Vorsorglich. Resigniert. Es ist eben so.

/24. August 2013/40 Kommentare
Lange habe ich mich nach diesem Augenblick gesehnt, ein Augenblick der Ruhe. Einfach allein sein. Keine Musik. Kein Mucks. Nur ich, mein Bett und der Laptop auf meinen Beinen. Es hat so sehr gefehlt zu schreiben, zu tippen und dann irgendwann in diesen Fluss zu springen, sich treiben lassen, die Worte hinter mir herziehend.
Ich habe begonnen über das Glück zu schreiben, über unsere Liebe und die Sonne und wie aufregend dieses neue Leben ist. Dieser Sommer ist heiß und bunt, blond und stark. Es sollte ausnahmslos positiv klingen. So wie du es dir gewünscht hast.
Heuchlerisch. Denn  wie immer kam etwas dazwischen. Erst dieser Anruf und dann … meine Gedanken – die Schlüssel, die nach 12 Jahren jetzt in einer anderen Handtasche liegen. Man hat mir etwas weggenommen. Die Zeit, die Umstände, das Erwachsen werden – all‘ das hat uns getrennt. Voneinander und von unserer Burg, die wir  hier in dieser grauen Stadt, hier an diesem Ort erbaut haben. Ein Zufluchtsort, ein Abenteuer.
Lange habe ich mich nach diesem Augenblick gesehnt, ein Augenblick der Ruhe. Einfach allein sein. Keine Musik. Kein Mucks. Nur ich, mein Bett und der Laptop auf meinen Beinen. Es hat so sehr gefehlt zu schreiben, zu tippen und dann irgendwann in diesen Fluss zu springen, sich treiben lassen, die Worte hinter mir herziehend. Ich sitze nur da, Tränen in den Augen, während ich das verewige, was mich bewegt. Was mich heute bewegt und bald schon vergessen ist. Traurig. Aber das scheint schon Gewohnheit zu sein. Vorsorglich. Resigniert. Es ist eben so. Abschied.
Mit jedem Neuanfang geht auch ein Abschied einher – das ist nichts neues, das wissen wir – und trotzdem habe ich Angst. Angst, dass ich diesen nicht verkrafte.
Loslassen – nichts fällt mir schwerer.
An Menschen kann ich mich festklammern und dann tragen sie mich mit sich herum. Oder ich sie? Aber wie mache ich das denn mit 64m²? Noch dazu, wenn ich rein rechtlich gesehen gar keinen Anspruch mehr darauf habe? Und da stellt sich die Frage, was denn nun wichtiger ist – der Grundriss oder das, was  wir daraus gemacht haben.
Ich habe 12 Jahre in Kisten gepackt. 3 Menschen in verschiedenen Schachteln und Schächtelchen verstaut, einiges vergeudet, vergraben und die Reste zusammengekehrt. Hartnäckiges wurde vom Boden, von den Wänden abgekratzt und alles was jetzt noch bleibt zeigt, dass wir hier waren. Ob wir auch Spuren hinterlassen oder Krater? Oder wird die Welle einfach brechen und dann ,alles mit sich reißend, wieder in den Ozean gezogen? Die Wogen werden sich glätten. Eine Salzkruste als Souvenir.
Ich bin stehen geblieben, habe mir Zeit gelassen, Zeit genommen – aber sie nicht genutzt, nicht ausreichend geatmet, gerochen.  Wie nimmt man Abschied von zu Hause, von Zusammenhalt, von Wut und diesem Geruch nach Spaghetti mit Tomatensoße? Wer macht das Dressing? Wie nimmt man Abschied von zu Hause, wenn man nie wieder heimkehren kann?

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40 Kommentare

  • Reply Anonymous 13. September 2013 at 17:46

    Ich bin 14/15 ich habe in unserer wohnung seit meiner geburt gelebt … mit 12/13 sind wir ausgezogen .
    Für mich war das nicht so spannend, toll wie für meine Familie . Ich hatte mich fest an diesem zuhause geklammer, wo ich die schönste Kindheit meines Lebens hatte .. ich wusste genau dass die menschen dort uns nicht vergesden würden ! Ich wollte das auch nicht .. es waren diese menschen die seit meiner Geburt bei mir waren ..jetzt vermiss ich sie .. die zeiten die menschen alles … und ich weis es wird nie wieder wie früher ..

    DD

  • Reply Anonymous 3. September 2013 at 11:59

    Mich hat selten ein Text so sehr zum Weinen gebracht wie dieser. Du sprichst mir aus der Seele! Es ist doch schön zu wissen, dass man mit seinen Gefühlen nicht alleine ist – danke dafür.

  • Reply Nina. 1. September 2013 at 18:06

    so toll (: du hast echt talent! ich wünsche die alles gute, Luise 🙂

  • Reply Vika 28. August 2013 at 19:30

    Liebe Luise, was für ein grandioser und herzzereißender Text! Er hat mich sehr berührt und zum weinen gebracht. Ich verlasse zwar auch mein Zuhause und fange 360km entfernt ein neues Leben an, kann aber immer noch in mein Elternhaus zurückkehren wenn auch nicht oft.
    Loslassen und neu anfangen ist nie leicht. Es ist ein komisches Gefühl zu wissen dass sich das ganze Leben schlagartig verändern wird. Aber genau das bedeutet erwachsenwerden. Was bleibt sind die Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann.
    Wie heißt es so schön? Home is where your heart is. Sobald du dich eingelebt hast und positiv nach vorne blickst, wirst du dein neues Zuhause auch als dein Zuhause lieben.
    Ich wünsche dir alles alles Gute auf deinem neuen Lebensweg und viel Kraft!

  • Reply Anonymous 27. August 2013 at 23:07

    hat mir gerade die Tränen in die Augen steigen lassen. sehr schön geschrieben!

  • Reply Martin 27. August 2013 at 16:33

    Abschied nehmen? Vollkommen und frei kaum möglich. Einzig die Gewissheit das jede Tür die sich schließt wieder einen Neuanfang impliziert hält uns vom resignieren ab!!!

  • Reply Anonymous 26. August 2013 at 17:53

    Es verändert sich alles, laufend… Das muss sein und ist auch oft gut so – Erinnerungen bleiben für immer. Zuhause fühlen kann man sich prinzipiell überall, das Einleben dauert nur seine Zeit 🙂

  • Reply glueckskind 25. August 2013 at 22:34

    Wundervoller Text… Kann ich gerade total nachvollziehen!:) Ich liebe solche Texte von dir und deinen Schreibstil, einfach richtig gut!

  • Reply Anonymous 25. August 2013 at 20:40

    Deine Worte sind unglaublich schön… Mir kamen die Tränen! Es ist so wahr…

  • Reply Paula lives, laughs and loves 25. August 2013 at 20:05

    wahnsinnig toller text. rührend, wie immer. aber er klingt so negativ. glaub mir, erwachsen werden kann auch toll sein 🙂

  • Reply Kamerakind 25. August 2013 at 20:00

    So toller Text und so traurig 🙁
    Ich bin froh das meine Eltern immernoch in „unserem“ Haus leben und jedesmal ist nach Haus kommen für ein Wochenende oder so so schön, waren erst dieses da und ich habe darüber gepostet.
    Ich hoffe niemals in die Lage zu kommen dieses Haus an andere Menschen verkaufen zu müssen, mit Mietern könnte ich leben, alles andere würde mir mein Herz brechen.
    In diesem Sinne fühl dich gedrückt!

    http://www.kamerakind.blogspot.de

  • Reply Anonymous 25. August 2013 at 19:29

    Ich bin sprachlos.

  • Reply Lilly van den Boom 25. August 2013 at 18:52

    Wunderbarer, richtig gut geschriebener Text! Wirklich, ich liebe ihn 🙂

  • Reply Carina :) 25. August 2013 at 17:44

    wunderschön geschrieben 🙂

  • Reply Valerie. 25. August 2013 at 17:17

    Ich liebe deine Texte!

  • Reply Lena 25. August 2013 at 16:57

    RICHTIG guter Text! Row 🙂

  • Reply Anonymous 25. August 2013 at 15:58

    der beste text seit langem

  • Reply n0tasa 25. August 2013 at 15:17

    Wundervoll, wie du schreibst!

  • Reply Anonymous 25. August 2013 at 14:18

    „Wie nimmt man Abscheid von zu Hause, wenn man nie wieder heimkehren kann?“
    Wow, ich bin sprachlos. Dieser Satz gehört veröffentlicht, auf Postkarten und in Bücher gedruckt! Unglaublich toll formuliert, Luise!

  • Reply Anonymous 25. August 2013 at 13:49

    mit GROSSEM abstand der beste text, den du je rausghaut hast 😉
    versuch nich so traurig zu sein, die erwachsenenwelt ist eben grausam. voller abschiede und neuanfänge..

  • Reply Nina 25. August 2013 at 12:45

    Ohne Worte, einfach ein wundervoller Text!

  • Reply Mareike Meier 25. August 2013 at 11:51

    Wunderschöner Text! So ein Umzug kann einen richtig wehmütig machen…

  • Reply Anonymous 25. August 2013 at 11:48

    wunderschön und sehr berührend, sehr emotional! Ich selbst habe auch schon mein Zuhause aufgeben müssen, in dem alle Erinnerungen meiner Kindheit drinsteckten. Es ist auch 10 Jahre später noch ein merkwürdiges Gefühl. Ich konnte das nie so in Worte fassen, wie du das kannst. Bewunderswert!

  • Reply Nele ♥♥♥ 25. August 2013 at 10:27

    so ein rührender Text!!! Du hast echt Talent im schreiben ♥

  • Reply mariecocomademoiselle 25. August 2013 at 07:36

    Liebe Luise,
    Ein wirklich toller Text!
    Ich kann auch nie loslassen, und selbst wenn ich es sage stimmt das nicht wirklich. In Gedanken bin ich immer dort und vergesse die Zeit nie. Vielleicht ist das ja sogar normal, nur dass wir das nicht wahrhaben wollen?
    Liebe Grüße
    Marie

  • Reply downtowngirl 25. August 2013 at 07:33

    Ich kenne dieses Gefühl sehr gut! Die ersten Schritte sind die schwerster, aber es wird leichter werden und irgendwann…irgendwann kommt dann die Freude darüber, dass das Zuhause, das man glaubt für immer verlassen zu müssen in Wahrheit gar nicht wirklich weg ist. Man hat es immer dabei. So ging es mir zumindest.

    Liebste Grüße
    Kathi 🙂

  • Reply Jenny ♥ 25. August 2013 at 00:23

    Bin auch gerade ausgezogen / umgezogen, deine Worte haben mich mitten ins herz getroffen..

  • Reply Ronja 25. August 2013 at 00:13

    Oh du Arme, das Gefühl kenne ich und es ist schrecklich.. ich wünsche dir ganz viel Kraft <3

  • Reply Anonymous 24. August 2013 at 23:11

    Liebes,
    das, was man liebt, kann man nicht verlieren.

  • Reply LISKA MONET 24. August 2013 at 21:43

    Unglaublich traurig und berührend.

  • Reply Vanessa Darleen 24. August 2013 at 21:10

    Der Text ist toll zusammengefasst & dein „Kummer“ (So nenne ich das jetzt einfach mal) schwabbert so richtig zu einem herüber. :/

    Wird schon alles wieder gut werden. ♥

    http://fulloflife-vanidarleen.blogspot.de/

  • Reply hannahgirlandme 24. August 2013 at 21:08

    wow.

  • Reply Anonymous 24. August 2013 at 20:09

    Wow, schöner Text. Sehr bewegend, befinde ich mich doch auch in deiner Lage, wie vermutlich Millionen andere junge Menschen im Moment auch.
    Ich finde es immer wieder faszinierend, wie du diese Gefühle in einen Text packst und das ohne, dass jeder dein genaues Leben nachvollziehen kann, aber trotzdem so, dass jeder weiß, was genau du meinst.

  • Reply Sina 24. August 2013 at 20:03

    berührend.

  • Reply Anonymous 24. August 2013 at 19:51

    Wow das bewegt mich, ich liebe wie du schreibst, wie ich versuche dir nachzuempfinden und in dich reinzufühlen!
    Sei stolz auf dich, fühl dich umarmt :*
    Tanja

  • Reply Maddys Ball 24. August 2013 at 18:01

    Wow, ich bin immer wieder begeistert wie toll du schreiben kannst!
    Du hast wirklich das Talent andere zu berühren!

  • Reply Kristina D 24. August 2013 at 17:08

    Wow, der Text ist Wahnsinnig schön. Das hört sich wirklich nach einem sehr sehr schönen zu Hause an. Aber das Neue wird bestimmt genau so schön.

    Liebe Grüße Kristina
    von Fashion-Beauty-by-Kristina

  • Reply Fraber-Fashion 24. August 2013 at 16:50

    Wow ein toller Text der einen wirklich zum Nachdenken bringt!
    Ich wünsche dir ganz viel Glück bei deinem neuen Lebensabschnitt!

    LG Franzi
    http://www.fraber-fashion.blogspot.de

  • Reply fleeuurs 24. August 2013 at 16:30

    Wow, toller Post! 🙂 du schreibst echt aussergewöhnlich gut!

    http://fleeuurs.blogspot.ch/

  • Reply Johanna 24. August 2013 at 16:10

    wundervoller Text