blieb die Welt für einen Augenblick stehen und ich wusste: it’s worth it! Denn ich bin hier und dort drüben formen die Lichter der Stadt meine Träume. Greifbar. Da ist kein Ozean mehr dazwischen. Und ich hab den ganz allein überquert – hat vielleicht Jahre gedauert. Aber ich habe es geschafft. Ich bin hier. It’s worth it. 

Even if it ain’t all it seems, I got a pocketful of dreams 

Und dann: voll ins Herz.
533 Myrtle Avenue.
Meine Dachterasse. Mein New York.
Mittendrin.
Park Avenue/ 53rd Street.
Lebendig.
Und plötzlich war ich ein Teil. Ein Teil von Dir.
Beine in der U-Bahn nicht überschlagen. Mind your own business! Und wenn ich tagtäglich zum Central Park spazierte, sprachen mich die Kutschenbesitzer nicht mehr an. Alles, was mir vor ein paar Wochen, auf der anderen Seite der Welt noch Kopf-, Bauch- und Herzschmerz bereitet hatte, war vergessen. Die Ängste, die mich in Deutschland plagten, habe ich plötzlich selbst belächelt. Und ich lief – so selbstbewusst wie nie –  durch die dunklen Straßen der Nacht. Furchtlos. Eilig. Und unfassbar glücklich.

These streets will make you feel brand new 

Denn als ich den Flieger gestiegen bin, habe ich mir selbst das Herz gebrochen.
Jetzt: Frieren im Oktober.
Weil mir Deine Nähe fehlt.
New York, Du fehlst mir.
So sehr, dass ich gemeinsame Fotos ansehe. Das Internet nach Neuigkeiten durchforste. Und auf dem Nachhauseweg anfange zu weinen, weil mich das Lied an uns erinnert. Ich vermisse Dich so sehr, dass es mich lähmt.
Weil merke, wie wir uns entfernen. Wie ich Versprechen, die wir einander gegeben haben, breche. Es fehlt, was du täglich mit mir gemacht hast. Als wäre das plötzlich wieder anderes Blut, dass durch meine Adern fließt. Und vielleicht ist es auch so.

Aber: wenn Du mich eines gelehrt hast, denn: Dein Leben! Dein Ding! Deine Verantwortung! Also mach! Weil: There is nothing you can’t do!
Ich wusste nur nicht, dass Fernweh schlimmer ist als Liebeskummer. Aber: It’s worth it. Ich werde wiederkommen. Und bis dahin, trage ich Dich in meinem Herzen.

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Mantel – H&M
Jacke – OnePiece (hier und ihr bekommt mit „FERNWEH“ 15% Rabatt auf alles)
T-Shirt – H&M
Jeans – Hollister
Schuhe – Converse
Tasche – MCM

Fotos – Martin Stier

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21 Kommentare

  • Reply Mila Guan 1. Dezember 2016 at 17:46

    Schöne Fotos, ich mag den düsteren Stil 🙂

  • Reply Cara 1. November 2016 at 19:48

    Liebe Luise,

    das mit dem Schmerz des Fernwehs, der einem gefühlt das Herz zerreißt, kenne ich nur zu gut. Alles was bleibt sind die Erinnerungen und die Hoffnung, zurück zu kehren.

    Mal wieder ein wunderschöner Text!

    Liebe Grüße, Cara

  • Reply Mareike 23. Oktober 2016 at 21:36

    Tolles Outfit, das geht sehr gut ineinander! Auch die relativ große Tasche passt da super hinein. Mach weiter so.. lese deine Texte immer wieder gern, du fängst die Herbstatmosphäre damit richtig toll ein! LG Mari

  • Reply Vivien 23. Oktober 2016 at 15:28

    Schöner, wahrer Post, liebe Luise! Vielleicht erinnerst du dich, ich schrieb dir vor deinem NY-Aufenthalt, dass ich vier Monate in London gelebt hatte, eine ebenfalls sehr pulsierende, aufregende Stadt – und ich vermisse sie immer noch täglich. Aber: ich wäre nicht da, wo ich heute bin, ohne den Aufenthalt und die wahnsinnige Zeit dort. Für immer wird man von solchen Erfahrungen zehren, das ist es doch, was zählt.

    Ich schreibe dir eigentlich, weil ich dich in meinem neuesten Outfitpost erwähnt und verlinkt habe – ich hoffe, das ist in Ordnung! http://www.absolute-brightside.de/2016/10/outfit-light-pink-boots-white-coat.html

    Liebe Grüße,
    Vivien

    • Kleinstadtcarrie 24. Oktober 2016 at 09:44

      Hey liebe Vivien,

      danke für Deinen lieben Kommentar – und für Deine Erwähnung natürlich! Mir gefällt das Outfit total gut 🙂

  • Reply Janine 22. Oktober 2016 at 08:58

    Wow liebe Luise, ein toller Text! Es freut mich, dass Du eine so schöne Zeit in NY hattest! PS: da ich auswandern möchte, bist Du mit Deinen Beiträgen über Dein (neues) Leben fernab Deiner Heimat mein totales Vorbild 😀
    allerliebste Grüsse
    Janine von http://www.yourstellacadente.com/

  • Reply Moni 21. Oktober 2016 at 22:30

    Ich habe such so sehr Fernweh! Ich könnte reisen, reisen und reisen! New Orleans ist echt eine wunderschöne, atemberaubende Stadt! Da muss ich definitiv nochmal hin und nicht nur ein mal…

    Liebste Grüße, Moni.

  • Reply Sabrina 21. Oktober 2016 at 22:01

    Beautiful <3

  • Reply Annalena 21. Oktober 2016 at 20:10

    Wunderschön geschrieben <3 Fernweh, genau das, was ich im Moment auch fühle. Nur dass ich noch nicht so weit bin, mir den Traum vom um die Welt Reisen und unabhängig sein, ohne wissen zu müssen, dass ich wieder nach Hause muss, weil dort Verpflichtungen auf mich warten, erfüllen zu können, da ich noch in der Schule festsitze.
    Irgendwann kann ich hoffentlich aufbrechen und mich verwirklichen und das tun was ich liebe. Und vielleicht die große Liebe in etwas anderem zu finden als in einem Menschen..
    Bis dahin (und auch weiter danach) verfolge ich deinen Blog, denn ich habe noch nirgends so emotionale und wahre Texte gelesen wie du sie schreibst. Vor allem die so ehrlich sind. Sie sind die Schönsten.
    Alles Gute <3

  • Reply Sonja 21. Oktober 2016 at 13:23

    Ein wundervoller Text! Mich selbst plagt das Fernweh momentan auch sehr. Nach meiner zweiten Heimat Spanien und ganz besonders nach der Welt. Ich würde gerne noch so viel entdecken und vor allem neu entdecken. Zwar war ich schon mal in New York, aber das ist inzwischen eine ganze Weile her. Wie sehr ich einfach Lust habe, nochmals die Stadt zu entdecken, für mehr als ein paar Tage. Deine Posts haben mir darauf auf jeden Fall noch viel mehr Lust gemacht.

    Ganz liebe Grüße
    Sonja von http://www.onefiftytwoblog.com

  • Reply Emma Linke 21. Oktober 2016 at 10:50

    Ein wundervoller Text.
    Ich glaube, Fernweh ist auf eine Weise auch Liebeskummer. Nur hast du dich dieses Mal eben in diese Stadt verliebt.
    Ich kenne es auch, einen Ort so zu vermissen. Aber das schöne ist, dass dieser Ort durch deine Erinnerungen auch immer bei dir ist, und du ihn mit dir trägst. Und dass du auch zurück kannst. Du wirst wieder einen Weg finden, zurück zu kommen. Alles Gute für dich auf deinem Weg!

  • Reply Jacky Lee Manning 21. Oktober 2016 at 09:38

    Soooo ein toller Post!! 🙂
    So nachvollziehbar! NYC ist einfach DIE Stadt! <3
    Ich hoffe für dich, dass du auch ganz bald wieder Zeit dort verbringen darfst.

    Liebe Grüße und ein ganz tolles Wochenende!
    Jacky

  • Reply Henry 20. Oktober 2016 at 22:01

    Hej Luise från Sverige! Also ehrlich, ich habe nie verstanden, was Du an NY so toll findest.
    Aber, alles Gute und ich wünsche Dir die Erfüllung Deiner Träume!
    ♥ Kram ♥

  • Reply Yaya 20. Oktober 2016 at 18:51

    Cooles sportliches Outfit, habe ich noch nicht so oft an dir gesehen, steht dir aber richtig gut ! 🙂

    Liebe Grüße , Yaya <3

  • Reply Kim 20. Oktober 2016 at 14:50

    Wirklich schöner Text und tolle Fotos! Cool, dass es hier jetzt wieder mehr zu lesen gibt 😉
    Ich berichte auf meinem Blog auch wieder regelmäßig über vegane Ernährung und weiter Lifestyle-Themen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mal vorbeischaut!
    Liebe Grüße, Kim.

    http://maybetoday.de/wordpress/

  • Reply Nina 20. Oktober 2016 at 14:16

    so so so geil geschrieben!!!

  • Reply jenny 20. Oktober 2016 at 13:14

    Liebe Luise,

    ich bewundere dich so sehr für deinen Schritt den du gegangen bist. Ich weiß noch genau wie du texte darüber geschrieben hast, dass du Angst hast zu gehen, deinen Weg zu gehen. Dich nicht traust und lieber wartest bis die anderen wieder zu dir zurück kommen! Und du hast es dich doch getraut und nun kannst du es gar nicht abwarten wieder nach NewYork zurückzukehren. Ich bewundere dich dafür so sehr! Ich bin noch nicht so mutig. Aber ich sehe bei dir, dass es sich wirklich lohnt alles zusammen zunehmen und einfach mal einen großen Schritt zu wagen.

    Liebe Grüße
    Jenny

  • Reply Sylvia 20. Oktober 2016 at 11:59

    Sehr coole Fotos find ich! Der Text ist auch mega gut und ich kann ihn sogar sehr gut nachvollziehen. NYC zieht einen einfach in den Bann und lässt einen so schnell nicht mehr los 😉

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at

  • Reply Anne 20. Oktober 2016 at 11:30

    Oh wow dein Text hat mich wahnsinnig berührt!
    Es ist echt heftig, wie sehr einem eine Stadt ans Herz wachsen kann.
    Halte durch und schreib weiterhin so wunderschön 😉

    Liebe Grüße
    Anne