Ich erkenne sie in der Gischt der tobenden Wellen

/16. August 2014/24 Kommentare

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Wenn ich an sie zurückdenke, dann sehe ich ein wunderschönes Mädchen mit kurzen caramelfarbenen Haaren, sinnlichen Lippen und mandelförmigen Augen, die gestrahlt haben, um zu verdecken, zu vergessen, was passiert ist. Sie war so schön, dass man nichts vermuten konnte.
Wir waren so unterschiedlich, uns so nah – haben verstanden, wie der andere tickt. 
Wollten zu diesem Zeitpunkt genau das Gleiche. Wir haben zusammen geraucht, gelacht, sind durch die Nacht gerannt und haben verbotene Dinge genossen, getanzt – auch ohne Musik, wir haben geküsst und geliebt, gelogen. Sind in fremde Städte gefahren, eine Welt erkundet, uns ausprobiert. Zusammen die gleichen Fehler gemacht. Wir haben unsere Grenzen gesucht, ich habe sie gefunden und dich nicht mehr gesehen. Wir sind viel zu weit rausgeschwommen – du konntest nicht aufhören, es hat dich immer weiter getrieben, das hätte ich nie verstehen, du nie vollends erklären können – und dann hat das wir versagt. Ich habe mich an irgendwas oder irgendwen geklammert, aber nicht an das, was wir hatten. Wir wollten doch zusammen untergehen. Die Wellen. Die Tiefen des Meeres. Die Vertrautheit damit wurde ihr zum Verhängnis. Dieser zarte Körper hatte zu schwere Lasten zu tragen.
Als ich sie ein paar Jahre später wieder sah, war das Licht erloschen. Wer sind diese Leute hier? Was tust du? Betäubt. Ich habe da keine Schmerzen mehr gesehen, keine Ängste. Nur wirre Antworten. Wie einstudiert. Ich bin es doch! Viel lauter kann ich nicht rufen. Aber ich hatte mich zu lange nicht umgesehen. Das ist egoistisch. Dann habe ich 7 Müllbeutel mitgenommen, aber sie ist geblieben. Hat nicht mehr vertraut. Diesmal hätte ich dich noch beschützen können. Aber du wolltest mehr als nur frei sein. 

Ich habe Dich verloren. Es tut mir Leid.
Ich sehe sie in den vorbeisegelnden Schwalben. Du wolltest so gern so weit weg. Ich rieche sie in meinen Erinnerungen. Wir wollten nie vergessen werden. Und ich erkenne sie in der Gischt der tobenden Wellen – du hast dich selbst vergessen. Wir haben einen Teil von uns aufgegeben.
Es ist nicht meine Schuld. Nicht deine. Und das erste Mal möchte ich an Schicksal glauben. Und hasse es. Oder wer ist hier der Verräter? Schuldgefühle. Ich lege mich zu Dir! Ich bin da, ich bin wieder da. Ich halte Dich fest.

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24 Kommentare

  • Reply Xenia Thompson 30. März 2016 at 20:30

    Echt wunderschön, ich lese deinen Blog jetzt seid ca. 1/2 Jahr und klicke mich fast unaufhörlich durch die Einträge, beim Warten auf einen Neuen von dir, gerade habe ich diesen (für mich Neuen) Post gefunden und mich total verliebt….ich liebe deinen Schreibstil und deine Art und wenn du dann noch so etwas raushaust ….Danke!

  • Reply S. 9. September 2015 at 16:00

    Dieser Post wurde ja nun schon vor einiger Zeit verfasst und ich habe ihn eben nur durch Zufall gefunden. Und ich muss sagen er hat mich sehr berührt. Wie zauberhaft zu deine Sätze formulierst. Einfach fabelhaft.
    Liebe Grüße,
    S.
    http://cappuccinocouture.blogspot.de/

  • Reply Moritz 11. Dezember 2014 at 07:16

    Gänsehaut und Kloß im Hals.

  • Reply Zarah 26. August 2014 at 18:34

    Auch wenn du es bestimmt schon zu oft gehört hast – wow, wie du die Sprache benutzt und Wörter einsetzt ist unglaublich und beneidenswert.
    Ich habe mal in einem deiner Posts gelesen, dass du schon viele Romane angefangen hast und hoffe, dass du mal einen fertigstellst, oder einen “Sneak Peak” veröffentlichst ? :)

    Liebste Grüße,
    Zarah

    • Kleinstadtcarrie 26. August 2014 at 20:00

      Danke für deine lieben Worte, Zarah. Das bedeutet mir wirklich immer besonders viel, wenn ihr meine Texte lobt :-)

  • Reply Lisa 19. August 2014 at 17:41

    Dein Text spricht mir gerade so aus der Seele und ich beneide dich sehr darum, dass du so wunderschön schreiben kannst, ich würde es auch so gerne können.
    Ich danke dir sehr für diesen wunderbaren Post, das hat mir irgendwie gerade total geholfen :)

  • Reply Julia 18. August 2014 at 18:22

    ein wahnsinns-post! extrem gut geschriebener text und diese fotos.. dein fotograf kann wirklich stolz auf sein talent sein. und du natürlich auf deine schönheit :)

  • Reply Yvonne 18. August 2014 at 17:43

    Superschöner Text und man wird sehr neugierig. Aber ich finde mich auch selbst so sehr in deinen Worten wieder. Nicht jede Freundschaft ist eben für die Ewigkeit bestimmt, trotz allem ist dies auch eine schmerzhafte Zeit, wenn man merkt, dass man sich zu weit entfernt hat.
    Alles Liebe,
    Yvonne

  • Reply c. 18. August 2014 at 15:29

    …wie sehr deine Augenfarbe der Farbe des Meerwassers gleicht.

    beauty by nature – und das zweite Bild ist wirklich besonders!

    c.

  • Reply Phia 18. August 2014 at 15:02

    Wirklich schön zu lesen! Und irgendwie beruhigend, dass andere auch manchmal solche Dinge einfach niederschreiben! Danke dafür ;)

  • Reply Leo 18. August 2014 at 14:31

    Ich könnte so ein Mädchen sein über das du schreibst. Und das ernüchtert mich und macht mich traurig

  • Reply Ronja 17. August 2014 at 22:19

    Wow! Die Fotos sind der Hammer! Richtig toll! Bin ganz hin und weg! Und der Text erst. Aber mich würde ja jetzt doch auch sehr interessieren was all die Worte wirklich bedeutetn. Ich weiß, neugierig : )
    xoxo, Ronja
    http://www.sothisiswhat.com

  • Reply Lucy 17. August 2014 at 22:10

    Wahnsinnstext. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. <3

  • Reply Nadja 17. August 2014 at 21:54

    Diese Bilder sind traumhaft schön. Irgendwie magisch und ganz besonders. Normalerweise sind es deine Texte, die mich inspirieren, doch bei diesem Post sind es (obwohl mir der Text auch sehr gefällt) definitiv die Bilder. Sie lösten eine Sehnsucht in mir aus und versetzten mich an fremde Orte. Erinnerungen an vergangene Zeiten, Gefühle und intensive Gerüche wurden wach.

    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!

  • Reply Annabell 17. August 2014 at 21:00

    Hi Luise,
    Ich finde diesen Text wirklich wundervoll. Er entwickelt eine unglaubliche Spannung und man möchte einfach mehr wissen. Über die Handlung und die Personen. Über das was wirklich war, nicht nur die von dir geschriebenen Bilder, die einem selbst tausend Bilder vor Augen aufkommen lassen. Er erinnert mich sehr an einige Bücher, die ich gelesen habe als ich jünger war.
    Der Text lädt zum Träumen in eine andere Welt ein. Und da ich verstehen kann, dass du nicht jedes Detail deines Lebens hier preisgibst, wäre es ja auch eine Möglichkeit, die Ideen die du aus deiner Welt hast und in diese märchenhaften Worte wandelst in ganz neue Geschichten zu verpacken. Geschichten, in denen man mehr über alles erfährt, in denen du all deine Phantasie einfließen lassen kannst. Also, was ich eigentlich sagen will: Du hättest meiner Meinung nach das Potential ein Buch zu schreiben, welches du mit einer tollen Stimmung füllen könntest, denn du kannst Gefühle und Momente ganz wunderbar in Worte fassen, was wirklich nicht jeder kann.
    Ich verfolge deinen Blog schon eine ganze Weile und mit diesen Texten ist dein Blog schon etwas besonderes, auch durch diese wirklich passenden Fotos zu diesem Text.
    Ich finde es super, dass du hier auch mal nicht nur ‘oberflächliche’ Sachen preisgibst, sondern Gefühle und Erlebnisse, die tiefgehender sind, dass du über Sachen schreibst, die Menschen einzigartig machen.
    Liebe Grüße,
    Annabell

  • Reply Lou 17. August 2014 at 20:21

    Wow. Wunderschön geschrieben (klingt fast wie die Vorlage für ein Lied von Casper, hihi) und richtig gut gelungene Bilder. Dein Gesicht ist so wahnsinnig symmetrisch!

  • Reply Hannah 17. August 2014 at 19:43

    Hallo Luise,
    ich bin schon ein paar Mal über deinen Blog gestolpert, hab ihn aber nicht weiter verfolgt. Bei diesem Post aber muss ich dir einfach ein Kompliment da lassen: Wunderschöner Text! :) Schön und ernüchternd zugleich. Mach weiter so! :)

  • Reply Hannah 17. August 2014 at 15:54

    Liebe Luise,

    deine Texte berühren mich sehr. Vieles habe ich ähnlich erlebt oder wahrgenommen und es gelingt dir, dies in Worte zu fassen. Auch ich schreibe Tagebuch und verpacke Erlebnisse in Texte, um mit ihnen besser umgehen zu können. Aber du setzt deine Worte gekonnt ein und zum Schluss harmonieren Anfang und Ende perfekt miteinander. Ich lese deinen Blog unheimlich gerne, bitte höre nie damit auf!
    So, das musste einfach gesagt werden.

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag :)
    Liebe Grüße, Hannah.

  • Reply Sophie 17. August 2014 at 15:39

    Toll geschrieben und die Fotos sind sehr sehr schön! :)

  • Reply Nadja 17. August 2014 at 15:27

    Soooo wunderwunderwunderschöne Bilder, wenn auch melanchonisch. Ebenso wie der Post, aber er gefällt mir genauso gut.. Manchmal verliert man das Wir.. ob ungewollt oder nicht, manchmal passiert es einfach so und man kann nichts dagegen tun, oder zumindest nicht viel…
    Nur das mit den Müllsäcken hab ich nicht so ganz verstanden, aber alles andere konnte ich sehr gut nachvollziehen.. Alles in allem – Toll!

  • Reply Isabella 17. August 2014 at 14:23

    Das sind wunderschöne Bilder und ein zauberhafter Text! :)

  • Reply Nilishi 17. August 2014 at 12:25

    Ich glaube ich habe noch nie einen besseren Text von dir gelesen. Er berührt mich in jeder Faser- vielleicht weil ich mich in den Worten wiederfinde. Finde unsere Geschichte wieder.

    Danke dafür!

    Liebste Grüße

  • Reply Elena 17. August 2014 at 12:01

    Toller Post!