Happy End

/17. Oktober 2016/30 Kommentare

Nachdem es sich in Dresden in den letzten Wochen wieder ziemlich schwierig gestaltet, Männer kennen zu lernen, die weder sächsisch sprechen, noch denken – nutze ich die Gelegenheit, dass ich 5 Stunden eher in München ankomme als meine  besten Freundinnen. Ein feuchtfröhliches Wochenende auf der Wiesn steht uns bevor und ich kann es kaum erwarten meine zwei Liebsten nach so langer Zeit wieder in die Arme schließen zu können. Schon merkwürdig, wenn sich das Studium dem Ende nähert und alle eine neue Richtung, einen neuen Weg einschlagen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls: es gibt da diesen einen Mann – ich hatte ihn vor zwei Jahren in einer Dating App kennengelernt, als meine Freundin nach München gezogen ist, und seither schmachte ich ihn auf Snapchat an.  Ein gutaussehender, erfolgreicher  Start Up Gründer, der regelmäßig zum Sport geht und die Welt bereist – klingt unwirklich, ist er aber nicht. Wir hatten uns noch nie gesehen, – aber was nicht ist, kann ja noch werden und so verabreden wir uns am Marienplatz. Mehr München geht gar nicht, oder? Die Sonne scheint und ich steige erwartungsvoll in die U-Bahn.
Mein Dirndl hatte ich bereits zum Entknittern aufgehängt, heute schlüpfte ich in ein luftiges Sommerkleid. Denn München überraschte mich nicht nur mit freundlichen Menschen und Sonnenschein, sondern auch mit sommerlichen 24°C.

An meiner Zielhaltestelle angekommen steige ich aus und frage mich einen Moment, welchen der zahlreichen Ausgänge ich wohl nehmen sollte. Egal, wir werden uns schon finden, denke ich und betrete verträumt die Rolltreppe.
Ich sehe nach oben und dort steht er. Ich erkenne ihn sofort. Was für ein Zufall! Das kann ja nur gut werden. Ich muss lächeln – für einen kurzen Augenblick zumindest. Denn als ich sehe, dass er sich angeregt mit einer Blondine unterhält, friert mir dieses Lächeln ein. Ich bin verwirrt und es schießen mir auf Anhieb drei Fragen in den Kopf…

  1. Wer ist das?
  2. Wollen die vielleicht einen Dreier mit mir?
  3. Und wie zur Hölle komm ich hier weg, ohne dass er mich sieht?

Die Antwort auf die dritte Frage wusste ich sofort: gar nicht. Denn die beiden, mein Date sozusagen, stehen fast direkt am Ende der Rolltreppe.
Ich gucke beschäftigt auf mein Handy und überlege, ob ich eine Kapuze trage, die ich unauffällig aufsetzen kann – Fehlanzeige! und da haben mich beide schon entdeckt und winken mir aufgeregt zu. „Oh man! Was wird das hier?“, frage ich mich erneut und verfehle den „Sende“-Button der Notfallnachricht an meine beste Freundin.
„Heeey!“, rufe ich freudestrahlend und gebe mein Bestes nicht so verwirrt auszusehen, wie ich bin. Wir begrüßen uns ein bisschen unbeholfen. „Das ist Linda.“ Ah okay.
„Na gut ihr Beiden, ich mach’ mich dann mal auf den Weg. Vielleicht finde ich ihn ja noch!“, sie zwinkert uns zu und ist weg.
„Wieso ist sie denn so schrecklich sympathisch?“, denke ich und schaue ihr nach.

„Nein, ich brauche keinen Babysitter, der mich zum Date bringt.“, lacht er, „Hey Luise – bist Du noch da?“
Ich schaue ihr immer noch hinterher, drehe mich dann aber blitzschnell zu ihm um und warte auf eine Erklärung. Er strahlt mich mit seinem umwerfenden Lächeln an und ich muss aufpassen, dass ich nicht vollends dahinschmelze, sondern den skeptischen Blick noch ein paar Sekunden behalte.
„Das war alles ein riesiges Missverständnis! Ich hatte irgendwie nicht mehr 100% auf dem Schirm, wie Du aussiehst. Ich war schon etwas eher hier, wollte eben pünktlich sein. Und als ich Dich – also Linda – gesehen habe, war ich mir total sicher und sagte Hallo! Blond und schlank und verdammt hübsch. Ich war mir sicher, dass Du das bist.
Naja und dann haben wir uns begrüßt und sind in Richtung Café gelaufen. Als ich sie fragte, wann denn ihre besten Freundinnen kommen würden, schaute sie mich nur verwirrt an… Jedenfalls: Linda hatte zur selben Zeit am selben Treffpunkt ein Date ausgemacht und die beiden hatten sich vorher auch noch nie getroffen.“
Das muss doch ein schlechter Scherz sein? Ich lache. „Nicht dein Ernst, oder?“ Die Erleichterung stand mir ins Gesicht geschrieben. Er legte locker den Arm um meine Schultern und lacht: „Du hättest eben Dein Gesicht sehen müssen, als Du die Rolltreppe hochgefahren kamst“.

Wir verstehen uns super. Er ist toll und verdammt gutaussehend – auch ohne Snapchatfilter. Und er hat so viel zu erzählen – ich genieße das Treffen und die Tatsache, dass er, zumindest für diese drei Stunden, nur Augen für mich hat. Wir hätten noch ewig durch München laufen können und zu fast jedem Gebäude hatte er etwas Interessantes zu erzählen, aber die Mädels gehen natürlich vor und so bringt er mich zu unserer Unterkunft. Als wir vor der Haustür stehen, küssen wir uns. Wow! Und ich weiß genau, dass meine besten Freundinnen bereits oben am Fenster stehen und uns beobachten.
„Gute Nacht, Luise! Bis Bald!“ Aus Bald wurde nichts – und als ich am Sonntag in das Auto meiner Mitfahrgelegenheit steige, schreibt er mir noch mal. Leider zu spät.

Als ich seinen Namen ein paar Wochen später auf meinem Handydisplay sehe, denke ich mir nichts dabei. Und als ich erfahre, dass er und Linda jetzt ein Paar sind, muss ich lächeln. „Meld Dich, wenn Du wieder mal in München bist! Wir wollen Dich gern auf einen Kaffee einladen!“
Und freue mich über dieses etwas andere Happy End.

kolumneIllustration – @iamilgin

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30 Kommentare

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  • Reply Marie 29. Oktober 2016 at 09:48

    OHA! Das ist ja wohl ein schlechter Scherz. Mit dem Ende hätte ich nicht gerechnet! Aber toll dass du es so gelassen aufnimmst 🙂

  • Reply vio 26. Oktober 2016 at 13:58

    Ich mag deine Berichte echt ganz gerne, frage mich manchmal wie viel Realität darin vorhanden ist und wie viel Träumerei. Jedenfalls erinnert mich diese ganze Sache sehr an den Film „Blind Date“ in der halt eigentlich fast das identische geschieht. Falls dem aber wirklich so gewesen sein soll, ja wie in einem Film.

    • Kleinstadtcarrie 26. Oktober 2016 at 20:08

      Hey Vio,

      kenne den Film gar nicht – schau ich mir aber heute Abend wohl mal an 😀 Ist ja witzig 🙂

  • Reply Lisa 24. Oktober 2016 at 23:24

    Sorry, aber allein der Einstieg in deinen Text wirkt einfach nur abgehoben. Du willst keine Männer, die sächsisch sprechen oder denken? Nachdem du ein paar Wochen in New York verbracht hast, bist du also nun Cosmopolit, wow.
    Deine Artikel über Pegida und Co kannst du dir dann echt schenken, denn die verallgemeinern genauso wie du und deine Rechtfertigung, man solle diese Kolumne „mit einem Augenzwinkern“ lesen, ist mehr als schwach 😉

    PS: dein Sächsisch hört man dir übrigens selbst an, nur mal so. Und nein, das ist nicht schlimm – wieso auch?
    Schönen Abend noch.

    • Kleinstadtcarrie 25. Oktober 2016 at 08:34

      Hey Lisa,

      gerade deswegen ist es doch so gemeint – ich komme aus Sachsen und mag meine Heimat (größtenteils) und ja, auch ich rede sächsisch 🙂 Nicht immer gleich so zickig reagieren,…

  • Reply Clara 20. Oktober 2016 at 07:13

    Oh man! Deine Kolumnen verschlinge ich echt immer wie einen Roman – das ist ja wirklich wie in einem Film gelaufen. Ob es jetzt ein guter, oder ein schlechter war… naja! Ich habe wirklich gar nicht mit dem „Ende“ gerechnet…Hut ab vor deiner Reaktion – Entfernung spielt leider immer eine Rolle mit! Kompliment wie immer an deinen Schreibstil – ich liebe ihn! 🙂

    Liebe Grüße
    Clara

  • Reply Lena 19. Oktober 2016 at 21:55

    Hey, kleiner gut gemeinter Tipp aus München fürs nächste Jahr: Es heißt „auf DER Wiesn“. Ohne Apostroph. Kommt nämlich nicht vom Plural von Wiese, sondern ist einfach ein bayerischer Ausdruck für die Wiese –> Die Wiesn –> auf der Wiesn.
    Liebe Grüße 😉

  • Reply CHRISTINA KEY 19. Oktober 2016 at 17:00

    Was für eine coole Story! Könnte grade aus einem Hollywoodfilm kommen. 🙂

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

  • Reply Brini 19. Oktober 2016 at 10:43

    So super erzählt deine Geschichte, aber ich finde das auch irgendwie schade. Schön für die beiden aber dennoch irgendwie einfach schade…
    LG
    Brini
    BrinisFashionBook

  • Reply Susa 19. Oktober 2016 at 09:14

    Oh neeeeein 🙁
    War ja beinahe zu erwarten, obwohl diese Geschichte beinahe klingt wie aus einem Hollywooddrehbuch. Leider bist in diesem Fall nicht du die Hauptactrice, was ich eigentlich echt schade finde, da ich es dir wahnsinnig gönnen würde endlich wieder auf Wolke 7 zu schweben!

    Viele Grüße,
    Susa

    http://www.misssuzieloves.de

  • Reply Kim 18. Oktober 2016 at 20:47

    Ach ja, schon witzig, wie ernst manche deine Worte nehmen..Ich finde, du hast es super geschrieben und was zum schmunzeln ist immer schön 😉
    Ich finde die Story so unglaublich schön, das schreit ja schon fast nach Schicksal oder vielleicht einfach nur ein glücklicher Zufall 🙂 Ist auf jeden Fall eine super Story, wenn die beiden gefragt werden „Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?“
    Bitte noch so viel mehr von diesen großartigen Kolumnen 🙂

  • Reply Farina 18. Oktober 2016 at 07:07

    Oh was eine tolle Gesichte. Das klingt wie Carrie Bradshaw im New York Star 😀
    Das Happy End ist süß, auch wenn es leider nicht deines ist, ist die Gesichte der beiden wirklich herzerwärmend. Auf dich wartet sicher noch ein viel schöneres Happy End. Ganz sicher! 🙂
    Liebst,
    Farina

  • Reply Sylvia 18. Oktober 2016 at 06:12

    Oh irgendwie find ich die Geschichte fast ein bisschen traurig 🙂 Naja für die beiden ist es ja immerhin super. Das klingt wirklich wie in einem Film

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at

    • Kleinstadtcarrie 18. Oktober 2016 at 14:49

      Ach, ist doch nicht traurig 🙂
      Ich freu mich so für die beiden!

  • Reply Nina 17. Oktober 2016 at 23:48

    Hat richtig Spaß gemacht die Rating-Kolumne zu lesen 😀
    Liebe Grüße, Nina
    https://ganzbesonders.wordpress.com

  • Reply Sarah 17. Oktober 2016 at 17:15

    Liebe Luise,
    ich habe bis jetzt jede deiner Dating-Kolumne gelesen, doch diese fand ich mit Abstand wirklich die Witzigste! Mit dem Happy End…für die Beiden. Klingt irgendwie wie im Film. Aber du kannst ja drüber lachen!

    Liebe Grüße
    Sarah von Sarahsecrecy

  • Reply Jasmin 17. Oktober 2016 at 16:07

    Sau coole Geschichte und lässige Einstellung, respekt! 🙂 gibt da bestimmt viele Mädels die anders reagiert hätten, aber ich finde deine Reaktion Erwachsen und schön! Lese deine Dating Kollumne übrigens mega gerne, auch wenn ich schon seit 7,5 Jahren vergeben bin und wir bald zusammenziehen, aber irgendwie ist es aufregend, als wenn mir eine Freundin einer ihrer Männerstorys erzählen würde hihi, da hab ich auch immer Spaß dran bzw. fühle mit! Oft bin ich aber auch froh, dass ich meinen Freund habe und weiß ihn dann mehr zu schätzen! Mach weiter so! 🙂

  • Reply Linda 17. Oktober 2016 at 14:46

    Um ehrlich zu sein… mich hätte das nicht kalt gelassen. Ich find das echt mies i-wie. Aber dennoch schön für die beiden. 🙂

    PS: Gut, dass die Schule vorbei ist. Mir ist das mit einem Jungen und einem Mädchen aus der Klasse passiert. Erst heimlich mit mir zusammen, dann offiziell mit ihr. Wenn man da zuschauen muss ist das n ganzen zacken schärfer. #olleMänner

    • Kleinstadtcarrie 17. Oktober 2016 at 15:10

      Hey Linda,

      ach da ist doch nichts dabei. Habe ihn ja nur ein Mal getroffen und dann nie wieder! Ich gönn‘ es den beiden!
      Aber wenn Mann das parallel macht – NOGO!

  • Reply Hannie Arden Blaise 17. Oktober 2016 at 14:24

    Was für ein plot twist! Die Story ist ja mal echt interessant und das Ende hätte ich echt nie so vorhersehen können! Das ist echt verrückt. Finde es aber klasse, dass du so gelassen drüber schreibst.

    Hugs, Hannie | Missing Wanderer

  • Reply Josi 17. Oktober 2016 at 13:49

    Liebe Luise, ich lese deine Texte sehr gern und teile auch viele deiner Einstellunge. Doch jetzt kommt das erwartete „Aber“..
    Diese Aussage ,“…Männer kennen zu lernen, die weder sächsisch sprechen, noch denken..“ finde ich nicht nur unschön sondern fast ein wenig respektlos, von jemandem der sagt er ist weltoffen.
    Was ist denn „sächsisch denken“? In deinen sozialen Netzwerken regst du dich immer wieder über Geschehnisse auf und thematisierst das ganz klar, was ich auch völlig inordnung finde. Was nicht inordnung ist, ist wie du die Männer alle unter einen Hut steckst.
    Ich bin vielleicht keine Mann, aber ich komme aus Dresden und lieber Sachsen genau so wie ich mein Sächsisch mag. So redet man hier nunmal.

    Also achte in Zukunft bitte auf deine sonst so gut gewählten Worte, und veruteile die Menschen deiner Heimatstadt nicht so.
    Liebe Grüße

    • Kleinstadtcarrie 17. Oktober 2016 at 14:11

      Hey Josi,

      danke für Dein Feedback 🙂
      ABER:
      meine Datingkolumnen soll man mit einem Augenzwinkern lesen. So auch diese. Und so auch diesen Satz.

      Liebe Grüße
      Luise

    • Niki 17. Oktober 2016 at 16:51

      Witzig, denn ich musste schmunzeln, als ich das gelesen habe und dachte „typisch Luise! super witzig und toll formuliert“ 😀 mir hat das total gefallen, ich weiß auch nicht…

    • Kleinstadtcarrie 17. Oktober 2016 at 19:47

      Juhu, das freut mich 🙂

  • Reply Vivien 17. Oktober 2016 at 13:28

    Wow, damit hatte ich am Ende irgendwie nicht mehr gerechnet, aber witzig, wie es ausgegangen ist! Erzählenswerte Geschichte, ich mag deine Kolumne hier sowieso! 🙂

  • Reply Iris 17. Oktober 2016 at 13:03

    Also, dieses Happy Ending hab ich jetzt irgendwie nicht erwartet, aber finde ich super, dass du damit klarkommst! Es gibt noch andere tolle und gut aussehende Männer da draußen! 😉
    Liebe Grüße

    • Kleinstadtcarrie 17. Oktober 2016 at 13:09

      Na klar 🙂 Ich freu mich für die Beiden!