Dresden, ich habe die Schnauze voll!

/27. Oktober 2016/57 Kommentare

Luise du tust ja gerade so, als würden alle Dresdner so urteilen. „Denken sächsisch“ – wie kannst du – als Dresdnerin – sowas schreiben? Du müsstest doch wissen, dass es nicht so ist. Dachte ich auch … 

Ich stehe an der Haltestelle. Innenstadt. Es ist nicht viel los: ein paar Studenten, ein paar Rentner. Und dann kommt ein Junge. Seine Schuhe haben Löcher, die Jacke viel zu dünn für diese Jahreszeit. Traurige Augen. Und ganz offensichtlich: ist er nicht aus Deutschland. Nicht hier geboren. Einen benutzen Einwegbecher in den kleinen Händen. Er bettelt. Muss betteln. Weil er Hunger hat? Oder was steckt dahinter?
Ich schüttle mit dem Kopf, als er vor mir steht. Schaue ihm in die Augen und sehe nichts. Leere. Es bricht mir das Herz und als er sich abwendet, bereue ich mein Verhalten. Halte eine 1€-Münze in meiner Hand. Habe sie gerade in meiner Jackentasche gefunden. Hatte ich vergessen. Und jetzt für mich behalten. Scham.
Jede weitere Person schüttelt ebenfalls mit dem Kopf. Wir alle schicken den Jungen weiter.
Und dann steht er vor einer älteren Frau. Sie sieht nett aus, denke ich. “Ich habe Hunger“, sagt der  kleine Junge in gebrochenem Deutsch. Die Frau sieht ihn nicht an. Würdigt ihm keines Blickes. Er geht. Und sie? Lacht. Und sieht uns an: „So eine Frechheit! Der kann froh sein, dass er hier leben darf.“ Sie lacht. Gehässig. Und: unsicher. Gerade sah sie noch so freundlich aus. Ihre Gesichtszüge haben sich verhärtet und dazu das missgünstige Grinsen auf dem Gesicht.
Ich: wütend. Mir schießen die Tränen in die Augen. Und ich steige in die Straßenbahn. Die Situation ist vorbei. Aber die Situation nicht.

Tag der deutschen Einheit. Das ist jetzt schon ein paar Wochen her. Ich habe darüber geschrieben. Mir schon Mal Luft gemacht. Aber nicht die ganze Wahrheit erzählt:
Während ich 75 Minuten auf meine Bahn warten muss, weil sich mehr als 6000 Menschen durch den nasskalten Tag schreien, nehme ich mir die vergeudete Zeit und beobachte diese. Und sie beobachten mich. Aggressive Blicke, erhobene Fäuste, „Haut ab!“, schreien sie und schauen dabei in unsere Richtung.
Hinter mir steht eine junge Frau.  Und ganz offensichtlich: ist sie nicht aus Deutschland. Nicht hier geboren. Sie lässt es über sich ergehen. Senkt den Kopf. Und auch wenn ich ihre Sprache nicht spreche, verstehe ich genau, dass ihre Tochter sie fragt, wieso diese Menschen so wütend auf sie sind.
Der Menschenzug trottet vorbei. Verschwindet hinter einer Kurve. Nach 20 Minuten ist die Situation vorbei. Aber die Situation nicht.

Und: das ist jetzt über ein halbes Jahr her. Ich wollte nicht darüber sprechen. Nicht öffentlich. Wieso? Weil ich Angst hatte. Angst habe.
Jedenfalls: ich finde mich auf dem Polizeirevier wieder. Möchte Anzeige erstatten und schildere den Beamten meine Situation. Ich rede schnell, bin aufgeregt, habe Tränen in den Augen. Als ich fertig bin, schweigen wir drei. Die beiden schauen mich an. Und dann sagt er: „Diese Flüchtlinge immer. Machen nur Ärger. Junge Frau, wir werden der Sache auf den Grund gehen!“
Haben sie mir überhaupt zugehört? Ich meine, ja, ich habe etwas über drei Flüchtlinge erzählt. Junge Männer. Ja, genau das hatte ich gesagt. Aber das waren die Zeugen. Die haben mir geholfen. Nicht die Täter.
„Ah ja.“
Sie nehmen meine Personalien auf, formulieren die Anzeige und geben mir am Ende folgenden Ratschlag: „Junge Frau, zwei Dinge noch. Sie müssen natürlich damit rechnen, dass so etwas passiert, wenn sie ihre Adresse öffentlich machen. Und: vielleicht sollten sie einfach aufhören, ihre politische Meinung zu veröffentlichen. Manchmal ist es einfach besser, gar nichts zu sagen.“
Ich war schon im Gehen, drehe mich aber schlagartig um: „Ist das ihr ernst?“ Mehr sage ich nicht. In Gedanken sage ich das Landespressegesetz an und schüttle einfach nur den Kopf, verlasse das Polizeipräsidium. Die Situation ist vorbei. Aber die Situation nicht.
Denn das Schlimmste an der Sache? Bisher habe ich mich an den Rat der Polizei gehalten. Habe ein Mal bei Snapchat „Ich hasse Pegida“ gepostet und hatte dann den ganzen Abend Bauchschmerzen.

Unsicher? Ängstlich? Vorsichtig? – Weiß ich nicht. Interessiert mich aber ehrlich gesagt auch nicht.
Denn ihr seid: GEHÄSSIG. MISSGÜNSTIG. HASSERFÜLLT.
Dresden, ich habe die Schnauze voll!

Die Sache ist: ich habe uns immer verteidigt. Ich habe immer das Gute gesehen. Dran geglaubt.
Und, ja: vielleicht muss ich das auch auf meine Kappe nehmen. Ich habe nichts organisiert. Vielleicht habe ich meine Position nicht klar genug deutlich gemacht. Aber: es reichen ja auch schon die kleinen Dinge. Ein Zeichen. Dein Gesicht. Zwei Stunden.
Und als am vergangenen Montag so wenige erschienen sind. Nicht wenige, aber zu wenige. Zu Herz gegen Hetze. Zu irgendwas. Sich zeigen. Seine Meinung laut sagen. Dann weiß ich nicht mehr, ob „Ich habe nachher noch einen Termin.“, „Ich bin aber gar nichts so extrem Links.“, „Sorry, ich habe einfach keine Lust.“ nur blöde Ausreden sind oder ob die große graue Masse vielleicht doch hinter einer Bewegung steht, leise hinterher trottet, die mir und Dresden seit zwei Jahren das Leben schwer macht.

Es geht darum, dass wir bunt sind. Dass wir nichts gegen Ausländer haben. Mein Gott: dann lass es Dir doch egal sein. Das ist okay. Damit kommen wir klar. Aber kannst Du nicht ein Mal im Jahr zeigen, dass es dir egal. Egal ist nämlich besser als dagegen. Nicht wirklich, aber ein bisschen.

Und wenn immer mehr Dresdner und Dresdnerinnen der Meinung sind, das lohne sich nicht – dann hört bitte auch auf zu heulen, wenn der Stern uns verspottet und der Rest Deutschlands auch.
Wir sind nicht rechts? Wir sind nicht ausländerfeindlich? Wir sind weltoffen? Dann zeig es verdammt noch mal!

Meinungen basieren auf Erfahrungen.
Meine Meinung basiert auf meinen Erfahrungen.
Und ich brauch endlich mal wieder eine gute. Ein klein bisschen Hoffnung.

tonistadlerFoto – Toni Stadler 

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57 Kommentare

  • Reply Carsten 3. November 2016 at 11:09

    Als Dresdner im Exil habe ich tatsächlich einen anderen Blick auf Dresden entwickelt. Ich weine Dresden kaum eine Träne nach. Meist bin ich von der Opferrolle die Dresden immer einnimmt genervt. Wir können nichts für Pegida, wir sind im zweiten Weltkrieg so schwer zerstört wurden, wir können nichts dafür, dass ein paar Jahre am 13. Februar in Dresden die größten Naziaufmärsche Europas statt gefunden haben. An dieser Stelle drehe ich mich normalerweise um und denke mir, rutscht mir doch einfach den Buckel runter.

    Aber dann lese ich solche Texte wie deinen, oder spreche mit Freunden aus Dresden, die eigentlich alle weltoffen sind und für eine pluralistische Gesellschaft eintreten. Und ich frage mich wieder, warum Dresden? Dann schlagen wieder zwei Herzen in meiner Brust. Das eine Herz fühlt den Schmerz von früher, dass andere sieht die weltoffenen Menschen von heute und nun verteidige ich Dresden doch wieder, weil es noch Menschen wie dich dort gibt. Halte durch!

  • Reply Gina 2. November 2016 at 12:01

    Warum denken manche Menschen eigentlich, dass sie etwas Besseres sind? Nur, weil sie das Glück hatten in dem „richtigen Land“ geboren worden zu sein? Weil sie das Glück haben den „sicheren Pass“ mit sich herum zu tragen? Denn mehr ist es doch nicht, oder? Wir hatten einfach Glück. Niemand hat es sich verdient, keine besonderen Leistungen erbracht um in einem sicheren Land geboren worden zu sein. Es ist einfach so passiert. Durch Zufälle so gekommen. Warum also denken manche Menschen sie dürfen sich gegen andere erheben, sie beschimpfen und ja, bekämpfen? Nur, weil diese eben nicht dieses Glück hatten?!
    Das ist es, was mich seit dem Beginn dieser „Debatte“ um Flüchtlinge und Quoten und „Wie rechts ist Deutschland?“ beschäftigt. Können wir denn nicht einfach froh sein, dass es uns so gut getroffen hat? Dass wir nicht vor Krieg und Zerstörung fliehen müssen? Und können wir nicht einfach etwas von unserem Luxus abgeben? Und damit meine ich nicht Luxus im Sinne von Materiellem, sondern dem Luxus friedlich aufwachsen zu können & seine Familie in Sicherheit zu wissen. Und können wir nicht vielleicht sogar ein bisschen stolz sein, dass Deutschland nicht wie so viele andere Länder die Augen vor den Schicksalen dieser Menschen verschlossen hat?

  • Reply Carolin Naumann 1. November 2016 at 20:48

    Ich bin wirklich froh über diesen Text, froh das noch nicht alle die Hoffnung aufgegeben haben. Froh das da noch Lichtblicke sind. Danke dafür. Es ist traurig, das die Stadt,die mir so viel Wärme und Liebe während meiner Ausbildung gegeben hat, jetzt so dastehen muss.

  • Reply Lara 30. Oktober 2016 at 09:50

    Komm nach Leipzig !

  • Reply Sandra 29. Oktober 2016 at 20:03

    Deine Worte regen unglaublich zum nachdenken an 🙂 ! Hoffen wir die Zeiten werden sich noch ändern. Mehr Nächstenliebe. Egal ob fremd oder nicht. Liebe Grüße Sandra

  • Reply Franzi 29. Oktober 2016 at 12:35

    Ich bin ein großer Fan von deinen Texten, aber gerade wenn es um politische Themen geht, finde ich es wichtig, seine Meinung zu sagen und deine Beiträge rütteln hoffentlich ein paar Menschen wach.
    Mach weiter so! 🙂

  • Reply Elena 28. Oktober 2016 at 21:28

    Der Text ist wirklich unglaublich! Du bist einfach unglaublich!
    Warum findest du immer die richtigen Worte?
    Ich kann dich total verstehen, deine Ansicht und auch deine Wut auf die Stadt, die ihre Schönheit doch so nutzlos verschmutzt. Dieser Fremdenhass ist das Schlimmste überhaupt und diese schreckliche Intoleranz macht mich so wütend und ich kann es einfach nicht mehr hören, bzw. lesen in Facebook oder anderen Portalen. Ich schäme mich für Kontakte in meiner Freundesliste, sogar Verwandte, die negative und hauptsächlich dumme fremdenfeindliche Kommentare abgeben und man fragt sich einfach nur : Warum? Wo leidet ihr darunter? Was bildet ihr euch eigentlich ein so über Menschen zu urteilen, die ihr noch nicht mal persönlich kennt? Es ist für mich einfach unverständlich und ich finde deinen Beitrag grade deshalb so toll, weil du meine Ansicht irgendwie teilst. Und deine Meinung laut sagst. Das ist toll! Danke dafür.

    PS.: Kleinstadtcarrie ist der einzige Blog, den ich lese und ich liebe es einfach schon seit so vielen Jahren. Du schreibst göttlich und ich freue mich immer, wenn es neue Beiträge gibt. Mein größter Wunsch ist allerdings noch nicht erfüllt: Ein Buch von Kleinstadtcarrie alias Luise. Das wäre der absolute Hammer!

  • Reply Rebecca 28. Oktober 2016 at 21:16

    Toller Beitrag! Ich glaube, deine Leser schätzen dich so sehr, weil deine Beiträge einfach immer ehrlich sind und du solche wichtigen Themen auch ansprichst und offen deine Meinung dazu darlegst. Leider gibt es solche Erfahrungen überall, daher ist es umso wichtiger, dagegen zu halten !
    Liebste Grüße,
    Rebecca von http://becciqueeen.blogspot.de

  • Reply Rieke 28. Oktober 2016 at 12:42

    Ich finde es gut, dass du dich getraut hast zu deiner Meinung zu stehen, das sollten sich mehr Leute. Vor allem diejenigen, denen man zuhört. Die etwas ausrichten können.
    Aber im Endeffekt müssen wir alle etwas dagegen sagen und nicht aus Angst still bleiben.
    Denn in dem man die Situation einfach nur vorbei streichen lässt, wird sich nichts ändern.
    Danke also für den Beitrag , ich finde, es ist einer deiner Besten bisher!

    Rieke =)

  • Reply Katja 28. Oktober 2016 at 11:07

    So, so schön geschrieben!
    Man kann nur beten, dass Leute sich das zu Herzen nehmen und drüber nachdenken.

  • Reply Magda 28. Oktober 2016 at 09:10

    Ich sehe es genauso wie du… ich schäme mich für Dresden, wenn ich in meiner Heimat bin und alle nur nach Pegida fragen, als würde Dresden für nichts anderes mehr stehen… es macht mich traurig! Letztens stand ich an der Haltestelle und beobachtete eine Frau die sich verzweifelt umsah, auf der Suche nach einem freundlichen Gesicht. Als ich sie anlächelte sah ich pure Erleichterung in ihrem Gesicht. Sie trug ein Kopftuch.
    Als wir einstiegen ging sie direkt auf mich zu, ein 5€-Schein in der Hand, den sie mir entgegenhielt. Sie brauchte ein Ticket. Ich war froh, einmal im Leben genug Kleingeld mitzuhaben, dass ich ihr den Schein wechseln konnte und ein Ticket kaufen konnte. Als ich ihr den Fahrschein und das Restgeld entgegen halte sah ich nichts als Dankbarkeit in ihrem Gesicht und irgendwie machte mich das gleichzeitig traurig weil mir sofort der Gedanke kam „Hätte sie auch jemand anderen gefunden, der ihr das Ticket holt?“ – ich hoffe inständig ja.

  • Reply Madlen 27. Oktober 2016 at 22:20

    „Wir sind weltoffen?“ wäre an der Stelle eher passender als: „Wir sind nicht weltoffen?“ oder? 🙂

    Liebe Grüße eine weltoffene Dresdnerin, der du aus der Seele sprichst 🙂

  • Reply Nadja 27. Oktober 2016 at 22:11

    Ich war letzte Jahr im Dezember wieder einmal in Dresden und abgesehen davon, dass ich die Stadt sehr schön finde und gern habe und die Weihnachtsmärkte so wunderschön anzusehen waren, musste ich die ganze Zeit darüber nachdenken warum wir es nicht schaffen diese wunderschöne Stadt durch ebenso schöne Nachrichten statt durch Hetze und unglaublich dummen Aussagen etc. in den Mittelpunkt zu stellen?
    Ich sage wir, weil ich denke, dass jeder, im ganzen Land, verantwortlich dafür ist, dass sowas menschenverachtendes überhaupt exestieren kann. Natürlich, Dresden ist der Hauptschauplatz, ganz vorne mit dabei, wenn es um rechtsradikale Demos und sonstiges geht, aber wieso wird nicht überall mehr dagegen unternommen?
    Ich finde deine Texte immer Klasse und, dass du dich heute so richtig dazu ausgesprochen hast macht dich mir noch viel sympathischer! Dieser Hass muss aufhören und, wenn die, die vllt etwas mehr bewegen können, als andere, den Mund halten, wie sollen sich die, die jemanden zum Aufschauen etc. je trauen etwas dagegen zu sagen? 🙂 Ich hoffe man versteht wie ich das meine 😀
    Ganz viele liebe Grüße,
    Nadja

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:15

      Hey Nadja,

      danke für Deinen sehr reflektierten Kommentar!!

  • Reply Lovelipstix 27. Oktober 2016 at 20:19

    Ich hab beim lesen richtig Gänsehaut bekommen und es macht einen einfach nur traurig wenn man sowas liest. Ganz viele Daumen hoch für den Text

    Liebe Grüße und ich liebe deine Texte
    Lovelipstix

  • Reply Stefanie 27. Oktober 2016 at 19:55

    Liebe Luise,

    Vielen Dank für diesen tollen Blogeintrag! Du sprichst auch mir aus der Seele! Ich wohne mittlerweile seit 3 Jahren in Köln und habe so etwas noch nie dort erlebt. Natürlich gibt es auch da diese Personen die so denken, aber diese sind eindeutig in der Unterzahl! Und warum? Weil die Herkunft einfach niemand interessiert! Wir sind alle gleich und haben alle ein Recht hier zu sein. Ich hatte einen Freund mit ausländischen Wurzeln, habe ihm auch Dresden gezeigt und wir haben ganz eindeutig die abwerteten Blicke, vor allem älterer Mitbürger gespürt. Sehr schade zu sehen was diese unbegründete „Angst“ in manchen Menschen auslöst!
    Zumal diese vermeintlichen Kundgebungen auch dem Image der eigenen Heimat schaden!

    Viele Grüße
    Stefanie

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:16

      Liebe Stefanie,

      danke für Dein Feedback! Ich war vor Kurzem für ein Wochenende in Köln und habe das dort genau so empfunden, wie du es beschreibst. Hat mir so gefallen 🙂

  • Reply Julia E 27. Oktober 2016 at 19:36

    Ich bin wirklich froh dass du einen so ehrlichen Blogpost veröffentlicht hast. Ich bin selber in Dresden geboren ,jedoch als Kind in eine Stadt im Ruhrgebiet gezogen. Ein großer Teil meiner Familie lebt aber bis heute dort, weshalb ich sehr oft wieder dort bin. Dresden war für mich immer ein Zufluchtsort, meine erste große Liebe sozusagen;)aber so sehr wie ich diese Stadt liebe habe ich seit längerer Zeit das Gefühl dass sie nicht mehr so strahlt wie früher für mich nicht mehr dieser Zufluchtsort meine zweite Heimat. Und das macht mich wütend,vorallem aber auch traurig. Traurig, dass ich nicht mehr durch Dresdens Straßen gehen kann ohne an all die Menschen zu denken, die jeden Montag aufs neue auf die Straßen gehen. Traurig, weil ich immer wieder Menschen begegne, die wenn sie erfahren woher ich komme sofort mit Sprüchen reagieren, wie:“Ach die Stadt wo alle Nazis sind.“ Es macht mich traurig, dass ich mich jedesmal aufs neue rechtfertigen muss bis zu dem Punkt wo ich es gar nicht mehr erwähnen möchte. Und das ist verdammt nochmal nicht das Dresden was ich so sehr liebe und vermisse. Nicht die Stadt, die ich meine Heimat nenne.
    Danke für den Post er bedeutet auch mir viel. Und tut mir leid das musste jz einfach mal raus:)

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:17

      „Dresden war für mich immer ein Zufluchtsort, meine erste große Liebe sozusagen“

      „Und das ist verdammt nochmal nicht das Dresden was ich so sehr liebe und vermisse. Nicht die Stadt, die ich meine Heimat nenne.“

      Das habe ich mir abgeschrieben, in mein Notizheft – Danke Julia!

  • Reply Ina 27. Oktober 2016 at 16:55

    Liebe KleinstadtCarrie, in Deutschland muss niemand hungern. Sozialhilfe ist zwar nicht viel, aber hungern muss man nicht. Das hört sich für mich auch nach Abzocke an, deswegen passt die Einleitung wohl nicht ganz zum Thema.

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:29

      Hey Ina,
      deswegen habe ich ja auch nichts gegeben 🙂 Ist mir schon klar!
      Aber nichtsdestotrotz handelte es sich ja vor allem um die Aussage der Frau…

    • Maren 28. Oktober 2016 at 11:33

      Rein rational muss in Deutschland niemand hungern, das ist richtig! Einem Obdachlosen einfach Geld in die Hand zu drücken, ist auch sicher nicht die richtige Lösung, denn dadurch wird dem Menschen mit seinem Grundproblem nicht geholfen. Viele Menschen, die auf der Straße leben, haben allerdings psychische Probleme und bekommen es nicht auf die Kette, sich um Sozialhilfe zu kümmern. Ich finde, viele Deutsche machen es sich recht leicht, indem sie sagen, dass in Deutschland ja niemand hungern muss. Wenn du aber mit schweren Depressionen auf der Straße sitzt und nicht in der Lage bist, dich um Sozialhilfe oder geschweige denn eine Wohnung zu kümmern, hast du trotzdem Hunger. Wenn du einem Bettler mal anbietest, ihm statt Geld ein Brötchen zu kaufen, wirst du merken, dass viele wirklich hungern, ob sie das nun müssen oder nicht.

    • Kleinstadtcarrie 28. Oktober 2016 at 11:40

      Danke Maren!

  • Reply Cora 27. Oktober 2016 at 15:50

    Liebe Luise,
    das ist der zweite Kommentar, den ich heute auf deinem Blog schreibe und ich möchte mich einfach dafür bedanken, dass du (endlich wieder) solche tollen Posts schreibst. Ich habe deine tiefgründigen Texte, die nichts mit Männern und Dating zu tun haben, sehr vermisst und finde es umso schöner, dass die letzten zwei Posts eben solche sind.
    Aber kann es sein, dass sich da ein kleiner Fehler eingeschlichen hat? Müsste es nicht eigentlich: „Wir sind nicht rechts? Wir sind nicht ausländerfeindlich? Wir sind weltoffen?“, also ohne das „nicht“ heißen?
    Ganz liebe Grüße,
    Cora

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:30

      Liebe Cora,

      ich freue mich über Deine Kommentare – Danke 🙂
      Es gibt eben immer Phasen, in denen ich so schreiben kann und möchte und die Inspiration dafür habe und dann wieder andere Phasen 🙂 Freue mich wirklich total, dass Du mir „treu“ geblieben bist, wenn man das so sagen darf …

      Ja, den Fehler habe ich direkt schon behoben!

  • Reply Anne 27. Oktober 2016 at 15:46

    Ach Luise, ich kann deinen Text zu 100% unterschreiben. Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr. Wenn ich täglich online die Tageszeitungen durchforste, habe ich immense Magenschmerzen. In was für einer Welt, in was für einer Zeit leben wir? Wann ist unsere Gesellschaft so ignorant und gleichzeitig aggressiv geworden?
    Ich fühle mich nicht mehr zu Hause. Unterwegs habe ich Angst, wenn mal jemand in der Bahn rumpöbelt.
    Ich hab keine Lust mehr auf den Mist! Auf die Leute, die sagen, dass man nicht den Mund dagegen aufmachen soll. Auf die Leute, die mit hirnverbrannten, falschen Argumenten den Hass der Massen schüren.

    Danke für deinen Text! Du hast mir aus der Seele gesprochen und ich weiß, dass ich nicht alleine bin ♥

    Liebe Grüße
    Anne

  • Reply Anna 27. Oktober 2016 at 15:45

    Liebe Luise,

    jetzt ist die Zeit gekommen, wo ich auch mal was schreiben muss. Ich lese deine Blogposts seit es deinen Blog gibt und freue mich immer sehr, wenn ein neuer Beitrag kommt. Ich habe jedoch noch nie kommentiert.
    Dieser Post hat es mir ganz besonders angetan, weil mich das Thema sehr beschäftigt. Ich komme aus Köln, einer eigentlich sehr offenen Stadt, jedoch merkt man auch hier, was Hass und Fremdenfeindlichkeit den Menschen antun und das finde ich einfach traurig. Vor allem sollte doch niemand Angst haben, seine Meinung zu äußern, wo leben wir denn? Ich weiß nicht, wie das alles noch weitergehen soll.
    Danke für deine offenen Augen und dein Engagement, ich finde, du hast absolut recht!
    Mach weiter so!
    Anna

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:31

      Danke Anna 🙂 Dafür, dass Du schon seit mehr als 6 Jahren dabei bist. Das bedeutet mir total viel.

      Schade, dass Du auch in Köln diese Erfahrung machen musstest…

  • Reply Tina 27. Oktober 2016 at 15:28

    Hallo Luise!
    Ich lebe in Bautzen und versteh dich total. Die Situation in Dresden lief schon vor einiger Zeit aus dem Ruder und das tut mir für uns und Sachsen extrem leid.
    Ich gebe aber zu, dass ich erst begriff wie verfahren und aussichtslos die Situation ist, als Bautzen in internationale Schlagzeilen geriet. Erst im Februar, jetzt im September.
    Offene Diskussionen in öffentlichen und kulturellen Einrichtungen in meiner Heimatstadt zeigen mir immer wieder, dass wir Sachsen keine Meinung mehr haben dürfen. Denn sofort sind wir links oder rechts. Wir werden in Schubladen gesteckt und die Worte im Mund umgedreht. Es gibt keine (neutrale) Mitte mehr. Es gibt nur noch Extremismus. Auf ekligste Art und Weise. Ich habe keine Ahnung, wie diese Spirale des Hasses und der Feindlichkeit durchbrochen werden kann. Ich weiß es einfach nicht mehr..
    Ich habe aufgehört uns Sachsen zu verteidigen. Ich bin es leid.

    Ich sende Hoffnung.
    Tina

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:32

      Tina, Du hast leider total Recht.
      Aber ich denke, wir werden – hoffentlich!! – früher oder später eine Lösung dafür finden. Ich glaube (noch immer) daran!

  • Reply Anna 27. Oktober 2016 at 15:14

    Was dir auf dem Präsidum passiert ist, macht mich fassungslos. Manche Menschen haben beim Thema Flüchtlinge so viel Angst, dass sie jegliches Gefühl für die Würde des Menschen verlieren. Ich finde es toll, dass du Politik ansprichst und deine Meinung verteidigst! Du erreichst wahrscheinlich so viele Mädchen, die politische Themen sonst vielleicht meiden würden und zeigst, dass man Mode mögen und eine Meinung vertreten kann. Chapeau für einen tollen und starken Blogpost!

    Viele Grüße, Anna
    http://cleanlines.de/

  • Reply Hans 27. Oktober 2016 at 15:13

    Hallo Luise,
    Ich stimme dir absolut zu, was das viel zu geringe Engagement der Polizei und anderer Behörden bezüglich des Fremdenhasses betrifft.
    Auch die Situation des Bettelns kenne ich als Dresdner Student nur zu gut und weiß wie schwierig und schlecht man sich in solchen Situationen fühlt.

    Was das Demonstrieren für Weltoffenheit angeht, finde ich deine Haltung jedoch etwas schwierig.
    Ich selber war die letzten Jahre oft demonstrieren und zwar nicht nur einmal im Jahr. Trotzdem hab ich meine Haltung gegebüber anderen Nichtdemonstranten in den letzten Monate überdacht.

    Zum einen steht für mich da die Frage: warum geht man auf Demonstrationen zu klären.
    Ich hab das ganze so erlebt und erfahren, dass Menschen in der Regel nur dann auf die Straße gehen, wenn sie mit ihrer Situation unzufrieden sind (bsp. Pegida, Wende der DDR, TTIP etc.). So gut wie niemand in unserer Gesellschaft geht auf die Straße um zu zeigen, dass er positiv oder dankbar ist, und das gilt für ganz Deutschland.

    Also bleibt die Überlegung, was Menschen antreibt auf eine Hertz statt Hetzte Demonstration zu gehen:
    a) das unzufriedene Bild von Dresden aufgrund von Pegida
    b) die allgemeine schwierige Situation im Umgang der Gesellschaft und der Lösung und Hilfe für Flüchtlinge, des Flüchtlingsproblems.

    Ich, jemand der oft zu Demos war und gehe bin leider der Ansicht, dass
    a) nicht durch Demos für Weltoffenheit wirklich verbessert werden kann. Denn der Unterschied zwischen Dresden und anderen Städten sind nicht die fehlenden Demonstranten für Weltoffenheit (die gibt es in keiner anderen Region in großer Anzahl, da Demos nunmal aus Protest und nicht aus dem Glauben für Gutes mobilisiert werden. DerUnterschied liegt bei uns zu anderen Orten darin, dass es hier eben rechte Demonstranten gibt. Und diese lassen sich nicht durch Weltoffene Demos verringern bzw. diese Lösen keine Probleme.
    Im Bezug auf b) bleibt wieder zu sagen, dass wie ich schon schrieb, sich für solche Themen auch in anderen Städten kaum Menschen mobilisieren, einfach weil der Mensch nicht auf die Straße geht wenn ihn etwas nicht stört.

    Die Aussage, dass der durchschnittliche Dresdner also zu wenig tut ist ungerechtfertigt, das ist ein Gesamtdeutsches Problem.

    Durch Demos für Weltoffenheit wird am Ende niemanden geholfen, wer etwas tuen will sollte das auf andere Wege machen, als einmal im Jahr auf eine Demo zu gehen, denn diese tut nichts als ihm ein besseres eigenes Gefühl zu geben. Nach dem Motto: ich habe jetzt was getan.

    Ich bin der Ansicht, dass unsere Region nunmal schon immer rechter als andere Regionen ist und daher jetzt auch so einen Brennpunkt darstellt. Demos sind da aber keine Lösung, Menschen mit dieser Einstellung lassen sich so nicht ändern. Da hilft nur Bildung über einen langen Zeitraum.
    Viel wichtiger wäre herrauszuschreinen und zu Kommunizieren, das wir nicht Weltoffen sind, sondern das unsere Gesellschaft wieder sozialer werden muss. Wenn nur jeder 5. Deutsche Erwachsene sich einmal die Woche sozial Engagieren würde beispeilsweise, könnte unzähligen Flüchtlingen und anderen sozial Schwachen geholfen werden.
    Für mich fehlt eine solche Bewegung, eine die nicht gegen Rechte vorgeht sondern den Menschen aufruft und überzeugt sich in einem machbaren Maß für andere zu engagieren.

    Da es mir schwerfällt meine Meinung auf den Punkt zubringen, da das ganze Thema sehr komplex ist, würde ich schnell zusammenfassen:
    – die altuellen Demos für Weltoffenheit haben kein echtes Ziel, außer unser Stadtbild zu beschönern oder sich gegen Rechts zu stellen, was aber weder Rechte ändern, noch Sozial Schwachen helfen wird.
    – sie geben uns selber nur ein Besseres Gefühl
    – Dresden für seine Untätigkeit zu verurteilen ist nicht fair, da nirgendwo jemand für Gutes oder Zufriedenheit auf die Straße geht
    – was uns fehlt ist eine Bewegung für mehr Soziales Verhalten und Engagement aus der Mitte und diese fehlt in ganz Deutschland!

    Ich hoffe du verstehst, was ich versuche auszudrücken 🙂

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 23:41

      Hallo Hans,

      also ich gehe mal chronologisch alles durch.

      Vorab Deine Aussage, dass die Menschen nur auf eine Demo gehen, wenn sie zeigen wollen, dass sie gegen etwas sind. Sehe ich ähnlich – aber bei Herz gegen Hetze oder ähnlichem ist man auch gegen Etwas: gegen Fremdenhass nämlich (unter anderem) – und das ist in anderen Städten als Dresden sehr wohl besser gelungen, denn dort hatten Ableger von Pegida gar keine Chance, da die Gegendemos viel größer und lauter waren (zB.in München, aber auch anderen Großstädten so passiert in den letzten zwei Jahren)!

      Solche Demos verändern nichts? DOCH! Erst Ma allein schon das Image von Dresden. Und sicherlich und folglich damit auch die Gefühlslage vieler Dresdner und von Flüchtlingen, die hier nach Dresden kommen (müssen). Es geht auch bei einer Demo nicht zwangsläufig darum, die Situation an sich zu ändern – es geht darum ein Zeichen zu setzen und einen ersten Schritt zu machen. Und: es geht hier ja nicht nur darum, zu Demonstrationen zu gehen. Es geht darum, eine weltoffene Einstellung zu haben und zu dieser zu stehen, es geht darum, Mitmenschen wertzuschätzen, Flüchtlinge willkommen zu heißen und Ihnen ein Gefühl von Sicherheit zu geben,…
      „den Menschen aufruft und überzeugt sich in einem machbaren Maß für andere zu engagieren.“ – auch dafür steht Herz gegen Hetze.

      Zusammenfassend:
      – die altuellen Demos für Weltoffenheit haben kein echtes Ziel, außer unser Stadtbild zu beschönern oder sich gegen Rechts zu stellen, was aber weder Rechte ändern, noch Sozial Schwachen helfen wird. –> finde das Ziel „Stadtbild zu verschönern“ schon echt toll und „gegen Rechts zu stellen“ auch
      – sie geben uns selber nur ein Besseres Gefühl –> das stimmt einfach nicht, also: sie geben mir schon ein gutes Gefühl, aber das ist nicht der Hauptgrund, wieso ich dort hingehe…
      – Dresden für seine Untätigkeit zu verurteilen ist nicht fair, da nirgendwo jemand für Gutes oder Zufriedenheit auf die Straße geht –> Doch! Und genau das ist das Problem. Oft sehen sich viele Dresdner in der Opferrolle .. „Die bösen Medien“, „Wir armen Dresdner“ … es ist nun mal aber einfach so, dass sich in keiner anderen Stadt eine Bewegung wie Pegida durchsetzen konnte. Es ist also doch wohl ein Problem, was wir hier ganz besonders haben
      – was uns fehlt ist eine Bewegung für mehr Soziales Verhalten und Engagement aus der Mitte und diese fehlt in ganz Deutschland! –> gibt viele solcher Bewegungen, aber die Bereitschaft der Bürger ist leider noch nicht ausreichend da…

      Danke für Deine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema 🙂

  • Reply Tigerbabe 27. Oktober 2016 at 15:02

    Respekt. Das war vielleicht der wichtigste Text, den Sie je geschrieben haben. Ich lebe in Süddeutschland und kann Ihre Erfahrungen nur bestätigen. Hass, Neid und Dummheit gibt es leider überall.

  • Reply Louise 27. Oktober 2016 at 14:41

    Man weiß einfach so garnicht, was man denken soll.
    Liebe Grüße und eine schöne Woche an dich , die den Mund aufmacht 🙂

  • Reply Louise 27. Oktober 2016 at 14:38

    Hallo liebe Luise,
    gestern habe ich dich in Dresden beim Sport gesehen. Darum frage ich mich, ob du die Situation, die du zuerst schilderst, an der Haltestelle dort widerfahren ist? Denn dort passiert es andauernd , genau so, wie du es beschrieben hast..
    An der selben Stelle habe ich im Winter letzten Jahres so einen kleinen Jungen gesehen .. Er hatte viel zu wenig an , es war dunkel , nach acht. Die Gefühle , die mir durch den Magen und den Kopf gingen, kann ich einfach nicht beschreiben. Bis zur Abfahrt meiner Bahn hatte ich noch drei Minuten . Ich bin zum Bäcker gerannt, habe ihm eine Kleinigkeit geholt , sie ihm in die Hand gedrückt. Diese kleinen , dunkeln Augen . Sowas habe ich noch nie gesehen . So dankbar und traurig , dann hat er etwas zu trinken angedeutet und ich gab ihm meine Flasche aus der Uni, bin zur Bahn gerannt. Konnte mich nicht mehr umdrehen , es war so seltsam … Und dann stehen sie da jeden Tag und wollen , betteln , er war nicht einmal 8 Jahre! Und dann schimpfen die Menschen über sie … Seltsam .

  • Reply Mimmi 27. Oktober 2016 at 14:18

    Du sprichst mir mit diesem Post aus dem Herzen. Ich sage und zeige offen, dass ich gegen Pegida bin. Aber manchmal schweige ich einfach. Schweige vor allem dann, wenn andere wieder mal erzählen wie toll sie es doch finden, dass Pegida das macht, was sie machen. Man kann diese Menschen einfach nicht eines besseren belehren. Erschreckend finde ich auch, dass man sich einfach schon daran gewöhnt hat das Montags eben die wieder unterwegs sind und der Linienverkehr umgeleitet wird.
    Schon traurig diese Entwicklung. Ich hoffe, dass unsere Stadt doch noch aufwacht.

  • Reply Laura 27. Oktober 2016 at 14:15

    Liebe Luise,

    Du sprichst mir aus der Seele. Und auch ich war leider leider leider nicht bei Herz statt Hetze – denn ich hatte eine Zahn-OP.

    Aber die Angst den Mund aufzumachen habe ich oft. Doch ich mache es trotzdem. In der Bahn wenn sich eine ältere Frau lautstark darüber aufregt das „diese Terroristen“ mit fahren dürfen, weil die uns ja „alle nur hochsprengen“ wollen. Wenn an der Synagoge eine Frau mit zwei kleinen Kindern einsteigt und sich von einem betrunkenen Mann anhören muss das sie und ihre Kinder (die religionsspezifischen Beschimpfungen lasse ich hier weg) mal lieber in die Kirche gehen sollten. Und es macht mich wütend und traurig, dass eine kleine Blondine wie ich in diesen beiden Situationen die einzige war die aufgestanden ist und was gesagt hat. Und statt Unterstützung nur dumme Blicke bekommen hat. Danke Dresden – ich dachte immer das können wir besser.

    Ich selbst wurde natürlich auch schon dafür angepöbelt ein dummer Gutmensch zu sein, weil ich mach meiner freiwilligen Schicht in einer Flüchtlingsunterkunft meinen Helferausweis noch um den Hals hängen hatte.

    Es tut mir leid das dieser Kommentar so lang geworden ist – aber das musste ich mir mal von der Seele schreiben. Denn Dresden und Dresdnerin zu sein macht mich im Moment sehr traurig.

    Liebe Grüße Laura

    • Kleinstadtcarrie 28. Oktober 2016 at 00:00

      Danke Laura – für’s Teilen deiner leider schrecklichen Erfahrungen 🙁

  • Reply Mister Matthew 27. Oktober 2016 at 14:00

    Hallo Luise,

    ich kann dir vollkommen zustimmen! Gerade die Ereignisse vom Tag der deutschen Einheit haben mich extrem wütend gemacht! Ich hätte auch liebend gerne mal wieder eine tolle Begegnung, eine tolle Erfahrung „mit Dresden“. Irgendwie häufen sich immer mehr die schlechten Dinge in Dresden, was schade ist, da der Blick auf die guten Dinge immer verschwommener wird.

    modische Grüße,

    Matthew

  • Reply Melanie 27. Oktober 2016 at 13:14

    Ich finde es wichtig zu sprechen. Den Mund auf zu machen. Nicht zu schweigen! Das war du machst ist richtig! Ich frage mich nämlich eher wo wir hin kommen wenn die „richtigen“ den Mund halten weil sie vor den „falschen“ Angst haben. Und ja, ich finde es legitim zwischen richtig und falsch zu unterscheiden Weil es falsch ist, Menschen weg schicken zu wollen die Unterkunft brauchen. Es ist falsch, jemanden aufgrund seiner Herkunft, Religion, Hautfarbe zu verurteilen und als weniger Wert anzusehen.
    Dass du an genau diesem Längen- und Breitengrad mit dieser Hautfarbe geboren bist macht dich das nicht zu was besserem. Ganz im Gegenteil. Ist man dieser Überzeugung ist das peinlich und schwach!

  • Reply Max 27. Oktober 2016 at 13:03

    Kann ich, da ich auch in Dresden wohne, leider nur bestätigen. Nur ist das in anderen Städten und Gegenden in Deutschland genauso. Vielleicht in Dresden noch etwas extremer.
    Aber was ist so schwer daran, einfach nein zu sagen und nicht respektlos oder boshaft zu sein? Geld gibt es von mir generell nicht, da ich mit meiner Spende wissen will, was geschieht. Dafür bekommt wer, wenn er lieb fragt, das Essen, das ich gerade bei mir habe; oder aber eine Zigarette, wenn ich darum angebettelt werde.
    Eine Freundin von mir hat einem Bettler, der seinen Hund mit dabei hatte, eine Packung Hundefutter gekauft, weil sie dem Hund helfen und nicht den Alkoholismus seines Herrchens unterstützen wollte.
    Liebe Grüße
    Max

  • Reply Liz 27. Oktober 2016 at 12:55

    Hey Luise,

    Respekt für diesen Text! Und hab bloß keine Angst deine Meinung zu sagen! Leichter gesagt als getan aber ‚einfach mitmachen‘ hat in Deutschland schonmal zu einer furchtbaren Katastrophe geführt wenn du weißt was ich meine..
    Ich würde das garnicht nur auf Dresden beziehen das zieht sich durch fast jede Stadt.

    Deutschland tut immer sehr weltoffen aber den meisten Menschen ist wichtiger das abends ein Schnitzel auf dem Tisch steht als das was vor der Haustür los ist – vielleicht sollte man sich die Meinung anderer Länder über uns mal zu Herzen nehmen……

    Klingt jetzt alles sehr böse aber leider erlebe ich das jeden Tag. Ich bin selber nur zur „hälfte“ Deutsch und jedesmal wenn ich in ein anderes Land reise kommt es mir vor als ob wir einfach nur verstaubt und abhängig von Bürokratie, Korrektheit und VORURTEILEN sind – oder hast du in New York keinen Unterschied bemerkt?

    LG

    • Kleinstadtcarrie 28. Oktober 2016 at 00:09

      Hey Liz,

      klar, in New York war es total anders. Habe darüber auch geschrieben – aber in New York lebt sowieso die ganze Welt zusammen 🙂 Deswegen liebe die Stadt ja u.a. auch so 🙂

  • Reply Kelly 27. Oktober 2016 at 12:43

    DANKE Luise!

  • Reply Stephan 27. Oktober 2016 at 12:19

    Liebe Luise!
    Glückwunsch zu diesem mutigen Post. Du hast – leider in allen Punkten – absolut recht.
    Und dabei bist Du jemand, dem es garnicht so ums „recht haben“ geht, wie diesen Leuten,
    die du beschreibst. Das kommt bei diesem Teil der Dresdner auch noch hinzu – verbunden
    mit diesem Bescheidwisser- und Richtigmachertum, das allen anderen auf der Welt natürlich
    mitgeteilt werden muß. Leider ist dieser Teil wohl wesentlich größer als vermutet.
    Die einfache Frage: „Was kann ich eigentlich selbst dafür, daß es mir so geht, wie es mir eben
    gerade geht?“ ist hier bei uns leider komplett verschwunden – es ist eigentlich immer jemand
    anders schuld. Sich selbst und Anderen gegenüber, auch mal Fehler und Schwächen einzuge-
    stehen, ist leider völlig aus der Mode gekommen. Wäre aber ein guter Anfang.
    Ein bißchen mehr Empathiefähigkeit und Mut zur Selbstreflektion und -hinterfragung würden
    uns allen ganz gut stehen.
    Ich hoffe, Du wirst nicht nur als „Nestbeschmutzerin“ beschimpft (hier wohl eher nicht) und…

    …pass auf Dich auf!

    Liebe Grüße, Stephan

    • Kleinstadtcarrie 28. Oktober 2016 at 00:14

      Hey Stephan,

      danke für Dein Feedback – hier und via Mail natürlich (da melde ich mich natürlich auch schnellstmöglich zurück!!)
      „Und dabei bist Du jemand, dem es garnicht so ums “recht haben” geht“ – bin gerade total froh, dass das so rüber kommt, denn so ist es tatsächlich! Mir ist es so wichtig, dass wir einfach miteinander reden und aufeinander eingehen … das fehlt leider aktuell total.

      Liebe Grüße
      Luise

  • Reply Kim 27. Oktober 2016 at 12:18

    Ein toller Post! Sehr vorbildlich von dir, dass du deine Stimme nutzt und die Situation nicht einfach totschweigst, aber genau das hebt deinen Blog ja auch von vielen anderen Beauty-Blogs ab 🙂
    Mach weiter so!
    Liebe Grüße, Kim
    http://maybetoday.de/wordpress

  • Reply Anna 27. Oktober 2016 at 12:13

    Liebe Luise,

    das ist der beste Text, den ich je von dir gelesen habe! Hut ab, richtig richtig gut – inhaltlich und sprachlich!
    Du bist eine intelligente und mutige junge Frau, kannst stolz auf dich sein!

    Liebe Grüße

  • Reply Sarah 27. Oktober 2016 at 12:02

    Vor ein paar Monaten habe ich ebenfalls in Dresden gewohnt. In dieser Zeit habe ich versucht, mich ein bisschen zu engagieren. Ich bin zu Gegendemos gegangen und war jede Woche in einem Erstaufnahmeheim, um mit Müttern und ihren Kindern zu spielen, zu reden und Zeit mit ihnen zu verbringen. Um ihnen ein bisschen Freude zu machen. In all dieser Zeit hatte ich nie schlechte Erfahrungen. Im Gegenteil. Die Mütter aus dem Erstaufnahmeheim, die nichts hatten und schon viel zu lange dort waren, haben uns Tee gekocht und uns versucht, ihre Geschichte zu erzählen.
    Mich macht diese ganze Situation furchtbar wütend. Mich hat es furchtbar wütend gemacht, dass ich jeden Montag pünktlich von der Arbeit gehen musste, damit ich die Bahn erwische und sicher nachhause komme. Andernfalls wäre ich gefangen gewesen inmitten von Pegida, inmitten diesem ganzen Hass.
    Heute wohne ich nicht mehr in Dresden und muss ehrlich zugeben, dass ich ein kleines bisschen froh darüber bin. Ich bin froh darüber, da Dresen und vor allem auch die Dresdner Mentalität für mich immer etwas offenes und alternatives hatte. Davon habe ich in meiner Zeit in Dresden nicht mehr viel gefühlt.
    Aber das ändert diese Situation leider auch nicht. Und weggehen erst recht nicht.
    Ich hoffe so sehr, dass sich bald etwas ändert.

  • Reply Lia 27. Oktober 2016 at 12:00

    Sehr guter und mutiger Post. Ich habe Dresden auch vor über einem Jahr verlassen. Der Hauptgrund war nicht unbedingt die von dir angesprochene Thematik, aber es hat definitiv eine Rolle gespielt… Du darfst die Schnauze voll haben.

  • Reply Sylvia 27. Oktober 2016 at 11:20

    Es ist tragisch irgendwie und irgendwie gehöre ich auch dazu. Ich habe nichts gegen Ausländer, eigentlich. Jedenfalls nicht gegen die, die meine Freunde sind. Und auch nicht gegen die auf der Uni, oder im Supermarkt. Aber gegen die am Bahnhof die mich dumm anmachen, die auf die Strasse spucken, die ihre Kinder betteln schicken. Gegen die habe ich was, egal ob sie Ausländer, Inländer oder Flüchtlinge sind . Ich finde es müsste strengere Regeln geben, für alle von uns, nicht nur für einen Teil. Damit die, die sich nicht benehmen eins auf den Deckel kriegen und denen geholfen wird, die Hilfe brauchen.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at

  • Reply CHRISTINA KEY 27. Oktober 2016 at 11:12

    Es ist äußerst lobenswert, dass Du deine Stimme dafür einsetzt und über dieses scheinbar nie zu Ende gehende, leidige Thema schreibst, Luise! Meinen allergrößten Respekt! ♥

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

  • Reply Andreas 27. Oktober 2016 at 11:06

    Du sprichst mir aus dem Herzen, zum Thema betteln aber eine kleine Anmerkung, da Du damit deinen sehr emotionalen Text einleitest und damit sehr auf die Tränendrüse drückst:

    Das Betteln, insbesondere auch mit Kindern, wird insbesondere aus Osteuropa professionel gesteuert und organisiert in Dresden gibt es eine bulgarische Truppe, die morgens mit eine Kleintransporter ankommt, Kinder, alte Frauen, sich unterhalb der Marienbrücke in Lumpenkleidung einkleidet und dann sehr emotional, macnhmal auf bedrängend in der Innenstadt bettelt. Ich weiß nicht, ob das Kind, das dich ansprach, zu dieser Gruppe gehört, aber die Beschreibung passt.

    In Deutschland muss kein Mensch, auch kein Asylbewerber, betteln gehen, es gibt genug Angebote und Hilfsmöglichkeiten (vom Sozialamt über Stellen wie Heilsarmee und Johanniter).

    Alles andere unterschreibe ich aber gerne.

    Viele Grüße

    Andreas

    • Kleinstadtcarrie 27. Oktober 2016 at 12:15

      Hey Andreas,

      ja – genau deswegen habe ich ja auch mit dem Kopf geschüttelt und nichts gegeben. Mache ich nie.
      Aber der kleine Junge an sich kann ja nichts dafür – er selbst ist der Leidtragende.
      Aber gut, dass Du das hier im Kommentar noch mal aufklärst, kam im Text wohl nicht komplett rüber…:)