Unserer Existenz wegen. Damit all’ das etwas bedeutet.

/18. Juli 2016/29 Kommentare

Ich wollte immer Spuren hinterlassen. Wollte inspirieren. Vorbild sein. Ich habe Muster in den Schnee gezeichnet und am Strand immer wieder Bilder in den Sand gemalt. Unermüdlich. Die Wellen konnten dem nichts anhaben. Eine Spur aus Brotkrumen hinter mir, aber nicht, damit ich den Weg zurück finde, sondern damit die Vögel nicht verhungern, damit ich Ballast los werde. Ich habe zum Abschied mit Lippenstift Abschiedsworte an Spiegel  gepinselt. In unserer alten Wohnung ein Andenken versteckt.
Ich wollte immer Spuren hinterlassen.
Ich habe immer Spuren hinterlassen.
Unserer Existenz wegen. Damit all’ das etwas bedeutet.
Ich habe zigtausende Seiten in leeren Büchern mit Worten gefüllt, Erinnerungen. Und auch wenn die Worte sanft erschienen,– ich habe besonders fest aufgedrückt. Muscheln, die ich vor 12 Jahren am Strand gefunden habe. Fotos einkleben. Das Datum dazu. Tinte läuft aus. Und ein niederschmetternder Monolog zum Abschied. Damit du mich auch wirklich nicht vergisst. Ich habe Dir meine tiefsten Geheimnisse anvertraut, Erkenntnisse – damit Du lernst. Begreifst. Damit ich Spuren hinterlasse. In Dir.
Spuren und Andenken.
Unserer Existenz wegen. Damit all’ das etwas bedeutet.
Ich habe einen Ring liegen lassen. Nie wieder abgeholt. Ich habe Dir das Herz gebrochen. Wir sind solange durch’s hohe Gras gegangen, bis unsere Spur nachvollziehbar wurde. Eindruck hinterlassen. Initialen in Baumrinden. Ein rotes Kreuz im Kalender. „Ich war hier“, an Toilettenwänden. Ich wüsste zu gern, ob die Aufkleber noch am Schulspint kleben. Und ich weiß genau, dass in seiner Wohnung noch meine Postkarte liegt. In Pfützen springen und endlich auch Abdrücke auf dem Asphalt hinterlassen.
Spuren hinterlassen. Koste es was es wolle: ein paar neuer Schuhe, ein Herz.
Unserer Existenz wegen. Damit all’ das etwas bedeutet.

Dann verläuft sich meine Spur plötzlich im Sand. Einfach so. Als wäre ich abgehoben. Weggeflogen. Dabei bin ich noch immer am Boden der Tatsachen. Wirklich? Aber ich bin leichter geworden. Schneller. Musste dieser Verfolgungsjagd ein Ende setzen. Eine Pause. Auszeit. Für mich. Allein. Schluss mit den Brotkrumen! Ernährt Euch selbst! Ich bin weg! Und keiner darf wissen, wohin ich gehe, laufe, renne.
Das hier gehört nur mir.
Asphalt. Beton. Soweit das Auge reicht. Keine Pfützen. Und wenn, dann umgehe ich sie geschickt. Ich hinterlasse hier keine Spuren.
Meiner Existenz wegen. Damit all’ das wirklich etwas bedeutet.


Und wenn man bemerkt, dass man trotz alledem Spuren hinterlassen hat, dann fühlt sich das großartig an. Einfach so. Meinetwegen. Unbeabsichtigt. Dafür war die Zeit doch eigentlich viel zu kurz.
Eine Träne. Eine Spur.

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29 Kommentare

  • Reply Anne 27. September 2016 at 09:36

    Du schaffst es Gefühle in Worte zu fassen, die es wieder rum beim Lesen schaffen genau diese wieder hervorzurufen. Wunderbar. Danke dafür!
    Liebe Grüße Anne

  • Reply Krissi 25. Juli 2016 at 22:13

    Mal wieder ganz ganz toll geschrieben, liebe Luise! Du hast so ein wahnsinniges Talent zum Schreiben, unglaublich… <3

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://themarquisediamond.de/

  • Reply Christina 21. Juli 2016 at 17:21

    Liebe Luise,

    ich liebe diese Art von Blogposts- die, wo man noch seine eigene Fantasie spielen lassen kann. Die, wo jeder etwas anderes drunter versteht. Die, wo man nicht nur inspiriert wird. Sondern auch berührt.♡Du bist eine ganz große Inspiration für mich, liebe Luise. Auch und besonders wegen deinem mutigen Schritt bzgl. New York. Ich hoffe, das eines Tages auch zu schaffen. Bis dahin sehe ich mir einfach auf Dauerschleife deine Videos aus NYC an.

    Liebste Grüße,
    Christina

  • Reply Gianna 21. Juli 2016 at 16:08

    Wow, Luise! Mal wieder ein unglaublich toller Post! Ich liebe deinen Schreibstil und kann nicht aufhören, deine Posts immer wieder durchzulesen. Auch ein unglaublich schönes Bild!

    LG, Gianna

  • Reply Dunja 21. Juli 2016 at 08:37

    Schön geschrieben 🙂 wie immer, tolle Wortwahl die das Gefühl schön transportiert 🙂
    Liebe Grüße
    Dunja

  • Reply Anna 20. Juli 2016 at 10:11

    Ach Luise,
    ich liebe deinen Schreibstil. Und wenn ich das so sagen darf: das ist ein Text, der vertont gehört. Wunderschön!

  • Reply Cathrin 20. Juli 2016 at 00:05

    Ein wunderschönes Kleid und wie immer ein toller und bewegender Text!
    XX, Cathrin

  • Reply Lissy 19. Juli 2016 at 23:27

    Mal wieder ein unglaublich guter Text. Du begeisterst mich immer mit deinem Talent! Es freut mich mal über etwas anderes als New York zu lesen, obwohl das natürlich auch klasse ist. Aber wegen Texten dieser Art folge ich dir schon lange. Ich bin hin und weg 🙂

  • Reply May 19. Juli 2016 at 23:27

    Wunderschöner Text, sehr inspirierend. Das bringt mich dazu über mich und meine Vergangenheit nachzudenken irgendwie.. Sehr berührend ( ist es ja eigentlich immer).

    Ich liebe dein Kleid und du siehst total zufrieden aus!

    xoxo
    May
    http://thewalkinghijab.com/

  • Reply Maj-Britt 19. Juli 2016 at 21:31

    Wow, so ein schöner Post. Ich liebe deinen Schreibstil. Und das Bild ist wirklich klasse geworden! Du bist jetzt nicht mehr in New York, oder? Ich bin gespannt, was als nächstes bei dir passiert. 🙂

    Liebe Grüße
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

    • Kleinstadtcarrie 23. Juli 2016 at 07:31

      Hey, also gerade liege ich in meinem Bett in Deutschland 🙂

  • Reply madeleine 19. Juli 2016 at 17:43

    Süßes Bild, nur schade dass du bei so einer tollen Lokation nur ein Bild gemacht hast.

    • Kleinstadtcarrie 23. Juli 2016 at 07:32

      gibt noch einige andere Bilder, aber ich fand, dass dieses hier für den Beitrag gereicht hat 🙂

  • Reply Ina 19. Juli 2016 at 14:58

    ein ganz wunderbarer Post Luise – genau so ist es auch. ich bin ganz begeistert von deinen Worten 🙂

  • Reply Sophie 19. Juli 2016 at 14:48

    Wie immer phänomenal geschrieben! Und wie immer hatte ich seit dem ersten Satz Gänsehaut. Ich beneide dich wirklich so sehr, um deine Schreibkünste, mach weiter so 🙂

    Liebe Grüße, Sophie
    Linsenspiel

  • Reply Jenny 19. Juli 2016 at 13:17

    Wow Luise das ist ein wunderschöner Text. Ich habe richtig Gänsehaut bekommen! Ich finde es so unglaublich wie du mit deinen Texten andere Menschen berühren kannst!

    Liebe Grüße
    Jenny

  • Reply Yvi 19. Juli 2016 at 08:34

    Sehr schön Luise, sehr schön! Kompliment! Mit jeder Erfahrung werden deine Texte besser.

  • Reply Nadja 18. Juli 2016 at 20:06

    Ein toller post und ein wunderschönes Bild.. <3

  • Reply CHRISTINA KEY 18. Juli 2016 at 17:08

    Mal wieder total inspirierender Text. Du schreibst einfach so gut! ♥
    Das Kleid mag ich auch besonders, sieht wunderschön an dir aus, Luise! 🙂

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

  • Reply Anna 18. Juli 2016 at 15:04

    Ich glaube, wir wollen alle irgendwie Spuren hinterlassen. Und ich glaube, wir tun es – jeden Tag, ohne dass wir es merken. Wir denken wohl viel zu oft, Spuren müssten ganz deutlich sein und für jeden sichtbar. Aber vielleicht sind die wirklich wichtigen Spuren ganz unscheinbar, ganz klein, nicht immer zu sehen, mehr zu spüren…

    Ganz toller Text. Danke!

  • Reply Xenia Thompson 18. Juli 2016 at 13:52

    wunderschön, wunderschön geschrieben…einfach toll, ich liebe deine Texte ; )

  • Reply Samieze 18. Juli 2016 at 13:51

    So ein wunderschöner Text. Ich kann genau verstehe, was du mit dem Spuren hinterlassen meinst. Traumhaft geschrieben und tolle Bilder <3
    Viele Grüße,
    Samieze

    http://samieze.com/2016/07/oasis-white-paperback-pants

  • Reply Carolin 18. Juli 2016 at 13:01

    Wunddervoller Text und ebenso schönes Foto <3

    http://nilooorac.com/

    Liebe Grüße

  • Reply Sarah 18. Juli 2016 at 12:30

    Wunderschön geschrieben, wie immer! Ich liebe deine Texte und habe dabei immer das Gefühl, dass du mir aus der Seele sprichst. Bitte mach weiter so 🙂
    Alles Liebe, Sarah

  • Reply Carolin 18. Juli 2016 at 12:15

    Wunderschön wie immer!! Du inspirierst wirklich mit deinen Texten!!!

  • Reply Kati 18. Juli 2016 at 12:12

    Wow der Text berührt mich echt sehr. Find ich einen deiner Besten… Ich kann das alles gut nachvollziehen 🙂