Außer Sonntags, da darf man weinerlich sein.

/18. Mai 2014/32 Kommentare

Ein gewöhnlicher Sonntag. Ich komme nicht vor halb 11 aus dem Bett und tapse fröstelnd in die studentische Küche. Bereits beim Öffnen des Kühlschrankes erinnere ich mich, dass dieser gestern schon ziemlich leer aussah. Also schütte ich mir die restlichen Haferflocken, eine Banane, die geschält gar nicht mehr so braun aussieht, und etwas Milch – ist die noch gut? – in eine Schüssel und verkrieche mich wieder im Bett.
Hatte ich mir nicht gestern vorgenommen, mich heute früh um 8 Uhr auf dem Weg zum Fitnessstudio zu begeben? Mist! Nach ein paar Stunden kann ich mich endlich überreden aufzustehen, ich schlage die Bettdecke auf und betrachte das Chaos in meinem Zimmer. Am Schreibtisch angekommen, ein Blick in den Terminkalender und schon flitze ich zum Schrank um meine Sporttasche zu packen – bloß nicht an die Vorlesung morgen denken oder gar an die Prüfungen. Seit Wochen habe ich mein Auto nicht angerührt, was einerseits wohl daran liegt, dass ich die Umwelt schonen will – biologischer Fußabdruck und so weiter, andererseits und wenn wir mal ganz ehrlich sind an den Spritkosten. Das Geld investiere ich lieber in eine neue Handtasche – oder um endlich mal den Kühlschrank vollzupacken. Während ich in Gedanken noch bei meiner Einkaufsliste bin, sehe ich, wie sich die anderen Autos wieder an meins ankuscheln und würde am liebsten direkt laut schreien. Aber nein, ich setze mich ans Steuer und manövriere den Starrkopf aus der Lücke. Dank der nicht vorhandenen Servolenkung habe ich den ersten Teil meines Trainings also schon absolviert.
Was für ein grauer Tag. Wieso regnet das eigentlich die ganze Zeit? Und wieso stehe ich mit beiden Beinen in einer ozeangleichen Pfütze?  Perfekt eingeparkt.
Und rein ind die Trainingsklamotten, ein Blick in den Spiegel und los gehts. Nach 30 Minuten auf dem Laufband und weiteren endlosen 5 Minuten auf dem Gerät, dessen Name ich nicht kenne, aber weiß, dass mir hier jeder auf den Arsch glotzt – begebe ich mich mit einem hochroten Kopf, nein, mir geht es wirklich gut!, in den Kraftraum. Leider kann ich mich kaum konzentrieren. Als ich das erste Mal Mädels mit Converse oder gar Ballerinas im Trainingsraum gesehen habe, vermutete ich, dass sie wohl ihre Sportschuhe vergessen hatten. Heute wurde ich eines besseren belehrt. Ballerinas zum Training? Seriously? Ist ja nicht mal so, dass das gut aussehen würde.
Zum Schluss noch 30 Minuten Rad fahren, nehme ich mir selbstischer vor. Meine Auswahl im TV? Hitler-Doku oder „Schick drei mal die 6 an 876888“ auf Viva. Die junge Dame auf dem Gerät neben mir braucht ihren Fernseher scheinbar gar nicht, mein Display ist viel interessanter. Und los geht’s. Wir übertrumpfen uns mit der Schnelligkeit und abwechselnd erhöht eine von uns den Schwierigkeitsgrad. Ach dieses gegenseitige Motivieren ist einfach großartig.
Ich erkläre das Training für beendet, als ich jemanden aus dem Augenwickel erspähen kann. Und Erinnerungen.
Zwei Jahre sind vergangen. Ich bin stark, fokussiert und selbstbewusst – außer Sonntags, da darf man weinerlich sein und träge, im schlimmsten Fall auch bettlägerig. Aber in diesem Moment, als er mir verschwitzt entgegenrennt – okay er joggt eigentlich auf dem Laufband – fühle ich mich zurückversetzt in diese Zeit, fühle mich klein und genauso zerbrochen, wie damals. Ich kann nicht anders, als flüchten. Und dann versteckte ich mich in der Umkleidekabine im Fitnessstudio vor meinem verschwitzten Exfreund und vor den Erinnerungen.
Unter der Dusche spüle ich all das fort und besinne mich, wer ich heute bin. Ich steh‘ da drüber. Wir haben Fehler gemacht und daraus gelernt. Wir haben uns verletzt. Das Wertvollste zerstört. Sind darauf rumgehampelt. Auf uns. Halt! Aufhören!
Und dann packe ich meine Sachen und fahre nach Hause. Ohne jeglichen Ballast. Ich trage die Vergangenheit in meinem Herzen, aber nicht mehr in meinem Kopf. Das ist überstanden. 

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Instagram: @Kleinstadtcarrie

Geliebt: Habe ich in dieser Woche per FaceTime. Mein Freund ist jetzt seit einer Woche in der weiten Welt unterwegs. 212 Tage folgen. Ich gönne ihm dieses Abenteuer und werde hoffentlich auch bald Teil davon sein! Bis dahin bin ich dankbar, dass es trotz der Entfernung von mehr als 11 000 Kilometern und 6 Stunden Zeitverschiebung die Möglichkeit haben, uns zu sehen und zu sprechen.

Gehasst: die Deutsche Bahn. Diesmal nicht wegen irgendwelcher Verspätungen. Nein. Sondern schlichtweg deswegen, weil sie das Essen von Wurstbroten in Zügen nicht verbieten.

Gekauft: habe ich diese Woche mal wieder zu viel. Was genau? Das könnt ihr hier sehen:

Genossen: die Unterkunft im „Das Stue“ in Berlin. Ein Hotel, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Grandioser Service und ein traumhaftes Zimmer mit freistehender Badewanne, King Size Bett und einer tollen Dachterrasse. Es fühlt sich so gut an, wenn sich all‘ das auszahlt und ich bin so unfassbar stolz, dass ich mir all das selbst erarbeitet habe.

Gewünscht: dass die Fashion Week doch bitte nicht genau während meiner Prüfungsphase stattfindet.

Geplant: den Termin beim Steuerberater. Oh man, das fühlt sich so erwachsen an!

Gesehen: Ganz viel Grey’s Anatomy, Sex and the City und – mal wieder – Desperate Housewives. Das habe ich einfach gebraucht.

Gelernt: „Zeit spielt keine Rolle“ und eine Menge über Nachhaltigkeit – mehr dazu bald hier auf dem Blog.

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32 Kommentare

  • Reply Sina 31. Mai 2014 at 18:43

    ooooh ich liebe dein layout <3

  • Reply Alena 28. Mai 2014 at 17:33

    Meine Liebe,
    Diese Heels von Steve Madden sind ein absoluter Traum! Ich bin fasziniert! Außerdem fasziniert bin ich von deinem Relaunch! Viel erwachsener, viel mehr du und vor allem noch eine viel größere Inspiration! Ich bin wirklich begeistert(:
    Dass du Videos machst, habe ich auch noch nicht gewusst, aber natürlich bist du jetzt abonniert! Ich finde dich wirklich sympathisch und irgendwie erinnerst du mich an mich selbst, wenn ich spreche(:
    Bis ganz bald,
    Alena von lookslikeperfect.blogspot.de

  • Reply Cora 25. Mai 2014 at 20:42

    Liebe Luise,
    wieso fährst du nicht mit einem Bus nach Berlin ( ich nehme zum Beispiel immer den Berlinlinienbus, weil mein Freund in Berlin wohnt und ich leider in Thüringen),statt mit der Deutschen Bahn, ist um einiges günstiger und auf jedenfall netter als die Schaffner in der Deutschen Bahn!
    Außerdem bekommt man da öfter mal einfach so eine Capri Sonne geschenkt haha !!

    Liebe Grüße, Cora 🙂

  • Reply Neele 25. Mai 2014 at 16:36

    Ich werde leider auch immer angeschaut, als würde ich jeden Moment umkippen, wenn ich Sport gemacht habe 😀 Nicht selten werde ich dann auch gefragt, ob es mir denn gut gehe, weil ich ja so rot sei. Schrecklich! 😀

  • Reply Steffi 23. Mai 2014 at 21:56

    Liebe Luise,

    dein Blog ist wirklich etwas ganz besonders. Dein Schreibstil ist so erfrischend, ehrlich und man merkt wieviel Zeit, Liebe und Mühe du investierst (wodurch er sich von den vielen herkömmlichen Blogs mit ein paar netten Bildern und einem kurzen „Bla-Bla-Text“ sehr positiv unterscheidet.
    Eigentlich bin ich eher eine stille Leserin und denke mir immer „wow was für ein toller Text“ etc. aber eigentlich sollte man doch viel öfter mal aussprechen was man denkt und sich ein paar minuten nehmen ein Kommentar zu schreiben und daher (ich spreche sicherlich im Namen vieler Anonymer Leser) ein sehr großes Kompliment!

    Liebe Grüße Steffi

  • Reply Elena 23. Mai 2014 at 21:11

    Schöner Post 🙂

  • Reply Maria 23. Mai 2014 at 08:13

    Richtig schöner Text! Ich könnte mir richtig gut ein Buch von dir als Autorin vorstellen 🙂 Liebe Grüße!

  • Reply Lisa 23. Mai 2014 at 00:16

    Du sprichst mir aus dem Herzen!

  • Reply Jessica 22. Mai 2014 at 14:43

    Sehr schön geschriebener Text. Hätte noch ewig so weiter lesen können. Kann dich da auch völlig nachempfinden 🙂

  • Reply Ilka 21. Mai 2014 at 19:11

    Oh Mensch du Arme, musstest du etwa Wurstbrote in der Bahn ertragen? Das ist natürlich überhaupt nicht bloggermäßig sondern einfach mal voll „normal“.. kennst du ja gar nicht mehr, was? das ist natürlich echt schade, dass es Menschen gibt, die nicht dauernd irgendwo essen gehen, keine Klamotten tragen, die jeder Blogger trägt, etc..

    Ja, jetzt verschwindet dein Blog tatsächlich von meiner Bildfläche. Adieu Mainstream!

    • Alexandra 22. Mai 2014 at 19:51

      Endlich mal wird das gesagt, was ich mir jedes mal denke! 😉

    • Channi 24. Mai 2014 at 15:30

      äääh ja….das wars hier jetzt auch für mich! hab den blog eig nur noch aus Gewohnheit gelesen aber so ein Kommentar muss ich mir echt nicht geben. was soll denn das? naja ich bin weg 😉

  • Reply Zoe 21. Mai 2014 at 17:59

    Au ja, also mit Grey’s Anatomy und Desperate Housewives könnte ich auch Tage (oder Wochen) verbringen.
    Have a fantastic day!
    x

    http://www.morningvibes.blogspot.com

  • Reply Nina 19. Mai 2014 at 23:14

    Einfach ein richtig toller, runder Text! Lesevergnügen 🙂 Und Wahrheit.

  • Reply Malika 19. Mai 2014 at 18:36

    Ein toller Text, in den sich viele vermutlich hineinversetzen können! Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Fernbeziehung, gib nicht auf!♥
    Ganz liebe Grüße und einen schöne Woche wünsche ich dir,
    Malika (alislittleworld.blogspot.com)

  • Reply Julia 19. Mai 2014 at 17:21

    Liebe Louise!
    Schöner Post! Ich bin ganz gespannt auf die Auslandspläne von dir! Bitte erzähl ein bisschen mehr dazu!
    Alles Liebe

  • Reply Sophie 19. Mai 2014 at 16:24

    Ein toller Text!
    Einfach echt und ich glaube für viele von uns nachvollziehbar! 🙂
    Hab‘ einen schönen Tag!
    Sophie

  • Reply Lilly 19. Mai 2014 at 16:21

    Liebe Luise,

    der Text gefällt mir so unendlich gut, wie auch die letzten, an denen du uns hast teilhaben lassen. Dein „neuer“ Blog ist so so soo gut gelungen, mir persönlich gefällt das Design total. Auch dein Stil haut mich in letzter Zeit regelmäßig um. Er ist erwachsen, weiblich und passt zu dir. Es macht Spaß, dir bei alldem hier zuzusehen. Du hast einen großartigen Blog! 🙂

    Liebe Grüße und ganz viel Kraft noch für die verbleibende getrennte Zeit von deinem Freund.

  • Reply Maribel Skywalker 19. Mai 2014 at 16:15

    Jaja, die Fitnessstudio Geschichten. Sie werden nie langweilig. Sie werden nie aufhören. Sie werden immer erzählenswert sein. Neulich sah ich ein Mädchen, die sich vorher geschminkt hat. Ok, hab ich mir gedacht. Machen halt manche. Find ich persönlich jetzt nich unbedingt nötig, aber scheint wohl relativ normal zu sein. Dass selbiges Mädchen, aber nach jeder! Übung wieder in die Umkleide rannte um ihren Lippenstift und den Eyeliner nachzuziehen, fand ich dann doch eher … ähm.. sagen wir mal nich so geil. Aber jedem das seine, nech?
    Ebenfalls die Ex-Freund Situation. Und in meiner kleinen Stadt nicht nur die, sondern auch die wir waren mal Freunde und jetzt Todfeinde Situation. Und weißt du was? Ich konnte all ihren Gesichtern ansehen, dass sie erstaunt waren. Irgendsowas wie Respekt und ein „Wow-Blick“ konnte ich da sehen, bevor sie merkten, dass ich merke, dass sie mich angucken und die Hochnäsigen Blicke wieder ihren Platz einnahmen.
    Ich bin stolz auf mich, was ich erreicht und geschafft habe. Und jedes Mal wenn wieder so ein Blick kommt und sei er auch schlecht, dann weiß ich, dass ich stolz auf mich sein kann.
    Und das kannst du ganz, ganz sicher auch. Ich wünsche dir alles Gute dafür!

  • Reply Marianna 19. Mai 2014 at 15:11

    Liebe Luise, könntest du eventuell mal einen Post machen über deinen Wochenablauf.? Wäre interessant so deinen Stundenplan zu kennen und zu wissen, wie du dich so organisierst mit Uni, Arbeit, Blog etc.

  • Reply Vanessa 19. Mai 2014 at 14:50

    Ein toller Text! Richtig schön geschrieben und so wahr! Dafür sind Sonntage da 😉
    Und die Fotos von diesem Post sind traumhaft :))
    Du Arme! Das mit deinem Freund ist wirklich nicht einfach. Aber wenn du bald Teil davon sein kannst (ich nehme an du wirst mit ihm reisen?) ist das vielleicht wenigstens ein kleiner Trost 😉
    Liebe Grüße
    Vanessa

    http://www.cashmerebow.blogspot.de

  • Reply Yasmin 19. Mai 2014 at 12:30

    Wieder einmal ein wunderbarer Text und der Sonntag hört sich doch nicht schlecht an. Bei uns hat es gestern auch durchgehend geregnet, wirklich passend zur Stimmung. Ich war aber im Gegensatz zu dir nicht so fleißig beim Sport, sondern lag eher faul im Bett rum mit einem Buch 😀
    Die Sache mit dem Ausland hat mich auch neugierig gemacht, du hattest doch auch mal über eine Asientour nachgedacht oder?
    Ach und ich hab heute Morgen in der Deals.com Mail gesehen, dass du auch zum Event kommst???!!! YEAH! Ich freue mich jetzt schon, dich mal kennen zu lernen <3
    Liebe Grüße

  • Reply Charlotte 19. Mai 2014 at 12:08

    Toller Post!! Finde es gut, dass du nicht wie die meisten Blogger nur ein „perfektes“ Leben darstellst 🙂

  • Reply Sarah 19. Mai 2014 at 00:11

    Verratest du uns wo sich dein Freund befindet? 😉

  • Reply Christine 18. Mai 2014 at 23:27

    Gehst du dann nächstes Semester auch ins Ausland, weil du schreibst, dass du auch bald Teil davon wirst? Liebe Grüße

  • Reply Francesca 18. Mai 2014 at 22:27

    Schöner Text. Der Sonntag ist ja eigentlich auch ein Tag zum Entspannen 🙂 Also keinen Stress 😉

  • Reply Julia 18. Mai 2014 at 21:40

    oh das mit deinem Freund tut mir leid. Bin gerade in derselben Situation wie du. Meiner macht gerade sein Auslandssemster. Wo ist deiner denn hin? Und irgendwie kann ich deine Einkäufe leider nicht sehen 🙁 Liegt aber wahrscheinlich nur an meinem PC.

  • Reply Leni 18. Mai 2014 at 21:32

    Da sprichst du mir aus der Seele, Liebes! Es gibt solche Tage und die müssen irgendwie auch mal sein, um sich auf das was man erreicht hat zu besinnen. Das Wichtigste ist einfach, dass man nach vorne schaut und sich nicht ins schwarze Loch ziehen lässt.

    Liebste Grüße

    Leni

  • Reply Caro 18. Mai 2014 at 21:29

    Na toll, jetzt war ich gerade so stolz, dass ich mich heute Abend noch zu 30 Minuten Fitness zu Hause aufraffen konnte und dann lese ich hier, durch was du dich alles im Fitnessstudio gequält hast. Stolz dahin. 😀
    Aber zum Glück läuft man zu Hause nicht dem Ex über den Weg, das könnte ich – gerade in einer Prüfungsphase – ja gar nicht gebrauchen.
    Mach dir noch einen gemütlichen Sonntagabend! 🙂
    Liebe Grüße, Caro von Unwritten… ♥

  • Reply Luise // luiseliebt.de 18. Mai 2014 at 21:08

    Nach vier Jahren Studium kann ich dir sagen: Egal ob Winter oder Sommer – Fashion Week ist immer in der Prüfungsphase!!! Immer!!!

    • Kleinstadtcarrie 18. Mai 2014 at 21:31

      im Winter hats bei mir geklappt 😮

    • Ivory 21. Juni 2014 at 04:03

      Ach, das wird in der Arbeitswelt nicht besser :-D.
      Im Winter geht es sich vielleicht noch aus, aber im Sommer hast du, wenn du überhaupt in der Zeit Urlaub bekommst (keine Kinder und so), die Wahl zwischen Fashion Week und Holiday. Da zieht man ja dann doch meistens den Strandurlaub vor..