Aber gerade genug

/2. Juli 2014/21 Kommentare

IMG_8168

Es war ein Montag. Eigentlich finde ich Montage gar nicht so schlimm. Eigentlich mag ich Montage sogar: eine neue Seite in meinem Terminplaner, eine neue To-Do-Liste für die Woche. Ein neuer Tag. Montags bin ich motiviert. Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Und nachdem ich einige Zeit in der Uni verbracht habe, trudeln auch schon die ersten E-Mails ein, tolle Ideen, Einladungen gemeinsam kreativ zu werden. Montags wird der Schreibtisch aufgeräumt, die Gedanken geordnet und Blumen gekauft.
Und dann gibt es da diese Tage – bei mir war es der letzte Montag – da klappt einfach gar nichts. Ein ganz persönlicher Freitag, der 13. Da fallen Busse aus, da fehlt die Erleuchtung beim Blind Date, Habe ich das wirklich vergessen?, da klingelt das Telefon einfach nicht. An solchen Tagen liegen die Haare nicht so, wie sie sollen und der Kleiderschrank ist noch leerer als der Kühlschrank. Achtung, in der Küche liegen Scherben!
Eigentlich ist es 
egal, wie man diesen Tag allgemeinhin bezeichnet wird, aber plötzlich heißt es dann „Ich hasse Montage!“. Obwohl der doch gar nichts dafür kann, dass ich Dinge gelesen habe, die nicht für meine Augen bestimmt waren. Für mein Herz. Der kann nichts dafür, dass  es Menschen gibt, die unfreundlicher nicht sein könnten. Der kann nichts dafür, dass sich diese dicke graue  Wolke genau dann vor die Sonne schiebt, als er gerade das erste Mal auf den Auslöser knipsen möchte. Ach Man! Heute klappt ja auch wirklich gar nichts! Plötzlich fange ich an, an jedem und allem zu zweifeln. Er ist so weit weg, das Wetter ist ätzend und dann stehen auch noch die Prüfungen bevor. Alles ist jetzt zu viel und am liebsten würde ich mich unter meiner Bettdecke verkriechen. Will über Liebeskummer schreiben, obwohl ich keinen habe. Will weinen, ganz ohne Grund. Ganz ohne Grund? Ja. Eigentlich ist es gar nicht dieser Montag. Es ist auch nicht dieser Tag. Und wenn ich mal ehrlich bin, ist auch nichts bestimmtes passiert. Ich bin es. Ich will einfach traurig sein. Und pessimistisch. In diesem Moment wünsche ich mir drei Tage Regenwetter. Eine romantische Tragödie nach der anderen, Schokolade und Selbstmitleid. Eine extra große Portion. Ich will jammern. Heute will ich mal nicht gut drauf sein, niemanden mit meiner Motivation anstecken, einfach den Kopf in den Sand stecken.
Hätte ich das doch nur heute früh schon gewusst oder hätte einfach mal auf meinen Körper gehört. Manchmal muss man einen Gang runterschauten. Termine absagen, Pläne verschieben. Wir wollen immer 110% geben, besser werden, alle E-Mails beantworten, lernen und nebenbei noch Geld verdienen. Und: es ist verdammt noch mal nicht einfach. Wie schaffst du es immer so motiviert zu sein? Ich bin es nicht immer. Man muss auch mal schlecht drauf sein dürfen. Das ist gar nicht so einfach zwischen strahlenden weißen Zähnen und gesunden Snackideen auf Instagram und all‘ den anderen fleißigen Bloggerinnen, Studenten, Menschen. Aber man muss traurig sein dürfen. Manchmal auch ohne Grund. Wie schaffst du es immer so motiviert zu sein? Ich bin es nicht immer. Das ist der Trick. Ich bin manchmal einfach traurig und belasse es dabei. Ich habe keine Motivationsbibel, die ich dann aufschlage. Ich weine, rauche vielleicht eine Das-Leben-ist-so-scheiße-Zigarette und schreibe ein paar Zeilen in mein Tagebuch, was nur darauf zu warten scheint, neue Geheimnisse zu erfahren.
Aber dann muss auch wieder Schluss sein. Fernseher aus, Decke aufschlagen und weiter gehts. In das Lieblingsteil schlüpfen, ein bisschen Lipgloss – Brust raus, Bauch rein – und Los! Und: das muss funktionieren, wenn da gerade niemand ist, der dir hoch hilft. Du musst das auch alleine schaffen!

Das war doch klar! Ich packe alles in meine Tasche und schaue auf. Da sehe ich mich selbst im Fensterglas gespiegelt. Ich sehe aus wie ein begossener Pudel. Dabei ist das Kleid doch eigentlich so schön. Dabei habe ich mir doch extra beide Arme verknotet um mir die Haare selbst zu flechten. Dabei geht es mir doch eigentlich gut. Und da war doch diese Mail heute morgen, die mir ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern konnte. Ich lächle mein zartes Spiegelbild an, das sieht irgendwie unbeholfen aus.
Heute war ein doofer Tag. Ja. Und dann habe ich mich einfach drei Mal gedreht, getanzt, gelacht. Und, als hätte  ein besonders kitschiger Regisseur die Anweisung gegeben, brachen einige schwache Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke. Aber gerade genug. Manchmal reicht das. 

IMG_8214IMG_8218IMG_8209

 

 Kleid – H&M (oder hier) / Schuhe – Accessorize / Kette – Topshop
Fotos – Frederic Bloch / Goes Right Through Photography 

Join the discussion

21 Kommentare

  • Reply jana 6. August 2014 at 13:24

    ich will dich ja nicht voll spamen aber ich MUSS einfach kommentieren. manchmal kommen mir sogar die tränen, so schön sind deine texte :‘)
    das kleid steht dir übrigens ausgezeichnet!

    • Kleinstadtcarrie 6. August 2014 at 19:53

      wieso zuspamen? Ich liebe Kommentare <3

  • Reply Kathi 7. Juli 2014 at 20:11

    Der Eintrag ist wirklich gelungen! 🙂
    Ist das Kleid eigentlich aus der derzeitigen Kollektion?
    Liebste Grüße

  • Reply Julia 6. Juli 2014 at 20:37

    Ein wirklich toller Text! Und das Kleid steht dir ausgezeichnet! Mir gefallen Kleider, die vorne keinen Ausschnitt haben aber dann so einen tollen Rücken!
    Super schön 🙂

    Liebe Grüße von Julia

    http://kleinemomente2.blogspot.de/

  • Reply Eric 6. Juli 2014 at 15:18

    Einen wirklich schönen Blog hast du da!
    Ich würde mich sehr über einen gegen Besuch freuen, wir veranstalten zurzeit auch ein tolles Gewinnspiel 😉
    Grüße Eric
    ZUM GEWINNSPIEL
    MY STYLEBOX

  • Reply Selina 5. Juli 2014 at 22:21

    Ich liebe, liebe, liebe deinen Blog! Und auch dieser Blogeintrag ist mal wieder wunderschön. Ich freue mich jedes mal, wenn du wieder etwas neues veröffentlicht hast. Du schreibst einfach so toll über das Leben:)
    Mach weiter so!

    Ganz ganz Liebe Grüße!

  • Reply Sophie 4. Juli 2014 at 23:54

    Wie immer ein wunderschöner Text! Und du sprichst mir sooft aus der Seele..aber drückst es etwas schöner aus 🙂 Ich folge dir schon seit einigen Jahren und mir gefällt dein Blog von Post zu Post besser! Eindeutig mein Liebling.

    Liebste Grüße!

  • Reply Sophia Ton 4. Juli 2014 at 10:03

    Wunderschöne Bilder.
    Du hast ja wirklich einen richtig schönen Blog. Mir gefallen deine Posts und dein Blog Design ist auch voll schön. Würde mich total freuen wenn du mal bei mir vorbei schaust und vielleicht gewinne ich ja eine neue liebe Leserin dazu. Behalte deinen Blog ab jetzt im Auge : )

    Liebe Grüße Sophia von
    http://www.sophias-fashion.blogspot.com

  • Reply Samira 4. Juli 2014 at 00:03

    Das Kleid sieht wirklich fantastisch aus, vor allem in Kombination mit dem Gürtel !:)
    Liebe Grüße Samira

    http://www.samieze.com

  • Reply Yvonne 3. Juli 2014 at 16:34

    Superschöne Bilder – hammer! Und das Kleid gefällt mir richtig gut!
    Zauberhaft meine Liebe!
    xx

  • Reply Joana 3. Juli 2014 at 11:56

    Oh ja, diese Tage kenne ich nur allzu gut. Ich nenne sie Arschlochtage und sie sind komplett Montagsunabhängig… Tage, an denen man sich am liebsten ein- und den Rest der Welt für einen Tag ausschließen möchte – und sollte.

  • Reply Fabienne 2. Juli 2014 at 21:58

    Immer wieder perfekt <3 Danke

  • Reply Maria 2. Juli 2014 at 19:43

    Immer, wenn ich deine Texte gelesen habe, habe ich den Drang dazu, dir irgendetwas dazu zu schreiben. Aber da mir nach dem Lesen plötzlich so viele Gedanken durch den Kopf gehen, fehlen mir immer die passenden Worte 🙂 Danke, dass es dich, deine Texte und Bilder gibt. <3

    mariaxdelrey.blogspot.com

  • Reply Manon 2. Juli 2014 at 18:28

    Manchmal übertreiben die Leute schon mit „Ich hasse Montag“. Nur weil ein geiles Wochenende zu Ende geht. Aber dann denke ich mir auch, dass es ausgerechnet diese Menschen sagen, die ihre eigene Arbeit nicht mögen, bei dem, was sie tun. Wenn ich einen Job hätte, der mir auch Spaß macht, dann denke ich doch nicht „Oh, nicht schon wieder 5 Tage…“, sondern erfreue mich auf Arbeitskollegen, auf eine Beschäftigung und mit den Gedanken mit dem verdienten Geld etwas Tolles hervorzaubern zu können ♥︎

  • Reply Kathi 2. Juli 2014 at 16:49

    So eine Woche hatte ich letzte Woche und du hast ja Recht – Brust raus, Bauch rein, los geht’s. Und wenn man dann irgendwann mit jemandem darüber lachen kann, ist es schon nur noch halb so schlimm 🙂

  • Reply Any 2. Juli 2014 at 16:22

    Das Kleid ist wirklich soo wunderschön! Du siehst toll aus!
    Liebst

  • Reply Sarah 2. Juli 2014 at 15:04

    Du siehst wahnsinnig toll aus!
    Steht dir super gut und die Stimmung auf den Bildern ist bezaubernd.

    Liebst
    Sarah

  • Reply Jenny Noá 2. Juli 2014 at 14:22

    Genau diese aufmunternden und motivierenden Worte brauche ich gerade, danke. Die letzte Prüfung kann kommen! 🙂

  • Reply Paula 2. Juli 2014 at 13:15

    Ich kann das Gefühl sehr gut verstehen, das geht mir auch manchmal so. Du bist sehr hübsch.. auf dem Bild siehst du aber noch dünner und zerbrechlicher aus als sowieso schon.. Hast du abgenommen oder ist es nur das Bild? Lieber Gruß

  • Reply Jasmin 2. Juli 2014 at 12:13

    Ich bewundere dich jedes mal wenn ich einer deinen tollen Texte lese, dein Schreibstil ist einfach toll und inspirierend! Habe mich heute auch mal an einen persönlichen Text getraut, vielleicht hast du ja Zeit bei mir vorbei zuschauen, würde mich rießig freuen! Er ist zwar nicht perfekt und viel zu lang aber aus meinen Erfahrungen entstanden und ehrlich.

    Wünsche dir noch einen wunderbaren Tag 🙂
    Liebste Grüße <3

  • Reply Mici 2. Juli 2014 at 11:46

    hach – manchmal bin ich ja doch n kleines bisschen in dich und deine texte verliebt =D =D