Nach Hause kommen

/25. Dezember 2015/17 Kommentare

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Ich trage diesen Duft auf, den meine Mutter mir vor fünf oder sechs Jahren das erste Mal unter den Baum gelegt hat: Parisienne. Damals war es noch mein Traum, irgendwann mal in Paris zu leben. Damals habe ich gerade mit dem Bloggen angefangen. Wollte unbedingt erwachsen werden.


Ich verlasse vollbepackt das Haus. Schon auf dem Weg zur Straßenbahn reißt ausgerechnet die Schlaufe der Tüte, in der die Geschenke schaukeln. Am Bahnhof schnell ein Brötchen auf die Hand und dann mit viel zu vielen anderen Menschen am Gleis auf den verspäteten Zug warten. Nach einigen weiteren Strapazen und Streitereien mit den Mitarbeitern der Deutschen Bahn, treffe ich meine Schwester im Zug nach Hause. Sie kommt aus Amsterdam. Das letzte Mal haben wir uns in Lissabon getroffen.
Wir fallen uns in die Arme.
Ich werde kurz melancholisch und erinnere mich daran, wie wir früher – noch viel zu klein eigentlich – immer gemeinsam an Bahnhöfen standen, Züge verpasst haben und stundenlang aus dem Fenster die endlose Landschaft beobachtet, Maumau gespielt und Wilde Hühner Bücher verschlungen haben .
Wir tauschen uns kurz aus – sie hat seine Eltern kennengelernt, ich wieder niemand Interessantes getroffen. Der Magen knurrt.
Und dann kommen wir irgendwann an. Meine Schwester – noch mehr Taschen und Tüten und Koffer im Gepäck – verlässt als Letzte den Zug und wir drängen uns durch die Menschenmasse. Die Tüte mit den Geschenken wird immer schwerer, was vor allem daran liegt, dass ich sie tragen muss wie ein Baby – ihr wisst schon: der gerissene Henkel.

Eigentlich wollten wir unsere Mutter am Restaurant treffen – sie fährt noch schnell die letzten Einkäufe nach Hause. Nach Hause. Aber gerade als wir das kleine Bahnhofsgebäude verlassen, kommt sie uns – viel zu dick eingepackt – auf ihrem Fahrrad entgegen.
Wiedersehensfreude.
Ankunft.

Die Tage bis Weihnachten sind schnell vergangen. Wie immer: wir spielen Spiele und trinken Glühwein, obwohl keine von uns besonders viel Alkohol verträgt. Wir gehen kurz einkaufen, weil doch noch etwas fehlt. Und noch mal. Ach, Rewe hat doch bis 22 Uhr offen, sagen wir. Vergessen dabei aber, dass wir in einer Kleinstadt angekommen sind. Wir schmücken den Baum, was sich bei 13°C irgendwie noch absurder anfühlt, als es ohnehin schon ist und ich frage mich, ob es nach 20 Jahren nicht mal an der Zeit wäre, neue Kugeln für den Baum zu kaufen. Am Ende sieht er aus, wie in jedem Jahr. Mama bereitet den Kartoffelsalat. Er schmeckt wie immer. Auch wenn ich in diesem Jahr ein Sojawürstchen dazu auf dem Teller vorfinde. Für die nächsten Tage hat Mama die „beste Bio-Gans“, wie sie immer wieder betont, gekauft. Vielleicht erkläre ich ihr im nächsten Jahr mal, dass ich jetzt wirklich gar kein Fleisch mehr esse – Sorry Mama! Meine Schwester flechtet mir die Haare und streichelt mir über den Kopf, während unsere Mutter schon wieder in der Küche steht und vor sich hin murmelt, wieso sie denn alles allein machen muss. 
Weihnachten. Nach Hause. 
Dann wird es bei uns ruhig. Und manchmal auch etwas lauter.
Aber am Ende des Tages sitzen wir pappsatt und glücklich auf der roten Couch.
Wie seit Jahren.
Es ist nicht mehr der selbe Ort. Aber Kleinstadt.
Es ist nicht mehr die selbe Wohnung. Aber die gleichen Möbel, die alte Geschichten erzählen.
Ich bin nicht mehr die selbe. Aber wenn ich zu Weihnachten nach Hause komme, dann ist alles wie immer. Nach Hause kommen. 

Und auch wenn ich schon längst rausgewachsen bin, kann ich immer und jederzeit wieder kommen und noch mal in diese Rolle schlüpfen. Das ist wie, wenn man ein altes, damals heiß geliebtes Kleidungsstück wiederfindet – man passt gerade noch so rein, ein bisschen altmodisch vielleicht, aber es fühlt sich immer noch so fabelhaft an wie früher.

IMG_9739 IMG_9775 IMG_9818 IMG_9823 IMG_9950IMG_9919IMG_0047Jacke – Sheinside
Lederjacke – Pull&Bear
Hose – BikBok
Schuhe – Choies
Tasche – Accessorize
Kleid – Forever21
Spitzenbody – H&M 

Fotos – Clara
Bildbearbeitung – Vanessa Thiel

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17 Kommentare

  • Reply Nhu Trinh 29. Januar 2016 at 23:11

    Hey, wunderbarer Post, habe dieses Jahr ebenfalls mit meinem Blog angefangen =)
    http://nu-nuworld.blogspot.com

  • Reply Vera Marie 7. Januar 2016 at 23:49

    Aaah, Du siehst so wunderschön aus Luise! Und ich bewundere deinen Schreibstil so sehr, mit dem Talent immer die richtigen Worte zu finden… Liebe Grüße 🙂

  • Reply Lea 28. Dezember 2015 at 08:57

    Toller Post !
    Liebe Grüße Lea

    http://www.estilo-bylea.com

  • Reply Träumerin 27. Dezember 2015 at 17:56

    Es liegt etwas besinnliches und nostalgisches, aber irgendwie auch etwas leicht bedrückendes in deinem Beitrag. Dennoch ein wirklich gelungener und angenehmer Post.

  • Reply Träumerin 27. Dezember 2015 at 17:53

    Wundervoll verfasster Beitrag und tolle Bilder

  • Reply Anna 27. Dezember 2015 at 10:14

    Wunderschöne Bilder und Worte!

  • Reply Kathrin 26. Dezember 2015 at 14:42

    Wie wunderschön du strahlst <3

  • Reply Tamara 26. Dezember 2015 at 12:04

    Ich genieße die Weihnachtsfeiertage so richtig. Irgendwie sind das die einzigen Tage, die man sich Zeit nimmt um sie mit der Familie zu verbringen. Für dich muss es sich ja nochmal schöner anfühlen, da du ja nicht mehr bei deinen Eltern wohnst. Ich wünsche dir noch schöne Feiertage <3

    Liebe Grüße
    Tamara
    http://instylemaedchen.de/

  • Reply Leonie 26. Dezember 2015 at 11:00

    Nach Hause kommen ist wirklich immer ein ganz spezielles Gefühl: alles ist gleich und alles ist anders. Ich habe oft ein bisschen Anpassungsschwierigkeiten, einfach weil an den Orten so viele Erinnerungen hochkommen, an die man schon lange nicht mehr gedacht hat. Aber es ist immer wieder schön!
    Dein Outfit ist übrigens sehr hübsch, schön weihnachtlich mit dem dunklen Rot. 🙂
    Liebe Grüße
    Leonie von Follow The Daisies

  • Reply Yao 26. Dezember 2015 at 09:00

    Oh, wie schön… Ich schreibe heute den ersten Kommentar zu unserem Lieblingsthema an Weihnachten!

    Obwohl ich wenig Bezug zu Weihnachten habe, dennoch kenne ich mich besonders gut aus mit den Gefühlen „nach Hause kommen“ , „alles wie immer, aber dann doch nicht Dasselbe“, „Melancholie der Erinnerung“…

    Ein schöner gelungener Artikel – gefällt mir sehr!

    Frohe Weihnachten – Liebe Luise!

    Yao

  • Reply Alina 25. Dezember 2015 at 23:25

    Wie immer ein gelungener Beitrag mit schönen Bildern! Das Kleid sieht toll an dir aus.
    Zu Hause ist es doch am schönsten. 🙂
    Ich hoffe du hattest einen schönen Heiligabend und ersten Weihnachtstag! <3
    Liebe Grüße
    Alina
    http://xxiv-diaries.bplaced.net/wordpress/

  • Reply Nadine 25. Dezember 2015 at 20:43

    Wunderbar zu lesen, dass du jetzt vollkommen auf Fleisch „verzichten“ möchtest.
    Wenn man sich mal näher mit dem Thema auseinandersetzt, dann kann man auch nicht anders.

    Ich wünsche dir noch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest 🙂

    Liebe Grüße

  • Reply Carina 25. Dezember 2015 at 19:39

    Cooles Outfit und schöner Post liebe Luise!
    Bei uns ist der Heilig Abend irgendwie auch immer „gleich“ aber es ist eben das Zuhause, die Tradition, Familie einfach 🙂 Und trotz negativer Kleinigkeiten irgendwie schön 🙂 Man weiß, was einen so erwartet 🙂
    Schöne Weihnachtsfeiertage Dir weiterhin! 🙂
    Liebe Grüße,
    Carina von http://www.lovespreadingfriends.wordpress.com

  • Reply Luise 25. Dezember 2015 at 15:58

    Hey:) Schöner Text mal wieder und schöne Fotos. aber irgendwie wirkt der Text auf mich nicht so positiv, kleine negative konnotaionen… etwas bedrückendes schwingt mit. Ist das so oder liegt es an meiner Wahrnehmung?
    Beste Grüße und frohe Weihnachten dir 🙂

  • Reply L&A 25. Dezember 2015 at 14:59

    Toller Text Du Hübsche!

    Hab schöne Feiertage!

    Liebe Grüße,
    L&A
    http://www.lawayoflife.com

  • Reply Petite Chouette. 25. Dezember 2015 at 14:57

    Das sind wundervolle Worte zu Weihnachten.
    Immer wieder nach Hause kommen zu können ist ein schönes Gefühl.
    Ich hoffe, du hast ein schönes Fest, auch wenn es vielleicht so ist wie jedes Jahr. ;D

    http://fukurounoyuki.blogspot.de