Ich bin streng geworden.

/1. Februar 2016/22 Kommentare

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Ich hatte schon immer ein Problem mit strengen Autoritätspersonen. Und besonders mit denen, die ihre Miene auch bei meinen blonden Haaren und den blauen Knopfaugen nicht ablegten und gegen ein weichgewordenes Lächeln eintauschten – denn: als Kind wickelte ich jeden um den Finger – fast jeden. Mit einem verschmitzten Lächeln nämlich oder vielen Tränen – denn leider war ich schon damals ein ziemlicher Angsthase.
Ich hatte schon immer ein Problem mit strengen Autoritätspersonen. 
Wickelte sie um den Finger.
Und wenn nicht, dann gab es immer noch einen anderen Weg:
Also sagte ich meiner Ballettlehrerin nach einem halben Jahr, dass ich keine Lust mehr auf ihre lauten Worte und die Disziplin habe und beendete damit vorzeitig meine Karriere als Ballerina.
Vor manchen Leuten versteckte ich mich einfach hinterm Sofa.
Und als ich heulte vor Angst, zog der Weihnachtsmann seinen Bart runter, legte die Rute beiseite und Nachbars Tochter gab mir meine Geschenke ohne dass ich ein Gedicht aufsagen musste. 
Und in jeder anderen Situation habe ich mich einfach hinter meiner großen Schwester versteckt.

Man könnte meinen, dass ich mich irgendwie durchgemogelt habe. 
Und man könnte vermuten, dass man es mit so einer Einstellung nicht weit bringt.
Aber irgendwie wurde es dann doch.
Ich war stets fleißig. Und so sehr ich es auch hasste, von anderen vorgeschrieben zu bekommen, was ich zu tun und zu lassen habe, so streng war ich mit mir selbst.

Vor einer Woche ungefährt erwischte ich mich dabei, der größte Albtraum meines fünfjährigen Ichs zu sein: Eine meiner besten Freundinnen zog um. Beim Kistenpacken ermahnte ich sie immer wieder, doch mal was wegzuschmeißen. Immer und immer und immer wieder. „Ich kann das aber nicht.“, sagte sie und schaute mich schuldbewusst an. „Du musst aber!“, erwiderte ich harsch, wohl wissend, dass ich sie damit unter Druck setzte. Wir beide wussten, dass ich Recht hatte – aber irgendwie fühlte es sich trotzdem falsch an. Harsch.
Und umso länger ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde es: ich bin streng geworden. 
Ich bin streng mit mir selbst. Jeden Tag. Grüner Smoothie. Sport. Arbeiten. Im Regen die Einkäufe erledigen, statt einfach im Bett liegen zu bleiben und Pizza zu bestellen.
Ich bin streng mit meinen Freunden. Sage knallhart was ich denke. Äußere Zweifel. Ich schupse gelegentlich – statt nur zum Nachdenken anzuregen.
Ich bin streng geworden. Selbst bei fremden Menschen. Laufe am späten Abend durch die Stadt und sehe zwei junge Mädchen. 14 vielleicht. Betrunken. Ein mahnender Blick. 
Spießig? Erwachsen? Ich bin streng geworden. 
Das fällt mir auch auf als ich in meine grüne Military Jacke schlüpfe und mir die schwarze Kappe aufsetze. Aber, und das ist es vielleicht, was mir an diesem Look besonders gefällt: Die Leichtigkeit und das verschmitzt Lächeln habe ich noch nicht gänzlich abgelegt. Rüschen an den Ärmeln sind nach wie vor ein Muss. Und das soll bei all’ der Ernsthaftigkeit die das Leben mit sich bringt, bei all’ der Disziplin, die ich an den Tag lege und legen muss auch immer so bleiben.

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Jacke – Asos
Oberteil –
Schal – Zara
Hose – BikBok
Schuhe – Asos
Tasche – Accessorize 
Hut – Accessorize
Ohrringe – Madeleine Issing
Ketten – Orsay, @Luiluloves

Fotos – Tobias Ritz

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22 Kommentare

  • Reply Anne 7. Februar 2016 at 16:46

    Hey Luise,

    ich mag strenge Autoritäspersonen auch nicht. Ich fühle mich zB in der Uni von Professoren oft nicht so ernst genommen. Aber meistens sind die sehr überrascht, dass hinter den blauen Knopfaugen ein ganz schlauer Kopf steckt und so kann man doch viele noch um den Finger wickeln 😀 Und sollte das nicht klappen, dann werde ich zukünftig mal dein Outfit nachstylen :*

  • Reply Josie 6. Februar 2016 at 17:59

    Was für tolle Fotos. Wie immer toll geschriebener Artikel. Die Handtasche finde ich richtig toll. Josie .

  • Reply Robby 5. Februar 2016 at 15:44

    Hey,
    das errinnert mich sehr stark an mich selbst. Seit 8 Monaten habe ich einen Freund, den Chris. Er ist sehr spontan, manchmal ist seine Wohnung nicht die ordentlichste und er ist ziemlich eigensinnig. Trotzdem ist er der liebevollste Mann, den ich kennenlernen und lieben darf. Nur: meine Mutter hat mich ziemlich streng erzogen, d.h. mein Zimmer war immer sauber, nur ordentlich angezogen durfte ich die Wohnung verlassen, einmal die Woche wird die Wohnung komplett geputzt und und und… Also viele Regeln. Wenn man aber damit aufwächst, findet man das lange nicht mehr seltsam so zu sein. Jedoch als ich den Chris kennenlernte und das erste mal bei ihm war, dachte ich mir nur: Wieso liegt da neeere Pizzaschachtel ? Kann es sein, dass die Wohnung staubig ist? Zwei Wochen später dann: Liegt da die leere Schachtel immer noch? Halloooo die muss mal weg! Nur habe ich nix gesagt, ich mein am Anfang einer Beziehung zu nörgeln ist ja nicht unbedingt förderlich.. Dann vergingen einige Monate.. Die Wohnung wurde immer schlimmer und stellt euch mal vor: die Pizzaschachtel lag da nach 2 Monaten immer noch rum. Und dann war für mich Schluss. Dann ging es los mit: „Putz doch mal deine Wohnung!“, „Hallooo siehst du nicht was hier alles rumliegt?“, „Es stinkt“, „Ich fühl mich hier nicht wohl“ „Nörgel, Nörgel,Nörgel…“. Jetzt hat er sich erheblich gebessert. Er putzt seine Wohnung regelmäßig, er schmeißt den Müll gleich weg, putzt das Bad und die Wohnung duftet. Am Anfang war ich total stolz, bis er mal zu mir gesagt hat ich sei wie meine Mutter, was ja theoretisch keine Beleidigung ist nur dachte ich mir: Bin ich so streng geworden? Hatte ich mir nicht versprochen entspannter zu sein als meine Mutter? Dann dachte ich mir auch: ich bin streng. Nur: Seine Wohnung ist jetzt sauber. Na also hat sich doch wohl ein wenig gelohnt oder?

    Viele Grüße

  • Reply Marmormaedchen 3. Februar 2016 at 22:10

    Hee Luise!
    Was für schöne Fotos. Das Licht ist ein Traum. Wundervoll.

    Und streng werden… vielleicht gehört es zum erwachsenwerden dazu.

    LG Jasi
    http://www.marmormaedchen.blogspot.com

  • Reply Anne-Catherine 3. Februar 2016 at 17:24

    Haha ich kann dir nur zustimmen. Als Kind kann man sich wirklich schnell mal irgendwie durchmogeln und jetzt kommt es doch drauf an ernstgenommen zu werden. Da muss man auch mal streng sein, Nein sagen oder einfach sagen was man denkt. Das mit den 13 jährigen betrunkenen Mädels auf der Strasse oder im Club kenne ich nur zu gut. Auch ich erwische mich selbst dann immer mit einem ermahnenden Blick und denke : “ Oh Gott bist du spießig und alt geworden.. “ -Und das mit meinen 24 Jahren 😛
    Liebste Grüße, Anne-Catherine
    http://www.fashcation.com

  • Reply Kathleen 3. Februar 2016 at 13:04

    Wir alle verändern uns im Laufe der Zeit und legen vielleicht die ein oder andere Angewohnheit ab. Ich war früher total schüchtern, aber in dieser Welt, kann man es sich einfach nicht erlauben total schüchtern zu sein. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, das Schüchtern sein abzulegen, aber ich habe es geschafft. Bin selbstbewusst. Ich stehe zu mir un dem was ich tue. Und das tut gut. Manche Angewohnheiten, die sich verändern, bewirken eine positive Veränderung und zeigen, dass wir erwachsen werden oder geworden sind. Und streng sein, vor allem mit sich selber, kann auch nicht schaden. Denn die größten Kritiker, die wir im Leben haben, sind wir selber.
    Dein Outfit gefällt mir sehr gut. Es passt zu den Worten, die du geschrieben hast!!!

    Liebe Grüße
    Kathleen von http://kathleensdream.blogspot.de/

  • Reply Rosa 2. Februar 2016 at 22:07

    Ein super Post und ein echt tolles Outfit! Die Tasche gefällt mir sooo gut!
    LG

    https://trendhouseblog.wordpress.com

  • Reply L&A 2. Februar 2016 at 21:09

    Ich glaube diese „Strenge“ kommt einfach mit dem erwachsen werden 🙂 Schönes Outfit!

    Liebe Grüße,
    L&A
    http://www.lawayoflife.com

  • Reply Christina 2. Februar 2016 at 20:58

    Dein Text ist einfach so unglaublich schön geschrieben wie immer! ♥
    Ich habe noch nicht das Gefühl wirklich strenger geworden zu sein, aber ich denke nicht, dass das so negativ ist. Es gehört zum Erwachsenwerden irgendwie dazu und wenn ich ehrlich bin, finde ich „Spießer“ oftmals sogar besser als Katastrophen Menschen. Auch wenn ich selber noch gar nicht so alt bin, ertappe ich mich hin und wieder dabei wie ich jüngere Mädchen als seltsam empfinde. Dabei tun sie nur das, was ich auch damals tat, als ich in ihrem Alter war.

    Love,
    Christina ♥
    cinapeh.blogspot.de

  • Reply Carina und Martha 2. Februar 2016 at 19:40

    Schöner Post! 🙂
    Die Farben Deines Outfits gefallen mir gut 🙂
    Liebe Grüße,
    Carina von http://www.lovespreadingfriends.wordpress.com

  • Reply S. 2. Februar 2016 at 19:25

    Ich denke, es kommt auf eine gute Balance an, aber ein gewisses Maß an Disziplin/Strenge sollte man auch haben.
    Der Look ist übrigens wirklich toll! Ich liebe die Schuhe.
    Liebe Grüße
    S.
    http://www.cappuccinocouture.blogspot.de/

  • Reply Nissi Mendes 2. Februar 2016 at 13:42

    Ich habe soeben dein Blog entdeckt und bin hin und weg. 🙂
    Ein sehr schöner Beitrag, gut geschrieben.

    ♥ Nissi
    http://www.nissimendes.ch
    Instagram // Bloglovin

  • Reply Dilara 2. Februar 2016 at 11:30

    Sehr schöne Worte hast du mal wieder gefunden. Ich denke aber auch, dass du vielleicht einfach nur erwachsen geworden bist und ein gesundes Maß an Disziplin ruhig dazu gehören darf 🙂

    Liebste Grüße Dilara <3
    von http://www.dilarafeenstaub.wordpress.com

  • Reply Kathi 2. Februar 2016 at 08:34

    Ich hatte damals auch immer Angst beim Weihnachtsmann, liebe Luise. Als ich in der ersten Klasse war, mussten sie sogar meine Mutter anrufen, weil ich so geweint habe und mich gar nicht mehr beruhigen konnte 😀

  • Reply Tamara 2. Februar 2016 at 01:27

    Ich bewundere deine Disziplin, aber glaube auch das man manchmal das Leben nicht zu ernst nehmen darf um es genießen zu können. Und wenn es mal eine Tafel Schokolade ist, die unaufgeräumte Wohnung oder der Bad Hair day.

    Liebe Grüße
    Tamara

  • Reply Krissisophie 2. Februar 2016 at 00:51

    Tolle Bilder und super schönes Outfit. Ich kann auch manchmal ganz schön streng mit und hart zu mir sein, an anderen Tagen dann aber überhaupt nicht… Ich denke, ein wenig Strenge ist wichtig, solange es nicht zu krass wird.

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://themarquisediamond.de/

  • Reply Sarah 2. Februar 2016 at 00:31

    Wunderbarer Post in dem ich mich zu hundert Prozent wieder erkenne 😀 Mein „Problem“ dabei ist aber oftmals, dass ich mich sofort nachdem ich zu harsch war, ganz schrecklich fühle und mich am Liebsten sofort entschuldigen würde, egal ob ich im Recht war oder nicht! Auch das Outfit ist mal wieder on point 😉

    xx Sarah

  • Reply Anna 1. Februar 2016 at 21:17

    Erwachsen werden ist schon eine verrückte Sache – hoffen wir mal, dass das nie aufhört 🙂

  • Reply Latifa 1. Februar 2016 at 20:30

    „…ich bin streng geworden…“ vielleicht aber auch nur etwas erwachsener? 🙂
    Liebe Grüße

  • Reply Selin 1. Februar 2016 at 19:55

    Mal wieder ein fantastischer Post!

    Xx http://www.selinfashiondiary.blogspot.de

  • Reply Kati 1. Februar 2016 at 18:57

    wunderschöne Bilder und ein tolles Outfit!
    Ich bin auch meist ziemlich streng mit mir selbst, das kann auf jeden Fall gut sein, aber manchmal bereitet es auch noch mehr Schwierigkeiten..
    Liebe Grüße, Kati
    http://lakately.blogspot.de/

  • Reply Meggie 1. Februar 2016 at 18:09

    Liebe Luise,
    ein wenig streng sein gehört dazu, aber zu streng macht dich unglücklich! Erlaube dir ruhig ab und zu etwas, wie beispielsweise eine Pizza. 🙂
    So streng mit sich zu sein zeugt von Ehrgeiz und Disziplin und in diesem Fall kann ich dich nur bewundern, mir fehlt es oft an Disziplin und Durchhaltevermögen, da lasse ich mir ziemlich viel durchgehen. Beispielsweise habe ich gerade doch etwas Schokolade genascht, obwohl ich mir für heute Süßes verboten habe….
    Meggie
    http://jar-full-of-moments.blogspot.de