Rauchschwaden

/27. September 2016/19 Kommentare

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„Luise, sie hat deinen Blogbeitrag gelesen, eins und eins zusammen gezählt und wusste, dass wir wieder in Kontakt stehen. Du musst damit aufhören.“

Ich erfinde mich jede Woche neu. Zwei Mal. Mindestens. Täglich strahl’ ich in meine Handykamera und die andere Kamera und dann ist da bestimmt noch eine. Ich schreibe Texte, weil es gut tut, erleichtert und manchmal: weil ich muss. Irgendwie. Weil es mein Beruf ist. Und ich will mich nicht beklagen.
Das hier, dieses Blogger Leben ist wahnsinnig. Wir steigen in Flugzeuge, verdienen Geld damit, strahlen und kriegen von irgendwem direkt wieder eine neue Jacke angezogen. Neue Schuhe. Eine Chanel? Wir werden beschenkt und gefeiert und für all’ das auch noch bezahlt.
Und ich will mich nicht beklagen.
Aber heute und für die nächsten fünf Minuten vielleicht doch mal ganz kurz. Das muss raus…

„Sag mal, triffst Du Dich wieder mit ihr? Hattet ihr nicht einen riesigen Streit? Ich meine, sie war plötzlich verschwunden und Du hast da so ein paar Texte geschrieben, da dachte ich …“

„Ich bin da irgendwie reingerutscht.“, sage ich immer. Weil es so ist…
Und während ich mit 14 immer berühmt und bekannt und gefeiert werden wollte, frage ich mich heute, ob ich es noch Mal so machen würde. Mein Leben öffentlich austragen, meine ich. Meine Ängste, meine Lieben, meine Schmerzen. Meine Erfolge. Meine Freunde.
Heute stelle ich das in Frage, während ich aber weiter munter in die Kamera erzähle, schneide, hochlade und auf Likes warte. Auf Kommentare. Bewertungen. Auf die Meinungen anderer – darüber, wie ich mein Leben lebe, wie ich fühle, denke, empfinde.

„Ja ich weiß, ich habe Deine Snapchat Story schon gesehen! Also ich hab es irgendwie geahnt.“

Aber da gibt es Themen und Menschen und Gefühle, Schmerzen, Verluste und Begebenheiten in meinem Leben, die sind unklar, für mich selbst undeutlich, wertvoll, zu wertvoll – als dass ich sie in die Öffentlichkeit tragen will. Es gibt Texte, die werde ich nie online stellen, nie veröffentlichen. Es gibt Gefühle, die werde ich nie in Worte fassen können. Weil sie so zart sind, so frisch, so ungewiss. Nicht greifbar für mich. Und – ich möchte sie auch gar nicht greifbar machen. Sie nicht dafür missbrauchen, mich wieder neu zu erfinden.

Und die will ich behalten: meine kleine heile Welt. Die nicht immer heil ist. Ganz und gar nicht. Aber sie ist meine. Ganz allein mein. Da wird nichts gesnappt, gepostet und gelikt. Hier wird gesprochen. Ehrlich. Hier wird umarmt. Lange. Und geküsst. Innig. Das ist mein Reich. Meine Festung.
Und wenn man sie angreift, fahr ich die Krallen aus. Beschützerinstinkt. Meins!

„Sie haben Euch zusammen gesehen. Beim Italiener. Hab natürlich nichts gesagt. Aber ihr solltet aufpassen…“

Ich will nicht aufpassen. Ich will verknallt rumknutschne, ohne dass jemand irgendwas vermutet. Ich will rumknutschen – meinetwegen auch nicht verknallt. Ohne verurteilt zu werden, bewertet zu werden.
Meinetwegen – zerreißt Euch das Maul über meine Outfits, Gefühle, Texte, Ängste.
Das werfe ich Euch ja förmlich zu Fraß.
Aber alles andere … ist mein. Einzig und allein.

Das ist gefühlt nur noch ein Rauchschwaden zwischen uns.
Lasst mir den.

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Hose –  BIKBOK
Shirt – H&M
Bh – H&M
Schuhe – Puma
Jacke  – Pimkie
Kette – Nakd
Sonnenbrille – TAS

Fotos – MartinStier (@martinstier)

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19 Kommentare

  • Reply Kathrin 11. Oktober 2016 at 12:06

    Sehr sehr geiler Post! Grandioser Text und die Bilder das Pünktchen am i !

    LOVE it!

  • Reply Patty 5. Oktober 2016 at 21:17

    Die Bilder sind echt klasse geworden & auch dein Text finde ich super geschrieben. Du hast wirklich recht mit deinen Worten. Sehr schöner Blog !

    Liebe Grüße 🙂
    Measlychocolate by Patty

  • Reply Melanie 29. September 2016 at 10:07

    Es ist sicherlich nicht immer einfach für jeden sichtbar zu sein, ein bisschen, wie auf dem Präsentierteller. Auch wenn es die meiste Zeit Spaß macht. Es kann eben doch jeder sehen wo du gerade bist, wie es dir gerade eventuell geht. Und genau das ist das Problem. Eventuell. Der Text kann schon mehrere Wochen alt sein, vielleicht sogar Monate und nur weil du ihn eben genau jetzt online stellst, glauben manche du würdest jetzt so fühlen und versuchen irgendwas hinein zu interpretieren. Mir ist das egal mit wem, wie oder ob du überhaupt knutscht oder was du sonst noch machst. Ich finde dich interessant, deine Outfits und Fotos schön und deine Texte inspirierend. Was du sonst in deinem Privatleben machst, das gehört nur dir. Und da hat keiner mitzureden, außer du bittest wen darum. Leider sehen das nicht alle so und sie zerreißen sich das Maul über dich, anstatt dich tun zu lassen, dir gutes zu wünschen und sich um sich selber zu kümmern.
    In diesem Post gefallen mir die Bilder mal wieder extra gut. Und der Text dazu, der ist wirklich Wahnsinn. Und ich finde es vollkommen okay, dass du auch das öffentlich machst. Manchmal da muss man sich eben Luft machen.
    Ganz Liebe Grüße aus Oberbayern (:

  • Reply Sylvia 28. September 2016 at 14:05

    So wahr! Ich liebe deine Texte, bei denen man nie weiss wie viel Wahrheit dahinter steckt. Genau das gefällt mir so gut 🙂 Also bitte weitermachen.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at/

  • Reply Franziska Elea 28. September 2016 at 13:23

    haha, oh ich kenne das was du da schreibst nur zu gut! 1:1 so erlebt 😀 Toller Beitrag!

    Liebste Grüße,
    Franziska

    franziska-elea.de

  • Reply Genya 28. September 2016 at 10:09

    Ich muss gerade gestehen, dass ich dich „wieder gefunden“ habe. Vor ein paar Jahren als ich selber noch nicht einmal gebloggt habe, sondern nur stumme Leserin war, habe ich deinen Blog bereits fleißig verfolgt. Danach habe ich dich irgendwie aus den Augen verloren und nun wieder gefunden! 🙂
    Sehr schöner Text. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie anstregend es manchmal sein muss.
    Liebe Grüße!

    • Kleinstadtcarrie 28. September 2016 at 11:56

      Dann willkommen zurück liebe Genya 🙂

  • Reply Irina 28. September 2016 at 00:28

    Wirklich wirklich toll geschrieben und ich drücke dir die Daumen für deinen Rest Privatsphäre! Ganz fest!

  • Reply Alina 27. September 2016 at 19:53

    ich muss sagen die ganzen #sponsored posts haben mich in letzter zeit ziemlich genervt…aber mit diesem post hast du es geschafft mich vom ersten wort an zu fangen und bis zum letzten wort zu halten.. habe deine gedanken so gespürt und dich richtig in meinem kopf sprechen hören.. wirklich einzigartiger text luise, du hast es geschafft mich wieder in deinen bann zu ziehen 🙂

  • Reply MATRJOSCHKA 27. September 2016 at 19:09

    Richtig geile Bilder und verdammt ehrlicher und guter Text! Mensch Luise ich versteh dich! Klar, ich bin keine Berufsbloggerin, nicht berühmt und doch stehe ich viel zu viel in der Öffentlichkeit. In meiner Kleinstadt in meinem Mini-Socialmediabereich, so wie es in unserer Generation so, so viele tun. Und dieses Rechtfertigen, dieses „alles-mit-jedem-immer-teilen-wollen-und-müssen“, das kann einfach verdammt anstrengen. Besonders in einer Kleinstadt und besonders in deiner Position. Ich denke jeder, der das im Kleinen kennt, kann sich vorstellen oder zumindest ein wenig nachfühlen, wie nervig, wie zerstörend das dann sein kann. Aber Kopf hoch! Du machst das hier fabelhaft und nicht um sonst bist du von Beginn an meine Lieblingsbloggerin <3

  • Reply stilleleserin98 27. September 2016 at 18:15

    Wissenslust
    Und sobald man eine Person sieht oder kennenlernt und sie für interessant befindet, will man alles über sie wissen. Es ist diese Neugier, die Menschen in sich tragen, die einen dazu verführt alles wissen zu wollen. Jedes kleine Detail zu analysieren, alle Spuren die diese Person hinterlässt. Und wenn dieser Jemand viel von sich Preis gibt, um so besser, aber trotzdem nicht genug. Wir wollen alles erfassen, alles wissen und teilen. Ängste, Sorgen, Liebe, Leid, Trauer, Glück, Hass, Freunde, wollen das Leben dieser Person durchschauen, sie durchschauen. Wir ertappen uns dabei wie wir googeln, Fotos durchstöbern, Texte und Kommentare lesen, Spuren sichern. Es können Personen sein, die wir nicht mögen, die wir inspirierend finden, schön oder einfach nur nett, die erfolgreich sind oder sich gut anziehen. Und wir suchen nach ihren Fehlern, nach Hinweisen, dass ihr Leben nicht so perfekt ist, wie es scheint. Wir messen uns, vergleichen und erkennen schließlich, dass diese Personen auch nur Menschen sind. So wie du und ich. So wie wir alle. Doch sie zeigen eben meistens nur eine Seite ihres Lebens, die in der alles so verdammt harmonisch und schön ist. Ohne Streit oder Angst, ohne Neid und Hass. Sie führen uns an der Nase herum und wir glauben es sogar manchmal. Diese Lust alles zu wissen macht uns fertig, sie zerstört uns und lässt uns vergessen, dass wir alle Menschen sind, mit Fehlern.
    Und da gibt es diese Menschen wie Du liebe Luise, die einfach nur unglaublich authentisch sind. Du teilst, wenn man das so beurteilen kann, sehr viel mit uns, deinen Lesern. Ängste, Liebe, Trauer, Gefühle, die die meisten Menschen lieber unausgesprochen lassen. Indem du sie für uns aufschreibst, gibst du uns einen Einblick in dein Leben. Wir können uns mit dir identifizieren, austauschen, wir fühlen mit dir und lassen uns von dir inspirieren. Doch irgendwo, obwohl du in der Öffentlichkeit stehst, müssen wir unsere Wissenslust bekämpfen und akzeptieren, dass du auch nur ein Mensch bist. So wie wir alle. Der seinen ganz privaten Bereich, sein tiefstes Inneres, nicht der ganzen Welt Preis geben möchte. Freiraum für sich selbst. Und wir akzeptieren das, Menschen wie du und ich.
    Dein Eintrag hat mich so inspiriert, dass ich direkt eine Antwort schreiben musste. Das erste Mal, dass ich hier etwas da lasse, obwohl ich jeden Beitrag lese und bereichernd finde. Liebste Grüße ! – weiblich, 18

    • Kleinstadtcarrie 28. September 2016 at 09:37

      Danke für Deinen Kommentar!
      Mehr kann ich gar nicht sagen <3

    • Jasmin 2. Oktober 2016 at 14:10

      richtig gut auf den Punkt gebracht! Stimme ich vollkommen zu. Danke für diesen Kommentar stille Leserin und danke Luise! für deine Texte Ich schreibe auch so gern aber veröffentliche im Vergleich zu dir sehr wenig persönliches auf meinem Blog davon, aber deine Texte motivieren einfach immer wieder es zu tun 🙂 <3

  • Reply Nina 27. September 2016 at 17:03

    Wirklich toller post (:

  • Reply Maj-Britt 27. September 2016 at 15:59

    Wow, was für tolle Bilder! 😮 Die sind wirklich hammer geworden. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das manchmal ganz schön nervenaufreibend ist, wenn man keine Privatsphäre hat. Oder eben nur eine begrenzte. Das ist der Nachteil bei diesem Business.

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

  • Reply Anne 27. September 2016 at 15:42

    So ein wundervoller Text! Jedes Mal sauge ich deine Texte auf und bin traurig, wenn’s schon vorbei ist.
    Und ich finde, du hast recht. Es ist dein gutes Recht, dich zu beschweren.
    Es ist eben wie bei den ganz großen Promis – alles wird versucht mit allem in Verbindung zu bringen und hier und da irgendwelche Skandale zu spinnen.
    Alles Quark! Die Leute sollten sich mehr um sich und ihr Lebensglück kümmern ♥

    Liebe Grüße
    Anne

  • Reply Vicky 27. September 2016 at 15:23

    Ein sehr ehrlicher Text, der uns sehr schön zeigt wie du dich fühlst. Ich finde es toll, dass du auch mal über die andere Seite der Medaille des Bloggerlebens sprichst, Eingriffe in deine Privatsphäre, deine kleine heile Welt. Behalte dir deine Freiheit, denn sie macht dich zu der, die du bist.
    Schreib weiter so ehrliche Texte, sie kommen an!

  • Reply Lis 27. September 2016 at 14:28

    Luise fühl dich gedrückt! <3
    Du musstest in letzter Zeit wirklich viel Kritik einstecken und ich will mich gar nicht vorstellen wie es ist, wenn jeder zu einem eine Meinung hat.
    Deins soll deins bleiben.