Ich habe mir sagen lassen, dass Menschen Musik hören

/17. November 2014/31 Kommentare

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Milow – We Must Be Crazy

Zaghaft klopft jemand an die Tür. Schlagartig werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Muss erstmal zurück finden. “Ist das wieder still hier bei dir. Ich dachte, du seist gar nicht zu Hause.” – Still? In meinem Kopf ist es unfassbar laut, aufgeregt. Alles wimmelt durcheinander. Ein Ameisenhaufen.
Ich bin wieder da. Mucksmäuschenstille, bis auf ihre aufgeregten Erzählungen natürlich. Merkwürdig. Ich hätte schwören können, dass hier drin ein Orchester gespielt hat – das Kratzen der Feder auf dem Papier, meine Finger, die auf einer Haarsträhne spielten und eine Träne. Auch ein verträumtes Lächeln macht Geräusche. Und dann noch diese Erinnerung. Stell es dir vor, wie Cornflakes essen. Im eigenen Kopf so unglaublich laut, kein anderer nimmt es wahr.

Ich hatte mir vor Stunden irgendeine Playlist angemacht, zum runterkommen. Ich habe mir sagen lassen, dass Menschen Musik hören, um zu entspannen. Kann mich an kaum eines der Lieder erinnern. Habe alles gehört, nur die Lieder nicht.

Alle Farben feat. Graham Candy- She Moves (Far Away)
Ashley Hicklin – City Lights

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Ariana Grande (feat. Iggy Azalea) – Problem

Irgendein Club, viel zu viele Menschen, Bekanntschaften. Ich komme mir vor, wie ein anderer Mensch. Zehn Zentimeter größer, stolz, keine Angst. In meinem Kopf ist es dann ganz ruhig, ich denke über nichts nach – selbst das krieg ich nicht mit. Die Musik ist zu laut, die Leute zu aufdringlich, ich zu betrunken. Die Lautstärke ist kaum auszuhalten, aber eben gerade so laut, dass ich alles vergessen kann, dass sich das in meinem Kopf automatisch ausschaltet und ich mich genau in diesem Moment, tanzend, frei fühle und Energie tanke. Lebensfreude. Hier darf ich ein bisschen die Kontrolle verlieren.
Kein Lied, kein Beat bleibt in meinem Kopf. Das alles löst bei mir nichts aus. Aber es löst. Und das tut gut. Manchmal.

Topic & Jona Selle – Light it Up

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Sam Smith – Stay With Me
Adele – Hometown Glory

Und dann gibt es diese wenigen Tage im Jahr, an denen ich unbedingt etwas schreiben möchte. Aber es ist still. Es passiert gerade nichts außergewöhnliches. Eine  Zeit lang nahm ich an, dass ich nur dann schreiben kann, wenn ich etwas fühle: Wut, Liebe, Enttäuschung, Angst. Ich brauche dieses Gefühl, um es einzufangen und au dem Papier zu verewigen. War deswegen enttäuscht von mir selbst, enttäuscht von meinem vermeintlichen Talent.

Und dann habe ich wohl das erste mal richtig begriffen, was es heißt, sich inspirieren zu lassen. Das heißt nicht, dass man ein Outfit 1:1 kopiert, es heißt auch nicht, dass man sich eine Art zu fotografieren, zu zeichnen, zu schreiben, zu leben abschaut. Es heißt: dass man ein Gefühl in sich heraufbeschwört und aus diesem dann etwas macht, etwas Eigenes. Man kitzelt etwas heraus. Heute weiß ich ganz genau, welches Lied ich hören muss, um eine bestimmte Emotion in meinem Kopf, meinem Herzen zu haben… Dazu eine Zigarette, ein Tee, ein altes Tagebuch. Oder dieses eine Parfum, welches er immer getragen hat. Ein Spaziergang durch die klirrende Kälte, ein bestimmter Film. Oder eben dieser eine Song.
Und dann kann ich schreiben. Und dann geht es wieder von vorne los.

Duffy – Warwick Avenue 
Tom Odell – Another Love

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Und dann gibt es die Lieder, die mich an Dich erinnern. An Uns.

Clean Bandit feat. Jess Glynne – Rather Be
Passenger – Let Her Go

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Oberteil – H&M / Schuhe – Zara / Cardigan, Rock, Rucksack – New Yorker 
Foto – Frederic Bloch

Und welcher ist dein Lieblingssong derzeit?

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31 Kommentare

  • Reply Carina 22. Dezember 2014 at 13:14

    Deine Schreibweise fasziniert mich immer wieder. Ich liebe es ebenfalls zu schreiben und du bist eine wahre Inspiration für mich. Deine Texte zu lesen macht süchtig, glücklich und regt auch zum Nachdenken an. Wenn ich traurig bin und einen Eintrag von dir lese fühle ich mich verstanden und nicht mehr alleine. Dafür, liebe Luise, danke ich dir vom Herzen.
    Die Bilder sind wieder einmal traumhaft, wirklich professionell!

    xxx

  • Reply Emma 14. Dezember 2014 at 13:23

    Deine Bilder sind wie aus einem Magazin, Traumhaft

  • Reply LIPTON 12. Dezember 2014 at 19:13

    Ich liebe deine Outfits und deine Art zu schreiben! Es macht echt Spaß deine Beiträge zu lesen und man wird auf jeden Fall immer zum Nachdenken angeregt;)
    Echt super! Mach weiter so :)

    Ich höre im Moment eig durchgehend nur Weihmachtslieder. Aber was auch richtig gute Laune macht, sind so Lieder in lateinamerikanische Richtung. Kannst du ja auch mal ausprobieren.. “Una Vaina Loca” ist was älter aber trotzdem super cool ;)

  • Reply Jana 7. Dezember 2014 at 23:45

    Sonst schreibe ich es nicht, sondern denke es nur: Deine Outfits sind wunderbar inspirierend!

  • Reply Ivonne H. 7. Dezember 2014 at 21:54

    Erstmal trägst du ein wirklich wunderschönes Outfit :)
    Mein derzeitiges Lieblingslied ist von John Newman-Love me again. Auch wenn es nicht top aktuell ist, mag ich es sehr gerne :)

  • Reply Miriam 7. Dezember 2014 at 19:43

    Die Idee für diesen Blogpost ist echt super :) Ich bin ein totaler Musikfan und fand es echt cool, mir während dem Lesen die Lieder anzuhören! Ich höre im Moment am Liebsten Weihnachtslieder, vor allem “Shake up Christmas” von Train.

    Lg <3

  • Reply Andrea 3. Dezember 2014 at 15:52

    Ein ganz wundervoller, inspirierender Beitrag!

  • Reply Franzi 30. November 2014 at 22:14

    Also ab nächster Woche wird die Michael Bublé Weihnachts-CD mein Lieblingslied sein!

  • Reply Elisa 23. November 2014 at 12:06

    Wie immer wunderschön geschrieben! Im Moment sind einige meine Lieblingssongs Sheets von Shannon Saunders, Tears of God von Cross My Heart And Hope To Die und Julia von SZA. Hab noch einen wunderschönen Sonntag!

  • Reply Mareike Sophie 22. November 2014 at 00:04

    Toller Post, der Text ist wunderschön geschrieben. Ich mag zurzeit No Good in Goodbye von The Script sehr gerne. Und mein absolutes Lieblingslied ist schon seit vielen Jahren Young von Kenny Chesney. Als ich das Lied das erste mal gehört habe, hat es einfach perfekt mein derzeitiges Leben und meine Einstellung beschrieben und auch wenn es mittlerweile nicht mehr so gut passt mag ich es noch, weil es mich immer wieder an die Zeit erinnert.

    Liebste Grüße. MS
    http://wthpassion.blogspot.de

  • Reply MATRJOSCHKA 21. November 2014 at 16:39

    Sehr schöner Post, tolle Worte und gut gewählte Songs! Dein Outfit ist auch einfach wunderschön und so unglaublich modisch! Du hast einen tollen Rücken. Meine absoluten Lieblingssongs sind: Animals von Maroon 5 und Changing von sigma. Machen mir irgendwie immer gute Laune und wenn ich mit Animals im Ohr durch die Stadt laufe, gibt mir das eine bestimmte Art von Selbstbewusstsein.

    Schönes Wochenende!

    mtrjschk.blogspot.de

  • Reply Céline 21. November 2014 at 12:54

    Superschönes Outfit und Lieder : ) ich bin peinlicherweise zurzeit unglaublich in Taylor Swifts neues Album verliebt und stehe total auf Catey Shaw. Mädchenpop gegen Herbstdepressionen.

    Liebe Grüße,

    Céline von http://electricfeel-now.blogspot.de/

  • Reply Kate 20. November 2014 at 20:53

    Die Rückseite des Oberteils ist echt sehr schön.

  • Reply Louisa 20. November 2014 at 20:10

    Led Zeppelin – Babe I’m Gonna Leave You

    Youngblood Hawke – Forever

    Walk the Moon – Shut Up and Dance

    Tom Swoon – Ahead of Us

    Hör rein, schalt ab oder lass den Gedanken freien Lauf :) Allerliebste Grüße
    http://theurbanslang.blogspot.de/

  • Reply Anneeee 20. November 2014 at 10:51

    Oh wow, was für ein schöner Text! Ich war total gefesselt.

    Liebe Grüße ♥
    Anneeee
    http://blondundbruenett.blogspot.com

  • Reply Lisa 20. November 2014 at 10:42

    Clean Bandit feat. Jess Glynne – Rather Be
    immer wenn ich diese Lied höre, dann denke ich an den Urlaub, an das Cabrio und daran wie wir den ganzen Tag unbeschwert die Insel rauf und runter gefahren sind. Dann habe ich auf einmal wieder den Geruch vom Meer in der Nase und fühle mich in den 2,3 oder auch 4 Minuten völlig frei.

    Erst die Erinnerung oder die Erlebnisse die man damit verbindet, machen ein Lied so besonders. Kann dich gut verstehen. Bei mir läuft zuhause auch nie Musik. In meinen Gedanken kann ich mich besser verlieren.

    Nur im Auto bin ich ein typischer “Radiomitsinger” doch immer bevor ich einen Song kenne ist er auch schon wieder “out”.

    Meghan Trainor “All About That Bass” finde ich zur Zeit übrigens super um es laut im Radio mitzusingen :D

    Danke für all die wundervollen Post die du zur Zeit veröffentlichst
    Liebe Grüße Lisa

  • Reply Das-Nebenan-Mädchen 20. November 2014 at 01:54

    “Crazy in Love” allerdings die Version von Kadebostany für den Shakes of Grey Film
    “Love Me Harder” von Ariana Grande
    “Underwater” von MIKA
    Meiner Meinung nach wahnsinnig anregend beim schreiben oder nachdenken. Mir hilft Musik auch jedes mal dabei in meine eigene Welt abzutauchen, mich in meine kleine Blase aus Gedanken und Gefühlen “reinzubeamen”. :)

  • Reply Carolin 20. November 2014 at 01:15

    Toller Post! Ich höre im Moment das Album von George Ezra rauf und runter..seit ich letztes Wochenende auf seinem Konzert war sogar noch ein bisschen lieber :)
    Die Fotos sind mal wieder wunderschön <3

    Liebe Grüße

  • Reply Susi 19. November 2014 at 23:10

    Wie immer wahnsinnig schöner Post – ich kann mich absolut wiedererkennen <3

    Liedertechnisch habe ich momentan drei Klassiker für mich wiederentdeckt:

    Hooters – 500 Miles (hör mal rein, ist aus aktuellem Anlass bestimmt was für dich (: )

    Marvin Gaye & Tammy Terrell – Ain´t No Mountain High enough (ebenso :P )

    Marvin Gaye – Sexual Healing

    Liebe Grüße :*

  • Reply k4rla 19. November 2014 at 22:13

    get lucky – cover von daughter
    little black submarines – the black keys
    thanks for nothing – transit

  • Reply Anni von Positiviphy 19. November 2014 at 21:50

    Ich habe keine wirklichen Lieblingslieder, aber ich habe eine Reihe von Lieder die mich immer wieder emotional beeinflussen oder perfekt zu Gefühlen passen –> http://positiviphy.wordpress.com/2014/11/10/the-one-with-the-wow-and-the-music/

    Ich finde dass Musik Macht hat. Über das Denken und Fühlen von Menschen. Wenn ich traurige Musik höre werde ich schwermütig, mir ist dann nicht nach lachen und springen. Wenn ich grade sehr fröhlich bin gefällt mir ein trauriges Lied meist nicht. Und wenn die Fröhlichkeit nur aufgesetzt war, dann schwappt es wie eine Welle über mich und kehrt das Unterdrückte nach Außen. Andersherum kann mich in einer traurigen Situation mit fröhlicher Musik selbst daran erinnern, dass keine Schwermut für immer anhält und das ist wichtig. Musik weckt auch Erinnerungen, hilft sie zu bewahren und gleichzeitig loszulassen, weil man beim Musik hören und mitsingen seine Seele rauslassen darf, ohne zugeben zu müssen, dass man das selbst so sagen wollte – denn es hat schon jemand für einen getan. Und das tut wieder fürchterlich gut, denn für jede Situation gibt es ein Lied da draußen. Und wenn man es gefunden hat, dann weiß man, dass man nicht allein ist mit einem Gefühl und das macht Trauriges weniger schlimm und Schönes noch schöner.

    <3

  • Reply Judith 19. November 2014 at 20:44

    Taylor Swift – I know places

    One Direction- Night Changes und ready to run

    James Blunt- High

  • Reply Sarah 19. November 2014 at 20:29

    Wow, das Outfit und die Location sind wirklich unfassbar schön :)

  • Reply patrizia 19. November 2014 at 19:27

    das sind wieder einmal wunderschöne photos!

    http://urbanfashiondiary.wordpress.com

  • Reply IsabellBeth 19. November 2014 at 19:09

    Ich muss sagen. Du übertriffst dich selbst. Immer wieder. Ich liebe deine Texte und ich geb zu, ein bisschen guck ich mir deinen Stil ab. Unbewusst. Ich mag es, deine Texte zu lesen. Sie fließen förmlich. Sind leicht und doch so tiefgreifend. Sie bewegen. Dieser hier hat mich am meisten umgehauen. Unglaublich, wie du so viel in relativ wenige Zeilen bringen kannst. Respekt.
    Dazu die immer zum Thema passenden Outfits. (Die ich immer unglaublich inspirierend find.). Klassisch und trotzdem modern. Auffällig und trotzdem zurückhaltend. Wie schaffst du das nur?
    Einen wunderschönen Abend
    Isabelle

  • Reply P. 19. November 2014 at 18:58

    Deine Art zu schreiben inspiriert mich … Du kannst die Worte wunderschön verpacken und ich beginne, wie du in deinen Gedanken, zu träumen. Durch deinen Blog und deine Gedanken inspirierst du mich und ich bewundere deine Art über die Dinge zu denken. Mach bitte weiter so, denn das, was du machst, ist unglaublich toll und wirklich, wirklich lesenswert ! Dein Herz steckt in deinem Blog, danke dafür …

  • Reply sarah 19. November 2014 at 18:25

    U2 – Every breaking wave

    Dieses Oberteil von H&M habe ich auch. Ich finde es wunderschön, aber es ist so schwer zu kombinieren. Es sieht eben einfach stark nach Negligé aus – und ich beispielsweise muss es auch mit einem BH tragen. Es wäre cool, wenn du mal generell einen Post dazu machen kannst, wie man eher “sexy” Teile alltagstauglich kombinieren kann.
    In diesem Outfit ist dir das übrigens gut gelungen!

  • Reply Luise 19. November 2014 at 18:04

    Ein wunderschöner Text, den du da verfasst hast und in dem ich mich sehr wieder erkenne. Ich kenne es nur zu gut, wenn man den Kopf voller Gedanken hat und sich deswegen an kaum etwas erinnern kann, wie die Playlist die man sich extra angemacht hat.

    Mein Lieblingslied momentan ist auch einer den du erwähnt hast: Topic & Jona Selle – Light it Up

    Liebste Grüße
    Luise von http://www.just-myself.com

  • Reply Sonja 19. November 2014 at 17:56

    Vance Joy – Mess is Mine

  • Reply antonia 19. November 2014 at 17:56

    Raleigh ritchie – stronger than ever. Super aufbauend :)

  • Reply Mareen 19. November 2014 at 17:33

    Hozier – Take Me to Church