Also: Lauf!

/21. August 2016/27 Kommentare

„Danke, dass Du mich damals gefragt hast. Nach New York zu kommen, meine ich.
Du hast damit mein Leben verändert.“
„Du wolltest doch sowieso immer schon mal nach New York.“, erwidert sie.
Ich schau ihr in die Augen: „Sabrina, ernsthaft: ich habe diesen Tritt gebraucht. Ich weiß nicht, wer Dich geschickt hat. Oder wieso Du das für eine fremde Person, wie ich sie damals für dich gewesen bin, getan hast. Aber: du hast mein Leben verändert. Wer weiß, wie lange ich noch in Dresden geblieben wäre. Wer weiß, wer gekommen und mich wieder festgehalten hätte.“

Ich liebe meine Familie. Und Freunde.
Und ihn. Für immer.
Und ihr habt mich unterstützt, wo ihr nur konntet.
Und vorangetrieben.
Aber: das hatte Grenzen.
Vielleicht… Nein, ganz sicher liegt es daran, dass ihr mich beschützen wollt. Festhalten. Bei Euch halten.

Aber manchmal braucht man jemanden, der einem den berühmten Tritt in den Hintern gibt.
Oder jemanden, der einem das Herz bricht – damit man vor ihm und den Gefühlen weglaufen kann.
Manchmal braucht man jemandem, dem man folgen kann. In andere Welten.

Und jetzt, nachdem ich das Glück hatte, all’ das erlebt zu haben, frage ich mich: Wieso?
Wieso bin ich nicht einfach losgelaufen?
Wieso habe ich mich festhalten lassen?
Wieso habe ich mein Glück nicht selbst in die Hand genommen und meinen Traum gelebt?

Liebe bindet. Freundschaft bindet. Gewohnheit bindet.
Aneinander. Und an einen Ort. Und das ist gut. Das ist Sicherheit. Vertrautheit.
Aber um zu wachsen, muss man dann und wann gehen. Weggehen. Wegrennen. In neue Welten eintauchen. Sehen. Lernen. Begreifen, dass die eigene Wirklichkeit, nicht die einzige Wirklichkeit ist.  Erfahren, dass es anderswo anders ist. Und gut. Anders gut. Sehr gut. Besser vielleicht.

Es ist nicht ihre Schuld. Sie halten mich fest – im Herzen. Aber sie lassen gehen. Sie lassen mich gehen. Fliegen. Schweren Herzens. Aber sie stehen mir nicht im Weg. Niemals.
Sie haben mich auch nicht festgehalten. Zurückgehalten.
Wie auch, wenn ich nie losgegangen bin.
Es war meine eigene Angst, Zweifel. Selbstzweifel. Ausreden. Und dann habe ich mich an Euch geklammert. Hinter meiner Schwester versteckt. Bin in eine Beziehung geflüchtet und habe Ausreden gesucht.

Liebe bindet. Freundschaft bindet. Gewohnheit bindet.
Aneinander.
Und es ist die Angst vor dem Unbekannten, Neuen – die uns an einen Ort bindet. Hält. Festhält.

Aber um zu wachsen, muss man dann und wann gehen. Weggehen. Wegrennen. In neue Welten eintauchen. Sehen. Lernen. Begreifen, dass die eigene Wirklichkeit, nicht die einzige Wirklichkeit ist.  Erfahren, dass es anderswo anders ist. Und gut. Anders gut. Sehr gut. Besser vielleicht.

Aber manchmal braucht man jemanden, der einem den berühmten Tritt in den Hintern gibt.
Oder jemanden, der einem das Herz bricht – damit man vor ihm und den Gefühlen weglaufen kann.
Manchmal braucht man jemandem, dem man folgen kann. In andere Welten.
Manchmal.
Aber eigentlich muss man einfach einen Fuß vor den anderen setzen. An seine Träume glauben. An sich selbst glauben.

Also: Lauf!
Du kannst das! Du schaffst das!

lauf

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27 Kommentare

  • Reply Agi 8. September 2016 at 22:43

    Richtig, richtig gut.
    Dein Blog schlägt inhaltlich.. mit all seinen – deinen Worten, alle anderen um Längen.
    Mach weiter so! <3

  • Reply Sina 3. September 2016 at 08:45

    Wie immer wundervoll geschrieben <3

    Und etwas, das mir direkt in den Sinn kam und etwas ist, das für die Allermeisten doch zutrifft: Nur wenige tun es. Und genau deshalb werden die allermeisten, die man gefühlt zurücklässt, noch ganz genau dort sein, wo sie zuvor waren. Familie, Freunde, Freund. Man kommt zurück in diesen sicheren Hafen und auch, wenn sich vielleicht ein paar Dinge verändert haben – vor allem ja man selbst – wird es nicht alles aus den Angeln gerissen haben. Auch wenn es sich für einen selbst so anfühlte, da alles losgelassen wurde, neu ist und aufregend. Aber nur wenige tun es.. und deshalb können wir eigentlich immer problemlos zurückkommen – bloß erwachsener, gewachsen am Abenteuer 🙂

    Falls Du übrigens noch weitere Träume hast, Wunschziele.. schreib uns! Ich glaube, dass hier niemand wirklich Nein sagen würde, sondern jeder Dich ermutigt, Dich an die tollsten Momente in New York und Deine Unabhängigkeit dort erinnert und gespannt ist, wohin Du uns als Nächstes mitnimmst!

    • Kleinstadtcarrie 3. September 2016 at 18:21

      Was für ein herrlicher Kommentar!
      Recht hast Du!

  • Reply Nina 3. September 2016 at 01:54

    Toller Text & genau das, was ich jetzt gebraucht habe. Ich habe erst Abi gemacht & fliege am Sonntag ein halbes Jahr nach England. Großbritannien – eines Tages möchte ich dort mal leben. Momentan schwanke ich gefühlsmäßig stets zwischen enormer Vorfreude & lähmender Panik. Dein Text gibt mir das Gefühl, das Richtige zu tun. Er gibt mir Mut & Motivation mehr an mich & mein Vorhaben zu glauben. Danke dafür!

    Ich bin total in deinen Blog verliebt.
    Liebe Grüße, Nina 🙂

    • Kleinstadtcarrie 3. September 2016 at 18:22

      Nina, Du tust genau das Richtige!
      Genieß es und hab‘ viel Spaß <3

  • Reply Helena 1. September 2016 at 16:07

    Dieser Beitrag macht mir Angst.
    Ich würde auch gerne für eine Zeit woanders sein.
    Aber Vieles hält mich hier. Ich glaube vor allem die Angst. Unsicherheit.

    Meine „kleine“ Schwester wagt den Schritt und geht für acht Monate weg. Das macht mein Herz schwer, aber ich stehe ihr nicht im Weg.

    Danke das du so ehrlich schreibst und mein Gedankenkarussell damit antreibst.

    Liebe Grüße,
    Helena

  • Reply D 30. August 2016 at 13:24

    Der Text war echt schön. Wirklich schön!

  • Reply Caroline 28. August 2016 at 18:01

    Mit diesem Text kann ich mich richtig gut identifizieren! Ich habe erst mein Abi gemacht und ziehe bald aus und zwar direkt nach Dänemark also ein recht großer Schritt. Ich werde auf jeden Fall an deine Worte denken, Luise. Du hast mir nochmal einen neuen Schub Mut und Vorfreude gegeben, die mir mein kleines Häufchen Angst nimmt! LG, Caroline von http://www.carolineko.blogspot.com

  • Reply Susa 28. August 2016 at 12:12

    Sehr schöner Worte. Manchmal braucht man jemanden, der einem einen neuen Blick auf die alltäglichen Dinge schenkt. Und der einen aus der Routine heraus zieht und motiviert etwas zu wagen.
    Ich hätte die gleiche Entscheidung getroffen und wäre nach NYC gegangen.
    Wenn nicht jetzt wann dann?

    Viele Grüße,
    Susa

    http://www.misssuzieloves.de

  • Reply Anni 26. August 2016 at 14:19

    Ich verstehe nur zu gut was du meinst. Manchmal ist es auch so, dass etwas das in dem Moment das Schlimmste der Welt scheint letztens Endes das beste ist, was einem je passiert ist. <3 So ein Tritt kann wunder wirken, egal aus welcher unerwarteten Richtung er kommen mag und wie weh er tut.

  • Reply Taddy 26. August 2016 at 12:46

    So schöne Worte! Der Text hat mich sehr berührt.
    Ich glaube ganz fest daran, dass man auch selbst die Person werden kann, die sich den nötigen Tritt verpasst, um etwas zu wagen.

    Liebste Grüße,
    Taddy 🙂

  • Reply Johanna 26. August 2016 at 10:37

    Ein wirklich sehr bewegener Text. Btw liebe ich deine New York Vlogs. Ich freu mich für dich, dass du diesen Schritt gegangen bist.

  • Reply MATRJOSCHKA 26. August 2016 at 08:06

    Ein wirklich süßer Text – süß, weil ich mir gerade sehr gut vorstellen kann, wie die kleine Luise weg läuft und Neues erleben will, nur dass du eben älter bist und etwas weiter läufst, als bis zum Nachbarn um die Ecke.

    Viele liebe Grüße!

    mtrjschk.blogspot.com

  • Reply Carolin 25. August 2016 at 21:38

    Du sprichts mir mit dem Text wirklich aus dem Herzen! Ich befinde mich sozusagen mitten in der Post-Erasmus Depression 😀 Ich bin so froh, dass ich für ein Jahr ins Ausland bin, neue Sachen entdeckt habe und das Auslandssemester gemacht habe. Leider befinde ich mich mittlerweile wieder mitten im Alltagstrott und die Gewohnheit hält mich wieder fest. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, dass ich das nicht machen würde.

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.com/

  • Reply Lila 25. August 2016 at 14:37

    Mal wieder sehr bewegende (im wahrsten Sinne des Wortes, haha) Worte von dir 🙂
    LG Lila

  • Reply Conny 22. August 2016 at 19:55

    Deine Texte – ich bin so verzaubert von deiner Schreibweise! Toll – bitte mach so weiter!!! <3

    ❤ Liebste Grüße ❤
    Conny von connie-marron-granizo.at
    Personal Austrian Blog about Fashion | Beauty | Lifestyle | Food | and more

  • Reply Jenny 22. August 2016 at 16:43

    Oh das ist ein wundervoller Text und deine Worte regen mich an darüber nachzudenken ob ich nicht auch endlich gehen sollte…

    Liebe Grüße
    jenny

  • Reply Janine 22. August 2016 at 11:41

    Liebe Luise, wow Dein Text hat mich total berührt. Ich bin mir sicher, dass Du genau diesen Satz oft hörst, aber ich meine es. Wie so oft in letzter Zeit mache ich mir grosse Sorgen um meine Zukunft, wie sicher viele andere auch, aber ich habe die Wahl zwischen einem sicheren Job oder einem Abenteuer und mit diesem die Verwirklichung meines grössten Traums. Du machst mir mit diesem Text Mut, mich auf das Abenteuer zu fokussieren – danke für den Tritt 🙂
    Liebe Grüsse
    Janine
    http://www.yourstellacadente.com

  • Reply Sylvia 22. August 2016 at 11:24

    Wieder mal so schöne und wahre Worte! Einfach toll das du das mit New York so durchgezogen hast. Ich glaube das sind die Erfahrungen, die einen wirklich prägen.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at Photography/Lifestyle/Travel

  • Reply Lena 22. August 2016 at 10:24

    So wahr !!! Ich brauche auch noch einen Tritt. Die Gewohnheit hält einen so sehr fest. Ich hoffe, ich schaffe es auch bald 🙂 deine Texte passen einfach immer!

  • Reply CHRISTINA KEY 22. August 2016 at 10:09

    Sehr motivierender Beitrag! ♥ Die Dinge kommen so, wie sie eben kommen.
    Im Nachhinein ergibt alles Sinn, auch wenn man durch schmerzhafte Zeiten gehen musste.

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

  • Reply Sharina 22. August 2016 at 08:29

    Manchmal braucht man jemanden, der einem das Herz bricht, damit man endlich weglaufen kann. – Dieser Satz hat mir grade die Augen geöffnet. Danke!

  • Reply Nadja 21. August 2016 at 22:32

    Oh man.. wie Recht du damit hast. Ich selbst verstecke mich hinter meinem Job, meiner Familie, meinen Freunden und die Angst fesselt mich.. Ich wäre gerne mutiger, würde gerne einfach losziehen, in den Flieger steigen und Städte erkunden, die am anderen Ende der Welt liegen, doch ich kann nicht – ich hab hier so vieles, worum andere mich beneiden würden und wenn ich scheitere.. was hab ich dann?
    Ich hoffe iwer tritt mich auch mal kräftig oder ich merke selbst, dass ich losziehen muss um meinen Wünschen später nicht hinterher zu trauern.
    Danke für deine immer wieder motivierenden Worte!
    Liebe Grüße,
    Nadja

  • Reply Vivian 21. August 2016 at 21:57

    Dieser Text ♥♥♥ !!!
    Du beschreibst ein Problem, was ich selber auch hatte. Mein Leben lang in der gleichen Stadt gewohnt, die mich eigentlich angekotzt hat, aber wirklich getraut, wegzugehen, habe ich mich auch nicht. Bis mein Freund nach 3 Jahren Beziehung Schluss gemacht hat und ich einfach diese Chance, dass mich nun nichts mehr an meinen Heimatort hält, genutzt habe um in eine andere Stadt zu ziehen. Zwar wohne ich nun nur 2 Stunden von Zuhause entfernt, aber es fühlt sich so gut an, all das hinter mir gelassen zu haben! Ich fühle mich so frei wie nie. Und wenn ich nach Hause zurück komme, kann ich nur über all das lachen, was mich damals so oft zum weinen gebracht hat.
    Danke für diesen tollen Text, Luise <3

  • Reply Gina 21. August 2016 at 17:43

    Du sprichst mir mal wieder sowas von aus dem Herzen, Luise! ♥
    Du hättest all‘ meine Ausreden hören sollen, die sich schon in dem Moment, in dem ich sie ausgesprochen hatte, wie eine Lüge an mich selbst angefühlt haben. Das AuPairJahr in Amerika? Aufgegeben. Aus Angst vor dem Ende unserer Beziehung, aus Angst nicht stark genug zu sein. Das Studium nach dem Abi? Aufgeschoben. Aus Angst nicht gut genug zu sein.
    Und ein Jahr in Australien zu leben und zu arbeiten? Entscheidung: aufgeschoben. Ich kann doch Mama nach dieser Zeit nicht alleine lassen.

    Aber jetzt – Mamas Ermutigungen & einem Tritt in den Hintern von einer guten Freundin später – ist das Visum genehmigt & die Flüge gebucht.

    „Aber um zu wachsen, muss man dann und wann gehen. Weggehen. Wegrennen. In neue Welten eintauchen. Sehen. Lernen. Begreifen, dass die eigene Wirklichkeit, nicht die einzige Wirklichkeit ist.“ – so wahr! Und für mich ist es jetzt höchste Zeit.

    Danke für deine Texte, Luise. Ich finde mich in so vielen von ihnen wieder. ♥