Abschied.

/3. September 2010/19 Kommentare

Hallo ihr Lieben ­čÖé
heute werd ich meinem Namen nach so viel zeit endlich wieder alle Ehre machen! Ein Carrie-Text. Diesmal sehr lang, sehr pers├Ânlich. Aber vielleicht macht sich der ein oder andere trotzdem die M├╝he all┬┤ diese Zeilen zu lesen und hinterl├Ąsst vielleicht sogar einen Kommentar, mit der Meinung oder vielleicht einer ├Ąhnlichen Begebenheit ­čÖé

Eine Freundin ist seit vielen Monaten gl├╝cklich vergeben, obwohl es ihr doch vorher so schwer fiel, sich zu binden.
Seit ich 6 Jahre alt war habe ich das selbe Bett aus Holz. Klein ist es und immer ├╝ber und ├╝ber mit Kuscheltieren gef├╝llt.
Seit ich lebe war ich nie lang von meiner Schwester getrennt, fast jede Minute verbringen wir gemeinsam.

Und nun sitze ich hier und komme nicht umhin, mich zu fragen:

Wieso bringt uns das Schicksal immer und immer wieder dazu, Abschied nehmen zu m├╝ssen?

Immer wieder kommt es im Leben dazu, dass wir geliebte Dinge, Menschen oder Gewohnheiten aufgeben m├╝ssen. Und das aus den unterschiedlichsten Gr├╝nden. Oft verstehen wir dann selber die Welt nicht mehr und wollen diese Gegebenheit nicht akzeptieren. Doch viel zu oft macht uns das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. Es nimmt n├Ąmlich keine R├╝cksicht auf uns oder irgendwen. Das Schicksal interessiert es nicht, wie sch├Ân es gerade doch ist oder wie allt├Ąglich. Es ist egal ob man ohne diese Gewohnheit kaum mehr leben kann oder ob es uns ohne die Person das Herz zerreist. Und dann f├╝hl man sich tot. Denn jeder Abschied ist wie Sterben, nur mit dem Unterschied, dass es weiter gehen muss.
Denn mit jedem Abschied, mit jedem Ende kommt ein neuer Anfang. Eine neue Chance alles besser zu machen?
Ver├Ąnderungen stehen an und egal ob wir wollen oder nicht, wir m├╝ssen uns fr├╝her oder sp├Ąter mit ihnen anfreunden. Wenn eine Person aus unserem Leben gerissen wird, egal ob der Tod oder der Lauf des Lebens ihn uns gestohlen haben, ob wir ihn selber verjagt haben oder ob es die Zeit einfach mit sich brachte, geht auch ein St├╝ck von uns selber. Der Freund meiner Freundin reist in einer Woche auf die anderen Seite der Erde und startet dort f├╝r ein Jahr ein neues Leben. Nat├╝rlich wusste sie und wir alle, dass der Tag der Abreise kommen wird. Wir wussten, dass die Zeit begrenzt ist. Aber wie bereitet man sich denn auf einen Abschied vor? Vor allem, wenn man wei├č, dass man sich doch aber in einem Jahr wieder sieht. Aber das man die gleiche Person wiedersieht, hei├čt das auch, dass man den gleichen Charakter, die gleiche Liebe wiederfindet? Im Vergleich zu einem ganzen Menschenleben ist ein Jahr nicht lang und dennoch kann so unendlich viel passieren.
Ver├Ąnderungen stehen also mit einem vollendeten Abschied immer an, und dann werden auch die ersehnten und stark erhofften mit Melancholie bedeckt. Denn mit jedem Neuanfang m├╝ssen wir einem Teil von uns Lebewohl sagen. Und so erging es mir mit der Renovierung meines Zimmers und dem Kauf meines neuen Bettes. Musste mir immer mein Zimmer mit meiner Schwester teilen und ihr k├Ânnt euch nicht vorstellen, wie ich es gehasst habe. Wie ich darauf hingeeifert habe, doch endlich mein eigenes kleines Reich zu haben. Wie ich mich jetzt daf├╝r sch├Ąme. Und dann war es endlich so weit. Bei IKEA wurde alles bestellt und ich war zufrieden. Doch als dann der Tag kam, an welchem wir alle alten M├Âbel abbauen musste, flossen doch Tr├Ąnen. Denn ich merkte pl├Âtzlich, dass ich mich nicht nur von einem alten M├Âbel trennte, sondern auch von allen Erinnerungen, von meiner Schwester ÔÇô meine ganze Kindheit. Und pl├Âtzlich wollte ich die neuen M├Âbel nicht mehr, wollte nur so schnell wie m├Âglich die Alten wieder aufbauen und mich in meinem kleinen Bett verkriechen und mich an jedes einzelne Pl├╝schtier und meine Schwester kuscheln. Wollte alles wieder aus den Kisten holen und mir eine Benjamin-Bl├╝mchen-Kassette in den Rekorder stecken und ihr stundenlang lauschen, bis ich einschlafen w├╝rde. So stand das Bett mit der gr├╝nen Matratze f├╝r so vieles mehr. Und als es dann St├╝ck f├╝r St├╝ck rausgetragen wurde sp├╝rte ich, wie es mir das Herz zeriss. Und dann war es weg und ich f├╝hlte mich so allein. Das neue Bett wartete schon darauf aufgebaut zu werden und schaute mich mit gro├čen Augen an. Doch ich wollte es nicht mehr. Und wieder mal merke ich, dass der Mensch erst dann zu sch├Ątzen beginnt was er hat, wenn er es verloren hat.
Mittlerweile habe ich mich an das Bett gew├Âhnt und damit auch an die Stille die herrscht Aufeinmahl, ohne das Quietschen und ohne die Schwester. Hab den Abschiedsschmerz fast ├╝berstanden. Doch darf und werde auf keinen Fall vergessen was wir hier hatte ÔÇô die perfekte Kindheit. Doch jetzt gibt es kein zur├╝ck.
Was ich damit sagen will, ist, dass wir meist ohne es gleich zu merken, so vieles tagt├Ąglichen Verabschieden. Dann tauchen wir ein in eine neue Welt und k├Ânnen pl├Âtzlich nicht mehr zur├╝ck. Dann merken wir, dass wir jahrelang nur rumgen├Ârgelt haben und gar nicht merkten, was wir hatten.
Nat├╝rlich habe ich meine Kindheit nicht gerade mit diesem einen Tag verloren, genau so wenig wie man sie verl├Ąsst am Tag der Jugendweihe, nein aber nur an diesem Tag wurde es mir mal wieder richtig deutlich, dass nichts unendlich ist.
Ja, denn so vieles merkt man gar nicht, wie es sich leise und unbemerkt davonschleicht und sich ohne ein Wort verabschiedet. Das kann eine Freundschaft sein, um welche man sich nicht bem├╝hte. Dass k├Ânnen Erinnerungen sein, welche sich verlaufen und nicht zur├╝ck in den Kopf finden. Dass k├Ânnen Tierarten sein, welche sich verabschieden m├╝ssen, da wir sie nicht sch├╝tzen. Das k├Ânnen Menschen sein, weil sich keiner um sie k├╝mmert, keiner die Verantwortung ├╝bernimmt. Und das k├Ânnen und werden letztendlich wir selber sein.

xoxo, Luuu ÔÖą

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19 Kommentare

  • Reply glampur 29. Juni 2011 at 02:50

    das schicksal spielt uns leider manchmal echt verdammt schlecht mit, das ist wohl wahr und traurig.

    ­čÖé

  • Reply Annika 9. Juni 2011 at 04:33

    Ich sitze seit knapp einem halben Jahr in Peru und habe daher viel Möglichkeit, mich mit all dem auseinander zu setzen, was ich zu Hause hatte und habe. Mir fiel einiges auf, wonach ich mich sehne, doch egal, woran ich auch dachte, ich kam immer wieder auf ein Zitat von Mascha Kaleko zurück, zum Thema Heimweh: „Nur ein Drittel Heimweh nach dem Lande, Und zwo Drittel Heimweh nach vergangnen Jahren“. Ich glaube, uns fehlen selten Dinge wie z.B. ein Bett mit einer grünen Matratze. Ihre Abwesenheit macht uns nur schmerzlich bewusst, dass all das vorbei ist, was wir damit verbinden. Und der Mensch steht nun einmal auf Konstanten, Sicherheit, Geborgenheit. Aber gleichzeitig gibt es uns Freiheit zu wissen, dass wir nicht an Dingen, sondern an Erinnerungen hängen, die wir überall mithinnehmen können. Denn wir wären sehr unfrei und gebunden, könnten wir uns nicht von vielen Dingen trennen. Wieviel passt in einen Koffer? Gruß vom anderen Ende der Welt.

  • Reply Eefke. (: 9. November 2010 at 17:49

    Bin wirklich berührt und fasziniert von deinen Texten, deinem Stil, deiner Krativität und allem was du hier postest.

    Liebste Grüße ♥

  • Reply Alanah 16. September 2010 at 21:18

    das schicksal kann uns alles nehmen – nur nicht unsere erinnerung und unsere überzeugung! toll dass du weisst, dass nach jedem Regen die Sonne wiederkommt! =)

  • Reply Anonymous 13. September 2010 at 15:16

    Ist das nicht bisschen privat? Weiß ja nicht ob es so begehrenswert ist, dass die ganze Welt von solchen Geschichten erfährt! Have fun …

  • Reply Clari 9. September 2010 at 16:19

    Hey meine Kleine, nicht allzu traurig sein, ich hab dich doch lieb, auch wenn ich nicht in einem Zimmer mit dir schlafen. Und wozu haben wir Skype ­čśë

  • Reply isabel* 6. September 2010 at 15:02

    Der Text ist wunderbar, so voll Gefühl und wahren Worten.
    Du hast wirklich Talent zum Schreiben ­čÖé

    Viele Grüße Isabel

  • Reply Victoria 5. September 2010 at 13:42

    der text ist wunderschön.
    so wie es wirklich im leben ist. also wirklich genau so !

  • Reply Chani 4. September 2010 at 19:53

    Der Text ist wunderschön und spricht aus dem Herzen.Ich kenne viele dieser Momente und frage mich jedesmal wie es weitergehen soll…

  • Reply Laura 4. September 2010 at 17:41

    jap steht noch, aber bin immoment im urlaub und hab nich soviel zeit

  • Reply laura. 3. September 2010 at 20:05

    wow, dein text hat mich sehr berührt. vor allem da ich mich vor ein paar monaten mit der wohl schlimmsten art von verabschiedung auseinandersetzen musste – dem tod. eine freundin von mir hatte krebs, es gab kein zurück. sie war noch sehr jung. wie recht du doch hast, man merkt erst dann was man hat(te), wenn man es verliert. ich denke wir werden einfach mit der zeit mitgerissen & vergessen den schmerz. man kann die wunden zwar ignorieren, aber heilen werden sie wohl nie…

    :*

  • Reply johanna 3. September 2010 at 15:37

    wunderbar. und richtig.

    xxx

  • Reply josefine 3. September 2010 at 14:51

    Da sprichst du über was Wahres.

  • Reply Matroschkas 3. September 2010 at 13:28

    ich denke, „juli“ meint damit, dass du deine texte lu-texte nennen solltest und nicht carrie texte, da sie findet, dass diese texte mehr lu sind als carrie.
    so interpretier ich das zumindest ­čśë

    ich finde sie, egal ob carrie- oder lu-text, toll!

    herzallerliebst!

  • Reply Laura 3. September 2010 at 13:22

    guter Text lulu:)

    liebe grüße laura

  • Reply *Kleinstadtcarrie 3. September 2010 at 12:19

    Ich finde es nur ehrlich gesagt sehr schade, dass du deine tollen Texte „Carry-Texte“ schimpfst.

    wie meinst du das ?

  • Reply juli 3. September 2010 at 12:16

    Hey Luu, wirklich wahre Worte die du da schreibst. Aber daraus besteht wohl das leben. Es geht immer weiter. Und weiter heisst eben auch Veränderungen. „Stillstand ist der tot“. Ich finde es nur ehrlich gesagt sehr schade, dass du deine tollen Texte „Carry-Texte“ schimpfst. Es steckt doch so viel von dir drin. Du hast es eigentlich nicht nötig, dich mit diesem Wort zu schmücken. Liebste Grüße
    Juli

  • Reply melina 3. September 2010 at 12:02

    ist es nicht so, dass wir erst schätzen, was wir haben, wenn wir es verlieren? leider, leider merkt man manchmal erst zu spät wie wichtig einem etwas doch wahr… kann dir nur total recht geben! toller text!

  • Reply Blanche Chantal 3. September 2010 at 11:47

    .. wie Recht du hast ­čÖé
    und übrigens, toller Text!